Leuth (Nettetal)

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Leuth
Stadt Nettetal
Wappen von Leuth
Koordinaten: 51° 20′ 9″ N, 6° 13′ 31″ O
Höhe: 40 m ü. NN
Fläche: 13,21 km²
Einwohner: 1777 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 41334
Vorwahl: 02157
Karte
Lage von Leuth in der Stadt Nettetal

Leuth, ein Stadtteil von Nettetal im Kreis Viersen in Nordrhein-Westfalen und ein Grenzdorf bei Venlo (Niederlande) ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Die Netteseen (Poelvenn, Schrolick, Wittsee) gehören zu Leuth und prägen gemeinsam mit dem Heide- und Waldgebiet Venloer Heide das Ausflugsgebiet in Nettetal und die vom Königsbach gespeiste „Kälberweide“ mit 3,5 ha Wasserfläche. Der Autobahngrenzübergang „Schwanenhaus/A 61“ und der alte Grenzübergang „Schwanenhaus“ gehören ebenso zu Leuth so wie der „Grüne Grenzübergang Tor 9“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1251. Das dörfliche Bild des bis ins 19. Jahrhundert bäuerlich geprägten Ortes ist weitgehend erhalten. Der Ortskern, die „Kircheninsel“, ist denkmalgeschützt.

Leuth lag jahrhundertelang an der Südgrenze des Herzogtum Geldern (Amt Krickenbeck) zum Herzogtum Jülich. Leuth gehörte bis 1930 zum Bistum Münster und zum Kreis Geldern, heute zum Bistum Aachen und zum Kreis Viersen. Die Geschichte des Ortes ist verbunden mit der Geschichte der Herren von Krickenbeck, später Grafen von Schaesberg. Die Herren von Krickenbeck regulierten bereits im 13. Jahrhundert den Lauf der Nette und ließen dort Wassermühlen errichten. Gut erhalten ist die Leuther Mühle.
siehe auch Burg Alt Krickenbeck

Die katholische Pfarrkirche St. Lambertus ist eine dreischiffige Backsteinhallenkirche mit polygonalem Chor (Vincenz Statz, 1860/61) und vorgestelltem Westturm des 15. Jahrhunderts (1650/51 neu ummantelt). Sie ist Mittelpunkt des inselartigen Kerns von Leuth zusammen mit einigen benachbarten Hofanlagen und den umgebenden Frei- und Wegeflächen (Kirchhof, Fußwegen) und prägt die Silhouette des Dorfes.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war der Kirchhof die Begräbnisstätte für Leuth. 1850 wurde, wie damals wegen neuer hygienischer Erkenntnisse üblich, ein neues Friedhofsgelände außerhalb des alten Ortskerns erworben und 1860 in Gebrauch genommen. Auf dem Kirchhof gibt es noch einige Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Kirchhof ist umgeben von einer Backsteinmauer, die auch den von der Johannes-Finken-Straße auf den Chor zuführenden Fußweg begleitet.

Das ehemalige Rathaus/Bürgermeisteramt von Leuth (Dorfstraße 83) ist ein zweigeschossiges Backsteingebäude in fünf Achsen mit Holzblockgewänden und dunkelgrau gedecktem Krüppelwalmdach direkt neben der Kirche. In der mittleren Achse befindet sich ein Tordurchgang mit Blausteintreppe zum dahinterliegenden Kirchhof. Eine seitliche Tordurchfahrt vermittelt zum Nachbargebäude Dorfstraße 84, mit dem zusammen es einen kleinen Platz rahmt.

Das Pfarrhaus (ein zweigeschossiges Backstein-Wohnhaus, Johann-Finken-Str. 2) hat seitlich einen eingeschossigen Wirtschaftsflügel mit Krüppelwalm zur Straße hin. Vor dem Haus ist ein kleiner Wirtschaftshof, in den auf der anderen Seite ein Vorbau des Haupthauses mit Zinnen als Dachabschluss ragt.

Der Neyenhof (Johann-Finken-Str. 4) ist ein eingeschossiges Hallenhaus aus dem 18. Jahrhundert aus Backstein. Im Osten zwei korbbogige Einfahrten und die alte Fensteraufteilung, sie wurden im Zuge von Umbaumaßnahmen der 1980er Jahre wiederhergestellt. Langgestreckter Baukörper, der den Fußweg zur Kirche begleitet, hat ein großflächiges, markantes Satteldach. Sie sind Zeugnis einer landschaftstypischen Hausform, das zusammen mit dem Pfarrheim und der Kirche den östlichen Teil des Kirchenbereichs prägt. Der Hof war 400 Jahre lang Leibbesitz der Leuther Pfarrer.[1]

Gegenüber der Kirche liegt ein großes zweigeschossiges Gebäude (Dorfstraße 81). Ein breites Geschossgesims an der Fassade betont die Horizontale. Nach örtlichen Quellen war es um 1870 „Hotel zur Post“ und wurde um 1880 als Pferdepoststation genannt.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuth wurde zum 1. Januar 1970 nach Nettetal eingemeindet (Gesetz zur Neugliederung des Kreises Kempen-Krefeld und der kreisfreien Stadt Viersen).[2]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuth, Kirche

Das 1955 verliehene Wappen der früheren Gemeinde Leuth geht auf das Leuther Schöffensiegel des 17. Jahrhunderts zurück und zeigt den Pfarrpatron St. Lambertus mit der Lilie der Herren von Krickenbeck.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundschule, Kindergarten, kath. Pfarrkirche, Spiel- und Bolzplätze, Fußballplatz, Sporthalle, mehrere Restaurants/Gaststätten und Ferienwohnungen.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Teile eines der ältesten Naturschutzgebiete Nordrhein-Westfalen, NSG „Krickenbecker Seen“ gehören zu Leuth. Aber nicht nur das an Fauna und Flora artenreiche Feuchtgebiet zwischen Kleinem de Wittsee, Schrolick und Poelvenn ist sehenswert. Auch die „Venloer- und Groote Heide“ zwischen Leuth, Herongen und Venlo mit dem über tausend Hektar großen Bereich des ehemaligen Fliegerhorst Venlo-Herongen ist Geschichts- und Erholungsraum. Der 1941 gebaute Tower wurde unter niederländischen Denkmalschutz gestellt. Auch auf deutscher Seite sind Ruinen ehemaliger Wärmehallen und Hangar erhalten und Rollwege noch gut erkennbar. In den Jahren (1941 bis 1945) als Nachtjagdflugplatzgebiet genutzt, ist das Gebiet ein großer deutsch-niederländischer Erholungsraum für Spaziergänger, Radfahrer, Rollerskater, Segel- und Modellflieger.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuth ist gut erreichbar über die A 61 und die A 40 bzw. B 221. Mehrere gut ausgeschilderte Fahrradrouten erschließen von Leuth aus sowohl das niederländische Maastal wie auch die Ausflugsgebiete zwischen Nette, Niers und Maas.

Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logistikunternehmen, Treppenbau, Küchen- und Schlafzimmerfabrikation, Gärtnereien, Bauernläden sowie der Fischfutterhersteller Coppens International sind hier ansässig.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Henrichs (Mitarbeit: Johann Finken): Geschichte der Herrlichkeit Leuth. 1884.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. laut Leopold Henrichs und Johann Finken in ihrer 1884 herausgegebenen Leuth-Geschichte (siehe auch hier
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 115.
  3. Rheinische Post: Wie Leuth seine neue Kirche bekam

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]