Mühleggbahn

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Mühleggbahn

Die Mühleggbahn (Mühleggbahn AG) ist ein Schrägaufzug, der die Altstadt von St. Gallen mit dem Naherholungsgebiet Drei Weieren und dem Ortsteil St. Georgen auf dem südlichen Hügel von St. Gallen verbindet. Eröffnet wurde die Bahn 1893 als Wassergewichtsseilbahn, sie wurde 1950 zu einer Zahnradbahn und 1975 zu einem Schrägaufzug umgebaut. Mit der Betriebsführung sind die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG) beauftragt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühleggbahn ist eine Standseilbahn mit einer Kabine, die im 5-Minuten-Takt vollautomatisch zwischen den beiden Stationen verkehrt. Befindet sich die Kabine nicht in der Station, kann sie per Knopfdruck wie ein Aufzug angefordert werden. Der grösste Teil der 316 Meter langen Strecke führt durch einen Tunnel mit einer Steigung von 208 bis 228 Promille. Der Windenaufzug in der Bergstation zieht die Kabine mit einer Geschwindigkeit von maximal 4.8 m/Sek, wobei die Kabine während der Fahrzeit von ca. 90 Sekunden mit maximal 30 Fahrgästen eine Höhendifferenz von 69 Metern überwindet. Der Drehstromantrieb läuft bei der Talfahrt im Rekuperationsbetrieb, so dass ein Teil der elektrischen Energie wieder zurück gewonnen werden kann.[1] Von der Bergstation erreicht man mit einem kurzen Fussmarsch einen Höhenweg, der einem Blicke über die ganze Stadt bietet.

Vorne der Mühleggweiher; dahinter die Bergstation der Mühleggbahn. Aufnahme 1895–1900

Im Gedenken an den Einsiedler Gallus, den Namensgeber der Stadt St. Gallen, dessen Klause sich im Steinachtobel, d. h., im Bereich der heutigen Mühleggbahn, befunden haben soll, wurde die Talstation der Mühleggbahn im Rahmen einer Kunstaktion im Jahr 1997 mit dem Schriftzug «Bangor» versehen. Der Name bezeichnet das irische Kloster Bangor, von dem aus sich die Benediktinerbewegung rund um Kolumban, zu der auch Gallus gehörte, zwecks Missionierung nach Kontinentaleuropa aufmachte. Da diese Beschriftung immer wieder für Verwirrung sorgte, hat die Mühleggbahn sie 2011 entfernt und die Talstation wieder mit «Mühleggbahn» angeschrieben. Seit Mitte August 2012 hängt das Schild im Stil einer SBB-Haltestellentafel nach grossem Widerstand in der Stadt über dem 2012 eingerichteten Kunstraum bei der Talstation.

Das Projekt, bei der Talstation ein Wasserkraftwerk zu bauen und die dafür notwendigen Leitungen im Tunnel der Mühleggbahn zu verlegen wurde von der Stadt Ende 2017 abgebrochen, da die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei. [2]

2018 wird die Bahn umfassend renoviert. Der Tunnel, der an verschiedenen Stellen baufällig ist, muss umfassend saniert und soll bei dieser Gelegenheit auch leicht verbreitert werden. Ausserdem ist beabsichtigt, die Kabine zu ersetzen und zu vergrössern, mit zwei Fronteinstiegen zu versehen und den Zugang behindertengerecht zu gestalten.[3][4][5][6] Ein entsprechender Kredit wurde am 5. Dezember 2017 vom Stadtparlament gutgeheissen.[7][8] Der Umbau wurde am 3. April 2018 mit dem Herausheben der Kabine aus den Schienen begonnen. [9]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mühleggbahn funktionierte im Laufe der Zeit in ganz unterschiedlichen Betriebsarten:

Bergwärtsfahrender Wagen (Nr. 2) der Wassergewichts-Seilbahn auf der Eisenbrücke oberhalb der Talstation. Aufnahme 1940–1950
  • 1893 Wassergewichtsseilbahn: Die Mühleggbahn nahm im Jahre 1893 nach einer Bauzeit von einem Jahr ihren Betrieb auf. Sie wurde als eine Wassergewichtsseilbahn gebaut. Zwei Wagen waren durch ein Seil miteinander verbunden und bei der Bergstation wurde Wasser in den dort stehenden Wagen eingefüllt. Das Gewicht des Wassers bewirkte, dass dieser Wagen zu Tal fuhr und zugleich den zweiten Wagen in die Höhe zog.
  • 1950 Zahnradbahn:
    Zwischen 1949 und 1950 wurde die nur im Sommerhalbjahr fahrende Bahn in eine Zahnradbahn umgebaut und konnte von da weg das ganze Jahr durch verkehren. Die Zahnradbahn wurde am 1. April 1975[10] eingestellt.
  • 1975 Schrägaufzug:
    Von 1974 bis 1975 erfolgte ein weiterer Umbau mit Verlängerung. Die Bahn verkehrt seither als Pendelbahn, auch Schrägaufzug genannt.
  • 2004:
    Im Rahmen einer Gesamtsanierung im Sommer 2004 erhielt die Bahn eine neue Fahrgastkabine, die Eingangsbereiche der beiden Stationen wurden erneuert.
  • 2018 Gesamterneuerung inklusive Ersatz der Schienen, neuer Kabine mit frontseitigem, behindertengerechtem Einstieg, erhöhter Kapazität mit max. 38 Fahrgästen, höherer Fahrgeschwindigkeit und Neubau der Wartebereiche.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mühleggbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. webagentur.ch, www.webagentur.ch: Technische-Daten | St. Gallen | Mühleggbahn AG St.Gallen. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  2. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Kraftwerkleitung wird nicht vorfinanziert. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 13. Dezember 2017]).
  3. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Tunnel-Sanierung wird teuer. In: St. Galler Tagblatt Online. (tagblatt.ch [abgerufen am 24. März 2017]).
  4. St. Galler Nachrichten: Mühleggbahn muss Tunnel sanieren. Abgerufen am 24. März 2017.
  5. Immer Ärger mit der Mühleggbahn-Kabine. In: fm1today.ch. (fm1today.ch [abgerufen am 24. März 2017]).
  6. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Poppiger und bequemer. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 13. Dezember 2017]).
  7. Sachgeschäft vom 22.05.2017. Abgerufen am 13. Dezember 2017.
  8. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Freie Fahrt fürs Bähnli. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 13. Dezember 2017]).
  9. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Kran hebt Mühleggbähnli von den Schienen. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 4. April 2018]).
  10. Eisenbahn Amateur 5/1975, Seite 226.
  11. St. Galler Tagblatt AG, Switzerland: Ein halbes Jahr ohne Mühleggbähnli. In: St.Galler Tagblatt. (tagblatt.ch [abgerufen am 4. April 2018]).

Koordinaten: 47° 25′ 20″ N, 9° 22′ 39″ O; CH1903: 746299 / 254175