Mervyn Peake

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Mervyn Laurence Peake (geboren am 9. Juli 1911 in Kuling, Kaiserreich China; gestorben am 17. November 1968 in Burford bei Oxford, England) war ein britischer Schriftsteller und Illustrator. Bevor er durch den Fantasy-Romanzyklus Gormenghast zum Kultautor wurde, war er vor allem wegen seiner Buchillustrationen geschätzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Mervyn Peake in Burpham

Peakes Vater war christlicher Missionar in China, wo Peake auch seine ersten Jahre verbrachte und die englische Schule in Tientsin besuchte. Anschließend war er von 1923 bis 1929 auf dem Eltham College in Kent und studierte dann Kunst am Croydon College of Art in Surrey (1929) und an den Royal Academy Schools in London (1929–1933). Bis 1935 lebte er auf der Kanalinsel Sark und arbeitete danach als Lehrer für die Westminster School of Art in London. 1937 heiratete er Maeve Gilmore, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte.

1941 wurde Peake zum Militärdienst eingezogen, dann aber 1943 wegen gesundheitlicher Probleme ausgemustert. Bis Kriegsende arbeitete er als Künstler für das Ministry of Information. Nach dem Krieg arbeitete er als freier Künstler und illustrierte eine Reihe klassischer Kinder- und Jugendbücher. Schon 1940 war ein erster Gedichtband Peakes erschienen, weitere folgten, teilweise auch von ihm illustriert. 1946 erschien der erste Roman des Gormenghast-Zyklus. 1948 erhielt er ein Stipendium des Royal Literary Fund'. Er war ein Fellow der Royal Society of Literature, deren Heinemann Award ihm 1951 verliehen wurde. Das 1957 uraufgeführte Theaterstück blieb erfolglos, was für Peake eine große Enttäuschung war.

In seinen späteren Jahren zeigte Peake Symptome einer degenerativen Nervenerkrankung, die seine Arbeitsfähigkeit zunehmend beeinträchtigte. Er starb 1968 im Alter von 57 Jahren in einem Pflegeheim und wurde auf dem Friedhof von St. Marys in Burpham bestattet.

Gormenghast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gormenghast-Romane waren ursprünglich als eine Serie von etwa zehn Büchern ausgelegt, wurden aber aufgrund Mervyn Peakes nachlassenden Gesundheitszustands (Parkinson-Krankheit) nie vollendet. Doch auch die existierenden ersten drei Bücher geben ein eindrucksvolles Zeugnis des einzigartigen Talents des Autors, eine vollständige Welt zu entwerfen, die uns nah und zugleich fern ist.

Die Romane erzählen die Geschichte von Titus Groan, dem Erben von Schloss Gormenghast. Im ersten Buch, das mit der Geburt Titus Groans beginnt und mit seinem ersten Geburtstag endet, wird der Leser in die bedrückende, ja düstere Atmosphäre des vom Ritual bestimmten Gormenghast eingeführt. Das Ritual dominiert das Leben aller Schlossbewohner, vom niedrigsten Dienstboten bis zu Lord Sepulchrave, dem Schlossherrn. Nur der junge, aufstrebende Steerpike stört das geordnete Leben. Sein Werdegang stellt zu Anfang den des eigentlichen Hauptcharakters, Titus Groan, in den Schatten. Erst im zweiten Buch kann sich der aufwachsende Titus entfalten, um dann im dritten Buch das Schloss zu verlassen und die Welt kennenzulernen.

Aus dem Gormenghast-Stoff komponierte Irmin Schmidt das Opernwerk Gormenghast (Premiere in Wuppertal 1998), zu der Duncan Fallowell das original englischsprachige Libretto schrieb. 2000 waren die Romane Vorlage für Gormenghast, eine Miniserie in 4 Teilen unter der Regie von Andy Wilson.[1]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gormenghast-Romane
  • 1 Titus Groan (1946)
  • 2 Gormenghast (1950)
  • Boy in Darkness (1956, Kurzgeschichte)
  • 3 Titus Alone (1959)
  • 4 Titus Awakes (2011, aus dem Nachlass vollendet von Maeve Gilmore)
Romane
Kurzgeschichten
  • Same Time, Same Place (1963)
    • Deutsch: Morgen um die gleiche Zeit. In: Larry T. Shaw (Hrsg.): Terror. Heyne TB #960, 1972.
  • Danse Macabre (1963)
    • Deutsch: Totentanz. Übersetzt von Margaret Meixner. In: John Carnell (Hrsg.): Panoptikum des Schreckens. Pabel (Vampir Taschenbuch #6), 1974. Auch in: Peter Haining (Hrsg.): Scheibenwahn. Heyne SF&F #9037, 1999, ISBN 3-453-15602-1.
  • The Adventures of Foot-Fruit (1969)
  • The Party at Lady Cusp-Canine's (1969)
  • For Mr Pye - An Island (1981)
  • I Bought a Palm-Tree (1981)
  • Mr Slaughterboard (1981)
  • Noah's Ark (1981)
  • The Connoisseurs (1981)
  • The House of Darkstones (1981)
  • The Touch o' the Ash (1981)
  • The Weird Journey (1981)
  • The White Chief of the Umzimbooboo Kaffirs (1981)
  • The Wit to Woo (1981)
Gedichte
  • Ride a Cock-Horse and Other Nursery Rhymes (1940)
  • Shapes and Sounds (1941)
  • Rhymes without Reason (1944, mit Illustrationen vom Autor)
  • The Glassblowers (1950)
  • Rhyme of the Flying Bomb (1962, mit Illustrationen vom Autor)
  • Poems and Drawings (1965)
  • A Reverie of Bone: And Other Poems (1967)
  • A Book of Nonsense (1972)
Aufsätze
  • The Craft of the Lead Pencil (1946)
Kinderbücher
  • Captain Slaughterboard Drops Anchor (1939, mit Illustrationen vom Autor)
    • Deutsch: Kapitän Abschlachter geht vor Anker. Übersetzt von Lisa Schons. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Fanni Fetzer. Scheidegger & Spiess, Zürich 2017, ISBN 978-3-85881-563-7
  • Letters from a Lost Uncle from Polar Regions (1948, mit Illustrationen vom Autor)
Schauspiel
  • The Wit To Woo (Uraufführung 1957)
Illustrierte Bücher
  • Ride a Cock Horse. 1940.
  • Lewis Carroll: The Hunting of the Snark: An Agony in Eight Fits. Chatto & Windus, London 1941.
  • Samuel Taylor Coleridge: The Rime of the Ancient Mariner. Chatto & Windus, London 1943.
  • Lewis Carroll: Alice's Adventures in Wonderland and Through the looking-glass. Continental Book Company, Stockholm & London 1946.
  • Grimm Brothers: Household Tales. Eyre & Spottiswoode, London 1946.
  • Robert Louis Stevenson: Treasure Island. Eyre & Spottiswoode, London 1949.
  • Johann R. Wyss: Swiss Family Robinson. 1949.
  • Paul Britten Austin: The wonderful life & adventures of Tom Thumb : An English fairy-story. Svenska Tryckeriaktiebolaget, Stockholm 1954/1955.
  • Aaron Judah: The Pot of Gold and Two Other Tales. Faber & Faber, London 1959.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkausgaben und Bildbände
  • The Drawings of Mervyn Peake. Einleitung von Hilary Spurling. Davis-Poynter, London 1974, ISBN 0-7067-0141-0.
  • Mervyn Peake : Writings & Drawings. Hrsg. von Maeve Gilmore und Shelagh Johnson. Academy, London 1974.
  • Peake's progress : Selected writings and drawings of Mervyn Peake. Lane, London 1978, ISBN 0-7139-1147-6.
  • Selected poems. Faber, London 1975, ISBN 0-571-09815-0.
  • Boy in Darkness and Other Stories. Peter Owen, London 2007, ISBN 978-0-7206-1306-3.
  • Collected poems. Hrsg. mit einer Einleitung von R. W. Maslen. FyfieldBooks/Carcanet, Manchester 2008, ISBN 978-1-85754-971-3.
Biografien und Monografien
  • John Batchelor: Mervyn Peake : A Biographical and Critical Exploration. Duckworth, London 1974.
  • Tanya J. Gardiner-Scott: Mervyn Peake : The Evolution of a Dark Romantic. Lang, New York u. a. 1989, ISBN 0-8204-0943-X.
  • Maeve Gilmore, Sebastian Peake: Mervyn Peake : Two Lives. Vintage, London 1999, ISBN 0-09-928286-0.
  • Sebastian Peake: A child of bliss : Growing up with Mervyn Peake. Lennard, Luton 1989, ISBN 1-85291-057-7.
  • Gordon Smith: Mervyn Peake : A Personal Memoir. Gollancz, London 1984, ISBN 0-575-03431-9.
  • John Watney: Mervyn Peake. Joseph, London 1976, ISBN 0-7181-1495-7.
  • G. Peter Winnington (Hrsg.): Mervyn Peake: the man and his art. Peter Owen, London 2006, ISBN 0-7206-1284-5.
  • G. Peter Winnington: Vast Alchemies: the life and work of Mervyn Peake. Peter Owen, London 2000. Erweiterte Neuausgabe 2009: Mervyn Peake's Vast Alchemies : The Illustrated Biography. ISBN 978-0-7206-1341-4.
  • G. Peter Winnington: The Voice of the Heart: The Working of Mervyn Peake's Imagination. Liverpool University Press, Liverpool 2006, ISBN 1-8463-1022-9.
  • G. Peter Winnington: Miracle enough : papers on the works of Mervyn Peake. Cambridge Scholars Press, Newcastle upon Tyne 2013, ISBN 978-1-4438-4411-6.
  • Malcolm Yorke: Mervyn Peake : My Eyes Mint Gold : A Life. John Murray, London 2000, ISBN 0-7195-5771-2.
Lexika
Zeitschriften
  • Peake studies : dedicated to the life and work of Mervyn Peake (1911-1968). Hrsg. von G. Peter Winnington. Orzens, 1988 ff., ISSN 1013-1191.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mervyn Peake – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gormenghast. Internet Movie Database, abgerufen am 10. Juni 2015 (englisch).