Kurt Karl Doberer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kurt Karl Doberer (* 11. September 1904 in Nürnberg; † 20. August 1993 ebenda) war ein deutscher Ingenieur, Journalist, Schriftsteller und Philatelist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurt Karl Doberer war der Sohn eines Angestellten. Er besuchte die Realschule und studierte von 1924 bis 1927 Maschinenbau an der Höheren Technischen Staatslehranstalt in Nürnberg. Anschließend war er als Überwachungsingenieur bei den Nürnberger Siemens-Schuckert-Werken tätig. Studienreisen führten ihn in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Bereits 1926 erschien seine erste SF-Story Wunder im Mond. Doberer gehörte ab 1927 der SPD an. 1931/32 studierte er Publizistik am Institut für Zeitungskunde der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften Nürnberg, 1932/33 am Seminar für Zeitungswissenschaft der Hochschule für Politik in Berlin; während dieser Zeit war er Mitglied der Sozialistischen Studentenschaft und Leiter der „Akademischen Legion“ innerhalb des sozialdemokratischen „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, mit dem er 1933 noch eine Regierung Hitler zu verhindern versuchte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und einer Hausdurchsuchung durch die Gestapo emigrierte Doberer Ende 1933 in die Tschechoslowakei.

Doberer, der bereits seit 1926 häufig Beiträge für die sozialdemokratische Presse geliefert hatte, hielt sich während seines Aufenthalts in Prag weiter mit journalistischen Arbeiten, auch für die deutsche Exilpresse, über Wasser. Sein 1928 in Fortsetzungen erschienener erster Roman wurde 1934 in Prag als Die Rakete neu aufgelegt. In den Dreißigerjahren verfasste er politische Gedichte sowie weitere utopisch-technische Erzählungen und Romane, von denen die antifaschistische Utopie „Republik Nordpol“ am bekanntesten wurde. In diesem Roman verweigert die Mannschaft eines Panzerkreuzers der braunen Obrigkeit den Gehorsam, flüchtet erfolgreich durch die Weltmeere und gründet am Nordpol eine freie Republik. Daneben entstanden auch spekulative Sachbücher über zukünftige Entwicklungen der Kriegswaffentechnik. 1938 gelang es ihm mit Unterstützung des tschechischen PEN, nach Großbritannien zu emigrieren. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er auf der Isle of Man interniert. 1941/42 wirkte er am Programm der BBC mit; ab 1942 war er Mitglied und Sekretär des deutschsprachigen PEN-Zentrums in London.

1949 kehrte Doberer aus der Emigration nach Nürnberg zurück. In der Folgezeit lieferte er wiederum zahlreiche Beiträge für deutsche Zeitungen und veröffentlichte auch einige belletristische Werke und Sachbücher. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag allerdings seit den Sechzigerjahren auf dem Gebiet der Philatelie: Doberer war geprüfter und vereidigter Sachverständiger für klassische altdeutsche Briefmarken und verfasste zahlreiche Bücher für Briefmarkensammler. Als Autor mit einem Faible für die technische Utopie, die bei ihm häufig durchaus kritische Züge trägt, und den Orient war Doberer bereits lange vor seinem Tod in Deutschland weitgehend in Vergessenheit geraten.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufsätze in deutschen Exilzeitschriften 1933–1945
Lyrik
  • Hebt unsre Fahnen in den Wind! Gedichte dieser Zeit. Verlag Graphia, Karlsbad 1936.
  • Prolet das bist du. Gedichte dieser Zeit. Verlag Neumann, Prag 1935.
  • Ruf der Sterne. Gedichte. Verlag der Nürnberger Presse, Nürnberg 1968.
  • Die Schiene. Gedichte. Dietz-Verlag, Berlin 1948.
Prosa
  • Frauengeschichten. ABZ-Verlag, Fürth 1990, ISBN 3-927762-01-6.
  • Der grüne Komet. La Presse Libre, Straßburg 1949 (früherer Titel Lilith und der Komet).
  • Die Rakete. Prag 1934.
  • Republik Nordpol. Guhl-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-88220-254-8 (früherer Titel Nordpol - Gold am Pol).
  • Wunder im Mond. Wettin-Verlag, Kirchberg/Jagst 1971 (SF-Kurzgeschichtensammlung).
Sachbücher
  • Auf der Suche nach dem Unteilbaren. 2500 Jahre Elemente und Atomforschung von Thales bis Mme Curie. Pfriemer-Verlag, München 1981, ISBN 3-7906-0105-5.
  • Bayern-Philatelie. Geschichte der bayerischen Briefmarken. Phil-Creativ-Verlag, Schwalmtal 1990, ISBN 3-928277-00-6.
  • Drachenschlacht. Legenden, Berichte, Augenzeugen. Hohenloher Verlagshaus, Gerabronn 1970.
  • Elektrokrieg. Maschine gegen Mensch. Saturn-Verlag, Wien 1937.
  • Essais und Probedrucke altdeutscher Staaten. Amm-Verlag, Nürnberg 1963.
  • Die Goldmacher. Zehntausend Jahre Alchemie. 2. Aufl. Universitas-Verlag, München 2003, ISBN 3-8004-1124-5.
  • Goldsucher, Goldmacher. Welt zwischen Tat und Traum. Prestel-Verlag, München 1960.
  • Handbuch für den Briefmarkensammler. Eine Anleitung für neue Sammler. Philapress, Göttingen 1987, ISBN 3-924781-11-7.
  • Kleine Briefmarkenkunde. Eine Anleitung für junge Sammler. Dtv, München 1974, ISBN 3-423-07153-2.
  • Philatelie für Kenner. Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10601-X (Nachdr. d. Ausg. Hannover 1970).
  • Rauten und gekrönte Löwen. Geschichte der bayerischen Briefmarke. Bruckmann Verlag, München 1972, ISBN 3-7654-1449-2.
  • Richtig Briefmarken sammeln. 5. Aufl. Heyne, München 1982, ISBN 3-453-41240-0 (früherer Titel Briefmarken sammeln mit Gewinn).
  • Schiffbruch. einsame Inseln, Robinsone, Piraten; Dokumente, Berichte, Tatsachen. Hohenloher Verlagshaus, Gerabronn 1969.
  • Schwarze Einser, rote Dreier. Kleine Kulturgeschichte der Briefmarke. Fackelträger-Verlag, Hannover 1967.
  • Sinn und Zukunft der Automation. EVA, Frankfurt/M. 1958.
  • Todesstrahlen und andere neue Kriegswaffen. Malik-Verlag, London 1936 (zusammen mit Max Seydewitz).
  • Die unbekannte Waffe. Möglichkeiten und Grenzen. Editions Nouvelles Internationales, Paris 1939.
  • Die Vereinigten Staaten von Deutschland. Verlag Weismann, München 1947.

Bearbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schiffbrüchige auf einsamen Inseln. Alte Quellen nacherzählt. Holz-Verlag, Berlin 1972.
  • Till Eulenspiegels Schelmenstreiche. Verlag Öffentliches Leben, Göttingen 1949.
  • Weise Narren, närrische Weise. Die besten Eulenspiegel-Geschichten aus alten Volksbüchern neu erzählt und der „Ur-Münchhausen“ aus dem Engl. übertragen. Hohenloher Verlagshaus, Gerabronn 1968.

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alte Briefmarken. Battenberg-Verlag, München 1983, ISBN 3-87045-215-3 (Battenbergs Antiquitäten-Kataloge).
  • Schöne Briefmarken. Harenberg-Verlag, Dortmund 1979, ISBN 3-88379-099-0 (Die bibliophilen Taschenbücher; 99).

Übersetzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Defoe: Der Pirat. Goldschätze, Bukaniere, ferne Inseln („The king of pirates“). 2. Aufl. Arena-Verlag, Würzburg 1978.
  • John Diebold: Die automatische Fabrik („Automation“). 2. Aufl. Nest-Verlag, Frankfurt/M. 1955.
  • Rudolf Erich Raspe: Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen. Bericht seiner wunderbaren Abenteuer und Kriegszüge in Rußland („Baron Munchhausen's narrative of his marvellous travels and campaigns“). Verlag Öffentliches Leben, Göttingen 1949.
  • Pierre Viaud: Kapitän Viauds Aufzeichnungen vom gnadenlosen Überlebenskampf nach dem Untergang der „Tiger“ im Golf von Mexiko, 1766 („Naufrage et aventures de M Pierre Viaud, natif de Bordeaux, capitaine de navire“). Erdmann Verlag, Tübingen 1978, ISBN 3-7711-0306-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Maaßen: Wer ist wer in der Philatelie. Band 1: A – D. 3. Auflage. Phil Creativ – Verlag und Agentur, Schwalmtal 2011, ISBN 978-3-932198-92-2, S. 288 f

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste von Ausgebürgerten während des Nationalsozialismus

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Liste der Träger des Bundesverdienstordens (Bundespräsidialamt)