Cevio

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Cevio
Wappen von Cevio
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
BFS-Nr.: 5310i1f3f4
Postleitzahl: 6675
Koordinaten: 689604 / 13017546.3178.602421Koordinaten: 46° 19′ 1″ N, 8° 36′ 7″ O; CH1903: 689604 / 130175
Höhe: 421 m ü. M.
Fläche: 151.4 km²
Einwohner: 1163 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Website: www.cevio.ch
Cevio

Cevio

Karte
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Cevio, in der alpinlombardischen Ortsmundart Scevi, Cevi [ˈʃevi, ˈtʃevi],[2] ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin und zugleich Hauptort des Kreises Rovana und des Bezirks Vallemaggia.

Geographie[Bearbeiten]

Cevio liegt 23 km nordwestlich von Locarno im oberen Bereich des Valle Maggias. Der Grossteil (64,6 %) des Gemeindeareales von fast 15 km² ist von Wald und Gehölz bedeckt. Etwa ein Viertel (genau 25,1 %) sind unproduktive Flächen (meist Bergland), 5,2 % landwirtschaftliche Nutzfläche und 5,1 % Siedlungsgebiet. Der Ort besteht aus dem Dorf Cevio selbst sowie einigen Weilern und isoliert stehenden Häusergruppen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist Hauptort des Maggiatals bzw. des heutigen Distretto di Vallemaggia. 1858 wurde die Gemeinde Linescio von Cevio abgetrennt.

Am 22. Oktober 2006 fusionierte Cevio mit Cavergno und Bignasco zur Gemeinde Cevio. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor dem Bundesgericht hängig war[3]. Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht jedoch abgewiesen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1591* 1801* 1850* 1860 1881 1920 1941 1950 1960 1970 1990 2000 2004 2013
Einwohner 700 491 927 602 511 326 350 504 504 562 413 497 476 1163
* mit Linescio

Zwischen 1591 und 1801 verringerte sich die Bevölkerung durch Auswanderung in das Veltlin signifikant. Bis 1850 wuchs sie stark an, vor allem wegen der Funktion der Gemeinde als Oberzentrum des Tales. Bis 1888 ging die Einwohnerzahl zwar zurück, jedoch geringer als in anderen Gemeinden des Maggiatals. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte die grosse Auswanderungswelle in die Zentren des Tessins und nach Übersee (Kalifornien, Australien) ein (1888–1920: –36,2 %). In den 1940er und 1960er Jahren gab es erneut ein Bevölkerungswachstum (1941–1970: +60,6 %), dem zwischen 1970 und 1990 eine weitere grosse Auswandererwelle (1970–1990: –26,5 %) in urbanere Regionen des Tessins folgte. Einem starken Wachstum in den 1990er Jahren (1990–2000: +20,3 %) folgte wiederum ein Bevölkerungsrückgang kleineren Umfangs (2000–2004: –4,2 %).

Sprachen[Bearbeiten]

In Cevio wird eine lombardische Mundart gesprochen, die sich stark vom Standarditalienisch unterscheidet. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 77,87 % (1970 noch 95,73 %) Italienisch als Hauptsprache an. Weitere 10,87 % (1970 noch 1,42 %) sprachen Deutsch, 4,23 % (1970 noch 2,31 %) Spanisch.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

In früherer Zeit gehörte die gesamte Einwohnerschaft der römisch-katholischen Kirche an. Durch Kirchenaustritte und Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 78,27 % römisch-katholische, 7,66 % evangelisch-reformierte und 1,61 % orthodoxe Christen. 5,63 % bezeichnen sich als konfessionslos und 1,81 % als Muslime. 4,62 % der Einwohner machten keine Angabe zu ihrem Glaubensbekenntniss. Die Muslime sind bosnischer und albanischer Herkunft.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Bei der letzten Volkszählung waren 76,86 % Schweizer Bürger, darunter 24 Doppelbürger. Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Spanien, Portugal, Bosnien-Herzegowina und Sri Lanka. Der für die Region untypisch hohe Anteil von Zugewanderten ist auf die grosse Zahl von Arbeitsplätzen in Industrie (Steinbrüche) und Gesundheitswesen (Spital) zurückzuführen.

Politik[Bearbeiten]

Der Gemeinderat (Legislative) besteht aus 25 Personen. Gemeindepräsident ist Pierluigi Martini, sein Stellvertreter ist Diego Togni.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Cevio ist einer der wenigen Orte im Maggiatal mit einer Minderheit von Berufspendlern. 120 Erwerbstätige (= 57,4 %) arbeiten in der eigenen Gemeinde. Von den 89 Wegpendlern verdient die Mehrheit ausserhalb des Maggiatals ihr Geld – vor allem in Locarno, Losone, Bellinzona und Minusio. Cevio könnte unschwer allen Arbeitssuchenden der Gemeinde einen Erwerb bieten, denn den 89 Wegpendlern stehen nicht weniger als 235 Zupendler gegenüber. So sind von den 355 Erwerbstätigen in Cevio nur ein Viertel (25,1 %) Einheimische. Die Steinbrüche, das Bezirksspital und die öffentliche Verwaltung bieten vielen Menschen einen Arbeitsplatz. Die Landwirtschaft (Ackerbau, Weinbau und Viehzucht) ist kaum noch von Bedeutung.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde lag von 1907 bis 1965 an der Linie der Maggiatalbahn. Seit der Umstellung auf Busbetrieb ist sie durch die Linie 315 der FART, Locarno – Cavergno, ans Netz des öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

Cevio ist auch Ausgangspunkt der Postautolinien Cevio – Bosco/Gurin und Cevio – Cimalmotto. Die Strasse von Locarno ins Maggiatal ist wintersicher.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche Santi Maria Assunta und Giovanni Battista[4][5][6][7]
  • Pfarrhaus mit Fresko Madonna mit Kind[8]
  • Palazzi Franzoni[9][5]
  • Palazzo Franzoni (Museum von Valmaggia, Teil 1)[10][5][11][12]
  • Wohnhäuser Respini-Moretti (Museum von Valmaggia, Teil 2)[5]
  • Wohnhaus Franzoni[5]
  • Wohnhaus Calanchini-Respini im Cevio Piazza[5][13][14]
  • Wohnhaus Calanchini-Respini[5]
  • Villa Respini[5]
  • Pretorio (Gemeindehaus)[5][15][16]
  • Drei alte Räucherhäuser für Kastanien[17][18][19]
  • Im Ortsteil Rovana: Kirche Beata Vergine del Ponte[20][5][21][22][23]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Giovanni Franzoni, Landeshauptmann des Maggiatals[24]
  • Carlo Martinoia (1829–1905), Bankier, Unternehmer in San Diego Kalifornien[25]
  • Gianfredo Camesi (* 24. März 1940 in Cevio), Fotograf, Kunstmaler, Bildhauer
  • Fede Cavalli Melià (* 19. April 1936 in Cevio), Kunstmalerin, Linoleumgrafin[26]
  • Enrico Filippini (1932–1988), Schriftsteller, Kritiker[27][28][29]
  • Giovanna Quanchi (* 1959), Philologin[30]
  • Bruno Donati, Historiker, Museumleiter[31]
  • Flavio Del Ponte (* 1944), Kriegschirurg, Gründer der Accademia del Master Europeo di Medicina di Catastrofe im Genf[32].

Bilder[Bearbeiten]

Veranstaltung[Bearbeiten]

  • Associazione per la Protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia (APAV)[33]

Literatur[Bearbeiten]

  • Daniela Pauli Falconi: Cevio im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Virgilio Gilardoni: Il Romanico. Catalogo dei monumenti nella Repubblica e Cantone del Ticino. La Vesconta, Casagrande S. A., Bellinzona 1967, S. 123, 227, 287.
  • Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2. Auflage, Pedrazzini Edizioni, Locarno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972, S. 4, 8, 42, 46, 54, 56, 63, 87, 92, 112–113, 124–125, 150–151, 172–173, 194–195, 250–251, 260–261, 281–282, 300–301, 331–332, 388–389, 411–412, 418–419, 430.
  • Agostino Robertini und andere: Cevio. In: Il Comune. Edizioni Giornale del Popolo, Lugano 1978, S. 73–94.
  • Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 238, 247, 248, 249, 250, 251, 252, 254, 255, 258, 259, 262, 398.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cevio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol, Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 227.
  3. Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  4. Pfarrkirche, mittelalterlich Cevio-Vecchio, Kirche Santa Maria Assunta und San Giovanni mit Beinhaus
  5. a b c d e f g h i j k Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 248–251.
  6. Pfarrkirche Santi Maria Assunta und Giovanni Battista (Foto)
  7. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. S. 300, 325, 373, 388.
  8. Pfarrhaus mit Fresko Madonna mit Kind (Foto)
  9. Paläste Franzoni
  10. Museo di Valmaggia
  11. Museum des Valmaggia
  12. Museum des Valmaggia (Foto)
  13. Wohnhaus Calanchini-Respini (Foto)
  14. Wohnhaus Calanchini-Respini
  15. Pretorio (Foto)
  16. Pretorio (Gemeindehaus)
  17. Kastanienräucherhaus (Foto)
  18. Kastanienräucherhaus (Foto)
  19. Kastanienräucherhaus (Foto)
  20. Kirche Beata Vergine del Ponte
  21. Kirche Beata Vergine del Ponte
  22. Kirche Beata Vergine del Ponte (Foto)
  23. Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. S. 260, 348, 366, 412.
  24. Daniela Pauli Falconi: Giovanni Franzoni im Historischen Lexikon der Schweiz
  25. Carlo Martinoia auf ti.ch/can/oltreconfiniti
  26. Fede Cavalli Melià in Sikart
  27. Guglielmo Volonterio: Enrico Filippini im Historischen Lexikon der Schweiz
  28. Enrico Filippini auf ticinarte.ch
  29. Enrico Filippini auf ti.ch/can/oltreconfiniti
  30. Giovanna Quanchi
  31. Bruno Donati
  32. Flavio Del Ponte
  33. Associazione per la Protezione del Patrimonio Artistico e Architettonico di Valmaggia (APAV)