Marawi

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Marawi
Lage von Marawi in der Provinz Lanao del Sur
Karte
Basisdaten
Region: Autonomous Region in Muslim Mindanao
Provinz: Lanao del Sur
Barangays: 96
Distrikt: 1. Distrikt von Lanao del Sur
PSGC: 153617000
Einkommensklasse: 4. Einkommensklasse
Haushalte: 20.375
Zensus 1. Mai 2000
Einwohnerzahl: 187.106
Zensus 1. Mai 2010
Bevölkerungsdichte: 8279 Einwohner je km²
Fläche: 22,6 km²
Koordinaten: 8° 0′ N, 124° 18′ OKoordinaten: 8° 0′ N, 124° 18′ O
Postleitzahl: 9700
Vorwahl: +63 63
Bürgermeister: Majul Gandamra
Geographische Lage auf den Philippinen
Marawi (Philippinen)
Marawi
Marawi

Marawi, Filipino: Lungsod Islamiko ng Marawi („Islamische Stadt Marawi“), Maranao-Sprache: Inged san Marawi, ist eine Stadt in der Provinz Lanao del Sur auf der Insel Mindanao im Süden der Philippinen.

Sie ist die Hauptstadt dieser Provinz und liegt am nördlichen Ufern des Lanao-Sees auf der Insel Mindanao. Die Stadt gehört politisch dem Bezirk Autonomous Region in Muslim Mindanao an.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Marawi leitet sich ab von dem Wort rawi aus der Sprache der Volksgruppe der Maranao und heißt liegend, was sich auf eine Lilienart bezieht, die sich an den Ufern um den Mund des Agus River rankt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im westlichen Teil von Mindanao und ist von den Gemeinden Marantao und Saguiaran im Westen, von Bubong und Ditsaan Ramain im Osten und von Kapai und Saguiran im Norden umgeben. Im Süden liegt der Lanao-See.

Die Stadt wurde am Ausfluss des Lanao-Sees, dem Agus River, gegründet. Stadt und See liegen in einer Höhe von 700 m über dem Meeresspiegel. Das Stadtgebiet ist hügelig, teilweise auch gebirgig.

Baranggays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marawi ist politisch unterteilt in 96 Baranggays.

  • Ambolong
  • Amito Marantao
  • Bacolod Chico Proper
  • Banga
  • Bangco
  • Banggolo Poblacion
  • Bangon
  • Basak Malutlut
  • Beyaba-Damag
  • Bito Buadi Itowa
  • Bito Buadi Parba
  • Boganga
  • Boto Ambolong
  • Buadi Sacayo
  • Bubong Lumbac
  • Bubonga Cadayonan
  • Bubonga Lilod Madaya
  • Bubonga Marawi
  • Bubonga Pagalamatan
  • Bubonga Punod
  • Cabasaran
  • Cabingan
  • Cadayonan
  • Cadayonan I
  • Calocan East
  • Calocan West
  • Daguduban
  • Dansalan
  • Datu Naga
  • Datu Sa Dansalan
  • Dayawan
  • Dimaluna
  • Dulay
  • Dulay West
  • East Basak
  • Emie Punud
  • Fort
  • Gadongan
  • Gadongan Mapantao
  • Guimba
  • Kapantaran
  • Kilala
  • Kormatan Matampay
  • Lilod Madaya
  • Lilod Saduc
  • Lomidong
  • Lumbac Marinaut
  • Lumbaca Madaya
  • Lumbaca Toros
  • Malimono
  • Marawi Poblacion
  • Marinaut East
  • Marinaut West
  • Matampay
  • Mipaga Proper
  • Moncado Colony
  • Moncado Kadingilan
  • Moriatao Loksadato
  • Navarro
  • Norhaya Village
  • Olawa Ambolong
  • Pagalamatan Gambai
  • Pagayawan
  • Panggao Saduc
  • Pantaon
  • Papandayan
  • Papandayan Caniogan
  • Paridi
  • Patani
  • Pindolonan
  • Poona Marantao
  • Pugaan
  • Rapasun MSU
  • Raya Madaya I
  • Raya Madaya II
  • Raya Saduc
  • Rorogagus East
  • Rorogagus Proper
  • Sabala Manao
  • Sabala Manao Proper
  • Saduc Proper
  • Sagonsongan
  • Sangcay Dansalan
  • Somiorang
  • South Madaya Proper
  • Sugod Proper
  • Tampilong
  • Timbangalan
  • Tolali
  • Tongantongan-Tuca Timbangalan
  • Toros
  • Tuca
  • Tuca Ambolong
  • Tuca Marinaut
  • Wawalayan Calocan
  • Wawalayan Marinaut

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marawi war ursprünglich eine Gemeinde des Ortes Dansalan. Dansalan bedeutet „Bestimmungsort“. Der Ort wurde am 20. Mai 1907 gegründet und gehörte zu der damaligen Provinz Moro. Am 19. August 1940 wurde Danasalan durch den Commonwealth Act Nr. 592 zu einer beurkundeten Stadt, eine Einweihung fand jedoch wegen des Pazifikkrieges erst am 30. September 1950 statt. Am 16. Juni 1956 wurde Dansalan City durch eine Kongressverordnung, den Republic Act Nr. 1552, in Marawi umbenannt. Der Namenswechsel wurde zu Ehren der Marawi Sultanate Confederation (Bund der Marawi Sultanate) durchgeführt. Am 15. April 1980 wurde die Stadtbezeichnung durch die Council Resolution Nr. 19 erweitert, sie heißt seither „Islamic City of Marawi“, da sie die einzige Stadt auf den Philippinen ist, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wird; deren Anteil an der Bevölkerung beträgt 92 Prozent.

Als die Hauptstadt der Provinz Lanao del Sur ist Marawi eine Wirtschafts-, Bildungs-, Kultur- und Politikzentrale der Provinz und zudem das Islamische Zentrum des philippinischen Südens.

Schlacht um Marawi 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Mai 2017 wurden weite Teile der Stadt von rund 440 Kämpfern[1] unter ihre Kontrolle gebracht, die der lokalen "Maute"-Gruppierung zugerechnet werden. Der Überraschungsangriff erfolgte, nachdem zuvor die Behörden den vermeintlichen IS-Anführer Isnilon Hapilon zu verhaften versuchten. Die islamistische Maute-Gruppe hat dem Islamischen Staat die Treue geschworen, ist aber unabhängig von ihm organisiert.[2] Nach Ausbruch der Kämpfe brannten sie die Kirche St. Mary Auxillidaro und eine Schule nieder, stürmten das örtliche Gefängnis und befreiten dort Gefangene.[3]

Präsident Duterte rief anschließend den Ausnahmezustand für die Insel Mindanao aus. Armeeeinheiten rückten nach Marawi vor und Duterte wies die Soldaten an, alle angetroffenen Bewaffneten, die nicht von der Regierung ermächtigt seien, Waffen zu tragen, zu töten und „auszulöschen“.[4] Zehntausende Bewohner flüchteten vor den Kämpfen zwischen Islamisten und Regierungstruppen, innerhalb der ersten Woche wurden mindestens 140 Menschen bei den Kämpfen getötet.[5] Die islamistischen Kämpfer wurden schließlich von Armeeeinheiten zurückgedrängt und im Stadtzentrum, gemeinsam mit rund 2000 Zivilpersonen, eingeschlossen.[1] FA-50 Kampfflugzeuge der Regierung griffen das Stadtzentrum am 3. Juni mit Bomben an, Regierungsvertreter schätzten, dass zu dem Zeitpunkt noch 250 islamistische Kämpfer am Leben waren. Ein Versuch, den verbliebenen Zivilisten am 4. Juni während eines Waffenstillstandes den Abzug zu ermöglichen, scheiterte.[1]

Sprache und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Einwohner von Marawi sind Muslime. Der Dialekt Maranao ist die verbreitetste Sprache im Stadtgebiet (96,18 %) und wird sowohl von Muslimen wie auch von Christen verstanden. Danach folgen Bisaya/Binisaya mit 1,29 % und Cebuano mit 1,14 %. Andere ethnische Gruppen sprechen Tagalog (0,29 %) oder Hiligaynon/Ilonggo (0,14 %).

Ein Großteil der Studenten dieser Stadt beherrscht zudem die arabische Sprache in Wort und Schrift. Die meisten Schulen vermitteln zudem die Amtssprache Englisch.

Zu den traditionellen Tänzen zählt der Singkil, ein bekannter philippinischer Folkloretanz. Dabei werden zwei Paare von Bambusstangen kreuzweise angeordnet und rhythmisch abwechselnd dreimal auf den Boden und dann einmal aneinander geklopft. Der oder die Akteure tanzen elegant zwischen den Bambusstangen, solange sie auf den Boden geklopft werden, und heben ihre Füße, werden diese aneinandergeschlagen. Die Schlagfrequenz wird kontinuierlich erhöht und die Tänzer passen sich diesem Rhythmus an. Den Frauen ist es im Übrigen nicht erlaubt, mit Männern zu tanzen.

Ein weiterer Tanz ist der Kini-kini, eine spezielle artistische Art des Gehens der Maranao-Frauen wird in dem Tanz dramaturgisch dargestellt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptindustrie der Stadt ist ausgerichtet auf die Verarbeitung von verschiedenen Rohstoffen. So existieren viele Reis- und Getreidemühlen, Unternehmen zur Herstellung von Hohlbetonsteinen, Werkstätten der Goldschmiedekunst und eine Anzahl von Sägewerke. Kleinere und große Firmen produzieren aus Baumwolle Kleider, Fußmatten und einheimische Gewänder, wie den malong.

Daneben sind in der Stadt die Weidmannskunst, die Erstellung von Messingwaren und das klassische Schmiedehandwerk vertreten.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem hoch gelegenen Stadtgebiet ist das Wetter für tropische Verhältnisse kühl und angenehm, unterbrochen von gelegentlichen Regenfällen, die das ganze Jahr über auftreten können.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aga Khan Museum
  • Gebirgs- und Hügellandschaft, wie den Signal Hill, den Arumpac Hill und den Mt. Mupo.
  • Lanao-See
  • Bagang Beach in Caloocan.
  • Agus-Fluss zwischen den Stadtteilen Saduc und Lilod
  • Mindanao State University

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c "Gunfire during ceasefire stops civilians fleeing fighting in Philippines" The Guardian com 4. Juni 2017
  2. Philippinen: Zahlreiche Tote im Kampf um die Großstadt Marawi. In: Die Zeit. 28. Mai 2017, abgerufen am 28. Mai 2017.
  3. "Battle for Marawi" Reuters vom 2. Juni 2017
  4. Anna Schaverien : "Death toll nears 100 on sixth day of violence in Philippines" The Telegraph vom 28. Mai 2017
  5. "Philippinische Soldaten von eigener Luftwaffe getötet" Deutsche Welle vom 1. Juni 2017