Linda Kasabian

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Linda Darlene Kasabian (* 21. Juni 1949 in Biddeford, Maine als Linda Darlene Drouin) war Mitglied der von Charles Manson angeführten Manson Family und Kronzeugin im Tate-LaBianca-Mord-Prozess.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linda Kasabian stammt aus einer zerrütteten Familie, ihre Eltern ließen sich bereits in ihrer frühen Kindheit scheiden. Kasabian flüchtete mit 16 Jahren aus dem Elternhaus. Sie verließ die High School und trampte nach Kalifornien, um sich den Hippies anzuschließen. In loser Folge lebte sie entweder auf der Straße oder wohnte in mehreren Hippiegemeinschaften und wurde bald in Drogengeschäfte verwickelt. Sie heiratete mehrmals; unter anderem einen jungen Mann namens Robert Kasabian, dessen Namen sie behielt.

1968 brachte sie die gemeinsame Tochter Tanya zur Welt. Erneut schwanger, verließ sie ihren Ehemann und kam durch Catherine Share mit der Manson Family in Kontakt. Anfang Juli 1969 traf sie auf der Spahn Movie Ranch ein. Kasabian erlebte die ersten Wochen in der Kommune als persönliche sexuelle Befreiung, wobei LSD und zeitgleicher häufiger Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern eine entscheidende Rolle gespielt haben.[1] Um in der Gruppe Anerkennung zu finden, entwendete sie ihrem Ehemann 5000 US-Dollar, die dieser für einen Freund verwahrt hatte, und übergab diese Summe Manson.

Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linda Kasabian war die Fahrerin des Autos, in dem am 8. August 1969 Susan Atkins, Charles Watson und Patricia Krenwinkel zum Anwesen von Sharon Tate und Roman Polański am Cielo Drive in Bel Air fuhren und die dort Anwesenden ermordeten. Sie bestritt später vor Gericht, direkt bei den Morden mitgeholfen zu haben, und sagte aus, sie sei während der Morde nur Aufpasserin gewesen. Kasabian sagte aus, Charles Manson habe ihr einfach befohlen, ein Messer zu ergreifen und zu tun, was Watson ihr sagen würde, „denn es sei nun der Zeitpunkt für ‚Helter Skelter‘ gekommen“ (ein Terminus, den Manson in seiner Ideologie einem gleichnamigen Song der Beatles entlehnt hatte).

Alle bis auf Kasabian seien durch ein Fenster in das Haus eingestiegen. Draußen wartend hörte sie wenig später Schreie, dann schwankte der blutüberströmte Wojciech Frykowski heraus. Watson folgte ihm und tötete ihn dort. Sie sah auch, wie Abigail Folger nach draußen rannte und von Krenwinkel und Watson erstochen wurde. Die weiteren Vorgänge in den Wohnräumen habe sie nicht verfolgen können.

In der nächsten Nacht geschahen die Morde an dem Kaufmann Leno und Rosemary LaBianca. Watson, Krenwinkel und Leslie Van Houten wurden von Manson zum Morden in das La Bianca Haus befohlen, Kasabian erhielt den Auftrag, zusammen mit Atkins und Steve Dennis Grogan nach Malibu-Beach zu fahren und dort den libanesischen Schauspieler Saladin Nader zu töten, den Kasabian Tage zuvor am Strand kennengelernt hatte. Ihrer Aussage nach klingelte sie absichtlich an der falschen Tür, um den Mord in letzter Sekunde zu verhindern.[2] Linda Kasabian floh einige Tage nach den Morden von der Ranch der Family, wobei sie ihre Tochter Tanya zunächst zurücklassen musste. Auf die Frage des Gerichtes, warum sie die anderen Morde nicht verhindert habe, äußerte Kasabian: „Ich habe einfach nur Angst vor Manson und seinen Sektenmitgliedern gehabt …“

Linda Kasabian wurde am 2. Dezember 1969 für die Morde an Tate, Folger, Frykowski, Sebring und dem Ehepaar LaBianca angeklagt, aber als Kronzeugin der Prozesse auf Bewährung entlassen. Kasabians detaillierte Schilderungen der Verbrechen überführten Charles Manson, Susan Atkins, Charles Watson, Leslie Van Houten und Patricia Krenwinkel, die alle zum Tode verurteilt wurden. Die Urteile wurden später, nach Abschaffung der Todesstrafe in Kalifornien, in lebenslange Haftstrafen umgewandelt.

Nach den Prozessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Gerichtsprozessen verschwand Linda Kasabian Mitte der 1970er aus der Öffentlichkeit. Sie änderte ihren Namen und zog nach New Hampshire. Durch einen Autounfall behindert, wurde sie arbeitslos und begann erneut, mit Drogen zu handeln. Zusammen mit ihrer Tochter wurde sie 1996 wegen Drogen- und Waffenbesitzes verhaftet.

Fernsehfilm und TV-Dokudrama[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linda Kasabian wurde von Marilyn Burns im Fernsehfilm Helter Skelter – Nacht der langen Messer (1976) dargestellt. In dem kanadischen Fernseh-Dokudrama Charles Manson – Mythos eines Mörders erzählte Kasabian 2008 ihre Geschichte. Anhand von Exklusivinterviews mit Kasabian und weiteren Mitgliedern der „Manson Family“, Archivmaterial und Augenzeugenberichten erzählt die Fiction-Doku, wie es zu der Mordserie kam. In Quentin Tarantinos Kinofilm Once Upon a Time in Hollywood (2019) wird Kasabian von Maya Hawke dargestellt.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die britische Rockband Kasabian benannte sich nach ihr, nachdem Gitarrist Christopher Karloff einen Artikel über Charles Manson gelesen hatte.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ed Sanders: The Family: Die Geschichte von Charles Manson. Deutsche Übersetzung bei Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-19644-1.
  • Carol Greene: Der Fall Charles Manson. Mörder aus der Retorte. E.I.R. 2001, ISBN 3-925725-13-X.
  • Vincent Bugliosi, Curt Gentry: Helter Skelter: The True Story of the Manson Murders. W. W. Norton & Company, 2001, ISBN 0-393-32223-8. (englisch)
    • Deutsche Ausgabe: Helter Skelter – Der Mordrausch des Charles Manson. Riva Verlag, München 2010, ISBN 978-3-86883-057-6.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerichtsaussage Kasabians.
  2. Gerhard Mauz: Das Glück mit Linda. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1970, S. 80 f. (online). (weitere Quelle: Ed Sanders: The Family, S. 297).
  3. Kasabian Biografie laut.de.