Mallinckrodt (Adelsgeschlecht)

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Wappen derer von Mallinckrodt

Mallinckrodt ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts aus der Grafschaft Mark.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschlecht erscheint erstmals urkundlich im Jahr 1241 mit dem Ritter Ludwig de Mesekenwerke.[1] Die Familie benannte sich später nach ihrem Sitz Burg Mallinckrodt, die sie schon ab etwa 1250 als Lehen der Herren von Volmarstein besaß. Zum Familienbesitz gehörten auch eine Reihe der umliegenden Höfe, darunter das Gut Obergedern und das Gut Hoven in Oberwengern (später Haus Howe).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gold eine mit drei schmalen spitzen schwarzen Blättern im Schächerkreuz besteckte rote Kugel; auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei wachsende Arme in schwarzen Ärmeln mit silbernen Aufschlägen und naturfarbenen Händen, deren aufgerichtete Zeigefinger durch einen glatten goldenen Ring gesteckt sind.

Wappen an der Bodleian Library, Oxford

Dortmunder Familienzweig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein jüngerer Familienzweig geht auf Evert Mallinchroide (Eberhard Mallinckrodt) zurück, urkundlich 1488–1516 erwähnt und 1526 verstorben, Grundbesitzer in Recklinghausen und Dortmund. Dessen Nachkommenschaft gehörte ursprünglich nicht zum Patriziat der Stadt, stieg aber im 16. Jahrhundert in das Honoratiorenbürgertum der Stadt auf. Die Mallinckrodts gehörten der Gilde der Wandschneider an und verdienten ihr Vermögen mit dem Tuchhandel. Die Mitgliedschaft in der Wandschneidergesellschaft, seit 1589 waren über 30 Mitglieder der Familie in dieser Gilde nachweislich tätig, eröffnete der Familie das politische Anrecht auf eine Mitgliedschaft im Rat der Stadt.

Von 1605 bis 1805 gab es im Dortmunder Rat 16 Vertreter der Familie. Zwei davon waren Bürgermeister und vier Mallinckrodts bekleideten das Amt des Stadtrichters.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es unter Adelsforschern einen Streit um die Adelsanerkennung dieser Dortmunder Linie, da die direkte Abstammung zum alten Adelsgeschlecht derer von Mallinckrodt nicht nachgewiesen werden konnte.[2] Doch wurde 1902 bzw. 1903 die Zugehörigkeit zum alten Adelsgeschlecht derer von Mallinckrodt vom Preußischen Heroldsamt in Berlin anerkannt (siehe unten).

Franz Mallinckrodt war zwischen 1812 und 1832 Maire und Bürgermeister der Stadt Dortmund. Sein Neffe war der Publizist Arnold Mallinckrodt (1768–1825). Der Oberregierungsrat Detmar von Mallinckrodt (1769–1842) wirkte in Aachen und setzte sich in Paderborn zur Ruhe. Seine Kinder waren die Zentrumspolitiker Hermann von Mallinckrodt und Georg von Mallinckrodt sowie die 1985 seliggesprochene Ordensgründerin Pauline von Mallinckrodt, die auch das Mallinckrodt-Gymnasium Dortmund gründete[3].

Der weitere Aufstieg dieses Familienzweigs vollzog sich dann außerhalb von Dortmund. Im Rheinland und in Belgien betätigten sie sich als Tuchhändler. Edward Mallinckrodt Sr. (1845–1928), ein Enkel von Arnold Mallinckrodt, gründete gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Otto († 1878) und Gustav († 1877) in St. Louis, Missouri, 1867 die Firma Mallinckrodt Chemical Works. Im 20. Jahrhundert zog Georg Wilhelm von Mallinckrodt (* 1930) nach London, wo er Charmaine Schröder heiratete und Teilhaber von Schroders wurde.

Darstellung von Böddeken bei Alexander Duncker (19. Jh.)

Adelserhebungen und Adelsanerkennungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Detmar Mallinckrodt, Gutsherr auf Gut Böddeken (heute in Wewelsburg) im früheren Landkreis Büren und königlich preußischer Regierungsvizepräsident in Aachen, wurde am 18. Juli 1834 in Berlin in den preußischen Adelsstand erhoben. Dessen Nachkommen erhielten am 4. Juli 1903 die preußische Anerkennung des alten Adels und der Zugehörigkeit zum alten Adelsgeschlecht derer von Mallinckrodt. Am 18. September 1912 erklärte das Königliche Heroldsamt in Berlin, dass der 1834 verliehene Adelsstand als solcher nicht mehr fortbesteht, sondern durch die Anerkennung von 1903 in Wegfall gekommen ist.

Dieselbe Adels- und Zugehörigkeitsanerkennung hatte zuvor am 19. Juli 1902 mit Diplom vom 8. September 1902 schon Gustav von Mallinckrodt erhalten, Großkaufmann, Fabrik- und Gutsbesitzer, königlich preußischer Geheimer Kommerzienrat, sowie die Witwe Anna und die Söhne Paul und Max seines bereits 1880 verstorbenen Bruders Felix Mallinckrodt, königlich preußischer Bergreferendar und Gutsbesitzer.

Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bernhard von Mallinckrodt, 1650

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VIII, Band 113 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1997, ISSN 0435-2408
  • August Meininghaus: Der soziale Aufstieg der Dortmunder Mallinckrodt. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 44, 1938, S. 369
  • Dietrich von Mallingrodt, Werner Frese (Bearbeiter): Die von Mallinckrodt zu Steinberg und ihre Nachkommen in Dortmund und Paderborn. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark 78, 1987, S. 31
  • Gustav von Mallinckrodt: Urkundenbuch der Familie von Mallinckrodt. Erster Band: Urkunden 1250–1580, Carl Georgi Verlag, Bonn 1911 (Digitalisat)
  • Gustav von Mallinckrodt: Urkundenbuch der Familie von Mallinckrodt. Zweiter Band: Urkunden 1581–1650, Nachträge 1397-1627, Aufschwörungen, Register, Siegel und Denkmäler, Carl Georgi Verlag, Bonn 1911 (Digitalisat)
  • Kurt Theodor Otto Friedrich von Mallinckrodt: Sippendatei derer von Mallinckrodt 1241–1990. Dortmund: Selbstverlag, 1992
  • Christoph Franke: Wirtschaft und Politik als Herausforderung. Die liberalen Unternehmer (von) Mallinckrodt im 19. Jahrhundert (= Zeitschrift für Unternehmensgeschichte, Beiheft 88), Stuttgart 1995.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mallinckrodt family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urkundenbuch der Familie von Mallinckrodt
  2. Gustav Luntowski: Dr. jur. Arnold Mallinckrodt
  3. Über 165 Jahre Schulgeschichte | Mallinckrodt-Gymnasium. In: Mallinckrodt-Gymnasium. (mallinckrodt-gymnasium.de [abgerufen am 7. März 2017]).