Linescio

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Linescio
Wappen von Linescio
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5315i1f3f4
Postleitzahl: 6682
Koordinaten: 688232 / 129154Koordinaten: 46° 18′ 29″ N, 8° 35′ 2″ O; CH1903: 688232 / 129154
Höhe: 668 m ü. M.
Fläche: 6,58 km²
Einwohner: 49 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Linescio.JPG

Karte
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Linescio, im alpinlombardischen Dialekt Lünèsc, Linesc [lyˈnɛʃ, liˈneʃ],[2] ist eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, Bezirk Vallemaggia, im Schweizer Kanton Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt 26 km nordwestlich von Locarno auf den Felsen zur linken Seite der Rovana. Die westliche Gemeindegrenze führt vom Madone di Camedo (2446 m ü. M.) in leicht südöstlicher Richtung – meist dem Bach Ri di Fraccia entlang – hinunter zur Rovana. Nach deren Überquerung geht sie in einer Südwestkurve hinauf zum Pizzo Sascola (2057 m ü. M.). Dessen Ostabhang hinunter trifft sie auf den Weiler Rotanda (1268 m ü. M.) und führt in nördlicher Richtung zurück zur Rovana. Nach deren Überschreitung führt sie kurz nach Nordosten, ehe sie eine nordwestliche Richtung einschlägt bis hinauf zum Costone di Camedo (2121 m ü. M.). Von dort führt die kurze Nordgrenze westwärts zurück zum Madone di Camedo. Die Hauptsiedlungen liegen aneinandergereiht an der Strasse von Cevio Richtung Cimalmotto (Gemeinde Campo (Vallemaggia)) und sind von Ost nach West Ponte Asciutto (708 m ü. M.), Linescio di Fuori (700 m ü. M.), Linescio(-Dorf) (664 m ü. M.) und Linescio di Dentro (677 m ü. M.).

Oberhalb dieser Ortsteile liegen die Weiler Bolla (1020 m ü. M.) und Monte (1093 m ü. M.). Einzige nennenswerte Siedlung der Gemeinde auf der rechten Uferseite der Rovana ist Faido (700 m ü. M.). Es gibt aber weitere Häusergruppen und Einzelgehöfte. Abgesehen von der Hauptsiedlung handelt es sich bei den Weilern meist um Alpen, welche nicht ganzjährig bewohnt sind. Vom gesamten Gemeindeareal von 658 ha sind nur 1.5 % landwirtschaftliche Nutzfläche und 1.2 % Siedlungsfläche. Fast zwei Drittel der Gemeinde, genau 65.6 %, sind von Wald und Gehölz bedeckt und 31.7 % sind unproduktive Fläche (meist Gebirge).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist erst seit 1858 eigenständig. Vorher gehörte sie zu Cevio.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1860 243
1870 265
1900 220
1941 142
1950 139
1960 107
1970 83
1990 53
2000 32
2004 42
2010 48

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der begrenzten Anbauflächen wuchs der Ort bis 1870 auf 265 Bewohner an. Danach setzte die Überseeauswanderung nach Kalifornien und Australien ein. Der grosse Bevölkerungsrückgang hielt bis in die jüngste Vergangenheit an (1870–2000: −87,9 %). Die erste Auswanderungswelle (1860–1939) führte nach Übersee, die zweite (seit 1950) in die urbanen Regionen des Tessins. In den letzten Jahren wanderten allerdings einige wenige Personen zu, so dass der Tiefpunkt der Einwohnerzahl vorerst überwunden zu sein scheint.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die alteingesessene Bevölkerung spricht einen lombardischen Dialekt, welcher sich von der italienischen Hochsprache stark unterscheidet. Italienisch wurde bei der letzten Volkszählung von 81.25 % (1970 noch 93.98 %) als Hauptsprache genannt. Durch die Abwanderung der Einheimischen und die Zuwanderung einiger Deutschschweizer stieg der Anteil der Deutschsprachigen von 1970 bis 2000 von 3.61 % auf 18.75 %.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Zeiten gehörte die gesamte Einwohnerschaft zur römisch-katholischen Kirche. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 75 % römisch-katholische und 3.12 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 18.75 % Konfessionslose.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 42 Einwohnern Ende 2004 waren 38 (90.48 %) Schweizer Staatsangehörige. Bei der letzten Volkszählung waren 90.63 % Schweizer Bürger und 9.37 italienische Staatsangehörige.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus drei Personen. Der Gemeindepräsident ist Corrado Moretti (Stand 2009).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher lebte die Bevölkerung von Ackerbau, Viehzucht und von der Steinbearbeitung (Gneis-Abbau). Wegen der fehlenden Möglichkeiten wanderten im 19. Jahrhundert viele Bewohner nach Kalifornien und Australien aus.

Die Einwohner arbeiten heute mehrheitlich ausserhalb der Gemeinde in Gewerbe- und Dienstleistungsberufen. Nachdem der Bauernstand zwischenzeitlich ausgestorben war, betätigen sich seit 2005 wieder zwei Personen in der Landwirtschaft. Heute gibt es im Ort auch wieder ein kleines Restaurant, die «Osteria Sascola», seit 2013 ein einfaches Gasthaus am Dorfeingang und überdies ein Atelier für Porzellanmalerei.

Die «Stiftung Rivivere», die in den 1990er-Jahren ihr Engagement für die Landschaft begonnen hatte, eröffnete im Mai 2016 im Ortsteil Canton sott die «Hostelleria», ein Nonprofit-Saison-Gruppenhaus mit Wohnungen für siebzig Gäste.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linescio ist durch die Postautolinie Cevio-Bosco/Gurin respektive Cevio-Cimalmotto ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen. Da nur wenige Postautos pro Tag verkehren, benutzen die jüngeren Bewohner zwangsläufig ihr Privatauto, um mobil zu sein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinbrücke über die Rovana
  • Pfarrkirche San Remigio[3][4]
  • Betkapelle im Friedhof mit Fresken des Malers Giacomo Antonio Pedrazzi[3][5]
  • Weitere zwölf Betkapellen[6]
  • Oratorium auf dem Monte Faïd[3]
  • Bürgerliches Wohnhaus (1880) im Ortsteil Linescio di dentro[3]
  • Ruine des alten Dorfteils Faïd (Faedo)[3]
  • Zwei alte Mühlen
  • Altes Waschbecken[7]
  • Terrassierungen in den Ortsteilen Gerbi und Cios[3]
  • Steinbrücke über die Rovana

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniela Pauli Falconi: Linescio im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 173, 305, 325, 341, 344.
Kunstgeschichte
  • Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2. Auflage, Pedrazzini Edizioni, Locarno 1969.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 251, 252.
  • Teresio Valsesia: Restaurata la cappella di Fait, il villaggio fantasma. In: Giornale del Popolo. 2. Februar 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Linescio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 537 f.
  3. a b c d e f Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 251–252.
  4. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. S. 325, 341.
  5. Betkapelle im Friedhof mit Fresken des Malers Giacomo Antonio Pedrazzi (Foto)
  6. Betkapelle (Foto)
  7. Altes Waschbecken (Foto)