Piotrków Trybunalski

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Piotrków Trybunalski
Wappen von Piotrków Trybunalski
Piotrków Trybunalski (Polen)
Piotrków Trybunalski
Piotrków Trybunalski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Łódź
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 67,26 km²
Geographische Lage: 51° 24′ N, 19° 41′ OKoordinaten: 51° 24′ 0″ N, 19° 41′ 0″ O
Einwohner: 75.363
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 97-300 bis 97-312
Telefonvorwahl: (+48) 44
Kfz-Kennzeichen: EP
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Autobahn A 1
Schienenweg: Koluszki–Tschenstochau
Nächster int. Flughafen: Łódź-Lublinek
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 67,26 km²
Einwohner: 75.363
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1120 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1062011
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Krzysztof Chojniak
Adresse: Pasaż Rudowskiego 10
97-300 Piotrków Trybunalski
Webpräsenz: www.piotrkow.pl



Königliches Schloss
Bernhardinerkirche zur Erhöhung des Heiligen Kreuzes
Polnische Bronzemedaille 1978 zum 400. Jubiläum des Krontribunals in Piotrków Trybunalski.

Piotrków Trybunalski [ˈpʲɔtrkuf trɨbuˈnalski] (deutsch Petrikau) ist eine kreisfreie Stadt mit etwa 79.000 Einwohnern in Zentralpolen in der Woiwodschaft Łódź.

Die Stadt liegt auf der Ebene von Piotrków an den Flüssen Strawa und Strawka, einem Nebenfluss der Pilica.

Stadtwappen und Stadtfahne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als eine von nur drei polnischen Städten führt Piotrków Trybunalski den weißen polnischen Staatsadler (in der frühen piastischen Form ohne Krone) im roten Feld als Stadtwappen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Petrikau wurde 1217 erstmals erwähnt, als einer Handelssiedlung an der wichtigen Straße von Pommern nach Rus und Ungarn und später aus Masowien nach Breslau. Die Stadt erhielt 1292 das Stadtrecht. Petrikau wurde um 1300 zu einer Kreisstadt in der Woiwodschaft Kalisch. Der König Kasimir III. der Große veröffentlichte 1347 hier seine Statuten, Petrikau wird zu einem wichtigen Zentrum des politischen Lebens Polens. Von diesem König ermuntert, ziehen große Scharen von vertriebenen deutschen Juden nach Polen. Petrikau wird zu einer der größten jüdischen Siedlungen im Lande.

Ab 1455 wurde die Stadt zu einem der Sitze des Sejm und zum Ort der Tagungen des Adels, später auch der Synode. Am 26. Mai 1496 veröffentlichte König Johann I. Albrecht hier sein „Petrikauer Privileg“, das die Privilegien des Adels erweitert und die Freiheiten der Bürger und Bauern einschränkt. Petrikau wurde 1578, neben Lublin, zum Sitz des Krontribunals (des höchsten Gerichts für Polen, das Tribunal für Großfürstentum Litauen saß in Grodno) – daher der Beiname „Trybunalski“. Die Juden werden aus der Stadt vertrieben. Erst 100 Jahre später wird das Ansiedelungsverbot für Juden aufgehoben. Die Stadt erhielt 1684 eine Poststation. Die ersten deutschen Siedler (oft aus Schwaben) kamen um 1705 in die Gegend und gründen Dörfer, die zum großen Teil ihre Bräuche und die Sprache bis 1945 behalten. Im Jahr 1793 wurde Polen zum zweiten mal geteilt. Petrikau kommt zur neugeschaffenen preußischen Provinz Südpreußen und erhält preußische Kreisbehörden. Viele deutsche Siedler, vor allem aus der Gegend von Oels und Breslau, lassen sich in der Stadt und der Gegend nieder und gründen die später blühende Textilindustrie. Nach dem Frieden von Tilsit kam Petrikau mit der ganzen Provinz Südpreußen an das Herzogtum Warschau und blieb von 1807 bis 1815 Kreisstadt im neuen Departement Kalisch. Die Stadt kommt 1815 zu Kongresspolen und gehört zur Woiwodschaft (ab 1837 Gouvernement) Kalisch. Die Stadt erhielt 1846 eine Eisenbahnverbindung mit Warschau. Nach 1860 entstand die Industrie (Lebensmittel-, Maschinen- und Bauindustrie). Petrikau wurde 1867 zum Sitz eines russischen Gouvernements und behält diesen Rang bis 1915. Die Glashütte „Hortensja“ begann ab 1889 die Produktion. Die Textilfabrik „Manufaktura Piotrkowska“ wurde 1896 eröffnet. Im Jahre 1905 gab es viele Streiks und Demonstrationen der Arbeiter.

Petrikau hat 1938, ein Jahr vor Kriegsbeginn, 51.000 Einwohner, davon etwa 25.000 Juden und 1500 Deutsche. Am 5. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg: Schwere Kämpfe der polnischen 19. Infanteriedivision mit dem 16. Panzerkorps der Wehrmacht. Von 1939 bis 1949 wurde das erste NS-Sammellager (Ghetto) im besetzten Polen mit etwa 25.000 Insassen errichtet und darin ein erster Judenrat zwangsweise eingesetzt: Ghetto Piotrków Trybunalski. Von den Gefangenen wurden etwa 22.000 ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet, etwa 3.000 in Zwangsarbeitslager geschickt.[2] Im Zwangsarbeitsbetrieb Dietrich & Fischer (DiFi) kommt es zu Erschießungen, Dietrich wird 1958 vom Landgericht Hamburg freigesprochen.[3] In der Gegend bilden sich viele Widerstandsgruppen, die sich im Sommer 1944 massiv am Partisanenkampf gegen die Deutschen beteiligen. Laut Lagebericht der deutschen Polizei[4] haben die beiden Gemeinden Petrikau und Radziejów zusammen 71.500 Einwohner, davon seien mittlerweile 15 % Deutsche und „noch“ 85 % Polen. Juden leben keine mehr im Gebiet. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Jahre 1944 wird die Stadt von der Besatzung durch Nazi-Truppen befreit. Petrikau hatte 1945 etwa 40.000 Einwohner und ist Kreishauptstadt. Seit diesem Jahr toben auch heftige Kämpfe zwischen der kommunistischen Geheimpolizei mit ihren Spezialverbänden und dem bewaffneten antikommunistischen Untergrund.

Am 20. April 1946 eroberten antikommunistische Verbände der Polnischen Heimatarmee unter Hauptmann Sojczyński die Stadt und befreien 57 Häftlinge aus dem Gefängnis der Geheimpolizei. Am 8. August werden weitere 43 Häftlinge durch einen kühnen Angriff befreit. Die Tätigkeit der antikommunistischen Partisanen nimmt erst 1953 ihr Ende. Von 1949 bis 1970 wurde Piotrków Trybunalski zu einem Industriezentrum aufgebaut. Die Stadt wurde 1975 Hauptstadt der neugeschaffenen Woiwodschaft Piotrków und wuchs schnell durch viele Eingemeindungen. Die Stadt wurde 1999 wieder zur Kreisstadt und kreisfreien Stadt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist nach Łódź das zweitgrößte Industriezentrum der Woiwodschaft und besitzt: Glasindustrie, Maschinenindustrie, Papierindustrie, Textilindustrie, Holzindustrie, Baumaterialindustrie, außerdem einige größere Logistik-Unternehmen und Bauunternehmen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit verbinden folgende Straßen die Stadt mit dem Straßennetz:

  • Autostrada A1/Droga krajowa 1 (E75): Danzig – Toruń – Łódź – Piotrków Trybunalski – Częstochowa – Cieszyn
  • Droga krajowa 8 (E67): Breslau – Piotrków Trybunalski – Warschau – Białystok – Budzisko
  • Droga krajowa 12: Leszno – Kalisz – Piotrków Trybunalski – Radom – Lublin – Chełm – Dorohusk
  • Droga krajowa 91: Częstochowa – Radomsko – Piotrków Trybunalski – Głuchów

Die Stadt besitzt derzeit zwei Umfahrungen, die Ostumfahrung der DK12 (ca. 5 km) und die Nordwestumfahrung der A1, DK1 und DK8 (ca. 16 km).

Darüber hinaus befinden sich die Südumfahrung (geplante S12) und die Umfahrung der Innenstadt (DK91) in Planung.

Piotrków Trybunalski liegt an der Bahnlinie von Warschau nach Częstochowa, die Güterstrecke Piotrków Trybunalski–Biały Ług zweigt hier ab. Früher bestand ferner die Schmalspurbahnstrecke Piotrków Trybunalski–Sulejów.

Hochschulen und Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Piotrków Trybunalski gibt es mehrere Filialen von größeren Hochschulen: der Jan-Kochanowski-Universität in Kielce, der Łódźer Hochschule für Wirtschaft und Geisteswissenschaften, der Łódźer Handelshochschule und eigenständige Lehranstalten, wie die Lehrerhochschule und eine Außenstelle des Instituts für Umweltpflege an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau.

Piotrków Trybunalski hat außerdem (Stand 2013)[5]:

  • 13 städtische Kindergärten,
  • 8 Grundschulen,
  • 5 Mittelschulen,
  • 10 weiterführende Schulen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Synagoge
  • Stadtpfarrkirche zum Heiligen Apostel Jakob, Gotik mit barocken Kapellen, 13. bis 14. Jahrhundert
  • Ehemaliges Dominikanerkloster mit der Kirche zum Heiligen Iacentius und der Heiligen Dorothea, Gotik um 1350
  • Bernhardinerkirche zur Erhöhung des Heiligen Kreuzes, Barock, um 1626
  • Evangelische Kirche (ehemalige Piaristenkirche), Barock um 1689
  • Ehemaliges Jesuitenkollegium mit der Kirche zum Heiligen Franciscus Xaver, Barock, um 1695
  • Russisch-orthodoxe Allerheiligenkirche, Klassizismus, um 1844
  • Kleine Synagoge, Barock, um 1790
  • Große Synagoge, heute Stadtbibliothek
  • Königliches Schloss (Wohnturm), Spätgotik, um 1511
  • Schloss Byki, Renaissance, um 1590
  • Bürgerhäuser am Ring, 17./18. Jahrhundert, ursprünglich Spätbarock, Fassaden umgebaut im 19. Jahrhundert
  • zahlreiche Häuser im Jugendstil, insbesondere in der Allee 3. Maja
  • Friedhöfe: in der „Friedhofsallee“ längs des Flusses Strawka: katholischer, evangelischer, russisch-orthodoxer, Neuer jüdischer Friedhof und Soldatenfriedhof aus dem Ersten Weltkrieg, mit vielen interessanten Grabsteinen (teilweise aus dem 17. und 18. Jahrhundert, hierher aus älteren innerstädtischen Friedhöfen überführt)

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Piotrków Trybunalski – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. deathcamps.orgs: Ghetto Piotrków Trybunalski.
  3. LG Hamburg, 2. Juli 1958. In: Justiz und NS-Verbrechen. Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945–1966, Bd. XIV, bearbeitet von Irene Sagel-Grande, H. H. Fuchs und C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 1976, Nr. 463, S. 739–806 [1]
  4. Meldung der deutschen Gendarmerie in Radziejów vom 25. Juni 1942.
  5. Website der Stadt, Oświata, abgerufen am 10. Februar 2013.