Michael Friedrichs-Friedlaender

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Michael Friedrichs-Friedlaender (geboren 1950 in München) ist ein deutscher Metallplastiker und Bildhauer. Seit 2005 fertigt er für das Kunst- und Erinnerungsprojekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig manuell die Gedenksteine an.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der schulischen Ausbildung absolvierte Michael Friedrichs-Friedlaender eine dreijährige Ausbildung zum Maschinenschlosser. Nach dem Umzug nach Berlin war er 1978 Mitbegründer der Fabrik K 19. Seit 1981 arbeitet er als freischaffender Künstler in Berlin, zunächst in einem Atelier in Berlin-Wedding, ab 1991 auf dem Künstlerhof in Berlin-Buch.[2]

Von 1989 bis 2001 erhielt er eine Kunstförderung der Stadt Berlin. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Aleksandra Koneva leitete er von 2003 bis 2006 vier Projekte im Education-Programm der Berliner Philharmoniker und setzte unter anderem Arbeiten zu Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, Igor Strawinskys Petruschka und Georg Friedrich Händels Oratorium Belshazzar künstlerisch um.[1]

Für zahlreiche private und öffentliche Auftraggeber schuf er Metallplastiken, unter anderem 2001 gemeinsam mit Matthias Däumlich und Christian J. Joost das Denkmal für die Straße der Nationen im KZ Ravensbrück, Skulpturen für das Landesamt für Gesundheit und Soziales, die Julius-Leber-Kaserne und für ein Wohngebiet in Hoppegarten. Darüber hinaus arbeitete er für zahlreiche Kunst- und Theaterprojekte. Längere Arbeitsaufenthalte und mehrmonatige Studienreisen führten ihn unter anderem nach Russland, Frankreich, Japan, Indien und in die Vereinigten Staaten.[1]

Michael Friedrichs-Friedlaender verwendete bei Herstellung seiner Skulpturen fast ausschließlich Eisen, das er schweißt und anschließend anschleift. Mitunter kombinierte er die Metallobjekte je nach Thematik mit anderen Materialien, wie Gesteinen (Brain-Stones), Büchern (Cubus 3.Serie) oder Leder (Helmfragmente).[1]

„Für die Umsetzung seiner Ideen hat sich der Künstler zur Verwendung klarer Formen entschieden, auf Kubus und Säule. Der Kubus Versinnbildlicht Festigkeit, Dauerhaftigkeit und Erdverbundenheit, eng verwandt mit dem Quadrat, das für Umgrenzung, Endlichkeit und bisweilen für Eingeengtheit steht. Die Säule symbolisiert den tragenden Pfeiler sowie die Urkraft des Baumes; in vielen Kulturen ist sie Symbol für die Weltachse bzw. das Weltzentrum. Die Form der Skulpturen ist durch klare Kanten und Flächen streng begrenzt. Risse und Spalten, die bei der Bearbeitung entstehen, geben Einblicke in das Innenleben der Objekte. [...] Beziehungen zum Bauhaus und zum Prinzip form follows function lassen sich deutlich erkennen.“

Harald-Alexander Klimek und Wilfried Menghin: Kopfgefässe
Stolperstein für Walter Kaufmann Stadtwaldgürtel 65–67, Köln (2017)

Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2005 fertigt Michael Friedrichs-Friedlaender für das Kunst- und Erinnerungsprojekt Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig die Stolpersteine an. Die Buchstaben werden in die Messingplatten von Friedrichs-Friedlaender in 20 verschiedenen Sprachen per Hand eingeschlagen.[3][4] Im Jahr 2016 führte er erstmals einen Stein in Brailleschrift aus, der zur Erinnerung an eine taubstumme Schriftstellerin in Graz verlegt wurde.[5] Im Monat fertigt er in seinem Atelier in Französisch-Buchholz gemeinsam mit zwei Angestellten durchschnittlich 400 bis 500 Steine an.[6]

Bis Juni 2018 hat Michael Friedrichs-Friedlaender über 60.000 Stolpersteine hergestellt.[1] Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen

  • Projekte V–VI und XVI des Education-Programm der Berliner Philharmoniker – (Vier Jahreszeiten (Vivaldi); Petruschka (Strawinsky); Belhazzar (Händel)) 2003 bis 2006
  • Reinecke Fuchs, Strawinsky 2003 bis 2005
  • Galerie Nevski, St. Petersburg 1999 und 2000
  • Kortes Group Amersfoort, 1999
  • Schloss Detmold, 1995
  • Charité, Berlin 1994
  • Galerie Spandau, 1993, 1994
  • Kunsthaus Die Möwe, Berlin 1992
  • Galerie Maerz, Linz 1992
  • Galerie van Almsick, Gronau-Epe 1991
  • Kunstverein Schering, Berlin 1990, 2001
  • Galerie Otto Nagel, Berlin 1990
  • Galerie Fabrik K, Berlin 1984, 1987

Gemeinschaftsausstellungen

Kunstwerke in öffentlichem Besitz und öffentlichem Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins, Berlin
  • Berliner Stoffdruckerei
  • Julius Leber-Kaserne, Berlin
  • Graphotek Charlottenburg, Berlin
  • Kunstverein Schering, Berlin
  • Landesamt für Gesundheit und Soziales, Berlin
  • Wohnsiedlung Hoppegarten, Berlin
  • Straße der Nationen, Denkmal, KZ Ravensbrück
  • Nordbank, Nordhausen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Harald-Alexander Klimek und Wilfried Menghin (Hrsg.): Von Angesicht zu Angesicht - Kopfgefässe. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-422-06942-8, S. 281 ff.
  2. Michael Friedrichs-Friedlaender: Michael Friedrichs-Friedlaender. Abgerufen am 22. Mai 2018.
  3. rbb Fernsehen: Video "57.000 Namen - Stolpersteine zur Erinnerung" - Himmel und Erde. 4. November 2017, abgerufen am 22. Mai 2018 (deutsch).
  4. Terry Swartzberg: Verhandelte Erinnerungen: Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2017, ISBN 978-3-657-78798-2, S. 234.
  5. Graz: Erster Stolperstein in Brailleschrift — ERINNERN: NATIONALSOZIALISMUS UND HOLOCAUST. Abgerufen am 23. Juni 2018.
  6. Den Opfern einen Namen geben., Publikationen, Auslandsbüro Israel. Abgerufen am 22. Mai 2018.