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Krabat (Roman)

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Krabat ist ein erstmals 1971 erschienenes Jugendbuch von Otfried Preußler, das auf der sorbischen Krabat-Sage basiert. Es erzählt die Geschichte des gleichnamigen Jungen, der Lehrling eines Zaubermeisters wird, gegen den er sich behaupten muss. Der Roman wurde mehrfach ausgezeichnet, so 1972 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis, und in Filmen, Hörspielen und Theaterstücken adaptiert.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman spielt in der Lausitz während des Großen Nordischen Krieges. Der vierzehnjährige sorbische Waisenjunge Krabat tritt eine Lehrstelle in einer Mühle im Koselbruch bei Schwarzkollm an. Die Mühle stellt sich nach kurzer Zeit als eine „Schwarze Schule“ heraus, in der der Müllermeister zwölf Mühlknappen in der Schwarzen Kunst unterrichtet.

Krabat gefällt zunächst die Lehrzeit in der Mühle und der Schwarzen Schule. Ihn fasziniert die Macht, die mittels Magie über andere Menschen ausgeübt werden kann. Er freundet sich mit den Gesellen an, insbesondere mit Tonda, dem Altgesellen, der ihm zum Vorbild wird. Doch Tonda stirbt auf mysteriöse Art und Weise am Ende des ersten der drei Jahre Krabats in der Mühle, und ein neuer Lehrjunge namens Witko nimmt zu Jahresbeginn seinen Platz ein. Nach Ablauf des zweiten Jahres stirbt ein weiterer Geselle, Michal, bei einem rätselhaften Unfall und wird durch Krabats Freund Lobosch ersetzt. Krabat durchschaut erst nach und nach das furchtbare Spiel, dessen Teil er geworden ist: Der Meister, der sich dem Bösen verschrieben hat, muss am Ende eines jeden Jahres einen seiner Schüler opfern; andernfalls müsste er selbst sterben. Dazu sucht er sich den jeweils besten Schüler heraus, bevor dieser genügend gelernt hat, um ihm im Zweikampf gefährlich werden zu können.

Um dem Meister die Stirn bieten zu können, übt sich Krabat in der Schwarzen Kunst. Kraft gibt ihm die Liebe zu einem Mädchen aus dem nächsten Dorf, der „Kantorka“ (so die sorbische Bezeichnung für die Vorsängerin der Ostergesänge). Mit ihr trifft er sich einige Male heimlich. Einer der Gesellen, der kluge Juro, der sich hinter seiner vorgetäuschten Dummheit versteckt, vertraut Krabat schließlich eine seiner Entdeckungen an: Die Liebe eines Mädchens zu einem der Müllerburschen kann den Meister besiegen. Dazu muss das Mädchen in der Silvesternacht in der Mühle erscheinen, ihren Geliebten freibitten und eine Probe auf Leben und Tod bestehen. Lange ringt Krabat mit sich, ob er der Kantorka das zumuten möchte, doch als er ihr von diesem Dilemma erzählt, entscheidet sie sich selbst dafür.

Am Ende des dritten Lehrjahres stellt der Meister Krabat vor die Wahl, ob er die Nachfolge als Meister antreten möchte. Als Krabat entschieden ablehnt, beschließt der Meister, Krabat zu opfern. In der Silvesternacht erscheint jedoch die Kantorka und fordert vom Meister Krabats Freiheit. Nachdem sie die Probe bestanden hat, sind Krabat und seine Mitgesellen frei, haben aber keine magischen Fähigkeiten mehr. Der Meister stirbt in der Silvesternacht, die Mühle geht in Flammen auf.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otfried Preußler schrieb – mit mehreren Unterbrechungen – zehn Jahre an Krabat. Als Vorlage diente ihm die sorbische Volkssage von Krabat, die Ende des 17. Jahrhunderts nahe dem Ort Schwarzkollm in der Oberlausitz zwischen Hoyerswerda (Wojerecy) und Kamenz (Kamjenc) spielt. Im Gespräch mit Frank Schirrmacher erzählte Preußler dazu: „Die Mühle des Meisters des Bösen habe ich in den Koselbruch verlegt, ohne zu wissen, daß es einen Koselbruch dort wirklich gibt. Es mußte ein verrufener, etwas unwirklicher Ort sein. Das Wort ‚Kosel‘ ist ein slawisches Ur- und Allgemeinwort für Zaubern. Ein Bruch ist eine Au-Landschaft. Den gab es dort. Aus guten Gründen konnte ich die schlesische Lausitz damals nicht besuchen. Trotzdem habe ich meinen Krabat dort hineingesetzt und bekam immer wieder Zuschriften: ‚Sie beschreiben das so exakt, da stimmt jeder Baum.‘ – ‚Wie haben Sie das gemacht?‘ – Ich habe gar nichts beschrieben. Das ist eine Schlüsselsituation. Es ist nichts beschildert im ‚Krabat‘. Wer dort war, legt seine Landschaft hinein. Als ich das erste Mal vor dem Koselbruch stand, war ich eigentlich enttäuscht.“

Die Geschichte des Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss und ihn zum Kampf herausfordert, findet sich auch in vielen anderen Sagen, ebenso wie das Motiv der Erlösung durch die Liebe.

Krabat ist Preußlers Auseinandersetzung mit seinen Jugendjahren im Nationalsozialismus. Er sagte über sein Buch:

„Mein Krabat ist […] meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.“[1]

Die Erstausgabe erschien 1971 im Arena Verlag, seit 1981 erscheint das Buch im Thienemann-Verlag. Die Illustrationen sowohl der Standardausgabe (s/w) als auch der 2005 erschienenen sepia-farbigen Luxusausgabe stammen von Herbert Holzing. 2023, zum 100 Geburtstag des Autors, wurde Krabat in einer erneuten Luxusausgabe von Mehrdad Zaeri illustriert.[2] Das Buch wurde mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt und allein in Deutschland über 3,8 Millionen Mal verkauft.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krabat wurde u. a. 1972 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet; 1973 erhielt das Werk den niederländischen Jugendbuchpreis Zilveren Griffel von Rotterdam, den Europäischen Jugendbuchpreis der Universität Padua sowie den American Library Association Award als Notable Book of 1973; 1977 wurde die polnische Übersetzung von Krabat für ihre Gesamtaufmachung mit Illustrationen von Antoni Boratyński mit dem Preis des polnischen Verlegerverbandes Polskie Towarzystwo Wydawców Książek(PTWK) ausgezeichnet.[4]

Künstlerische Adaption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Buch schuf der tschechische Trickfilmer Karel Zeman 1977 unter dem Titel Čarodějův učeň einen hochgelobten Film. In der Stuttgarter Fassung sprach Friedrich Schütter den Müllermeister, in der DEFA-Fassung Horst Kempe.[5]

Eine Realverfilmung Krabat unter der Regie von Marco Kreuzpaintner entstand von 2006 bis 2008. Die Uraufführung fand am 23. September 2008 in der Lichtburg Essen statt. Der Film kam in Deutschland am 9. Oktober 2008 ins Kino.[6] Der Film ist regelmäßig in der Krabat-Mühle Schwarzkollm zu sehen.

Hörspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Hörspiel-Label Karussell hat im Jahr 1983 eine dreiteilige Hörbuchreihe produziert, in der Otfried Preußler sein Buch vorliest.[7]
  • Deutschlandradio Berlin hat vom 20. Oktober 1998 bis 17. November 1998 in seiner Kindersendung Kakadu ein fünfteiliges Hörspiel mit insgesamt ca. 120 min. Länge ausgestrahlt.
  • Zusammen mit der Realverfilmung ist 2008 auch ein Hörspiel im Jumbo-Verlag entstanden, das das Buch von Preußler erzählt und dabei die Originalstimmen aus dem Film mit einbindet. Dietmar Mues fungierte hierbei als Erzähler.[8]
  • Der Westdeutsche Rundfunk produzierte 2010 ein vierteiliges Kinderhörspiel[9] (44:04 min,[10] 46 min,[11] 46 min,[12] 45:49 min[13])
  • Vom Hörspiel-Label Titania Medien erschien 2020 im Rahmen seiner Gruselkabinett-Reihe eine weitere Adaptation des Krabat-Materials (Sprecher: Peter Weis (Erzähler), Tom Raczko (Krabat), Axel Lutter (Meister), Sascha Wussow (Stiefvater), Edda Fischer (Mutter) u. a.).
  • 2018 produzierte Der Audio Verlag eine Lesung mit Felix von Manteuffel.[14]
  • 2021 produzierte der Hörbuch Verlag in Hamburg zum 50. Jubiläumsjahr von Krabat ein Hörspiel.[15]

Dramatisierungen und Vertonungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otfried Preußler: Krabat. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1980, ISBN 3-423-02540-9.
  • Otfried Preußler: Krabat. Schulausgabe mit Materialien. Thienemann, Stuttgart 1988, ISBN 3-522-14410-4.
  • Otfried Preußler, Heinrich Pleticha: Krabat – Lehrerbegleitheft. Thienemann, Stuttgart 1988, ISBN 3-522-14450-3.
  • Kristin Luban (Hrsg.): Krabat: Analysen und Interpretationen, Cottbus 2008, ISBN 978-3-940471-08-6.
  • Johannes Diekhans (Hrsg.), Timotheus Schwake: Otfried Preußler, Krabat. Unterrichtsmodell in der Reihe EinFach Deutsch. Schöningh, Paderborn 2007, ISBN 978-3-14-022331-7.
  • Heiko Fritz: Das Mysterium der Mühle. Mit einer Deutung der Geschehnisse in Otfried Preußlers Roman „Krabat“. 1. Auflage. Igel, Oldenburg 2002, ISBN 3-89621-147-1.
  • Jürgen Daiber: Otfried Preußlers „Krabat“. Zu einer „kindgerechten“ Ästhetik des Bösen. 2012. In: Anita Schlicher, Claudia Maria Pescher (Hrsg.): Klassiker der internationalen Jugendliteratur. 1. Teil: Kulturelle und epochenspezifische Diskurse aus Sicht der Fachdisziplinen. Baltmannsweiler: Schneider Hohengehren, S. 161–185.
  • Constanze Drumm: Macht, Gewalt und Eskapismus: Otfried Preußlers „Krabat“ zwischen politischem Kinderbuch und All-Age-Titel. 2011. In: Christine Haug (Hrsg.): Quo vadis Kinderbuch? Gegenwart und Zukunft der Literatur für junge Leser. Wiesbaden Harrassowitz, S. 175–191.
  • Felix Hornstein: Krabat: Liebe und Widerstand. Über das richtige Leben in einer verkehrten Welt. Eine Interpretation von Otfried Preußlers Roman. Text & Dialog, Dresden 2023, ISBN 978-3-943897-74-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen über Krabat auf der Website von Otfried Preußler (Memento des Originals vom 21. Oktober 2022 im Internet Archive).
  2. Krabat. Thienemann-Esslinger Verlag, abgerufen am 15. Januar 2024.
  3. Tilman Spreckelsen: Otfried Preußler. Ein Leben in Geschichten. Thienemann-Esslinger Verlag, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-522-20293-0, S. 212.
  4. Erwähnt im Nachruf. Abgerufen am 16. November 2023. auf den Illustrator auf der Website ibby.pl.
  5. Krabat (1977) bei IMDb.
  6. Krabat (2008) bei IMDb.
  7. Krabat: Das 1. Jahr. Universal Music Group, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. August 2018; abgerufen am 5. August 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.universal-music.de.
  8. Website des Hörspiels vom Jumbo-Verlag.
  9. Meldung zur Hörspielproduktion des WDR auf fantasy-news.com.
  10. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 2. Oktober 2011, 14:05 Uhr.
  11. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 3. Oktober 2011, 14:05 Uhr.
  12. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 9. Oktober 2011, 14:05 Uhr.
  13. Wiederausstrahlung auf Deutschlandradio Kultur am 16. Oktober 2011, 14:05 Uhr Abgerufen am 9. Oktober 2011.
  14. Krabat. Ungekürzte Fassung mit Felix von Manteuffel. In: DAV. Abgerufen am 15. Januar 2024.
  15. Krabat das Hörspiel. Abgerufen am 15. Januar 2024.
  16. Susanna Andrick und Klaus Witzeling: Slideshow: Hinter den Kulissen von "Krabat". (abendblatt.de [abgerufen am 26. März 2018]).
  17. Krabat – von Otfried Preussler (Memento des Originals vom 24. September 2020 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.theaterpack.ch, Das Theater-Pack.
  18. Stück Krabat (Memento des Originals vom 27. Januar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.figurentheater-wildevogel.de beim Figurentheater Wilde & Vogel.
  19. Eva-Maria Magel: Krabat wird in Mainz inszeniert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. Oktober 2019, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  20. Krabat (WA) - 2022.23 · Musiktheater im Revier. Abgerufen am 21. September 2022..