Markgrafschaft Istrien

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Wappen der Markgrafschaft

Die Markgrafschaft Istrien (italienisch Marchesato d’Istria, kroatisch Markgrofovija Istra, slowenisch Mejna grofovija Istra) war eine Monarchie an der Adria, die auf dem Gebiet der Halbinsel Istrien existierte.

Das Land wurde 1849 gegründet und bildete bis zu seiner Auflösung 1918 ein Kronland des Kaisertums Österreich (bis 1867) und Österreich-Ungarns. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde das Land vom Königreich Italien annektiert.

Hauptstadt der Markgrafschaft war das heute kroatische Parenz (kroat. Poreč, ital. Parenzo).

Istrien innerhalb Österreich-Ungarns

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus Habsburg hatte seit 1364 die Herrschaft über die inneren Teile Istriens erlangt. Die Küstengebiete blieben unter der Herrschaft der Republik Venedig. Im Zuge der Koalitionskriege des revolutionären Frankreichs gegen die europäischen Monarchien wurde Venedig 1797 von Napoleon Bonaparte besetzt und die ehemalige Adelsrepublik im Frieden von Campo Formio zwischen Frankreich und der Habsburgermonarchie aufgeteilt. Dabei erlangte das Reich zum ersten Mal die ganze Herrschaft über die Halbinsel. Die Habsburger herrschten bis 1918, ausgenommen die kurzzeitige französische Besetzung 1805–1813.

Nach dem Zusammenbruch des französischen Kaiserreiches 1814 wurde Istrien im Königreich Illyrien Teil des österreichischen Kronlandes. Nach den Revolution von 1848/1849 im Kaisertum Österreich wurde dieses wieder aufgelöst und die Markgrafschaft Istrien im März 1849 gegründet. Erster Markgraf wurde in Personalunion Kaiser Franz Joseph I.

Kronland Österreich-Ungarns (1867–1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Karte der Markgrafschaft Istrien

Mit dem Februarpatent 1861, in dem den Kronländern ein gewählter Landtag und eine vom Kaiser ernannte Landesregierung sowie ein Landesausschuss zuerkannt wurde, erhielt auch Istrien als konstitutionelle Monarchie weitgehende innere Autonomie.

Mit dem österreichisch-ungarischen Ausgleich von 1867, mit dem die föderale Doppelmonarchie Österreich-Ungarn entstand, blieb Istrien ein eigenständiges Kronland der österreichischen Reichshälfte, wurde aber ab 1868 zusammen mit den beiden anderen Kronländern Reichsunmittelbare Stadt Triest und der Gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca durch einen k.k Landeschef von Triest aus verwaltet (Siehe Österreichisches Küstenland).

Das Wirtschaftswachstum Österreich-Ungarns führte durch den Ausbau des Handels auch in Istrien zu einem gewissen Aufschwung. Insbesondere die Küstenstädte, wie die Hauptstadt Poreč oder Pula, wo sich der wichtigste Kriegshafen der k.u.k. Kriegsmarine befand. Das schnelle Wachstum führte bald zur Einwanderung von Deutschen und Magyaren.

Auch begehrte die kroatische Bevölkerung auf. Obwohl die Kroaten und Slowenen, vor allem die ländliche Bevölkerung, nicht politisch organisiert waren, spielten sie eine wichtige Rolle in der Kultur und später Bildung des Landes. Es gab zahlreiche neue kroatische Zeitungen, nationalistische Vereine und Kulturzentren. Das erste eröffnete 1886 in Kastav.

Erster Weltkrieg und Auflösung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ersten Weltkrieg blieb Istrien zuerst noch verschont. Nach der Kriegserklärung Italiens am 23. Mai 1915 wurde auch das Kronland zu einem Kriegsschauplatz der Italienfront. Aufgrund von echten oder angeblichen Sympathien wurden von der gemeinsamen Armee Österreich-Ungarns etwa 60.000 jugoslawisch-orientierte Kroaten und Slowenen und Anhänger der Italia irredentra-Idee in Internierungslager in der Österreichischen Erblande und den Ländern der Böhmischen Krone deportiert. Viele starben an Krankheiten und Hunger. In Istrien wurde eine Militärregierung begründet. Auch litt die Zivilbevölkerung durch die Anwesenheit einer großen Zahl von Truppen auf istrischem Boden unter Lebensmittelknappheit.

Die meisten Kroaten und Slowenen im Land blieben bis zum Ende des Krieges mehrheitlich loyal zur Monarchie. Erst im Jahr 1917, als der österreichische Reichsrat am 30. Mai nach mehr als drei Jahren wieder einberufen wurde, legten die istrischen Abgeordneten Bekenntnisse zu einem südslawischen Staat ab.

Mit der Auflösung Österreich-Ungarns am 31. Oktober 1918 trat die istrische Landesregierung zurück und übergab die Macht an lokale Volkskomitees der italienischen Minderheit im westlichen Istrien. Es kam in gemischten Regionen wie Pula zu Auseinandersetzungen zwischen den Italienern und Kroaten und Slowenen, die sich dem neu entstandenen Königreich Jugoslawien anschließen wollten. Nach dem Waffenstillstand von Villa Giusti am 3. November besetzten am 4. November Truppen der königlich italienischen Armee Istrien. Die Italiener eliminierten alle noch verbliebenen staatlichen Institutionen und Istrien wurde vom Königreich annektiert. Die Annexion wurde durch den Grenzvertrag von Rapallo im November 1920 bestätigt. Viele Kroaten und Slowenen wurden vertrieben oder durch eine rücksichtslose Italianisierungspolitik assimiliert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bezirke und Gerichtsbezirke in Istrien, 1910

Das politische System beziehungsweise Leben Istriens wurde zuerst vor allem von der italienischen Minderheit bestimmt.

Durch das Zensuswahlrecht, das auf den Besitz des Wählers ausgelegt war, waren anfangs die Italiener im istrischen Landtag in der Mehrheit vertreten. Die Kroaten und Slowenen konnten ab 1878 mit der Gründung von gemischten Parteien ebenfalls in den Landtag einziehen. Eine neue jüngere Generation von Politikern in Istrien gründete 1907, nachdem für den Reichsrat, nicht aber die Landtage, das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht eingeführt wurde, die Sozialdemokratische Partei Istriens.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Istrien wurde in sieben Bezirke und 16 Gerichtsbezirke unterteilt.

Markgrafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt gab es zwei Markgrafen. Beide stammten aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Zuerst herrschte Franz Joseph I. (1849–1916), danach Karl I. (1916–1918). Die beiden Herrscher waren auch die einzigen beiden Monarchen Österreich-Ungarns.

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnien in Istrien
  • Kroaten
  • Italiener
  • Slowenen

Nach der Volkszählung von 1846 lebten in der Markgrafschaft 228.035 Einwohner, 1857 230.324 Einwohner und 1910 386.463 Einwohner. Etwa 99,6 % davon waren katholisch. Der Rest verteilte sich auf Juden und Protestanten.

In Istrien lebte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs eine alt eingesessene italienische Minderheit. Nach der Einigung Italiens kam es zur verstärkten Zuwanderung aus Italien. Der Anteil der Italiener wuchs - von 32 % im Jahre 1846 auf 40 % im Jahre 1900. Durch den Beginn und Wachstum des Tourismus kam eine zunehmende Zahl von Deutschen in Land. Die deutsche Bevölkerung wuchs von 1846 bis 1910 um 18 %. Die der Slowenen um 7,4 % und der Kroaten 3,9 %. Die folgende Tabelle zeigt das Wachstum und den Anteil der jeweiligen Bevölkerungsgruppen im Kronland auf:

1910.[1] 1900. 1890. 1880. 1846.
Kroaten 43,5 % (168.184) 42,6 % 44,3 % (140.713) 43,37 % 54,01 %
Italiener 38,1 % (147.417) 40,5 % 37,2 % (118.027) 39,66 % 32,46 %
Slowenen 14,3 % (55.134) 14,2 % 13,9 % (44.418) 14,42 % 12,85 %
Deutsche 3,3 % (12.735) 2,1 % 1,9 % (5.904) 1,68 % 0 %

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Istrien blieb trotz der Industrialisierung des Großteils Österreich-Ungarns ein Agrarland. Das Rückgrat der Wirtschaft bestand aus dem Oliven- und Traubenanbau. Etwa 80 % des Öls und Weins wurde exportiert. Der Weinanbau betrug im Jahr 1882 183.280 Hektoliter. Auf Inseln in der Kvarner-Bucht lebten die Bewohner überwiegend vom Fischfang. Die einzige nennenswerte Industrie blieb der Schiffbau, vor allem die Schiffbauindustrie für die österreichisch-ungarischen Marine. Daneben gab es Braunkohlevorkommen mit Minen in Labin und Buzet.

Der Transport in Istrien wurde überwiegend vom Eisenbahn- und Schiffsverkehr bestimmt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Markgrafschaft Istrien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Spezialortsrepertorium der österreichischen Länder I-XII, Wien, 1915–1919