Lazar Wechsler

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Lazar Linsor Wechsler (* 28. Juni 1896 in Petrikau, Russisch-Polen, heute Polen; † 8. August 1981 in Zürich) war ein polnisch- und österreichischstämmiger Filmproduzent. Er war die zentrale Figur des Schweizer Kinos während seiner Frühphase in den 1930er-Jahren und während seiner Blütezeit in den 1940er-Jahren. Mit der 1924 gegründeten Praesens-Film läutete er die Frühphase des Schweizer Films ein, der bis daher lediglich einige wenige individuelle Produktionen, jedoch kein organisiertes, kontinuierliches, Filmschaffen hervorgebracht hat.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn eines wohlhabenden jüdischen Ehepaares aus Polen kam im Jahre 1914, kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in die Schweiz. Dort studierte er an der ETH Zürich Ingenieurwesen, das er 1919 als Diplomingenieur abschloss. In der Folge war er im Brückenbau tätig. Er war Österreicher, bis er 1923 die Schweizer Staatsbürgerschaft erhielt.

Am 19. März 1924 gründete der bisher gänzlich filmunerfahrene die Praesens-Film mit einem Grundkapital von 10.000 Franken. Die in den 1930er-Jahren zur grössten und für lange Zeit einzigen bedeutenden Schweizer Filmgesellschaft aufsteigende Unternehmung schwächelte in den Anfangsjahren wirtschaftlich und konzentrierte sich auf die Herstellung von kurzen Werbefilmen, Reklamedias, Städtedokumentationen und Flugreportagen. Mit Beginn der Tonfilmära begann die Praesens die regelmässige Herstellung von Spielfilmen. Bis Ende der 1930er-Jahre gelang es dem Unternehmen, der bisher cineastisch vollkommen unbedeutenden Schweiz den Ruf einer engagierten Filmnation einzubringen. Dies gelang Wechsler mit dem Aufbau eines festen Teams – bestehend aus dem Regisseur Leopold Lindtberg, dem Drehbuchautor Richard Schweizer, dem Kameramann Emil Berna, dem Musiker Robert Blum und dem Filmeditor Hermann Haller – das für handwerkliche wie künstlerische Qualität stand. Wechsler verstand es, trotz mangelnden kaufmännischen und organisatorischen Talents mit Wagemut und einem Gespür für interessante Themen einige schwierige, eigenwillige und interessante Stoffe filmisch umzusetzen, was in der Schweiz zu dieser Zeit sonst niemand anderer gewagt und geschafft hat.

Wechslers Filmproduktionen umfassten lokalpatriotische Wehr- und Erbauungsstoffe, düstere Kriminalgeschichten mit regionalem Hintergrund und humanistisch geprägte Dramen. Der Praesens-Film Marie-Louise erhielt einen Drehbuchoscar. Die Flüchtlingsgeschichte Die letzte Chance brachte der Praesens-Film internationale Beachtung und Wechsler Angebote zu Koproduktionen aus Hollywood ein. In der Folge inszenierte Fred Zinnemann mit der Praesens in den städtischen Trümmerwüsten Süddeutschlands Die Gezeichneten (1948). Wechslers Pläne, nach Hollywood zu gehen, zerstreuten sich jedoch, und nach einigen Flops in den 1950er-Jahren nahm die Bedeutung der Praesens-Film ab.

1966 zog sich Lazar Wechsler weitgehend aus dem Spielfilmgeschäft zurück und stellte danach fast nur noch Dokumentarfilme für das Schweizer Fernsehen her: etwa 2000 Jahre Israel, Israel zwischen gestern und morgen oder auch Herausforderung des Lebens.

Der Schriftsteller und Drehbuchautor David Wechsler (1918–1990) war sein Sohn.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Aeppli: Wechsler, Lazar. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Walter Boveri, W. M. Diggelmann, Leopold Lindtberg, David Wechsler: Morgarten kann nicht stattfinden. Lazar Wechsler und der Schweizer Film. Europa-Verlag, Zürich 1966.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]