Burg Gamburg

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Burg Gamburg
Gamburg 120910.jpg
Alternativname(n): Oberes Schloss
Entstehungszeit: Mitte des 12. Jh.
Burgentyp: Höhenburg, Spornlage
Erhaltungszustand: Erhalten
Ständische Stellung: Erzbischöfe, Grafen, Freiherren
Bauweise: Sandstein
Ort: Gamburg
Geographische Lage 49° 41′ 46″ N, 9° 36′ 10,2″ OKoordinaten: 49° 41′ 46″ N, 9° 36′ 10,2″ O
Burg Gamburg (Baden-Württemberg)
Burg Gamburg

Die Burg Gamburg, auch Oberes Schloss Gamburg genannt, ist eine im 12. Jahrhundert gegründete Spornburg in Gamburg, einem Ortsteil der Gemeinde Werbach im Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg. Sie liegt direkt über Gamburg auf einem Bergsporn oberhalb der Tauber. Der Begriff Oberes Schloss entstand zur Unterscheidung der Burg Gamburg vom Unteren Schloss Gamburg.[1]

Die Burg befindet sich seit 1546 in Privateigentum und wird bewohnt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg wurde Mitte des 12. Jahrhunderts von den Erzbischöfen von Mainz erbaut, erstmals 1157 als „castrum Gamburc“ erwähnt und ging gleichzeitig als Lehen von Erzbischof Arnold von Selenhofen in den Besitz des Edelfreien Beringer von Gamburg, welcher dafür dem Erzbischof die villula Brunnenbach, den heutigen Schafhof bei Bronnbach, überließ.[2] Die Herren von Gamburg starben bereits 1219 aus und die Burg wurde danach als Amtssitz mit Burgmannen besetzt.

1546 erwarb Eberhard Rüdt von Collenberg die Burg vom Mainzer Erzbischof durch Tausch. Danach erbten die Burg Dietrich von Hattstein (1568), Eberhard Brendel von Homburg (1570), die Vettern Hartmut der Ältere und der Mittlere von Kronberg (1590), Hartmut der Ältere von Kronberg alleine (1592), die Herren (später Freiherren) von Dalberg (1606) sowie die Freiherren (später Reichsgrafen) von Ingelheim (1722). 1936 ging die Burganlage an Emanuel Graf von Westerholt-Gysenberg. Nach dem Krieg wurden hier Heimatvertriebene untergebracht. 1947 vermietete Graf von Westerholt-Gysenberg Teile der Burg dem Caritasverband; als Untermieter wurden 1949 die ländliche Heimvolkshochschule für Nordbaden und 1957 eine Förderschule für Aussiedler aufgenommen. Seit 1980 ist die Burg im Eigentum der Familie von Mallinckrodt.

Anlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung der Gamburg mit Ort (um 1530)

Im Zentrum der Burganlage mit beinahe ovalem Grundriss steht der romanische Bergfried mit einer Grundfläche von ca. 10 × 10 Metern und einer Mauerstärke von ca. 3 Metern; anders als viele Türme gleicher Zeitstellung weist er kein Buckelquaderwerk, sondern glatte Außenwände auf, die ursprünglich verputzt waren. Um den Innenhof gruppieren sich die ehemaligen Stallungen, das so genannte Försterhaus sowie das gegenüberliegende "Schloss", bestehend aus dem Kapellenturm, dem Palas, dem Mittleren Bau sowie dem Hinteren Bau, in dem sich seit 1921 eine Kapelle befindet. Die Kernburg umgab eine Zwingeranlage mit sechs halbrunden Schalentürmen, einem runden Eckturm, einem äußeren Tor mit zwei Rundtürmen sowie der später zu einem barocken Burgpark gestaltete Halsgraben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Burgen wurde die Gamburg zwar, wie z. B. in der Renaissance, einige Male umgebaut, doch wurde sie nie zerstört und war allzeit bewohnt. Auch im Bauernkrieg blieb sie dank des persönlichen Einschreitens Götz von Berlichingens als eine der wenigen Burgen unversehrt.

Der Palas mit den romanischen Wandmalereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 12. Jahrhunderts wurde auf der Gamburg ein Saalgeschossbau errichtet, der über dem Kellergeschoss zwei weitere repräsentative und ungeteilte Geschosse besaß. Bauherr war vermutlich Beringer der Jüngere von Gamburg um 1180. Der Saal im ersten Obergeschoss besitzt eine Grundfläche von 126 m². Er verfügte ursprünglich über eine Fußbodenheizung und ungewöhnlich weite romanische Doppelarkaden, die mit ihrer Bemalung teilweise erhalten sind.

Die 1986 entdeckten spätromanischen szenischen Malereibefunde des Palas gehören zu den ältesten erhaltenen profanen Wandmalereien nördlich der Alpen. Im Zusammenhang der Besitzergeschichte der Burg sind sie mit Sicherheit vor 1219 entstanden.[3] Die nur teilweise erhaltenen Wandmalereien sind mit lateinischen und deutschen Inschriften versehen und erzählen in Form einer fortlaufenden Bildergeschichte Begebenheiten aus dem Dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Beringer d. J. von Gamburg war beim Dritten Kreuzzug mit dabei gewesen und ist als Auftraggeber der Malereien anzusehen. Er hatte sich den Truppen des Würzburger Bischofs Gottfried von Spitzenberg-Helfenstein angeschlossen, der zuvor kaiserlicher Hofkanzler gewesen war.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Wolter-von dem Knesebeck: Die Wandmalereien auf der Gamburg und ihr Bildprogramm im Kontext der profanen Wandmalerei des Mittelalters. In: Repräsentation und Erinnerung. Herrschaft, Literatur und Architektur im Hohen Mittelalter an Main und Tauber, hg. von Peter Rückert und Monika Schaupp in Verbindung mit Goswin von Mallinckrodt. Stuttgart 2016, S. 179–203.
  • Thomas Biller: Entdeckung eines Palas mit spätromanischer Ausmalung auf der Gamburg (Main-Tauber-Kreis). In: Burgen und Schlösser. 1990/II, S. 117–119.
  • Norbert Bongartz: Romanischer Palas in der Gamburg entdeckt. In: Die Denkmalpflege. 1994, Heft 1, S. 47–48.
  • Helga Fabritius: Die mittelalterlichen Wandmalereien der Gamburg. In: Burgen und frühe Schlösser in Thüringen und seinen Nachbarländern. Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, München/ Berlin 2000, S. 253–264 (= Forschungen zu Burgen und Schlössern, Band 5).
  • Johannes Gromer: Der Palas der Gamburg. In: Burgen und Schlösser. 1995/I, S. 6–17. (Auszug hier online)
  • Johannes Gromer: Die Gamburg, ihr romanischer Palas. In: Burgen und frühe Schlösser in Thüringen und seinen Nachbarländern. Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, München/ Berlin 2000, S. 243–252 (= Forschungen zu Burgen und Schlössern, Band 5).
  • Friedrich Wilhelm Krahe: Burgen des Deutschen Mittelalters. Flechsig, Würzburg (1998) 2000, ISBN 3-88189-360-1.
  • Volker Rödel: Die Gamburg: Burg, Geschlecht und Burgbesatzung im 12. und 13. Jahrhundert nach den Schriftquellen. Burgen und frühe Schlösser in Thüringen und seinen Nachbarländern. Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern, München/ Berlin 2000, OCLC 315945466, S. 231–242 (= Forschungen zu Burgen und Schlössern, Band 5).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burg Gamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gamburg. Gemeinde Werbach, abgerufen am 1. Juni 2015.
  2. Michael Geringhoff: Einer der schwersten Fehler meines Lebens. In: Wertheimer Zeitung. 29. Juni 2012.
  3. Harald Wolter-von dem Knesebeck 2016.