Malte Herwig

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Malte Herwig (* 2. Oktober 1972 in Kassel) ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Literaturkritiker.

Malte Herwig studierte nach dem Besuch des Kasseler Friedrichsgymnasiums Literatur, Geschichte und Politikwissenschaften an den Universitäten Mainz, Oxford und Harvard. Von 2000 bis 2003 war er Fellow des Merton College in Oxford und wurde dort 2002 mit einer Arbeit über Thomas Mann promoviert. Seine Dissertation Bildungsbürger auf Abwegen: Naturwissenschaft im Werk Thomas Manns wurde 2004 mit dem erstmals vergebenen Thomas-Mann-Förderpreis der Deutschen Thomas Mann-Gesellschaft ausgezeichnet.

Seit 2002 publiziert Herwig in deutschen und internationalen Medien, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Welt, Deutschlandradio Kultur, Literaturen, Cicero, Weltwoche, Observer und New York Times. Er war mehrere Jahre Redakteur im Kulturressort des Spiegel, wo er mit investigativen Kultur-Reportagen über Schillers Schädel[1], die mexikanische Lesepolizei[2], den Holocaust-Leugner David Irving[3] und die nordkoreanische Filmindustrie[4] Aufsehen erregte. 2005 erschien Eliten in einer egalitären Welt, eine Auseinandersetzung mit der neu aufkommenden Debatte um Eliteuniversitäten.

Im November 2010 erschien bei der DVA seine Biografie über den Schriftsteller Peter Handke Meister der Dämmerung.

2009 löste er eine Kontroverse aus, als er in der Weltwoche und im Zeit-Magazin aufgrund von Recherchen im Bundesarchiv die mutmaßliche NSDAP-Mitgliedschaft des Komponisten Hans Werner Henze und des Schriftstellers Dieter Wellershoff enthüllte.[5][6] Die Publizistin Franziska Augstein entgegnete, Henze habe es nicht verdient, dass sein „lebenslanges Eintreten in Wort und Ton für Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit [...] zu einer Bußübung degradiert“ werde.[7] Die Echtheit der NSDAP-Mitgliedskarten von Henze und Wellershoff konnte jedoch nicht widerlegt werden. Zum Thema NSDAP-Mitgliedschaften veröffentlichte Herwig 2013 den Spiegel-Bestseller Die Flakhelfer.

Im Sommer 2015 erschien Die Frau, die Nein sagt über das Leben der Malerin Françoise Gilot, der einzigen Frau, die es wagte, Picasso zu verlassen. Das Buch beruht auf zahlreichen Begegnungen mit Gilot, die Herwig in ihren Ateliers in Paris und New York besuchte, und stand wochenlang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die vertauschten Köpfe, DER SPIEGEL, 5. Mai 2008
  2. Die Lesepolizei, DER SPIEGEL, 24. September 2007
  3. Der Zocker mit dem Hakenkreuz, DER SPIEGEL, 16. Januar 2006
  4. North Korea's Very Cautious Cinematic Thaw, New York Times, 21. November 2008
  5. Das doofe Dur der Angepassten, Weltwoche, 12. Februar 2009
  6. Das beredte Schweigen. Zum Umgang von Künstlern und Intellektuellen mit der eigenen NS-Vergangenheit, Sendung vom 3. März 2009 im Deutschlandradio Kultur
  7. Mehr vom selben. H. W. Henze und die NSDAP, Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2009