Liste der Hochkippen im Rheinischen Braunkohlerevier

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Karte des Rheinischen Reviers mit Abraumhalden

Diese Liste enthält Hochkippen (Abraumhalden) im Rheinischen Braunkohlerevier.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Betrieb einer Tagebaugrube ist es nicht immer möglich, die auf der Abbauseite anfallenden Abraummassen vollständig innerhalb des Tagebauloches auf der ausgekohlten Seite zu verkippen (verstürzen). Insbesondere beim Aufschluss und in der Frühphase des Betriebes, vor Erreichen der vollen Teufe, ist es oft notwendig, das Deckgebirge nach außerhalb des Tagebauloches zu verbringen. Falls nicht in der Umgebung ein Restloch eines anderen, bereits ausgekohlten Tagebaues liegt, für dessen Verfüllung das Material genutzt werden kann, muss Material an geeigneter Stelle auf freiem Feld verkippt werden. Hier entsteht dann mit der Zeit ein künstlicher Berg, allgemein Halde oder (Hoch-)Kippe genannt. Liegt die Kippe auf freiem Feld außerhalb eines Tagebaus, spricht man auch von einer Außenkippe. Auch beim Verkippen innerhalb eines Tagebaufeldes (dabei kann es sich um denselben Tagebau handeln, aus dem der Abraum stammt, oder einen anderen) kann eine Hochkippe entstehen, wenn die Höhe der Kippe über das Niveau des umliegenden Geländes hinausreicht; hier spricht man von einer Überhöhten Innenkippe. Nur in wenigen Fällen wurden die Hochkippen später wieder abgetragen und das Material anderswo zum Verfüllen benutzt.

Die Hochkippen im Rheinland haben meist die Form eines Tafelberges mit einem großflächigen Hochplateau. So kann nach erfolgter Setzung des Materials und Rekultivierung der Oberfläche mit Lössboden das Plateau landwirtschaftlich genutzt werden. Die Seitenhänge sind zur Stabilisierung und zur Vermeidung von Erdrutschen meist bewaldet angelegt. Auf einigen Kippen sind zur Ausnutzung der günstigen Höhenlage Windkraftanlagen und/oder Sendemasten aufgestellt worden.

Da im Rheinischen Revier – zumindest bei den modernen Großtagebauen im Nord und Westrevier – die Kohle im Vergleich zu anderen Revieren besonders tief liegt, ergibt sich teilweise eine sehr große Menge anfallenden Abraums. Da diese Menge nur zum Teil zum Verfüllen verwendet werden konnte, ergab sich eine entsprechend große Zahl von teils sehr hohen Kippen, im Rheinland meist nur als Höhe bezeichnet, die bis zu 200 Meter über das umliegende Gelände erheben.

Aktuell (Stand 2012) ist die Sophienhöhe die einzige Hochkippe im Revier, auf die noch Massen verstürzt werden. Alle anderen Kippen sind bereits rekultiviert.

Die Sophienhöhe, mit 301,8 m die höchste Kippe im Rheinischen Braunkohlerevier

Liste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Lage Koordinate Höhe ü. NN zugehörige Tagebaugrube Entstehung / Rekultivierung Status / Nutzung
Abtsbusch (Ostkippe Fortuna) südöstlich von Bergheim-Oberaußem 50° 57′ 54,8″ N, 6° 41′ 29,9″ O 141 m Grube Fortuna vor 1950 Rekultiviert, bewaldet
Eschweiler Ostkippe ("Auf der Kippe", auch: Kippe Distelrath) nördlich von Eschweiler-Ost 50° 49′ 31,6″ N, 6° 17′ 12,3″ O 169 m Tagebau Zukunft / Zukunft West vor 1950 Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Landschaftsschutzgebiet
Fischbachhöhe östlich von Bergheim-Quadrath-Ichendorf 50° 57′ N, 6° 43′ O 163 m[1] Tagebau Fortuna-Garsdorf und Tagebau Bergheim(überhöhte Innenkippe im Bereich der Gruben Fischbach, Beisselsgrube und Fortuna)[2] 1950er bis -70er-Jahre Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung
Glessener Höhe südwestlich von Bergheim-Glessen 50° 57′ N, 6° 44′ O 205,8 m Tagebau Bergheim 1955–1970[2] Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung
Goltsteinkuppe nordwestlich von Inden-Lucherberg 50° 50′ 57,9″ N, 6° 22′ 1,8″ O 143 m Tagebau Inden vor 1950 Rekultiviert
Gürather Höhe südwestlich von Grevenbroich-Neurath 51° 1′ 29″ N, 6° 36′ 57,9″ O 115 m (ca.) Grube Neurath (Außenkippe)[2] vor 1940[3] Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Tontauben-Schießstand
Gustorfer Höhe westlich von Grevenbroich-Gustorf 51° 4′ 31″ N, 6° 33′ 12,7″ O 90 m (ca.) Tagebau Garzweiler I Nord (überhöhte Innenkippe im Tagebau Frimmersdorf-West)[4] 1967–81[2] Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Segelflugplatz
Kasterer Höhe Nördlich von Bedburg-Kaster 51° 1′ 7,2″ N, 6° 33′ 4″ O 100 m (ca.) Tagebau Garzweiler I Süd (überhöhte Innenkippe im Tagebau Frimmersdorf-Süd)[4] 1970er Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung
Königshovener Höhe westlich von Grevenbroich-Frimmersdorf (ehemals Alt-Königshoven) 51° 2′ 48,5″ N, 6° 33′ 8,3″ O 105 m (ca.) Tagebau Garzweiler I Süd 1988–90[2] Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Windpark
Neurather Höhe
(auch: Frimmersdorfer Höhe)
südlich von Grevenbroich-Neurath 51° 1′ 56,8″ N, 6° 35′ 10,1″ O 110 m (ca.) Tagebau Frimmersdorf Süd (überhöhte Innenkippe in der Grube Neurath)[4] 1960er Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Windtestfeld Grevenbroich
Halde Nierchen südöstlich von Eschweiler-Weisweiler 50° 48′ 51,4″ N, 6° 20′ 7,8″ O 223 m Tagebau Inden (Außenkippe) Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Windpark
Röttgenhöhe östlich von Kerpen-Horrem 50° 55′ 8,8″ N, 6° 44′ 18,8″ O 163 m Grube Grefrath, Grube Horrem (Außenkippe) vor 1950 Rekultiviert, bewaldet
Sophienhöhe (auch: Jülicher Kopf) östlich von Jülich 50° 55′ 55,5″ N, 6° 26′ 56,2″ O 301,8 m Tagebau Hambach (Außenkippe für den Aufschluss im Norden; Fortsetzung als überhöhte Innenkippe im Süden)[2] 1978–90 (Nord)
1990-heute (Süd)[2]
Nordbereich rekultiviert und bewaldet, Südbereich noch im Verkippungsbetrieb
Vollrather Höhe
(auch: Allrather Höhe)
südöstlich von Grevenbroich-Neuenhausen 51° 3′ 49,8″ N, 6° 36′ 25,5″ O 187 m Tagebau Frimmersdorf (Außenkippe für den Aufschluss) 1955–68 Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Windpark, Sendetürme
Weisweiler Kippe Nord nördlich von Weisweiler (westlich vom Kraftwerk Weisweiler) 50° 50′ 17,9″ N, 6° 18′ 19,1″ O 155 m (circa) Tagebau Inden Rekultiviert, Industriegebiet (Ernst-Abbe-Straße)
Weisweiler Kippe im Ort Weisweiler 50° 49′ 28,7″ N, 6° 18′ 51,5″ O 145 m (circa) Tagebau Zukunft ab 1909[5] Rekultiviert, besiedelt (Siedlung "Floraweg")
Wiedenfelder Höhe nördlich von Bergheim (vormals Wiedenfeld) 50° 59′ N, 6° 38′ O 126 m Tagebau Fortuna-Garsdorf (leicht überhöhte Innenkippe im südlichen Bereich der Grube[2]) 1974–1983[2] Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Windpark
Wilhelmshöhe westlich von Neu-Berrenrath 50° 52′ 45″ N, 6° 47′ 23,6″ O 155 m Gruben Berrenrath und Louise vor 1950 Rekultiviert, landwirtschaftliche Nutzung, Sendemast

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bergheimer Acht. Regionale Radwanderkarte. 3. Auflage. Kreisstadt Bergheim, Bergheim 2011 (PDF).
  2. a b c d e f g h i Achim Schumacher et al.: Rekultivierung im Rheinischen Braunkohlerevier. Exkursionsführer. Teil II (Die Tagebaubereiche: Historie und Rekultivierung). Forschungsstelle Rekultivierung, Jüchen 2011 (Volltext als PDF).
  3. Frimmersdorf. (Nicht mehr online verfügbar.) Forschungsstelle Rekultivierung, archiviert vom Original am 3. Februar 2014; abgerufen am 29. März 2012. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.forschungsstellerekultivierung.de
  4. a b c Peter Zenker: Die Geschichte des Braunkohlenbergbaus in Neurath und Frimmersdorf. (PDF; 3,8 MB) Abgerufen am 29. März 2012.
  5. Heimatkalender des Eschweiler Geschichtsvereins aus dem Jahre 1987: „Menschen und ihre Arbeit“. Eschweiler Geschichtsverein, Eschweiler 1987 (PDF Online).@1@2Vorlage:Toter Link/www.eschweilergeschichtsverein.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.