Landesfinanzamt

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Landesfinanzämter

Als Landesfinanzamt wurden von 1920 bis 1937 die mittleren Behörden der Steuerverwaltung bezeichnet. Ab dem 1. April 1937 trugen die Behörden die Bezeichnung Oberfinanzpräsident.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Erzbergerschen Reform wurde in Deutschland eine einheitliche Reichsfinanzverwaltung geschaffen. Als untere Finanzbehörden entstanden Finanzämter jeweils auf Ebene der Landkreise. Daneben wurden für die Zollverwaltung Hauptzollämter geschaffen. Diesen waren die neu geschaffenen Landesfinanzämter, die für die Gleichmäßigkeit der Besteuerung sorgen sollten, übergeordnet. Obwohl der Name das suggeriert, waren die Landesfinanzämter keine unabhängigen und keine föderalen Landeseinrichtungen. Sie bildeten die mittlere Ebene der Reichsfinanzverwaltung und waren direkt dem Reichsfinanzministerium unterstellt. Ab dem 1. April 1937 trugen die Behörden die Bezeichnung Oberfinanzpräsident (z. B. wurde das Landesfinanzamt Darmstadt zu Oberfinanzpräsident Hessen in Darmstadt).

Bei den Landesfinanzämtern waren Finanzgerichte eingerichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Steuerverwaltung wieder den Ländern zugeordnet. Die Oberfinanzpräsidenten wurden daher durch die Besatzungsbehörden im Laufe der folgenden Jahre aufgehoben und abgewickelt. Als mittlere Landesbehörden wurden Oberfinanzdirektionen neu geschaffen. Diese waren gleichzeitig Mittelbehörden des Zolls und der Bundesvermögensverwaltung. Damit waren sie damit auch gleichzeitig Bundesbehörden.

Liste der Landesfinanzämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Behörde Sitz Bezirk
Landesfinanzamt Brandenburg Berlin Provinz Brandenburg
Landesfinanzamt Breslau Breslau Provinz Niederschlesien
Landesfinanzamt Kassel Kassel Provinz Hessen-Nassau
Landesfinanzamt Darmstadt Darmstadt Volksstaat Hessen
Landesfinanzamt Dresden Dresden Teile des Freistaat Sachsen
Landesfinanzamt Düsseldorf Düsseldorf Teile der Rheinprovinz
Landesfinanzamt Groß-Berlin Berlin Groß-Berlin
Landesfinanzamt Hannover Hannover Provinz Hannover
Landesfinanzamt Karlsruhe Karlsruhe Republik Baden
Landesfinanzamt Köln Köln Teile der Rheinprovinz
Landesfinanzamt Königsberg Königsberg in Preußen Provinz Ostpreußen
Landesfinanzamt Leipzig Leipzig Teile des Freistaat Sachsen
Landesfinanzamt Magdeburg Magdeburg Provinz Sachsen
Landesfinanzamt Mecklenburg-Lübeck Schwerin Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Lübeck
Landesfinanzamt München München Teile des Freistaates Bayern
Landesfinanzamt Münster Münster Provinz Westfalen, Freistaat Lippe
Landesfinanzamt Nürnberg Nürnberg Teile des Freistaates Bayern
Landesfinanzamt Oldenburg Oldenburg Freistaat Oldenburg
Landesfinanzamt Oberschlesien Oppeln Provinz Oberschlesien
Landesfinanzamt Schleswig-Holstein Kiel Provinz Schleswig-Holstein
Landesfinanzamt Stettin Stettin Provinz Pommern
Landesfinanzamt Stuttgart Stuttgart Volksstaat Württemberg
Landesfinanzamt Thüringen Rudolstadt Freistaat Thüringen
Landesfinanzamt Unterelbe Hamburg Hamburg
Landesfinanzamt Unterweser Bremen Bremen
Landesfinanzamt Würzburg Würzburg Teile des Freistaates Bayern

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Meinl, Jutta Zwilling: Legalisierter Raub: die Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus durch die Reichsfinanzverwaltung in Hessen, 2004, ISBN 9783593376127, S. 272–273.
  • Verwaltungsgeschichte.de basierend auf:Statistik des deutschen Reiches, Band 337: Die deutsche Vermögensbesteuerung vor und nach dem Kriege, Berlin 1927