Kaster

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Dieser Artikel beschreibt den Ortsteil Kaster von Bedburg. Zu anderen Bedeutungen siehe Kaster (Begriffsklärung) und Caster.

Koordinaten: 51° 0′ 21″ N, 6° 33′ 2″ O

Kaster
Stadt Bedburg
Wappen von Kaster
Höhe: 70 m ü. NHN
Fläche: 16,16 km²
Einwohner: 6116 (31. Okt. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 378 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50181
Vorwahl: 02272
Lage Kasters, Kartenausschnitt von Christian Sgrothen um 1557

Kaster ist ein Ortsteil der Stadt Bedburg im Rhein-Erft-Kreis, in Nordrhein-Westfalen. Ortsbürgermeister ist Michael Lambertz (SPD)[2].

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaster grenzt im Norden an den Tagebau Garzweiler, im Westen an die Ortschaft Königshoven, im Süden an Lipp und im Nordwesten an Grevenbroich-Neurath im Rhein-Kreis Neuss.

Stadtbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agathator
Westliche Stadtmauer
Banneux Kapelle
Erfttor
Hauptstraße 76
Kirchstraße 28
Gaststätte "Zum Alten Rathaus"

Alt-Kaster präsentiert sich als befestigtes Landstädtchen. Die Häuser stammen weitgehend aus der Zeit nach dem Stadtbrand von 1624. Die Parzellierung weist noch auf den dörflichen Zustand vor der Stadterhebung hin, in der die Häuser keine regelmäßigen Fluchten, wie bei einer geplanten Anlage bilden, sondern eine winkelige Lage einnehmen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit, als der Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg seine Territorialpolitik durch den Erwerb von Burgen am Niederrhein begann, 1148 gehörte die Burg Caster einem Edelfreien, der sich nach seiner Burg Heinrich von Caster nannte. Sie lag an der Querung der Erft und einem wichtigen mittelalterlichen Weg von Köln nach Jülich. Anders als etwa Lechenich in der Nachbarschaft stand die Burg auf einer kleinen Anhöhe, die von der Erft und einem abgeleiteten Arm, dem Kellnerey-Graben, umschlossen ist. Die Siedlung folgte später. Im 13. Jahrhundert gelangte die Burg an die Herren von Jülich, den rivalisierenden Nachbarn der Kölner Erzbischöfe, und wurde zeitweilig Sitz einer Nebenlinie des Grafenhauses und späteren Herzöge (Pingsheimer Frieden). Die heutige Burgruine nördlich der Stadt ist der Rest der 1278 von den Jülicher Grafen neu erbauten Anlage. Von 1328 bis 1337 war die Burg der Witwensitz von Elisabeth von Brabant, der Frau von Gottfried von Kaster. 1328 verlieh Graf Gerhard VI. von Jülich Kaster die Stadtrechte. 1648 wurde die Hauptburg nach der Eroberung durch kaiserliche Truppen zerstört.

Danach diente die ehemalige Vorburg, der Wirtschaftshof des ehemaligen Schlosses, der in die Stadtmauer einbezogen ist, als Sitz des vom Lehnsherrn bestellten Rentmeisters für das Amt Kaster, der deswegen Kellner genannt wurde. Aufgrund dieser Funktion wurde das Gebäude als Kellnerey bezeichnet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1794 besetzten französische Revolutionstruppen Kaster, das ab 1801 eine Mairie im Département de la Roer bildete. Kaster gehörte seit dem Wiener Kongress dem Kreis Bergheim (Erft) im Regierungsbezirk Köln an. 1955 war Kaster die nach Einwohnern zweitkleinste Stadt der Bundesrepublik Deutschland. Mit dem weiteren Vordringen des Braunkohletagebaus wurden die benachbarten Dörfer Epprath, Morken-Harff und Königshoven nach Kaster umgesiedelt und ließen die Einwohnerzahl auf fast 5000 bis 1975 anwachsen. Seiner denkmalgeschützten mittelalterlichen Bausubstanz verdankt Kaster, dass es nicht in den Tagebau einbezogen wurde.

Die Stadt im Kreis Bergheim (Erft) wurde zum 1. Januar 1975 im Rahmen der kommunalen Gebietsreform gemäß § 5 Abs. 1 Köln-Gesetz mit den Gemeinden Lipp, Königshoven und Pütz in die Stadt Bedburg eingemeindet.[3]

Kaster ist Station der Wege der Jakobspilger im Rheinland. Der Ort liegt am Weg 9, der von Dortmund nach Aachen führt. Die nächsten Stationen sind Grevenbroich und Jülich.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Stadtwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In blau-gold gespaltenem Schilde rechts eine silberne dreitürmige Burg, links ein rot bezungter, steigender schwarzer Löwe derer von Jülich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Resten der alten Stadtmauer und der 1648 zerstörten Hauptburg existieren der Eulenturm von 1370 und die mehrfach restaurierte Kellnerey aus dem 18. Jahrhundert. Ein zweigeschossiges Stadttor aus Backstein, das Agathator bzw. die Niederpforte und auf der gegenüberliegenden Seite der geschlossen mittelalterlich sich präsentierenden Stadt das romanische Erfttor aus Backstein.

Inmitten eines ausgedehnten Parks lag das in den frühen 1970er Jahren für den Braunkohletagebau Frimmersdorf abgerissene Schloss Harff, von einem Wassergraben gedeckt. Neben dem hohen mittelalterlichen Bergfried schloss ein um 1700 errichteter Wohntrakt aus drei parallel nebeneinander gesetzten Flügeln mit Ecktürmen an, der im 19. Jahrhundert im Stil der Neurenaissance umgebaut worden war.

Ein Jüdischer Friedhof, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, befindet sich in Erftnähe. Er besitzt keine Grabsteine mehr.

Die denkmalgeschützte Kirche St. Georg wurde im 18. Jahrhundert errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Bers, Wolfgang Herborn (Hrsg.): Kaster an der Erft. Geschichte und Bevölkerungsstruktur einer ehemaligen jülichen Amtsstadt im Jahr 1799. ISBN 3-932903-10-2
  • Heinz Andermahr, Uwe Depcik: Geschichte der Stadt Kaster. Von den Anfängen bis zur kommunalen Neugliederung. ISBN 978-3-932903-36-6
  • Roland Günter. Kunstwanderungen Rheinland (Belser Kunstwanderungen). Stuttgart, Zürich 1979. ISBN 3-7630-1258-3
  • Historische Stadt- und Ortskerne in Nordrhein-Westfalen. Herausgegeben vom Ministerium für Stadtentwicklung und Verkehr. 1994² - Kapitel Bedburg-Katser

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kaster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://bedburg.active-city.net/city_info/webaccessibility/index.cfm?region_id=336&waid=119&item_id=852073&link_id=213824133&fsize=1&contrast=0
  2. Ortsbürgermeister der Stadt Bedburg
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 300.