Kosmochlor

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Kosmochlor
Kosmochlor jade, Jurassic, Burma 1.jpg
Kosmochlor aus dem Kachin-Staat
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
  • IMA 1965-007
  • Ureyit[1]
Chemische Formel NaCr[Si2O6][2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Kettensilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.DA.25 (8. Auflage: VIII/F.01)
65.01.03c.04
Ähnliche Minerale Jadeit
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[3]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[2]
Gitterparameter a = 9,55 Å; b = 8,71 Å; c = 5,27 Å
β = 107,4°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Zwillingsbildung einfach und lamellar nach {100} und {001}[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) 3,51 bis 3,60; berechnet: 3,60[4]
Spaltbarkeit gut nach {110}, Absonderung nach {001}[4]
Bruch; Tenazität nicht definiert
Farbe smaragdgrün; grün oder gelb in dünnen Schichten
Strichfarbe hellgrün
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,740 bis 1,766[4]
nβ = 1,756 bis 1,778[4]
nγ = 1,745 bis 1,781[4]
Doppelbrechung δ = 0,015[5]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 6 bis 70°[4]
Pleochroismus stark:[4]
X = gelblichgrün
Y = blaugrün, grasgrün
Z = smaragdgrün

Kosmochlor ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“ mit der chemischen Zusammensetzung NaCr[Si2O6][2] und ist damit chemisch gesehen ein Natrium-Chrom-Silikat. Strukturell gehört er zu den Ketten- und Bandsilikaten und dort zur Gruppe der Klinopyroxene.

Kosmochlor kristallisiert im monoklinen Kristallsystem und entwickelt durchscheinende, kurzprismatische Kristalle bis etwa zwei Millimetern Länge mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen, die überwiegend in faserigen, polykristallinen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. In kompakter Form wird seine Farbe als „Smaragdgrün“ beschrieben, allerdings kann er in dünnen Schichten grün oder gelb erscheinen.[4]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Kosmochlor in dem Eisenmeteorit Toluca, der im Municipio Jiquipilco in Mexiko gefunden wurde. Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1897 durch Hugo Laspeyres, der es nach seiner „kosmischen“ Herkunft und seiner grünen Farbe (griechisch: χλωρος chlōrós „hellgrün, frisch“) benannte.

Ein in demselben Meteoriten gefundenes Mineral wurde 1965 durch Clifford Frondel und Cornelis Klein beschrieben und zu Ehren von Harold C. Urey als Ureyit bezeichnet. A. Neuhaus stellte jedoch 1967 fest, dass es sich bei Ureyit und Kosmochlor um dasselbe Mineral handelte.[6][7]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Kosmochlor zur Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Aegirin, Augit, Diopsid, Esseneit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Hedenbergit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit, Spodumen die Untergruppe der „Klinopyroxene“ mit der System-Nr. VIII/F.01 innerhalb der Pyroxengruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Kosmochlor ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der Struktur der Kettenbildung, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit Aegirin, Jadeit, Jervisit, Namansilit und Natalyit die „Na-Klinopyroxene, Jadeitgruppe“ mit der System-Nr. 9.DA.25 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Kosmochlor in die Abteilung der „Kettensilikatminerale“ ein. Hier ist er als Mitglied der „C2/c Klinopyroxene (Na-Klinopyroxene)“ mit der System-Nr. 65.01.03c innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosmochlor kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 9,55 Å; b = 8,71 Å; c = 5,27 Å und β = 107,4° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kosmochlor bildet sich neben dem Jadeit als wesentlicher Bestandteil in einigen Jadeititen, entsteht aber auch als akzessorischer Bestandteil in einigen Eisenmeteoriten. Als Begleitminerale können unter anderem chromhaltiger Albit, Cliftonit (pseudokubischer Graphit), Chlorit, Chromit, Daubréelith, Diopsid, Krinovit, Richterit, Roedderit und Troilit auftreten.

Als seltene Mineralbildung konnte Kosmochlor nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2013) rund 10 Fundorte als bekannt gelten.[8] Neben seiner Typlokalität Toluca-Meteorit trat das Mineral noch im ebenfalls in Mexiko entdeckten Meteorit Coahuila auf.

Weitere bisher bekannte Fundorte sind Tawmaw (Tawhmaw, Taw Maw) im Kachin-Staat in Myanmar, Mocchie in der italienischen Gemeinde Condove (Piemont), der Fluss Hime nahe Itoigawa und der Berg Ohsa nahe Niimi auf der japanischen Insel Honshū, der in Polen nahe Poznań entdeckte Meteorit Morakso, die Tersky-Küste am Weißen Meer auf der Halbinsel Kola und im Marmortagebau Perewal nahe der Stadt Sljudjanka[9] in der Oblast Irkutsk in Russland, der am südafrikanischen Westkap entdeckte „Hex River Mountains“-Meteorit und der in der Umgebung des Barringer-Kraters in Arizona (USA) entdeckte „Canyon Diablo“-Meteorit.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. Laspeyres: Die steinigen Gemengtheile in Meteoreisen von Toluca in Mexico. Kosmochlor, ein neues kosmisches Mineral. In: Zeitschrift für Krystallographie und Mineralogie. Band 27, 1897, S. 586–600. (PDF 656 kB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kosmochlor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 722 (Erstausgabe: 1891).
  2. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 621.
  3. Webmineral – Kosmochlor
  4. a b c d e f g h i Kosmochlor. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001. (PDF 75,9 kB)
  5. Mindat – Kosmochlor
  6. C. Frondel, C. Klein: Ureyite, NaCrSi2O6: A new meteoritic pyroxene. In: Science. Band 149, 1965, S. 742–744 (M. Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 50, S. 2096. PDF 1,2 MB)
  7. A. Neuhaus: Über Kosmochlor (Ureyit). In: Naturwissenschaften. Band 54, 1967, S. 440–441 (M. Fleischer: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 53, S. 511. PDF 345,8 kB)
  8. Mindat – Anzahl der Fundorte für Kosmochlor
  9. Mineralfunde (unter anderem Kosmochlor, russisch Космохлор) nahe Sljudjanka (russisch Слюдянка)
  10. Fundortliste für Kosmochlor beim Mineralienatlas und bei Mindat