Galeriegrab

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Grundrisse von Galeriegräbern am Beispiel der Anlagen aus der Nekropole von Warburg
Schema einer Galerie am Beispiel Pierre-aux-Fées

Die Bezeichnung Galeriegrab für deutsche Megalithanlagen einer bestimmten Bauart (abgeleitet von italienisch: galleria „langer Säulengang“), ist eine Übertragung aus dem Französischen (Allée couverte) und entstand aufgrund der Ähnlichkeit der deutschen mit französischen Anlagen. Deutsche Galeriegräber sind in der Regel eingetieft und aus Orthostaten und Decksteinen oder Holzdecken erstellt. Vom Pariser Becken bis nach Belgien finden sich auch nichtmegalithische Anlagen mit vergleichbar rechteckigem Bauplan, die der Seine-Oise-Marne-Kultur (S-O-M) zuzurechnen sind.

Verbreitung in Deutschland[Bearbeiten]

Das eingehauste Galeriegrab Züschen

Die von der Westfälischen Bucht bis in die Gegend von Züschen, südwestlich von Kassel, vorkommenden etwa 30 deutschen Anlagen heißen auch „hessisch-westfälische Steinkisten“. Die seltenen, östlich des westdeutschen Steinkistengebietes, in Niedersachsen bzw. an Lahn und Mosel liegenden etwa zehn Anlagen, die beinahe an das Verbreitungsgebiet in Westeuropa anschließen, sind zum Teil sehr klein (Liebenburg, Niederzeuzheim, Schankweiler). Sie heißen im Osten Mitteldeutsche Kammer oder Kammergräber.

Der Trichterbecherkultur (TBK) zuzuordnen sind die Galerien nördlich des Haarstrangs (Gebirge) und im nördlichen Niedersachsen (Galeriegrab von Sorsum). Die östlich der Westfälischen Bucht (bei Warburg) und südlich des Haarstrangs gelegenen gehören hingegen mehrheitlich zur Wartberg-Kultur.

Die „hessisch-westfälischen Steinkisten“ sind Kollektivgräber und werden in zwei Typen unterschieden.

  • Galeriegräber vom Typ Züschen (4,5–24 m lang). Die Anlagen des Typs Züschen (und einige Steinkammergräber) einen besitzen antenartigen Vorraum mit einer Länge von ein bis drei Meter, wie Warburg I. Sie besitzen axiale Zugänge in Form von Seelenlöchern.
  • Galeriegräber vom Typ Rimbeck (12–35 m lang), im Durchschnitt deutlich länger als der Typ Züschen. Anlagen mit Längen zwischen 24 m und 35 m besitzen auch laterale Zugänge, insofern entsprechen sie nicht der Typeneinteilung der nordischen Megalitharchitektur, die laterale Zugänge für Ganggräber vorbehält. Solche Anlagen finden sich in Atteln II, Beckum-Dalmer, Lippborg, Rimbeck, Warburg III.

2010 wurden in Erwitte-Schmerlecke zwei neu entdeckte 20 und 25 m lange Galeriegräber ausgegraben.[1]

Bauliche Parallelen[Bearbeiten]

Seine-Oise-Marne-Kultur (S-O-M Kultur)[Bearbeiten]

In der Seine-Oise-Marne-Kultur in Frankreich und Belgien sind Galeriegräber oder Allées Couvertes/sepultures couvertes in den Details sehr unterschiedlich gestaltet, einige wurden sogar in den Fels gehauen. Alleen, deren Länge zwischen 10 m und mehr als 20 m variiert, sind auch hier die Mehrheit. Die Kammer ist mitunter durch Schwellen- oder Lochsteine (La Pierre Turquaise – Dep. Val d’Oise) unterteilt. Die kürzeren Galerien sind im Ganzen etwas niedriger. Einige haben am Kopfende durch seitliche Strebepfeiler abgetrennte laterale Kammern.

Die einfache Allée couverte hat eine stets rechteckige Kammer, die von mehreren Seitenplatten gefasst und von Deckenplatten bedeckt ist. Das Innere ist durch eine oder mehrere Zwischenwände unterteilt, die nicht von Wand zu Wand durchgehend oder mit einem Seelenloch versehen sind. Hinzugefügt ist ab und zu ein Trilith vor dem Zugang. Es gibt Spielarten des primären Typs.

  • Die Kammern des Typs Seine sind im Boden eingetieft und haben eine Endkammer, die mit dem Rest der Anlage durch ein Seelenloch verbunden ist (La Pierre Turquaise, in Saint-Martin-du-Tertre, Pierre-aux-Fées in Villers-Saint-Sépulcre beide im Département Val-d’Oise).
  • Es gibt ganggrabartige Galerien, die laterale Zugänge (darunter auch mit Seelenloch: Kerlescan 1) haben (La Roche Camio, Le Mélus (im Dep. Cŏtes d’Armor)) und solche in L- oder T-Form, wobei der Galerieteil, in dem der Zugang liegt, nur rudimentär ausgebildet sein kann (Men-ar-Rompet) und das „T“ eher wie die Tiwaz-Rune aussieht.
  • Das größte galerieartige Grab von Essé im Departement Ille-et-Vilaine trägt den Namen La Roche-aux-Fées (Fels der Feen) und wird als Dolmen Angevin benannt. Es ist oberirdisch angelegt und sehr groß dimensioniert. Roche-aux-Fées ist 19,5 m lang und innen knapp vier Meter breit und zwei Meter hoch und gehört zu den größten Megalithanlagen überhaupt. Seine 26 Orthostaten tragen acht Decksteine von 20 t bis 45 t Gewicht. Einen noch schwereren Deckstein weist in Frankreich nur der Dolmen de la Pierre Folle bei Bournard im Dept. Vienne auf. Coët-Correc und Dampsmesnil sind weitere derartige Anlagen in der Bretagne bzw. in der Normandie.
  • Es gibt noch Crécy-la-Chapelle, eine ovale, aus Trockenmauerwerk erbaute Anlage im Département Seine-et-Marne.

Irland[Bearbeiten]

Die irischen wedge shaped gallery graves oder Wedge tombs werden von einigen Forschern von den bretonischen Allées Couvertes abgeleitet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass Kammer und Zugang baulich nicht abgesetzt sind und die gleiche Breite haben. Es kann jedoch ein Schwellenstein vorhanden sein. Diese Anlagen sind alle oberirdisch angelegt und kürzer als die kontinentalen Anlagen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Günther, Martina Viets: Das Megalithgrab Henglarn I, Stadt Lichtenau, Kreis Paderborn = Die Megalithgräber Henglarn I und Wewelsburg I im Paderborner Land. Aschendorff, Münster 1992, ISBN 3-402-05141-9, (Bodenaltertümer Westfalens 28).
  • Klaus Günther: Die Kollektivgräber-Nekropole Warburg I - V. Mit Beiträgen von Holger Löwen. von Zabern, Mainz am Rhein 1997, ISBN 3-8053-2451-0, (Bodenaltertümer Westfalens 34).
  • Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. (Bd. 2: Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und der Galeriegräber Westdeutschlands). 2 Bände. Habelt, Bonn 1966.
  • Winrich Schwellnus: Wartberg-Gruppe und hessische Megalithik. Ein Beitrag zum späten Neolithikum des Hessischen Berglandes. Selbstverlag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Wiesbaden 1979, (Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen 4), (Zugleich: Marburg, Univ., Diss.).
  • Martina Viets: Das Megalithgrab Espel I, Gemeinde Recke, Kreis Steinfurt. Mit einem Anhang der Funde aus Megalithgrab II. Aschendorff, Münster 1993, ISBN 3-402-05148-6, (Bodenaltertümer Westfalens 29).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Galeriegräber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 5000 Jahre alte Großsteingräber in Erwitte-Schmerlecke