Marc Jan Eumann

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Marc Jan Eumann (2010)

Marc Jan Eumann (* 26. Februar 1966 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war von 2010 bis 2017 Staatssekretär für Bundesangelegenheiten (bis 2015), Europa und Medien in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eumann studierte nach dem Abitur 1985 (Hölderlin-Gymnasium, Köln) bis 1988 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Geschichte, politische Wissenschaft und rechtswissenschaftliche Fächer (Öffentliches Recht). Von 1988 bis 1991 studierte er an der Universität zu Köln Mittlere und Neuere Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte, ein rechtswissenschaftliches Teilgebiet (Völkerrecht) und Kunstgeschichte. Er schloss sein Studium 1991 mit dem Magister Artium (M. A.) ab.

In den Jahren 1985 bis 1990 arbeitete er zudem als Journalist u. a. für den WDR, das Deutschlandradio und den Kölner Stadt-Anzeiger. Von 1990 bis 1992 war Eumann Referent für publizistische Aktivitäten im Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Köln. Anschließend war er zunächst als Referent, dann bis 1995 als Leiter des Referates „Politische Kommunikation und Analysen“ im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen tätig. 1995 wurde er erstmals in den nordrhein-westfälischen Landtag gewählt. Von 2000 bis 2010 war Eumann stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion.

Im Jahr 2002 wurde Eumanns Verwicklung in die Kölner Spendenaffäre bekannt, bei der er fingierte Spendenquittungen erhalten und beim Finanzamt eingereicht hatte.[1][2] Das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft gegen Zahlung eines niedrigen vierstelligen Betrages an eine gemeinnützige Organisation ein. Von Juli 2010 bis Juni 2017 war Eumann Staatssekretär für Bundesangelegenheiten (bis 2015), Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Februar 2011 promovierte er an der TU Dortmund bei Horst Pöttker zum Thema „Deutscher Pressedienst“. Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Pöttker wenige Monate nach der Verleihung der akademischen Würden an Eumann bei der Staatskanzlei NRW die Förderung einer journalistischen Initiative beantragt und dafür 210.000 Euro Projektmittel erhalten hatte.[3] Eumann hatte sich im Vorfeld der Entscheidung für befangen erklärt. Dies wurde durch die Innenrevision der Staatskanzlei bestätigt. Die Opposition im Landtag Nordrhein-Westfalens kritisierte deren Bericht als nicht hinreichend transparent und unabhängig.[4]

Selbstplagiatsaffäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenfalls im Januar 2013 wurden Vorwürfe des „Selbstplagiats“ in Bezug auf eben jene Doktorarbeit laut. In einer Rezension der Arbeit in der Fachzeitschrift "Publizistik" (57. Jahrgang 2012, Nr. 4, S. 470–472) kommt der Medienwissenschaftler Arnulf Kutsch zu dem Urteil, Eumann habe vor allem die eigene Magisterarbeit aus dem Jahr 1991 „aufgepeppt“, ohne dies im Text der Doktorarbeit deutlich zu machen oder sie zu zitieren. Kutsch bemängelt weiter, Eumann habe eine weitgehend mangelhafte Quellenarbeit betrieben und seine alte Magisterarbeit weder konzeptionell noch methodisch oder inhaltlich erweitert.[5] In einer Vorbemerkung legt Eumann offen, dass er Rechercheergebnisse seiner Magisterarbeit für die Doktorarbeit aufgriff. Nach Vorprüfung durch eine elfköpfige „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ der TU Dortmund Mitte Februar 2013 und einer Befragung aller am Verfahren beteiligten Personen durch eine Unterkommission, der vier Mitglieder und als beratendes Mitglied ein Vertreter des Universitäts-Justitiariats der TU Dortmund angehörten, hat die TU Dortmund wegen der Komplexität der Sach- und Rechtslage ein juristisches Gutachten eines externen Rechtsexperten in Auftrag gegeben.[6] Im Juli 2013 wurde bekannt, dass die Universität ein Aberkennungsverfahren einleiten wird.[7]

Am 9. April 2014 entschied der Rat der Fakultät Kulturwissenschaften gegen eine Aberkennung des Grades, da Eumann keine vorsätzliche Täuschungsabsicht habe nachgewiesen werden können. Dieser Nachweis wäre allerdings rechtlich nicht erforderlich gewesen, da die Aberkennung eines akademischen Grades auch wegen Nichterfüllung der Mindeststandards möglich ist.[8] Eumanns Doktorvater Horst Pöttker zeigte sich schockiert über die Entscheidung der Universität, Eumann den Doktorgrad nicht abzuerkennen. Er fühle sich durch Eumann mehrfach getäuscht.[9] Zweitgutachter Ulrich Pätzold wusste von der Vorarbeit und hatte Eumann selbst zur Wiederaufnahme des Themas ermutigt.[10] Der FAZ-Redakteur Reiner Burger hat die Nichtaberkennung des Grades deutlich kritisiert; er spricht von der „Karikatur einer Entscheidung“.[11]

Eumann ist verheiratet und hat drei Töchter.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eumann ist seit 1987 Mitglied der SPD. Von 1991 bis 1994 war er Vorsitzender der Jusos im Bezirk Mittelrhein, von 1993 bis März 2007 Mitglied im Vorstand der Kölner SPD. Er ist zudem Mitglied der Gewerkschaft ver.di, der Arbeiterwohlfahrt und der SJD „Die Falken“.

Eumann war von 1995 bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär 2010 Abgeordneter des Landtags Nordrhein-Westfalen. Ab 2000 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und koordinierte die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien.

Mitgliedschaft in Ausschüssen:

Eumann ist seit 2006 Vorsitzender der Medien- und Netzpolitischen Kommission beim SPD-Parteivorstand, Berlin, sowie im Beirat der „musikfabrik nrw“. Er war von 1995 bis 2010 Mitglied im WDR-Rundfunkrat und von 2010 bis 2016 Mitglied im ZDF-Fernsehrat. Seit 2005 ist er Mitglied im Kuratorium der Internationalen Filmschule Köln und seit 2016 im Verwaltungsrat des Deutschlandradios.

Am 16. Juli 2010 wurde Eumann zum Staatssekretär bei Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, ernannt.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge von Marc Jan Eumann:

  • Neue Medienordnung. Plädoyer für eine rasche Reform des Rechts. In: epd medien 25/2006.
  • Fußball für Viele. Bundesliga und „Sportschau“: Ein Plädoyer auf das Recht auf mediale Teilhabe. In: Funkkorrespondenz 10/2008.
  • Wert und Stellenwert. Anmerkungen zum Entwurf des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages. In: Funkkorrespondenz 17/2008.
  • Nichts bleibt, wie es war – Vieles verändert sich, gute Inhalte bleiben gefragt – Aspekte sozialdemokratischer Medienpolitik in der Welt zwischen 0 und 1. In: Rundfunk-Perspektiven. Festschrift für Fritz Raff. Hrsg. vom Institut für Europäisches Medienrecht. Baden-Baden 2008.
  • Plädoyers für ein neues Zusammenwirken von Regulierung und Selbstregulierung. Hrsg. von Marc Jan Eumann und Martin Stadelmaier. Berlin 2009.
  • Kein Aufbruch in Sicht – Anmerkungen zur NRW Medienpolitik. In: Funkkorrespondenz 28-29/2009.
  • Guter Rat – Gremienaufsicht: notwendig, aber auch reformbedürftig. In: Professionalisierung der Medienaufsicht. Neue Aufgaben für Rundfunkräte – die Gremiendebatte. Hrsg. von Volker Lilienthal. epd-Medien, Wiesbaden 2009.
  • Für ein Wunder in kleinen Schritten. Aktuelle Probleme in der Vielfaltsicherung. Dokumentation. In: epd medien 50/2009.
  • Aktuelle Tendenzen und Entwicklungen in der Gesetzgebung zur Vielfaltssicherung. In: Publizistischer und ökonomischer Wettbewerb unter den Bedingungen der neuen Medienwelt. Schriftenreihe des Instituts für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln. Bd. 103. Hrsg. von K. Stern, K.-N. Peifer und K.-E. Hain. München 2010.
  • Mediennutzung im digitalen Zeitalter. Der digitale Konsument - Herausforderungen für Politik und Gesellschaft. In: Media Reloaded. Hrsg. von A. Picot und A. Freyberg. Heidelberg 2010.
  • Wo bitte geht's zur Zukunft? Rezepte für Überlebensstrategien. In: Neue Wahrheiten. Wer traut wem in der vernetzten Welt?. Hrsg. von Eva Appel. Mainz 2010.
  • Media Governance – Anreize schaffen, Vielfalt sichern. In: Vom Bau des digitalen Hauses. Festschrift für Norbert Schneider. Hrsg. vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht. Berlin 2010.
  • Internet a la carte – Wer oder was bleibt zukünftig auf der Strecke? Anmerkungen zur Debatte über die Netzneutralität und die Zukunft des Internets. In: Funkkorrespondenz 47/2010.
  • Politische Meinungsbildung und die partizipative Gesellschaft Web 2.0 - Applikationen zur Vorbereitung medienpolitischer Diskussionen?. In: Europäisches und nationales Medienrecht im Dialog. Festschrift aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des EMR. Hrsg. vom Institut für europäisches Medienrecht e.V. Baden-Baden 2010.
  • Journalismus am Abgrund. Wie wir in Zukunft Öffentlichkeit finanzieren. Berlin 2011.
  • Vielfaltsicherung in Zeiten der Konvergenz - Alter Wein in neuen Schläuchen oder: Aufbruch zu neuen Ufern?. In: Die Medienordnung der Zukunft – Studien zum deutschen und europäischen Medienrecht, Band 46. Frankfurt am Main 2011.
  • Der neue Rundfunksbeitragsstaatsvertrag. In: Die Macht der Medien. Medienrechtliches Kolloquium zum 75. Geburtstag von Hartmut Schiedermair. Studien zum deutschen und europäischen Medienrecht. Band 49. Frankfurt am Main 2011.
  • Mehr Medienpolitik. Impulse statt Generalabrechnung: Von der Rundfunk- zur Netzpolitik. In: Funkkorrespondenz 31-32/2011.
  • Der deutsche Presse-Dienst. Nachrichtenagentur in der Britischen Zone 1945-1949. Die Geschichte einer Medieninstitution im Nachkriegsdeutschland (= Dissertationsschrift). Herbert von Halem Verlag, Köln 2011. ISBN 978-3-86962-055-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marc Jan Eumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spiegel Online, 11. März 2002
  2. Kölner Stadtanzeiger, 29. Februar 2012
  3. WAZ Rechercheblog, 8. Januar 2013
  4. Medienkorrespondenz, 25. Januar 2013
  5. Spiegel Online, 9. Januar 2013
  6. Reiner Burger, Die Prüfung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23. Juni 2013.
  7. Reiner Burger, Eumann soll Doktortitel verlieren, 19. Juli 2013
  8. Doktortitel: Eumann darf Doktorgrad trotz Fehlverhalten behalten, Spiegel Online, 10. April 2014
  9. Dissertationsaffäre des SPD-Politikers Doktorvater: Ich fühle mich von Eumann getäuscht. Horst Pöttker, interviewt von Reiner Burger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. April 2014 (online [1]).
  10. Herrmann Horstkotte, NRW-Staatssekretär unter Plagiatsverdacht, Zeit Online vom 22. Juli 2013 [2].
  11. Reiner Burger: Dortmunder Discount-Doktor. Die Kommunikationswissenschaft hat ihr erstes Dissertations-Desaster mit einem Politiker. In: Publizistik, 59. Jahrgang 2014, S. 241-245 (online: S. 241f. [3]).