Lochstein (Archäologie)

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Woodborough Lochstein

Als Lochstein (englisch holed stone; regional auch Quoit) bezeichnet man in der Archäologie

  • einen durchlochten plattenartigen Menhir,
  • vor allem in Österreich vorkommende aufrecht stehende Steine mit künstlichem Loch, die seit dem Mittelalter als Gemarkungsgrenzsteine gedient haben.

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nicht als Lochstein bezeichnet man den mit einem Seelenloch (franz. Pierre Trouée oder Pierre percée) versehenen Eingangsstein einer Megalithanlage. Diese sind bei Galeriegräbern, bei Dolmen vom Typ Schwörstadt, in Deutschland, Frankreich, Schweden, der Schweiz und auf den Britischen Inseln anzutreffen.

Britische Inseln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mên-an-Tol in Cornwall
Als Torpfosten benutzter Lochstein, nahe der Merry Maidens in Cornwall

Alpenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im voralpinen Raum werden oft die stehengelassenen Eintrittssteine eines ausgegangenen Galeriegrabes als Lochsteine bezeichnet. Man nennt diese Durchbohrung auch Seelenloch. Der Ausdruck beruht auf der Vorstellung, die Erbauer der Gräber hätten das Loch in der Frontplatte angebracht, um den Seelen der Bestatteten die Reise ins Jenseits zu ermöglichen.

Die Dolmen vom Typ Schwörstadt im Schweizer Jura weisen solche Lochsteine auf, wie z. B. der Pierre-Percée in Courgenay, der Dolmen von Laufen und der Dolmen von Aesch. Ein weiterer steht auf dem Älbachegg im Kanton Luzern. Beispiele aus Deutschland sind der Dolmen von Degernau und der Heidenstein in Niederschwörstadt.

Die Lochsteine in Österreich sind nicht neolithisch, sondern wohl erst mittelalterlich und dienten als Gemarkungsgrenzsteine, später auch als Zaun- oder Gattersteine.[1][2]

Mittelmeerraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hercynischer Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kenneth McNally: Standing Stones and other Monuments of early Ireland. Appletree Press, Belfast 1984, ISBN 0-86281-121-X.
  • Homer Sykes: Mysterious Britain. Weidenfeld and Nicholson, London 1993, ISBN 0-297-83196-8.
  • M. Ad. Thieullen: Les pierres percées In: Bulletins de la Société d'anthropologie de Paris Bd. 10/1, 1899, S. 92-96.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Weichenberger: Kritische Anmerkungen zu den Forschungsergebnissen von Heinrich Kusch". In: Zeitschrift des Historischen Vereins für die Steiermark 103, 2012, S. 239-265
  2. Egon Fischerlehner: Lochsteine (Gattersteine) in Oberösterreich. In: Mannus 46, 1980, S. 95 ff.
  3. http://www.hgstump.de/grossenrode.htm Bild

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]