Lingelbach (Alsfeld)

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Lingelbach
Stadt Alsfeld
Koordinaten: 50° 45′ 34″ N, 9° 24′ 8″ O
Höhe: 376 (374–402) m ü. NHN
Fläche: 16,6 km²[1]
Einwohner: 610[2]
Bevölkerungsdichte: 37 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06639
Lingelbach von Süden
Lingelbach von Süden

Lingelbach ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lingelbach liegt etwa östlich vom Hauptort. Im Ort treffen sich die Bundesstraße 62 und die Landesstraßen 3157 und 3161.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Endung des Ortsnamens -bach lässt sich vermuten, dass es sich um eine fränkische Siedlung handelt. Das Gewässer Lintenbah ist bereits 812 zu belegen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1458 als Lyndelbach, darauf 1492 als Lingelbach, ist aber durch andere Belege schon für das 13. Jahrhundert zu erschließen.[1]

Erster evangelischer Pfarrer war um 1569 Johannes Maar, 1607 wechselte die Gemeinde zum reformierten Bekenntnis.

Für Lingelbach ist eine eigene Rotwelschvariante überliefert, die Lingelbacher Musikantensprache.[3]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1972 wurde Lingelbach Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz in die Stadt Alsfeld eingegliedert. Gleichzeitig wechselte der Ort damit vom Kreis Ziegenhain in den Vogelsbergkreis.[4][5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien in denen Lingelbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Ziegenhain wurde der Kreis Ziegenhain für die Verwaltung eingerichtet und das Amtsgericht Oberaula war als Gericht in erster Instanz für Lingelbach zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Oberaula. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Oberaula. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. Das Amtsgericht Oheraula war ab dem 15. Juli 1943 nur noch Zweigstelle des Amtsgerichts Treysa und ab März 1947 Zweigstelle des Amtsgerichts Neukirchen. Die Zweigstelle wurde am 30. Juni 1969 aufgehoben. Der Bezirk des ehemaligen Amtsgerichts Oberaula ging mit diesem Tag im Bezirk des Amtsgerichts Treysa auf das 1970 in Amtsgericht Schwalmstadt umbenannt wurde. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1585: 52 Hausgesesse
• 1681: 20 Hausgesesse, 1 Ausschuss
• 1780: 70 Wohnhäuser mit 396 Einwohnern
Lingelbach: Einwohnerzahlen von 1780 bis 2012
Jahr  Einwohner
1780
  
396
1834
  
729
1840
  
723
1846
  
704
1852
  
724
1858
  
701
1864
  
690
1871
  
702
1875
  
636
1885
  
644
1895
  
609
1905
  
675
1910
  
678
1925
  
655
1939
  
654
1946
  
919
1950
  
936
1956
  
753
1961
  
705
1967
  
714
1970
  
753
2012
  
610
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2012:[12]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 697 evangelisch-reformierte, ein evangelisch-lutherischer, ein römisch-katholischer Einwohner
• 1885: 637 evangelische, 3 katholische und 4 jüdische Einwohner
• 1961: 632 evangelische, 71 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1780: Einwohnern. Erwerbspersonen: 2 Müller, 4 Schmiede, 4 Schneider, 2 Schreiner, 1 Zimmermann, 1 Wagner, 4 Tagelöhner, 3 Weibspersonen, die sich vom Spinnen und Tagelohnen nähren.
• 1838: Familien: 37 Ackerbau, 30 Gewerbe, 77 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 225 Land- und Forstwirtschaft, 101 produzierendes Gewerbe, 31 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche in Lingelbach

Die evangelische Kirche, die zum evangelischen Kirchspiel Bechtelsberg im Kirchenkreis Ziegenhain der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gehört, wurde 1793 nach Plänen von J.A. Engelhardt erbaut (datiert durch eine Jahreszahl über dem Hauptportal). Ein Taufstein und eine Glocke aus dem Spätmittelalter sowie drei vor 1600 geschaffene, farbige gefasste Stein-Epitaphien für Mitglieder der Familien Dörnberg bzw. Zerssen belegen eine ältere Kirche am gleichen Ort. Die Kanzel ist am intarsierten Schalldeckel auf 1794 datiert. Die Orgel wurde um 1864/65 errichtet.[13]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vereinsleben im Ort prägen folgende Vereine:

  • Bauernverband
  • Burschenschaft Lingelbach
  • Freiwillige Feuerwehr Lingelbach
  • Gesangverein Eintracht Lingelbach
  • Jagdgenossenschaft Lingelbach
  • Jugendclub Lingelbach
  • Landfrauenverein Lingelbach
  • Motorradclub „Quetschedell“ Lingelbach,
  • Evangelischer Posaunenchor Lingelbach
  • Schützenverein Lingelbach
  • Turn- und Sportverein Lingelbach
  • Westerntanzgruppe „Hot Spurs“.

Windpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Windpark von Süden

Westlich von Lingelbach wurde im Jahr 2003 in Nachbarschaft zur B 62 ein Windpark mit insgesamt sechs Windkraftanlagen in Betrieb genommen. Die Anlagen des Typs Pfleiderer PWE 600 haben eine Nennleistung von je 600 kW. Sie zählen damit aus heutiger Sicht bereits zu den leistungsschwächeren Typen und werden auch nicht mehr hergestellt, da sich die Firma Pfleiderer bereits 2004 wieder aus der Windenergiebranche zurückgezogen hat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Lingelbach, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Alsfeld: Alsfeld und seine Stadtteile, abgerufen im September 2015.
  3. Siehe dazu u. a. H. Weber: Die Lingelbacher Musikantensprache und die Geheimsprache der Vogelsbergmaurer. In: Hessische Blätter für Volkskunde. Nr. 11, 1912, S. 141–146.
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Alsfeld und Lauterbach (GVBl. II 330-12) vom 1. August 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 215, §§ 2 und 12 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 86–87 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  12. Stadtteil Lingelbach im Internetauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im Oktober 2017.
  13. Website der Kirchengemeinde.