Cerentino

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Cerentino
Wappen von Cerentino
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5309i1f3f4
Postleitzahl: 6683
Koordinaten: 685618 / 128783Koordinaten: 46° 18′ 18″ N, 8° 33′ 0″ O; CH1903: 685618 / 128783
Höhe: 981 m ü. M.
Fläche: 20,16 km²
Einwohner: 49 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 2 Einw. pro km²
Website: www.cerentino.ch
Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie

Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie

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Landschaft und Strasse nach Cerentino

Cerentino, im alpinlombardischen Ortsdialekt Cerentín [tʃerenˈtiŋ],[2] ist eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, Bezirk Vallemaggia, des Schweizer Kantons Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf befindet sich am Zusammenschluss des Val di Bosco und des Valle di Campo[3] und liegt 25 km nordwestlich von Locarno. Die östliche Gemeindegrenze führt (meist Bächen entlang) vom Madone di Camedo (2446 m ü. M.) über den Pizzo Sascola (2057 m ü. M.) zum Pizzo Mezzodi (2223 m ü. M.) in südlicher Richtung. Von dort führt sie nach einem kurzen Schwenker nach Westen in nordwestlicher Richtung bis zum Pizzo Bombögn (2231 m ü. M.). Die Nordgrenze (zur Gemeinde Bosco/Gurin) verläuft dann in östlicher Richtung zum Pian Crosc (1955 m ü. M.), dreht dort in nördliche Richtung hinüber zum Camino (2489 m ü. M.). Der Rest der Gemeindegrenze führt entlang von Graten. Zuerst nach Nordosten zum Pizzo d’Orsalietta (2476 m ü. M.), dann Richtung Südosten zurück über den Pizzo della Rossa (2482 m ü. M.) und den Madonino (2483 m ü. M.) zum Madone di Campo. Hauptbäche sind die Rovana und der Bosco, die südlich des Weilers Collinasca[4] (761 m ü. M., 500 m östlich von Cerentino) zusammenfliessen.

Alle elf Hauptsiedlungen liegen nördlich der Rovana. Allerdings sind von diesen nicht mehr alle bewohnt. Neben dem oben erwähnten Collinasca sind dies Cerentino (980 m ü. M.), Camanoi (1136 m ü. M., 1 km nördlich von Cerentino), Corino (1093 m ü. M., westlich von Camanoi), Casa dei Giün (1080 m ü. M.), Corsopra (1140 m ü. M., beide nordwestlich von Cerentino) sowie Piede delle Piode (954 m ü. M., 1 km südwestlich von Cerentino). Vom gesamten Gemeindeareal von 2016 ha sind 66,2 % von Wald und Gehölz und 27,6 % von unproduktiver Fläche (meist Gebirge) bedeckt. Daneben verbleiben bloss noch 4,3 % landwirtschaftliche Nutz- (meist Alpen) und 1,8 % Siedlungsfläche.

Nachbargemeinden sind Cevio, Bosco/Gurin und Campo (Vallemaggia).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf findet sich erstmals 1591 als Scerentino bezeugt. Der Name konnte bis anhin nicht gedeutet werden.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1591 1769 1801 1850 1988 1900 1950 1990 2000[5] 2004 2010 2017
Einwohner 625 475 365 371 274 209 152 47 58 69 60 49

Seit Jahrhunderten wanderten Menschen aus Cerentino ab. Zuerst in andere europäische Länder (vor allem nach Italien und Holland), ab dem 19. Jahrhundert nach Kalifornien. Der Rückgang hielt bis 1990 an. Seither ist ein starkes Bevölkerungswachstum auszumachen (1990–2004: +46,8 %). Dennoch erreicht die Zahl der Bewohner knapp 10 % des ursprünglichen Bestands.

Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht als Alltagssprache eine lokale Mundart des Italienischen. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 89,66 % Italienisch, 8,62 % Deutsch und 1,72 % Französisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute (Stand 2000) sind 70,69 % römisch-katholische und 10,34 % evangelisch-reformierte Christen. 12,07 % bezeichnen sich als konfessionslos und 1,72 % als Muslime. 5,17 % der Einwohner machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 69 Einwohnern Ende 2004 waren 64 (= 92,75 %) Schweizer Staatsangehörige. Die drei Ausländer stammten aus Italien.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus drei Personen.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Früher lebten die Bewohner von der Viehzucht. Bereits früh gab es eine Auswanderung nach Italien und in andere europäische Länder. Im 19. Jahrhundert wanderten viele Einwohner nach Kalifornien aus. 15 (= 75 %) der 20 Erwerbstätigen von Cerentino arbeiten in der eigenen Gemeinde. Den wenigen Wegpendlern stehen sieben Zupendler gegenüber. Nur wenige Einheimische verdienen ihr Brot in der Landwirtschaft. Die Mehrheit arbeitet im Gewerbe und in Dienstleistungsberufen.

Im Ortsteil Collinasca befinden sich die Ateliers Lafranca.[6]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist durch die beiden Postautolinien Cevio-Cerentino-Bosco/Gurin und Cevio-Cerentino-Cimalmotto ins Netz des öffentlichen Verkehrs eingebunden. Da diese Busse selten verkehren, benutzen die meisten Bewohner ihr Privatauto als Verkehrsmittel.

Pfarrkirche, Sonnenuhr und Fresken
Glockenturm und Friedhof

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorfbild von Corino ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.[7]

  • Pfarrkirche Santa Maria delle Grazie, erstmals 1200 erwähnt, und Beinhaus[8]
  • Gemeinde- und Patrizierhaus (1866), Architekt: Battista Baroggi[8]>
  • Steinbrücke mit Betkapelle[8]
  • Oratorium Sant’Antonio da Padova im Ortsteil Camanoglio, erbaut 1602, mit Fresken, verschiedenen Gemälden und Kreuzweg (1770) von Johann Georg Hertel[8]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pietro Morettini (1660–1737), Militäringenieur
  • Bartolomeo Leone (* um 1700 in Cerentino ?; † 24. Dezember 1767 ebenda), Pfarrer von Cerentino, apostolischer Protonotar, Initiator des Neubaus der Pfarrkirche von Verscio[9]
  • Giacomo Antonio Pedrazzi (* 2. Dezember 1810 in Cerentino; † 17. Oktober 1879 ebenda), als Maler im Kanton Tessin und in Melbourne tätig[10]
  • Eligio Pometta (1865–1950), Grossrat und Heimatforscher

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cerentino – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 225.
  3. Valle di Campo auf ethorama.library.ethz.ch/de/node
  4. Collinasca auf portal.dnb.de (abgerufen am 21. März 2017).
  5. Daniela Pauli Falconi: Cerentino. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 1. September 2003.
  6. Ateliers Lafranca
  7. Liste der Ortsbilder von nationaler Bedeutung, Verzeichnis auf der Website des Bundesamts für Kultur (BAK), abgerufen am 10. Januar 2018.
  8. a b c d Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 252–254.
  9. Celestino Trezzini: Bartolomeo Leone. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 4. Attinger, Neuenburg 1921, S. 658.
  10. Giacomo Antonio Pedrazzi. In: Sikart , abgerufen 14. Januar 2016.