Le Temps (Schweiz)

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Le Temps
Logo Le Temps
Beschreibung Schweizer Tageszeitung
Sprache französisch
Erscheinungsweise werktäglich
Verkaufte Auflage
(WEMF 2011[1])
42'433 Exemplare
Weblink www.letemps.ch
Die französischsprachige Zeitung Le Temps aus Genf

Le Temps ist eine französischsprachige Tageszeitung in der Schweiz.

Der Erscheinungsort ist Genf. Le Temps entstand 1998 aus dem Zusammenschluss von Journal de Genève et Gazette de Lausanne und Le Nouveau Quotidien. Die erste Ausgabe erschien am 18. März 1998. Die Zeitung ist die französischsprachige Referenzzeitung der Schweiz in den Bereichen Politik, Aussenpolitik, Kultur und (neben L’Agéfi) Wirtschaft. Schwerpunkte werden auf Information, kompetente Analyse und Meinungsbildung gelegt. Die Zeitung wird in der ganzen Schweiz und auch in Frankreich vertrieben. Den Namen hat sie von der grossen französischen Referenzzeitung der III. Republik (seit 1944 Le Monde) entliehen.

Geschichte[Bearbeiten]

Journal de Genève (1826)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Journal de Genève

Gazette de Lausanne (1804)[Bearbeiten]

1798 gründete Gabriel-Antoine Miéville den Peuple vaudois. Bulletin officiel. Daraus ging 1804 die Gazette de Lausanne hervor, die er noch bis 1822 betreute. Die Erscheinungsweise war 1804 bis 1855 zwei- oder dreimal wöchentlich, ab 1856 täglich. 1917 bis 1928 erschien sie zweimal, dann während mehrerer Jahre sogar dreimal täglich, ab 1965 wiederum einmal pro Tag. Die politische Ausrichtung war liberal. Bedeutende Journalisten waren Edouard Secretan, Albert Bonnard, Edmond Rossier, Edgar Junod, Georges Rigassi, Gaston Bridel, Georges Duplain und Pierre Béguin. Die beiden Letztgenannten lancierten und leiteten die Samstagsbeilage Gazette littéraire, die in der Westschweiz zwischen 1949 und 1972 das wichtigste kulturelle Informationsorgan war. Da sich die Gazette ab den 1960er-Jahren in finanziellen Schwierigkeiten befand, verstärkte sie ab 1970 die redaktionelle Zusammenarbeit mit dem JdG, welches sie 1991 vollständig übernahm.

Journal de Genève et Gazette de Lausanne (1991)[Bearbeiten]

1991 schlossen sich das Journal de Genève und die 1798 gegründete Gazette de Lausanne unter dem Namen Journal de Genève et Gazette de Lausanne zusammen. Ihre Hauptaktionäre waren eine Stiftung der Familie Sandoz (17 %), die Genfer Börse (16 %) und der kantonale Arbeitgeberverband (15 %). Die hohen Kosten einer internationalen, renommierten Tageszeitung für Genf trugen die Hauptaktionäre, v. a. die Genfer Privatbankiers, welche 1992 und 1996 um die Defizite (1996: 2.9 Mio Franken) zu decken, Kapital nachschiessen mussten.

Le Nouveau Quotidien (1991)[Bearbeiten]

Ebenfalls 1991 starteten drei Schwergewichte der Schweizer Presse, Edipresse (fast alle welschen Presseerzeugnisse, unter anderem 24 heures, Le Matin, Tribune de Genève, Beteiligungen in Spanien und Portugal, 16 Kinos in Lausanne und Genf), Ringier und Publicitas ein Konkurrenz-Qualitätsblatt, Le Nouveau Quotidien (NQ). Der NQ erreichte nie das Niveau und das Renommee des JdG. Zudem schrieb er nie schwarze Zahlen und fuhr grosse Verluste ein.

Le Temps (1998)[Bearbeiten]

Aufgrund dieser Ausgangslage sowie der generellen Konzentrationstendenz auf dem Pressemarkt in der Schweiz und insbesondere in der Romandie haben beide Zeitungsverlage mögliche Zukunftsstrategien entwickelt. Ein Zusammengehen von JdG und NZZ scheiterte indessen ebenso, wie auch keine neuen Geldgeber für den NQ zu finden waren. Diese Realität zwang die beiden harten Konkurrenten, in zähen Verhandlungen eine Übereinkunft zu erzielen mit dem Ziel, die Herausgabe ihrer Blätter einzustellen und gemeinsam eine neue Tageszeitung Le Temps herauszugeben. Das Projekt sah vor, dass die Vertragsparteien im Rahmen einer neuen herausgebenden Aktiengesellschaft gemeinsam zu je 47 % beteiligt sind; die übrigen 6 % wurden (analog zu Le Monde) für eine Gesellschaft der Redaktoren der neuen Zeitung Le Temps vorgesehen.

Heute (Stand Januar 2006) werden 89,4 % der Anteile durch ER Publishing gehalten, die wiederum zu je 50 % der Edipresse Gruppe und 50 % Ringier gehört. Die französische Le Monde hält 2,1 %, der im Verlagsgeschäft stark engagierte Genfer Bankier Claude Demole 6,1 % und 2,4 % liegen bei den Mitarbeitern.

Nachdem die Tribune de Genève als Kopfblatt von 24 heures herausgegeben wird und der Einstellung von La Suisse ist Le Temps neben dem kleinen katholischen Le Courrier die letzte Tageszeitung aus Genf.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. WEMF Auflagenbulletin 2011 (PDF; 664 kB). Abgerufen am 12. November 2011.