Luisa Muraro

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Luisa Muraro (* 14. Juni 1940 in Montecchio Maggiore, Provinz Vicenza) ist eine italienische Philosophin und Feministin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luisa Muraro studierte an der Università Cattolica del Sacro Cuore in Mailand, wo sie 1965 ihr Examen in Philosophie ablegte. 1975 gründete sie zusammen mit anderen Feministinnen das Frauenkollektiv des Mailänder Frauenbuchladens Libreria delle donne di Milano, das gemeinsam unter diesem Namen Bücher verfasst hat, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, und die Zeitschrift Via Dogana herausgibt. [1][2] Von 1976 bis 2005 lehrte sie an der philosophischen Fakultät Universität Verona, wo sie 1984 mit Chiara Zamboni, Wanda Tommasi und Adriana Cavarero (bis 1990) die Philosophinnengemeinschaft Diotima begründete, benannt nach der literarischen Figur in Platons Dialog Symposion.

Luisa Muraro gilt als die herausragende Denkerin eines philosophisch-feministischen Ansatzes, das italienische pensiero della differenza sessuale (dt.: Denken der Geschlechterdifferenz), den sie mit der Gruppe Diotima und dem Mailänder Autorinnenkollektiv entwickelte.[3] In Anlehnung an die französische Philosophin Luce Irigaray, von der Muraro zwei Werke ins Italienische übersetzte, stellten die italienischen Differenzdenkerinnen die These auf, „dass die Geschlechterdifferenz im abendländischen Diskurs nicht als egalitäre gedacht worden sei, sondern sich innerhalb einer Identitätslogik bewege, in der Weiblichkeit nur als Negation und Komplementarität von Männlichkeit gelte.“ (Heike Kalhert) Neben der Differenz zwischen den Geschlechtern unterscheiden sie auch die Differenz zwischen Frauen und innerhalb jeder Frau. Ausgehend davon arbeiteten sie eine Politik der Beziehungen zwischen Frauen aus, die sie als Affidamento (ital.: sich anvertrauen) bezeichnen. In der Praxis des Affidamento verleihen sich Frauen wechselseitig Autorität und Macht. Diese Politik führe zu einer neuen symbolischen Ordnung, die jedoch nur entstehen könne, wenn die Beziehung zur Mutter, als erster Beziehung, geschätzt werde. Die italienischen Differenzdenkerinnen treten für eine Politik der Frauen als Querschnittspolitik ein und lehnen eine Politik für Frauen ab, da eine spezifische Frauenpolitik die weibliche Unterordnung unter das männlich geprägte Allgemeine bestätigen würde. [4]

Veröffentlichungen in deutscher Übersetzung (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vilemína und Mayfreda. Die Geschichte einer feministischen Häresie, Kore Verlag, Freiburg 1987, ISBN 3-926023-04-X
  • Die symbolische Ordnung der Mutter (L' ordine simbolico della madre, Rom 1991), Campus Verlag, Frankfurt 1996, ISBN 3-593-34829-2
  • Die Menge im Herzen (La folla nel cuore, Rom 2000), Christel-Göttert-Verlag, Rüsselsheim 2001, ISBN 3-922499-53-8
  • Der Gott der Frauen (Il Dio delle donne, Mailand 2003), Frank & Timme, Berlin, 2009, ISBN 978-3-86596-214-0
  • Stärke und Gewalt (Dio è violent, Gransasso 2012), Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 2014, ISBN 978-3-939623-48-9
  • Nicht alles lässt sich lehren (Non si può insegnare tutto, Editrice La Scuola 2013), Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 2015, ISBN 978-3-939623-57-1

Diotima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Welt zur Welt bringen. Politik, Geschlechterdifferenz und die Arbeit am Symbolischen (Hrsg., aus dem Italienischen übersetzt und kommentiert von Andrea Günter, Dorothee Markert und Antje Schrupp), Ulrike Helmer Verlag, Königstein im Taunus 1999, ISBN 3-89741-030-3.
  • Jenseits der Gleichheit. Über Macht und die weiblichen Wurzeln der Autorität, (Hrsg. und aus dem Italienischen übersetzt von Dorothee Markert und Antje Schrupp), Ulrike Helmer Verlag, Königstein im Taunus 1999, ISBN 3-89741-023-0.
  • Macht und Politik sind nicht dasselbe. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2012, ISBN 978-3-89741-338-2.

Libreria delle donne di Milano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wie weibliche Freiheit entsteht. Eine neue politische Praxis. Orlanda Frauenbuchverlag, 5. Aufl. Berlin 2001 (1988), ISBN 978-3-929823-83-7
  • Das Patriarchat ist zu Ende. Es ist passiert - nicht aus Zufall. Christel Göttert Verlag, Rüsselsheim 1996, ISBN 3-922499-28-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theresia Wintergerst: Skepsis und Freude. Politische Selbstorganisation und die Philosophie Luisa Muraros. (Univ., Diss., München 2005), Helmer Verlag, Königstein 2006, ISBN 3-89741-195-4
  • Heike Kahlert: Differenz, Genealogie, Affidamento. Das italienische, pensiero della differenza sessualé in der internationalen Rezeption. In: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, VS Verlag 2010, ISBN 978-3-531-92041-2, Inhaltsangabe

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Libreria delle donne di Milano (it.)
  2. Webseite der Zeitschrift (it.)
  3. Luisa Muraro (1940-). In: Gaetana Marrone et al. (Hrsg.): Encyclopedia of Italian Literary Studies. Routledge, 2006, ISBN 978-1-57958-390-3, S. 1249f.
  4. Heike Kahlert: Differenz, Genealogie, Affidamento. Das italienische, pensiero della differenza sessualé in der internationalen Rezeption. In: Kortendiek et al. Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung, VS Verlag 2010, ISBN 978-3-531-92041-2, S. 94f.