Margot Frank

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Margot Frank (1941)
Grabstein für Margot und Anne Frank auf der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen

Margot Betti Frank (* 16. Februar 1926 in Frankfurt am Main; † Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein ursprünglich aus Deutschland stammendes jüdisch-niederländisches Opfer des Holocaust. Sie ist bekannt geworden als die drei Jahre ältere Schwester von Anne Frank durch deren berühmtes Tagebuch.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Margot Frank wurde als erstes Kind ihrer Eltern Otto Frank und Edith Frank-Holländer geboren. Den Namen Betti erhielt sie in Erinnerung an die früh verstorbene Schwester ihrer Mutter.[1] Margot lebte ab 1927 im Haus Marbachweg 307 und wohnte daraufhin in der Ganghoferstraße 24 (beide im Stadtteil Dornbusch). Die Familie lebte in einer assimilierten Gemeinschaft von Juden und anderen Bürgern, und die Kinder wuchsen mit katholischen, protestantischen und jüdischen Freunden auf. Die Franks waren Reformjuden, die viele Traditionen des jüdischen Glaubens bewahrten, aber nur wenige Gebräuche pflegten.[2]

In Frankfurt besuchte Margot zunächst die Ludwig-Richter-Schule, später die Varrentrapp-Schule, und erhielt zusätzlich jüdischen Religionsunterricht.[3]

Die Familie Frank siedelte nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 von Frankfurt in Deutschland nach Amsterdam in den Niederlanden in eine Wohnung am Merwedeplein 37 im Stadtteil Rivierenbuurt (deutsch: Flussviertel) über. Im Sommer 1933 zog Otto in die Niederlande. Im Stadtzentrum von Amsterdam war er damit beschäftigt, seine neue Firma Opekta aufzubauen.[4] Edith kam im November nach um eine Wohnung zu suchen, Margot folgte im Dezember und Anne im Februar 1934.[5] Margot besuchte die nahe gelegene öffentliche Schule in der Jekerstraat,[3] lernte Niederländisch und hatte einen Kreis von Freundinnen. Danach besuchte sie ein Mädchengymnasium, spielte Tennis und ruderte gern. Mit Edith Frank-Holländer besuchte sie oft die liberale Synagoge, wo sie auch Relgionsunderricht erhielt.1940 wurde Margot Mitglied der zionistischen Jugendorganisation Makkabi Hazair.[6] Nach der Besetzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg durch die Deutschen 1940 nahmen immer neue antisemitische Gesetze Juden zunehmend ihre Rechte. Margot und Anne gingen auf dem jüdischen Lyceum zur Schule, nachdem es im Sommer 1941 für Juden verboten wurde, nicht-jüdische Schulen zu besuchen.

Margot Frank wurde durch viele Überlebende als die perfekte Tochter beschrieben. Sie war brav, ruhig und bekam gute Zensuren in der Schule. Sie hatte den Plan, nach dem Krieg ins damalige Mandatsgebiet Palästina auszuwandern, um dort Krankenschwester zu werden.

Etwa zwei Jahre nach der Besetzung der Niederlande begann Otto Frank im Hinterhaus der von ihm vormals geleiteten niederländischen Niederlassung der Opekta-Werke ein Versteck für seine Familie und die befreundete Familie van Pels vorzubereiten.

Im Sommer 1942 fingen die systematischen Deportationen von Juden aus den Niederlanden an. Am 5. Juli 1942 erhielt Margot einen Aufruf, um sich zum Transport in ein Arbeitslager nach Deutschland zu melden. Die Familie tauchte daraufhin am folgenden Tag in ihr Versteck unter, Familie van Pels folgte eine Woche später, einige Monate später folgte Fritz Pfeffer, ein Bekannter. Im Versteck wurden die Untergetauchten durch befreundete Mitarbeiter aus dem Betrieb versorgt. Margot verhielt sich im Versteck immer sehr ruhig und zurückhaltend, so dass die Helferin Miep Gies später nur über sie sagen konnte: „Sie war anwesend und das war alles“.[7] Margot las und lernte täglich viele Stunde mithilfe der zahlreichen Bücher, die die Familie Frank mitgenommen hatten.[8] Über Margot schrieb Anne Frank am 12. Januar 1944: Margot ist so lieb geworden, sie scheint mir ganz anders zu sein als früher. Sie ist längst nicht mehr so schnippisch und wird nun eine wirkliche Freundin.[9]

Am 4. August 1944 wurde das Versteck entdeckt, entweder durch Verrat oder im Zuge einer anderweitigen Ermittlung wegen Schwarzhandels,[10] und die Untergetauchten wurden verhaftet. Sie wurden zuerst ins Durchgangslager Westerbork gebracht und anschließend mit dem letzten Transport ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurden sie voneinander getrennt.

Stolpersteine für Familie Frank in Aachen

Margot und Anne gelangten mit einem weiteren Transport im Oktober 1944 ins KZ Bergen-Belsen. Dort starb Margot im März 1945 einige Tage vor ihrer Schwester an den Folgen einer Fleckfiebererkrankung, wenige Wochen vor der Befreiung des KZ.[11]

Wie Anne führte Margot während des Krieges ein Tagebuch, dieses wurde aber nicht gefunden.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Wohnung der Familie Frank am Pastorplatz 1 in Aachen erinnern im Gehweg eingelassene Stolpersteine an das Schicksal der Familie. Ebenso erinnern seit Februar 2015 an ihrem letzten offiziellen Wohnort am Merwedeplein 37 in Amsterdam Stolpersteine an die Familie.[12]

Margot Frank wurde in dem Spielfilm Das Tagebuch der Anne Frank (1959) von Diane Baker und in Anne Frank (2001) von Jessica Manley dargestellt. In den beiden BBC-Produktionen The Diary of Anne Frank wurde sie von Emma Harbour (1987) und Felicity Jones (2001) dargestellt. In dem 2016 erschienenen Film Das Tagebuch der Anne Frank unter der Regie von Hans Steinbichler spielt Stella Kunkat die Margot.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Margot Frank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anne Frank Stichting – Anne Franks Familie
  2. Margot Frank. In: Anne Frank Fonds. Abgerufen am 14. September 2021 (deutsch).
  3. a b Carol Ann Lee: Otto Franks Geheimnis. München 2005, ISBN 3-492-04477-8.
  4. Otto Frank. In: Anne Frank Fonds. Abgerufen am 14. September 2021.
  5. Rian Verhoeven: Anne Frank was niet alleen. Het Merwedeplein 1933–1945. Hrsg.: Prometheus. Prometheus, Amsterdam 2019, ISBN 978-90-446-3041-1, S. 7, 25, 31.
  6. Anne Frank Fonds: Margot Frank. In: https://www.annefrank.ch/de/familie/margot-frank. Abgerufen am 29. Juli 2021.
  7. Anne Frank Stichting – Die acht Untergetauchten
  8. Anne Frank Haus: Margot Frank. In: https://www.annefrank.org/de/anne-frank/die-hauptpersonen/margot-frank/#source-355875. Abgerufen am 29. Juli 2021 (deutsch).
  9. Anne Frank: Tagebuch Anne Frank. S. Fischer, Berlin 2001, ISBN 978-3-596-15277-3.
  10. Dr. Gertjan Broek: anne frank stichting – August 4, 1944. (PDF; 5 S., 158 KB) Anne-Frank-Stiftung, Dezember 2016, abgerufen am 11. April 2017 (englisch).
  11. Margot Frank. Anne Frank Fonds, abgerufen am 29. Juli 2021 (deutsch).
  12. Anne Frank: Merwedeplein 37, Amsterdam