Möckernstraße

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Möckernstraße
Wappen
Straße in Berlin
Möckernstraße
Südlicher Abschnitt der Möckernstraße, der von gründerzeitlichen Mietshäusern dominiert wird
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Kreuzberg
Angelegt um 1850
Hist. Namen Militärstraße
Anschlussstraßen Stresemannstraße,
Kreuzbergstraße
Querstraßen (von Nord nach Süd)
Hallesche Straße,
Kleinbeerenstraße,
Hallesches Ufer,
Tempelhofer Ufer,
Obentrautstraße,
Wartenbergstraße,
Hornstraße,
Yorckstraße,
Hagelberger Straße
Bauwerke siehe Besonderheiten
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 1580 Meter

Die Möckernstraße ist ein Verkehrsweg im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Ortsteil Kreuzberg. Sie verläuft in nord-südlicher Richtung von der Stresemann- bis zur Kreuzbergstraße und führt dabei mit der Möckernbrücke über den Landwehrkanal. An die Westseite der Straße grenzen der Elise-Tilse-Park und der Park am Gleisdreieck, der am 2. September 2011 eröffnet wurde. Von der Straße führen Treppen und barrierefreie Rampen in das leicht erhöht liegende Parkgelände.

Straßengeschichte[Bearbeiten]

Die Straße wurde am 7. Februar 1850 mit dem Namen Militärstraße eingeweiht (erste Schreibweise Militair-Straße).[1] Zu dieser Zeit sind lediglich zwei Wohnhäuser angegeben. Die Namensvergabe orientierte sich am Weg der Berliner Garnison zum Exerzierplatz auf dem Tempelhofer Feld.[2]

Für die Straßenumbenennung am 31. Oktober 1864 im Zusammenhang mit der Anlage das Generalszuges kommen zwei Gefechte aus den Befreiungskriegen im Jahr 1813 in Frage:

Ursprünglich sollte sie von der damals hier verlaufenden Yorckstraße (heute: Hornstraße) gekreuzt werden, die Kreuzung sollte nach dem General Wartenburgplatz heißen. Wegen der Verschwenkung der Yorckstraße wurde dieser Plan nicht umgesetzt. Ihre Lage bei der Aufnahme in das Adressbuch wurde angegeben mit „vor dem Halleschen Thor“.[3] In diesem Jahr verfügte sie bereits über 147 Hausnummern, ihre Lage wurde mit „an der Hirschelstraße“ notiert.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Möckernstraße weist in drei Abschnitten eine unterschiedliche Bebauung aus. Im südlichen Teil zwischen Kreuzbergstraße und Yorckstraße sind Mietshäuser aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die benachbarten Bauten Möckernstraße 66–69 bilden zusammen mit dem Gebäude Kreuzbergstraße 27/28 ein denkmalgeschütztes Ensemble. Das Haus mit der Nummer 66 wurde 1872/1873 nach Plänen von Paul Casper gebaut, das Haus Nummer 67 entwarf der Architekt Götz in den Jahren 1884/1885 und die Villa Nummer 69 plante L. Timm (erbaut zwischen 1872 und 1880). Zum Ernst-Gettke-Haus, Hausnummer 68, siehe unten.

Im mittleren Abschnitt der Möckernstraße zwischen Yorckstraße und Landwehrkanal dominieren Mietshäuser, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Im nördlichen Straßenteil zwischen Landwehrkanal und Stresemannstraße gibt es nur öffentliche und Verwaltungsbauten, die aber zum Teil nicht mehr genutzt werden. Da die Möckernstraße zwischen Stresemannstraße und Landwehrkanal entlang des ehemaligen Anhalter Bahnhofs und zwischen Landwehrkanal und Yorckstraße entlang des dazugehörigen Güterbahnhofs verlief, beschränkt sich die Randbebauung in den zwei Straßenabschnitten fast ausnahmslos auf die östliche Straßenseite.

Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg[Bearbeiten]

Altbau des Amtsgerichts Tempelhof-Kreuzberg, Möckernstraße 128–130

Das Amtsgericht Tempelhof-Kreuzberg befindet sich in der Möckernstraße 128–130 und wurde ursprünglich als Amtsgericht Berlin II 1882–1885 auf dem Nachbargrundstück am Halleschen Ufer zusammen mit dem Landgericht Berlin II errichtet. Dabei handelte es sich um einen Bau im Stil der Neorenaissance. 1899 wurde das Gericht umbenannt in Amtsgericht Tempelhof und in den Jahren 1915–1921 erfolgte eine bauliche Erweiterung an der Möckernstraße unter Leitung des Architekten Ernst Heinrich Petersen und des Regierungsbaumeisters Erich Meffert,[4] die auf Plänen der Hochbauabteilung des Finanzministeriums beruhte. Dabei wurden vier Flügel im neobarocken Stil angebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Hauptgebäude stark beschädigt und in der Folge abgerissen. 1945 zog das Amtisgericht Kreuzberg in den verbliebenen Gebäudekomplex ein, ein Jahr später auch wieder das Amtsgericht Tempelhof und nach zwei Jahren wurden beide zu einem Gericht vereinigt. Oswald Mathias Ungers erweiterte das mittlerweile denkmalgeschützte Haus zwischen 1993 und 1995 auf der zum Halleschen Ufer gelegenen Seite durch einen fünfgeschossigen, mit hellen Sandsteinplatten verkleideten Neubau mit deutlichem Vorbau. Außerdem wurde ein Pavillon aus rotem Sandstein als „Kinderhaus“ vor das Gebäude gebaut.[5]

Verwaltungsgebäude Orenstein & Koppel[Bearbeiten]

Ehemaliges Verwaltungsgebäude Orenstein & Koppel, Möckernstraße 120/120a

Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Orenstein & Koppel OHG in der Möckernstraße 120/120a wurde in den Jahren 1909 und 1910 durch das Architektenduo Wilhelm Cremer und Richard Wolffenstein (Cremer & Wolffenstein) errichtet. Ein nahegelegenes und von den gleichen Architekten stammendes zweites Verwaltungsgebäude von Orenstein & Koppel am Tempelhofer Ufer 23–24 entstand 1913. Die Orenstein & Koppel AG war eine Handelsagentur für Feld- und Kleinbahnen, die von Benno Orenstein und seinem Partner Arthur Koppel 1876 gegründet worden war. Das mehrmals umstrukturierte Unternehmen war bis 1981 hauptsächlich im Lokomotivenbau tätig.

Die Fassade der Möckernstraße 120/120a ist mit Muschelkalkplatten und weißem Klinker verkleidet. Das denkmalgeschützte Gebäude steht im Gegensatz zum Bau am Tempelhofer Ufer heute leer.

Postamt SW 11[Bearbeiten]

Ehemaliges Postamt SW 11, Möckern- Ecke Hallesche Straße

Das Gebäude des ehemaligen Postamts SW 11 befindet sich an der Ecke Möckernstraße 135–141 /Hallesche Straße 10–14. Ein erster viergeschossiger, mit roten Klinkern versehener Gebäudeteil wurde 1933/1934 nach Plänen von Kurt Kuhlow errichtet. In den Jahren 1935/1936 erweiterte Kuhlow in Zusammenarbeit mit Georg Werner das Gebäude mit einem fünfgeschossigen Bau, der mit Muschelkalk und Travertin verkleidet und durch mehrere Pfeiler gegliedert ist. Eine Ecke dieses Bauteils ist abgerundet und führt die Gliederung durch die Pfeiler weiter.

Das Gebäude war als Sitz des Großbriefverteileramts SW 11 konzipiert, zuständig für die Briefverteilung im südlichen Berlin. Das Amt galt seinerzeit als weltweit größte Einrichtung ihrer Art. Die Anbindung zum Anhalter Bahnhof geschah über einen Tunnel. Als Verbindung mit dem zweiten großen Berliner Verteilamt im damaligen Stettiner Bahnhof diente die neue Nord-Süd-Linie der Berliner S-Bahn (heutige Linien S1 und S2). Nach der Teilung Berlins leitete die Einrichtung ab 1962 als „Postamt 11“ die Briefverteilung des gesamten Westteils der Stadt. Nach dem Mauerfall war das Gebäude den steigenden Anforderungen nicht mehr gewachsen und das Postamt 11 wurde Mitte der 1990er Jahre aufgelöst. Seine Aufgaben übernahm das Briefzentrum 10 im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Das in der Architektur des Nationalsozialismus gestaltete Bauwerk ist eines von wenigen erhaltenen Großgebäuden in Kreuzberg aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es steht unter Denkmalschutz.[6]

Ernst-Gettke-Haus[Bearbeiten]

Villa des Ernst-Gettke-Hauses, Möckernstraße 68

Das Ernst-Gettke-Haus in der Möckernstraße 68 ist ein Gebäudeensemble, bestehend aus einer Villa, einem Stadtgarten und mehreren Fabrikgebäuden. Es wurde 1883 durch das Architektenbüro Blumberg & Schreiber als Sitz der Kindermann & Co. Lampenfabrik errichtet. Das Gesamtgelände ist rund 4000 m² groß. Das Ernst-Gettke-Haus steht als Teil des Gebäudeensembles Möckernstraße 66–69 und Kreuzbergstraße 27/28 unter Denkmalschutz. Die Kindermann & Co Lampenfabrik war bis zum Ersten Weltkrieg auf dem Gelände ansässig. Danach wurde das Bauwerk bis zum Zweiten Weltkrieg von verschiedenen Handwerksbetrieben sowie einer Fabrik der Metallwerke Minerva, einem Getränkehändler und einer Konservenfabrik benutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen ein Versandhandel für Schuhe, ein Großhandelsbetrieb für Arzneimittel sowie ein Lagerhaus für Sanitärartikel die Gebäude. 1976 erwarb der Rechtsanwalt Hans-Joachim Rust als Testamentsvollstrecker von Heinz Ullstein das Gesamtgelände für die Axel-Springer-Stiftung. Gemeinsam mit der Berliner Denkmalbehörde wurden sowohl die Villa als auch die Fabrikgebäude renoviert und nach dem Theaterschriftsteller Ernst Gettke benannt.

Im 21. Jahrhundert werden die Gebäude unter anderem von der Tanzfabrik Berlin und weiteren Kulturvereinen genutzt. Seit 2003 dient ein Seitenflügel Künstlern als Atelier, unter ihnen Udo Lindenberg und Marc Schmitz. Die direkt an der Möckernstraße gelegene Villa beherbergte von 1992 bis 2005 das Berliner Zentrum der männlichen Abteilung von Opus Dei[7] und war anschließend bis 2008 der Firmensitz der Directmedia Publishing sowie weiterer assoziierter Unternehmen. Im Jahr 2009 wurde in der Villa eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst veranstaltet. Seit 2013 ist das Gebäude der Hauptsitz der Push & Punch Beauty Group.

Gedenktafeln[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Fritzsche: Wegweiser zu Berlins Straßennamen – Kreuzberg. Luisenstädtischer Bildungsverein, Berlin 1996, ISBN 3-89542-052-2.
  • Hans-Jürgen Mende, Kurt Wernicke (Hrsg.): Berliner Bezirkslexikon Friedrichshain-Kreuzberg. Haude & Spener, Berlin 2003, ISBN 3-7759-0474-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Militair-Straße. In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1850, Teil 2, S. 106.
  2. Militärstraße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  3. Möckernstraße. In: Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger nebst Adreß- und Geschäftshandbuch für Berlin, 1865, Während des Drucks neu hinzugekommenen Straßen und Plätze.
  4. Meffert, Erich. In: Berliner Adreßbuch, 1918, Teil 1, S. 1794. „Reg.Baumeister“.
  5. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin, Deutscher Kunstverlag 2006, ISBN 3-422-03111-1; Seite 297
  6. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin, Deutscher Kunstverlag 2006, ISBN 3-422-03111-1; Seite 301
  7. Die heilige Mafia des Papstes. In: Der Spiegel, 9. Januar 1995

52.50049513.381385Koordinaten: 52° 30′ 2″ N, 13° 22′ 53″ O