Provinz Brandenburg

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Preußische Provinz
Brandenburg
Flagge Wappen
Fahne – Landesfarben der preußischen Provinz Brandenburg Wappen der Provinz
Lage in Preußen
Hellblau: Lage der Provinz Brandenburg
 
Bestehen 1815–1947
Provinzhauptstadt Potsdam (bis 1827),
Berlin (1827–1843),
Potsdam (1843–1918),
Berlin (1918–1946)
Fläche 38.274 km² (1939)[1]
Einwohner 3.007.933 (Mai 1939)[1]
Bevölkerungsdichte 79 Ew./km²
Kfz-Kennzeichen I E
Entstanden aus Mark Brandenburg
Aufgegangen in Land Brandenburg
Heute Teil von Brandenburg, Berlin, Polen
Karte
Karte der Provinz

Die Provinz Brandenburg war eine Provinz des Königreichs Preußen (1815–1918) und des Freistaats Preußens (1918–1934). Sie wurde 1815 im Wesentlichen aus der Mark Brandenburg gebildet und war das Kernland des preußischen Staates. Im Zuge der Auflösung Preußens 1947 ging sie im Land Brandenburg auf.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Brandenburgs

Die Provinz Brandenburg wurde 1815 gebildet und umfasste die Mark Brandenburg einschließlich der Neumark östlich der Oder, aber ohne die Altmark westlich der Elbe, die an die Provinz Sachsen angeschlossen worden war. Zur Provinz Brandenburg gehörte ferner die Niederlausitz. Sitz des Oberpräsidiums (= staatliche Provinzialregierung, geleitet vom Oberpräsidenten, für die es heute keine vergleichbare Institution gibt) war zunächst Potsdam, von 1827 bis 1843 Berlin, von 1843 bis 1918 Potsdam und von da an bis 1945 Berlin-Charlottenburg.

Am 1. April 1881 schied Berlin aus dem Provinzialverband Brandenburg aus und erhielt provinzähnliche Rechte, ohne jedoch völlig aus der Provinz auszuscheiden.[2]1920 wurden weitere Gebiete der Provinz Brandenburg mit fast zwei Millionen Einwohnern nach Groß-Berlin eingemeindet. Die Provinz Brandenburg gliederte sich in die beiden Regierungsbezirke Frankfurt und Potsdam. Die Regierungsbezirke waren in Stadtkreise und Landkreise aufgeteilt. Nach Auflösung der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen im Jahre 1938 kamen von dort die Kreise Schwerin (Warthe), Meseritz und Bomst (teilweise) zur Provinz Brandenburg, die gleichzeitig die Kreise Friedeberg Nm. und Arnswalde an die Provinz Pommern abgab. Seit dem 21. März 1939 führte die Provinz die offizielle Bezeichnung „Mark Brandenburg“.

Wie auf der Potsdamer Konferenz beschlossen, wurde 1945 das Gebiet der Provinz östlich der Oder-Neiße-Linie unter polnische Verwaltung gestellt und ist heute ein Teil Polens. Das übrige Gebiet der Provinz wurde im Juni 1945 als Provinz Mark Brandenburg in der Sowjetischen Besatzungszone bestätigt.[3] Am 6. Februar 1947 ging die Provinz im neuen Land Brandenburg auf, das als Gliedstaat der zukünftigen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) errichtet worden war.[4] Der Freistaat Preußen wurde kurz darauf am 25. Februar 1947 durch das Kontrollratsgesetz Nr. 46 aufgelöst.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner[5][6][7][1]
1816 1.254.177
1846 2.066.993
1871 2.863.229
1880 3.389.155
1890 2.541.783
1900 3.108.554
1910 4.092.616
1925 2.592.292
1933 2.725.697
1939 3.007.933

Die Bevölkerungszahl der Provinz wurde sowohl 1881 durch die Ausgliederung der Stadt Berlin als auch 1920 durch die Vergrößerung von Berlin deutlich verringert.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Provinz Brandenburg

Blasonierung (ohne Schildhalter):[8] Im silbernen Feld ein roter, goldbewehrter, rotgezungter Adler, der mit dem Kurhut geschmückt ist. In der rechten Klaue hält er einen goldenen Zepter, in der linken ein goldbegrifftes Schwert. Die Flügel sind mit goldenen Kleestängeln besteckt. Auf der Brust liegt ein blaues Herzschild, worin ein aufrecht gestelltes goldenes Zepter (Erzkämmereramt) erscheint.

Im gekrönten Helm ein offener schwarzer, mit goldenen Kleestängeln und auf den Sachsen mit goldenen Herzen belegter Adlerflug. Die Decken sind schwarz-golden.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreise (1905)

Bis 1939 hießen die Landkreise Kreise

Regierungsbezirk Frankfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Regierungsbezirk Frankfurt

Stadtkreise:

  1. Stadtkreis Cottbus (seit 1886)
  2. Stadtkreis Forst (Lausitz) (seit 1897)
  3. Stadtkreis Frankfurt (Oder) (seit 1826)
  4. Stadtkreis Guben (seit 1884)
  5. Stadtkreis Landsberg (Warthe) (seit 1892)

Landkreise:

  1. Landkreis Calau
  2. Landkreis Cottbus
  3. Landkreis Crossen (Oder)
  4. Landkreis Guben
  5. Landkreis Königsberg Nm.
  6. Landkreis Landsberg (Warthe)
  7. Landkreis Lebus (Landratsamt bis 1863 in Frankfurt/Oder, danach in Seelow)
  8. Landkreis Luckau (Nd. Laus.)
  9. Landkreis Lübben (Spreewald)
  10. Landkreis Meseritz
  11. Landkreis Oststernberg (Landratsamt in Zielenzig)
  12. Landkreis Schwerin (Warthe)
  13. Landkreis Soldin
  14. Landkreis Sorau (Lausitz)
  15. Landkreis Spremberg (Lausitz)
  16. Landkreis Weststernberg (Landratsamt in Reppen)
  17. Landkreis Züllichau-Schwiebus (Landratsamt in Züllichau)

Regierungsbezirk Potsdam[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Regierungsbezirk Potsdam

Stadtkreise:

  1. Stadtkreis Lichtenberg (1908–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)1
  2. Stadtkreis Schöneberg (1899–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)1
  3. Stadtkreis Wilmersdorf (1907–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)1
  4. Stadtkreis Brandenburg (Havel) (seit 1881)
  5. Stadtkreis Charlottenburg (1877–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)
  6. Stadtkreis Eberswalde (seit 1911)
  7. Stadtkreis Neukölln (1899–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)
  8. Stadtkreis Potsdam (seit 1809)
  9. Stadtkreis Rathenow (seit 1925)
  10. Stadtkreis Spandau (1886–1920; danach Stadtteil von Groß-Berlin)
  11. Stadtkreis Wittenberge (seit 1922)

1 ab 1912 schon mit Zusatz Berlin- geführt.

Landkreise:

  1. Landkreis Angermünde
  2. Landkreis Beeskow-Storkow (Landratsamt in Beeskow)
  3. Landkreis Jüterbog-Luckenwalde (Landratsamt in Jüterbog)
  4. Landkreis Niederbarnim (Landratsamt in Berlin)
  5. Landkreis Oberbarnim (Landratsamt in Bad Freienwalde)
  6. Landkreis Osthavelland (Landratsamt in Nauen)
  7. Landkreis Ostprignitz (Landratsamt in Kyritz)
  8. Landkreis Prenzlau
  9. Landkreis Ruppin (Landratsamt in Neuruppin)
  10. Landkreis Teltow (Landratsamt in Berlin)
  11. Landkreis Templin
  12. Landkreis Westhavelland (Landratsamt in Rathenow)
  13. Landkreis Westprignitz (Landratsamt in Perleberg)
  14. Landkreis Zauch-Belzig (Landratsamt in Belzig)

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die – erheblich eingeschränkte – Selbstverwaltung der Provinzen bestanden bis 1875 Provinzialstände, in die vor allem Grundeigentümer und Städte ihre Vertreter entsandten. Als Ausführungsorgan der preußischen königlichen und später Staatsregierung ernannte diese einen Oberpräsidenten. Er folgte Anweisungen der Regierung und überwachte die Umsetzung der zentralen Vorgaben auf allen Verwaltungsebenen in der Provinz. Erst 1875, mit der Stärkung der provinzialen Selbstverwaltung, wurden die Provinzialstände durch den Provinziallandtag ersetzt.

Provinzen hatten seither eine Doppelnatur und doppelte Leitungsgremien, einerseits als Untergliederung des Zentralstaats, andererseits eine Gebietskörperschaft (Provinzialverband) kommunaler Selbstverwaltung höhere Ordnung.[9] Kreistage und Stadträte wählten die Mitglieder dieses Landtags. Der Provinziallandtag wählte eine Provinzialregierung, den Provinzialausschuss, und ein Provinzialoberhaupt, den Landesdirektor.[10]

Oberpräsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Walther Hubatsch (Hg.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. Reihe A Preußen, Band 5 Brandenburg, Marburg 1975, S. 35–37.

Landesdirektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlen zum Provinziallandtag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(An 100 % fehlende Stimmen: Nicht im Provinziallandtag vertretene Wahlvorschläge)

  • 1921: SPD 34,1 % – 31 Sitze | Bürgerliche Vereinigung 17,7 % – 16 Sitze | DNVP 17,5 % – 16 Sitze | DVP 11,0 % – 10 Sitze | USPD 8,8 % – 8 Sitze | DDP 6,6 % – 6 Sitze | KPD 3,3 % – 3 Sitze | Zentrum 1,2 % – 1 Sitz | WP 1,0 % – 1 Sitz
  • 1925: SPD 32, 4 % – 32 Sitze | DNVP 28,6 % – 28 Sitze | KPD 8,3 % – 9 Sitze | DVP 6,3 % – 6 Sitze | Stadt und Land 5,3 % – 5 Sitze | WP 5,2 % – 5 Sitze | DDP 3,6 % – 4 Sitze | DVFP 2,4 % – 2 Sitze | Zentrum 1,1 % – 2 Sitze | WB Osthavelland 1,0 % – 1 Sitz | DLRP 0,9 % – 1 Sitz | Bürgerblock 0,5 % – 1 Sitz
  • 1929: SPD 34,8 % – 34 Sitze | Stadt und Land/DNVP 29,4 % - 29 Sitze | KPD 8,8 % - 9 Sitze | WP 7,6 % – 8 Sitze | NSDAP 5,6 % – 6 Sitze | DDP/Zentrum 4,4 % – 4 Sitze
  • 1933: NSDAP 53,2 % – 52 Sitze | SPD 20,6 % – 21 Sitze | DNVP 15,2 % – 15 Sitze | KPD 7,7 % – 8 Sitze

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pestalozziverein der Provinz Brandenburg (Hrsg.): Die Provinz Brandenburg in Wort und Bild, Berlin W 9, Verlag von Julius Klinkhardt, 1900; (Reprint: Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1999, ISBN 3-86047-209-7)
  • Fabian Scheffczyk: Der Provinzialverband der preußischen Provinz Brandenburg 1933–1945. Regionale Leistungs- und Lenkungsverwaltung im Nationalsozialismus, Mohr Siebeck, Tübingen 2008, ISBN 3-16-149761-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: History of Brandenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1939/40 (Digitalisat)
  2. Änderung der Provinzialordnung, Paragraf 2, im Jahr 1881
  3. Vergleiche Geschichte_Brandenburgs#SBZ und Land Brandenburg (1945 bis 1952) sowie Beispiel für die Bezeichnung: "Schulordnung für die Provinz Mark Brandenburg" vom 15. Februar 1947.
  4. Verfassung für die Mark Brandenburg vom 6. Februar 1947.
  5. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Die Provinz Brandenburg, S. 186 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Mittheilungen des Statistischen Bureau's in Berlin, Band 2. Einwohnerzahlen. S. 313 ff. (Digitalisat).
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 2. Juni 2015.
  8. Maximilian Gritzner: Lands- und Wappenkunde der brandenburgisch-preußischen Monarchie, Berlin 1894
  9. Vgl. Artikel: "Provinzialverband", in: Der Große Brockhaus: Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden: 21 Bde.; Leipzig: Brockhaus, 151928–1935; Bd. 15 (1933), S. 187seq.
  10. In anderen Provinzen war nach 1918 die Bezeichnung Landeshauptmann üblich, aber Brandenburg behielt den alten Titel bei. Vgl. Artikel: "Landesdirektor", in: Der Große Brockhaus: Handbuch des Wissens in zwanzig Bänden: 21 Bde.; Leipzig: Brockhaus, 151928–1935; Bd. 11 (1932), S. 71.