Berlin-Buch

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Buch
Ortsteil von Berlin
Berlin Brandenburg Buch Karow Wilhelmsruh Rosenthal Blankenfelde Niederschönhausen Heinersdorf Blankenburg Französisch Buchholz Pankow Prenzlauer Berg Weißensee Stadtrandsiedlung MalchowBuch auf der Karte von Pankow
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O52.63361111111113.49916666666756.2Koordinaten: 52° 38′ 1″ N, 13° 29′ 57″ O
Höhe 56,2 m ü. NN
Fläche 18,15 km²
Einwohner 14.507 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte 799 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Neugründung 1230
Postleitzahl 13125
Ortsteilnummer 0309
Verwaltungsbezirk Pankow

Buch ist der nördlichste Ortsteil des Bezirks Pankow und damit von Berlin. Den an der Panke liegenden Ort prägen der historische Dorfkern, der Schlosspark, umfassende Krankenhaus-Anlagen und modernere Neubausiedlungen.

Geografie[Bearbeiten]

Buch im Barnim[Bearbeiten]

Hauptartikel: Barnim

Buch liegt auf dem Barnim, dessen Hochfläche sich recht deutlich über die umgebenden Talungen erhebt, im Norden und Nordosten das Eberswalder Urstromtal mit dem Oder-Havel-Kanal und dem Oderbruch, im Südosten die Buckower Rinne, im Süden das Berliner Urstromtal mit der Spree sowie im Westen das Zwischenurstromtal der Havel. Die Ostränder vom Panke­tal und dem Biesenthaler Becken bilden die Grenze zwischen dem tieferen Westbarnim und dem höheren Mittelbarnim.[1][2]

In Buch befindet sich der nördlichste Punkt von Berlin Welt-Icon52.67547613.479565. Nachbarn sind im Norden die brandenburgischen Gemeinden Wandlitz und Panketal sowie im Süden die Pankower Ortsteile Blankenfelde, Französisch Buchholz und Karow.

Gliederung[Bearbeiten]

Das Zentrum erstreckt sich um den Bahnhof Buch. Daran schließt sich im Osten der historische Dorfkern um Alt-Buch an. Dieser geht eine gelungene Verbindung mit dem Waldhaus ein und eine unglückliche mit dem Plattenbaugebiet Buch III, das sich südlich der Wiltbergstraße fortsetzt. Außerdem gruppieren sich lose um die historische Mitte: die Siedlung Zepernicker Straße, der Ludwigpark, die Bucher Spitze (Städtische Zentrale Buch), der Hufeland-Klinikcampus, die Siedlung Buch (Siedlungsstraße) und Buch II. Den Südosten des Ortsteils nehmen der Campus Berlin-Buch, Buch I und IV ein. Im Osten schmiegt sich die Siedlung Alpenberge (Straße 4) an die Landesgrenze. Die bebaute Fläche liegt größtenteils östlich der Bahnstrecke Berlin–Szczecin bzw. der Panke. Westlich gruppieren sich die Kolonie Buch, das Ludwig-Hoffmann-Quartier, die Klinikum-Siedlung (Südteil Röbellweg) und die Sandhäuser. An der Hobrechtsfelder Chaussee stehen zwei ungenutzte Krankenhäuser und tief im Bucher Wald der Wohnpark Allées des Châteaux. Im äußersten Westen befindet sich beiderseits des Berliner Rings ein Gewerbegebiet. Die Struktur der verschiedenen Quartiere ist recht vielgestaltig. Etwa die Hälfte der Gemarkung ist unbebaut.

Die Erschließung der Fläche zwischen der Moorlinse Buch und der A 10 soll die Zentrumsfunktion des Bahnhofs stärken.[3]

Oberflächenform[Bearbeiten]

Im Osten begleitet eine fast zusammenhängende, relativ steil ansteigende Grundmoräne das linke Ufer der Panke. Dort markiert der Stener Berg mit 83 Meter den höchsten Punkt. Das Gebiet westlich des Höhenrückens zeigt ein geringeres Maß an Höhenlagen und -unterschieden. Den größten Teil füllt ein Sander aus. Die östliche Abflussrinne des Wandlitz-Ladeburger Sanders vereinigt sich nördlich von Buch mit dem Panke-Sander. Zunächst schlauchartig, verengt er sich auf seinem Weg gen Süden zum Berliner Urstromtal trichterförmig. Ganz im Westen liegt die Mühlenbecker Grundmoräne, durchbrochen von der Niederung der Fennbuchte[Anm. 1]. An beiden besitzt Buch einen kleinen Anteil. Insgesamt zeigt die Landschaft eine leichte Ost-West-Wellenform und ein Nord-Süd-Gefälle.[4][1][5][2][6][7][8][9]

Der Sander präsentiert sich nur auf den ersten Blick als vollkommen eben. In ihn haben sich die Niederungen der Panke sowie des Lietzengrabens und seiner Nebenbäche eingegraben. Den Niveauunterschied zeigen mitunter prägnante Geländekanten an. Zudem sind in die Täler nochmals eine Vielzahl kleiner Becken wie die Moorlinse Buch, die Karower Teiche oder der Bogensee eingetieft. Nördlich und nordöstlich von letzterem existieren noch einige kurze Kastentäler. Die Panke durchfließt nur eine schmale Rinne. Das Einzugsgebiet des Lietzengrabens geht hingegen stärker in die Breite. Sein eigentliches Tal verengt sich kurz vor der Panke­mündung, im Umfeld des Berliner Rings auf nur 50 Meter.[5][9]

Erdgeschichte[Bearbeiten]

Einführung[Bearbeiten]

Die jüngere Erdgeschichte setzte vor 1,8 Millionen Jahren mit dem Quartär ein. In Berlin-Brandenburg prägte dieses System das bis heute anhaltende Quartäre Eiszeitalter. In der ersten Serie des Quartärs, dem Pleistozän wechselten sich mehrere Kalt- und Warmzeiten ab. Die zweite Serie, der Holozän besteht bisher aus einer Warmzeit.[10]

Gliederung des Quartärs[10]
Serie Kalt- und Warmzeiten
Holozän Holozän-Warmzeit
Pleistozän Weichsel-Kaltzeit
Eem-Warmzeit
Saale-Kaltzeit
Holstein-Warmzeit
Elster-Kaltzeit

Während der Kaltzeiten dehnte sich der Fennoskandische Eisschild von Nordwesten nach Südosten aus bzw. zog sich in entgegengesetzter Richtung zurück. Örtlich gab es von dieser Hauptrichtung erhebliche Abweichungen. Zudem formte der Eisrand keine gerade Front, sonder glich eher einer Girlande. Während einer Kaltzeit traten zwei verschiedene Phasen auf. Während eines Stadials stieß das Eisschild schnell vor, in einem Interstadial war die Vorwärtsbewegung verlangsamt, stand still oder das Eis zog sich zurück. Dort wo der Gletscher stoppte, befand sich eine Eisrandlage. Setzte danach ein Abschmelzen ein, bildete sich eine Glaziale Serie. Vom Eiszentrum aus betrachtet, folgten auf die Grundmoräne, die Endmoräne, der Sander und das Urstromtal. Daher dienten Eisrandlagen als sicherste Methode zur Gliederung der Kaltzeiten. Ablagerungen des Schmelzwassers aus Sand, Kies und/oder Schotter vor dem vorrückenden Eis heißen Vorschüttung, vor dem abtauenden Eis Nachschüttung.[10][11]

Bucher Erdgeschichte[Bearbeiten]

Die zeitliche Datierung des Quartärs im Berliner Raum ist unter Geologen in der Diskussionsphase (Stand 2004) und weicht teilweise erheblich voneinander ab. Daher werden in diesem Abschnitt keine Zeiten angegeben oder sind mit Vorsicht zu betrachten. Als Bezugspunkt dient das Jahr 2000.[10]

Seine Hauptprägung erhielt der Barnim während der Saale-Kaltzeit. Sie legte u. a. die Täler von Panke und Lietzengraben an. Während der Eem-Warmzeit durchflossen sie eine baum­bestandene Landschaft. Im Streifen von NiederschönhausenPankow im Süden über Buchholz–Buch in der Mitte bis Ladeburg im Norden fanden Bohrungen statt. Die Pollenanalyse der Bohrkerne belegte den Eem-Wald. Die Weichsel-Kaltzeit nutzte die älteren Formen des Saale-Komplexes, veränderte sie aber nicht wesentlich.[2][5]

Die Maximalausdehnung der letzten Eiszeit erreichte die Brandenburg-Phase. Die Eisrandlage beschrieb ungefähr die Linie BeelitzLuckenwaldeBaruthLübbenGuben. Schon unter dem abtauenden Inlandeis floss Schmelzwasser. Dabei nutzte es wohl bereits die Entwässerungsbahnen von Panke und Lietzengraben. Als das Eis die Bucher Landschaft vor etwa 18.000 Jahren freigab, blieben Grundmoränen sowie in den oben erwähnten Klein­becken Reste des Gletscher­eises zurück. Diese Toteis­blöcke verhinderten ein Auffüllen. Die Flüsse verbanden kleine Tümpel in einer fast unbewachsenen Gegend. Sie trugen in ihren Bereichen die weichselzeitliche Grundmoräne weitgehend ab, die Panke arbeitete sie auch zu einer Steinsohle auf. Als Nachschüttung hinterließen beide Sande und Kiese. Der Abschluss des Schichtpakets aus Eiskeilen, Flugsanden, Windkantern und pollen­führenden Stillgewässer-Sedimenten wurde als Karower Interstadial interpretiert.[6][5][2]

Zu Beginn der Frankfurt-Phase pausierte das Abschmelzen. Die Eisrandlage verlief auf dem Barnim von Prenden über Rüdnitz nach Tempelfelde, weiter über Werneuchen nach Buckow, bei unterschiedlich starker Ausprägung. Nach Wiedereinsetzen des Niedertauens überspülten zwei bis fünf Meter Sand und Kies das Toteis, zudem entstand im subarktischen Klima ein Dauerfrostboden. Dieser doppelte Schutz bewahrte die Gletscherreste rund 4.000 Jahre lang. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand zog sich das Eis weit nach Norden zurück, vielleicht sogar bis in den südlichen Ostsee-Raum. Während der Pommern-Phase stieß es erneut vor. Die Eisrandlage im Raum JoachimsthalChorinOderberg schuf später das Eberswalder Urstromtal. Schmelzwasser spielte seitdem in der Bucher Gegend keine Rolle mehr.[6][12][2]

Ab Anfang des Weichsel-Spätglazials löste sich der Permafrostboden langsam auf. Das Lockermaterial darüber sackte nach und brachte kleine Seen hervor. In diese lagerten sich im Wechsel der Jahreszeiten Feinsand und Schluff ab. Am flachen Rand der Becken bildete sich Wiesenkalk, z. B. im Nordteil der Karower Teiche, im Mittelbruch oder im gesamten Panketal. Das Wegtauen der Gletscherreste löste auch die Erosion von Panke und Lietzengraben in die Tiefe aus. Ihr Talbeginn verschob sich stetig gen Norden. Wo der Dauerfrost noch vorhanden war, verhinderte er eine Seitenabtragung, so entstanden Kastentäler mit steilen Talflanken. Die Tundra unterbrachen nur gelegentlich Zwergsträucher. In der Älteren Dryaszeit begann das Verfüllen der Becken mit Mudde. Im Alleröd-Interstadial startete die Ver­moor­ung sowie mit Birken und Kiefern die Wiederbewaldung. Die Grundmoränen und höheren Bereiche des Sanders beeinflusste im Spätglazial hauptsächlich Windtransport. Markante Dünen formten sich aber erst außerhalb von Buch.[5][6][2]

Mit der holozänen Klimaerwärmung wanderte Etappenweise die heutige Pflanzen- und Tierwelt ein. Panke und Lietzengraben mäandrierten durch Täler mit schwach vermoorten Randbereichen. Die meist nur flachen Seen verlandeten recht schnell, bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren aus ihnen Moore mit mehreren Meter mächtigen Torf- und Mudde-Schichten geworden. Der Mensch begann ab der Jungsteinzeit den Wald für Felder, Weiden und Siedlungen zu roden. Während der Deutschen Ostsiedlung im Mittelalter wurden entlang der Panke Mühlteiche aufgestaut. Der dadurch angehobene Grundwasserspiegel ließ die Moore an den Talrändern stärker anwachsen. Die kleiner gewordenen Wälder dienten als Viehweide. In der Neuzeit kamen Entwässerungs­systeme, Fischteiche, Flussbegradigungen, monotone Kiefern-Forste, Rieselfelder, Torfstiche und eine stärkere Bebauung hinzu. Trotz, manchmal wegen der menschlichen Eingriffe birgt die Bucher Landschaft einen immensen natürlichen Wert.[8][2]

Geologie und Böden[Bearbeiten]

Den Untergrund bilden größtenteils eiszeitlicher Sand, Kies und Geschiebemergel. Die Sedimente der Elster-Kaltzeit stehen in Buch relativ dicht unter der Oberfläche, die Hauptablagerungen stammen aus der nachfolgenden Saale-Kaltzeit. Darüber folgt abschnittsweise eine Mudde- und Torf-Schicht aus der Eem-Warmzeit, z. B. erschlossen im Germanenbad. Die Weichsel-Kaltzeit zeigt sich nur in geringer Mächtigkeit. Auf den Grundmoränen ist der Geschiebemergel übersandet. Im Sander stehen anstelle der ausgeräumtem bzw. zur Steinsohle aufgearbeiteten Grundmoräne nur 1,5–5 Meter Schmelzwasserablagerungen an. Die Torf­entstehung reicht bis ins Holozän.[5]

Die Bodengesellschaften in Buch und Umgebung[7]
Ausgangsmaterial Leitboden Begleitboden Nutzung Gefährdung
Grundmoränen­platten mit sandigen Deckschichten Braunerde-Fahlerde, Braunerde Braunerde-Gley, Braunerde-Pseudogley, Kolluvisol Siedlungen, großflächiges Acker­land Flächenversiegelung, Bodenerosion durch Wasser und Wind, teilweise Strukturschäden durch Bodenverdichtung
Täler und Rinnen, teilweise Moore Braunerde, Podsol-Braunerde, Humusgley Gley, Anmoorgley, Nieder­moorboden Mischwald, teilweise Erlenbruch, Grünland Moor­degradierung bei Grundwassersenkung
Einstige Rieselfelder Regosol, Podsol-Braunerde, Kolluvisol, Podsol-Gley Aufforstung, Ödland Anreicherung mit Schadstoffen, Bodenversauerung

Gewässer[Bearbeiten]

Die Eisrandlage der Frankfurt-Phase während der Weichsel-Kaltzeit hinterließ die Ladeburg-Albertshofer Schwellenzone. Die Endmoräne stellt abschnittsweise eine Haupt­wasserscheide dar. Die Nordostseite entwässert zur Oder und damit in die Ostsee. Das wichtigste Fließgewässer von Buch, die Panke entspringt auf der Südwestseite. Daher führt sie ihr Wasser über Spree, Havel und Elbe der Nordsee zu. Ihr Nebenbach, der Lietzengraben tritt unweit der Schwelle, westlich von Schönow hervor.[12][13][5]

Siehe auch: Panke und Lietzengraben

Klima[Bearbeiten]

Klimadiagramm Berlin-Buch

In Buch herrscht das für den Berliner Raum übliche gemäßigte Klima, das von Norden und Westen vom atlantischen Klima und aus dem Osten vom kontinentalen Klima beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.

Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge von 564,3 mm[14] ist geringer als der bundesweite Durchschnitt von rund 800 mm. Der meiste Niederschlag fällt in den Sommermonaten Juni bis August mit einem Spitzenwert von 66 mm im Juni. Im Februar fällt der geringste Niederschlag mit 34 mm. Pro Jahr scheint die Sonne durchschnittlich 1.595 Stunden.[15] Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,8 °C[16].

Die höchste in Buch gemessene Temperatur betrug 38,2 °C am 11. Juli 2010, die tiefste wurde am 9. Februar 1956 mit −24,5 °C gemessen. Der wärmste Monat war bisher in der Messreihe seit 1951 der Juli 2006 mit einer Durchschnittstemperatur von 23,3 °C. Der meiste Niederschlag fiel am 8. August 1978 mit 108,5 l/m².

Die regelmäßige Wetteraufzeichnung begann 1951 mit der Eröffnung einer Forschungsstelle für Bioklimatologie auf dem Gelände des Hufeland-Krankenhauses. 1955 wurde daraus ein Forschungsinstitut, das 1961 in einen Neubau am Lindenberger Weg 24 einzog. Seit 1990 befindet sich dort der Deutsche Wetterdienst (DWD) – Außenstelle der Abteilung Hydrometeorologie.[17][18][19]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte von Buch lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • vom ersten Nachweis einer Besiedlung in der Mittelsteinzeit (8. bis 4. Jahrtausend v. u. Z.) bis zum Ende der Slawenzeit,
  • ab der Gründung des deutschen Dorfs (um 1230), eine durch die Grundherren und Landwirtschaft geprägte Ära,
  • ab 1898 mit dem Entstehen des Medizinstandorts.

Steinzeit[Bearbeiten]

Am Ende der Weichsel-Kaltzeit gab das Inlandeis den Berliner Raum seit dem 15. Jahrtausend v. u. Z. wieder frei. Auf dem Barnim entstand eine tundren­artige Landschaft, in der Gemarkung durchzogen von den Niederungen. der Fennbuchte[Anm. 1], des Lietzengrabens, der Bucher Teiche und der Panke. An den Gewässern bildeten sich oft mehrere hundert Meter breite Feuchtgebiete, darunter teilweise Niedermoore. Den eingewanderten Großsäugern wie Rentier und Moschusochse folgten seit dem 10. Jahrtausend v. u. Z. die Jäger der Jüngeren Altsteinzeit.[8]

Buch zählt zu den archäologisch am besten erforschten Gebieten in Berlin mit einer Fülle an ur- und frühgeschichtlichen Fundplätzen. Fast alle stammten vom Rand der Niederungen aus etwas höheren und so trockeneren Sandböden. Bisher konnte kein Fund eindeutig dem Jungpaläolithikum zugeordnet werden. Da die vielen Gewässer den Menschen einen idealen Lebensraum boten, muss aber von einer Besiedlung ausgegangen werden. Die Nomaden lebten in Zelten oder einfachen Hütten, um das Wild jagen sowie auf größeren Gebieten Früchte und Wurzeln sammeln zu können.[8]

Zeichnung eines Auerochsen

In der Mittelsteinzeit (8.–4. Jahrtausend v. u. Z.) entwickelte sich durch die holozäne Klimaerwärmung im brandenburgischen Raum ein dichter Wald, der die nacheiszeitliche Flora und Fauna verdrängte. Die Auswahl an Jagdbeute, z. B. Auerochse, Elch, Reh, Rothirsch, Wildschwein und Wisent, stieg an, ebenso die Vielfalt der pflanzlichen Nahrung. Besonders stark breitete sich der Haselstrauch aus, der nahrhafte und lagerungsfähige Nüsse lieferte. Auch der Fischfang gewann an Bedeutung. Vermutlich waren die Menschen noch nicht sesshaft und wohnten ähnlich wie im Jungpaläolithikum.[8]

Für Buch liegen drei sichere mesolithische Fundstellen vor. Im Jahr 1935 wurden an den Bucher Teichen mehrere Geräte aus Feuerstein ausgegraben, darunter mikrolithische Abschläge, Klingen, Pfeil- und andere Spitzen. Die zweite Fundstätte am Westufer des Lietzengrabens brachte ebenfalls Mikrolithen zu Tage, interessanter war aber ein nur etwa 6,9 Zentimeter langes Kernbeil aus Feuerstein. 2007 wurde der dritte Fundort aus der Endphase des Mesolithikums auf einem ehemaligen Acker südlich der Straße Am Sandhaus untersucht. Im unteren Teil einer ovalen, zirka 70 x 40 Zentimeter großen, hellbraunbeigen Grube lag ein äußerst gut erhaltenes, geschliffenes Walzenbeil aus Felsgestein. Trotz Fehlens menschlicher Knochen, in den hiesigen Böden wird organisches Material sehr schnell zersetzt, deuteten Fund und Größe der Grube auf eine Hocker- oder Teilbestattung hin. Mehrere Klingen und Abschläge aus Feuerstein sprachen außerdem für eine nahe, temporäre Siedlung.[8]

Ab der Jungsteinzeit, im Raum Berlin etwa 3000–1800 v. u. Z., siedelten in Buch sesshafte Bauern. Die veränderte Lebensweise drückte sich durch stabile Häuser aus. Die technologischen Neuerungen der Ära hießen u. a. Tongefäß, Feuersteinschliff, Spinnen und Weben von Wolle, Hakenpflug, Reibmühle und Sichel. An zwei neolithischen Fundplätzen wurden neben einem Steinbeil aus Felsgestein mehrere aus Feuerstein geborgenen. Von letzteren waren einige an der Breitseite geschliffen und zeigten leicht gerundete Schneiden. Ein besonders prächtiges, zirka 17 Zentimeter langes Beil vom Rand der Fennbuchte wurde der mittelneolithischen (etwa 2600–2200 v. u. Z.) Kugelamphorenkultur zugerechnet.[8]

Bronzezeit[Bearbeiten]

In der Bronzezeit, im Berliner Raum etwa 1800–700 v. u. Z., nahm die Bevölkerung in Buch deutlich zu. Von den 18 bekannten Fundstellen dieser Epoche stammten 11 aus der Jungbronzezeit (1200–700 v. u. Z.). Weiterhin bevorzugten die Menschen die Hanglagen der Niederungen, aber auch mehrere hundert Meter von den Gewässern entfernt ließen sie sich nieder. Eine der jungbronzezeitlichen Siedlung lag an der Wiltbergstraße. Sie wurde beim Bau der IV. Städtischen Irrenanstalt entdeckt. Ihre großflächige Ausgrabung in den Jahren 1910–1914 schrieb Archäologie­geschichte. Erstmals in Deutschland konnte Albert Kiekebusch vom Märkischen Museum Hausgrundrisse aus der Bronzezeit sicher erfassen sowie Ausdehnung und Aufbau eines Dorfes aufzeigen. Die von ihm während der Grabungen entwickelten Methoden und Techniken für sandige Böden setzten für die nächsten Jahrzehnte den Standard.[8]

Ohne die Siedlungsgrenze zu erreichen wurden über einhundert Hausgrundstücke festgestellt, davon waren während der mehren Siedlungsstufen zwischen 1200 und 800 v. u. Z. vermutlich nur zehn gleichzeitig bewohnt. Neben den üblichen ebenerdigen, kleinen Pfostenbauten (20–30 Quadratmeter Fläche, 5,5–7,0 Meter Länge, Wände aus lehmverschmierten Flechtwerk) existierten auch einige Gebäude in Blockbau­weise. Als Friedhof diente den Altbuchern von der Wiltbergstraße vermutlich das zeitgleich bestehende Urnen-Gräberfeld in Alt-Buch 74, das während der Arbeiten für die Heimstätte für Brustkranke 1904 und 1912/1913 untersucht wurde. Im Südwestzipfel von Buch, am Dählingsberg stand eine weitere bronzezeitliche Ortschaft.[8][20]

Östlich der Karower Chaussee wurde 1984 bei Bauarbeiten ein Bronze­hort entdeckt. Die drei Schwerter, der Schwert­griff und die abgebrochene Lanzen­spitze gehörten typologisch ins 9./8. Jahrhundert v. u. Z. Die Verzierung im Knauf eines der Schwerter war bereits aus Eisen gefertigt. Vermutlich wurden die Waffen von den Bewohnern der nahen Siedlung westlich der Karower Chaussee hergestellt und als Opfergabe vergraben. Diese jungbronzezeitliche Ortschaft schlug mit ihrer eisenzeitlichen und slawischen Besiedlung eine Brücke in die nachfolgenden Epochen.[8][21]

Eisenzeit[Bearbeiten]

Die Eisenzeit begann im Berliner etwa ab 700 v. u. Z., rund hundert Jahre später als in Süddeutschland. Der frühe Abschnitt bis zum Beginn der Zeitrechnung wird als Vorrömische Eisenzeit bezeichnet. Für diese Epoche führte die Geschichtsschreibung mit den Germanen erstmals einen hiesigen Völkernamen auf. Wegen einer Klimaverschlechterung wanderte im 7./6. Jahrhundert v. u. Z. vermutlich ein Großteil der Einwohner ab. Zu den nur vier Fundstätten, alle im Bereich der Panke, zählte die Siedlung westlich der Karower Chaussee.[8]

Am besten untersucht wurde das schon o. g. Gelände südlich von Am Sandhaus. Das dort 2006 erfasste Wohnstallhaus (zirka 21 Meter lang und 5 Meter breit, durch Trennwand in 5 x 5 Meter großen Wohnbereich und 5 x 16 Meter großen Stall untergliedert, Ausrichtung in Ost-West-Richtung) wurde mittels der Radiokarbonmethode auf die Zeit zwischen 521 und 407 v. u. Z. datiert. Seine Einordnung ins 5. Jahrhundert v. u. Z. schloss eine chronologische Lücke in der Berlin-Brandenburger Hausforschung. Ein 2007 freigelegter, quadratischer Neun-Pfosten-Speicher konnte durch die gleiche Methode ebenfalls in die Vorrömische Eisenzeit einsortiert werden. Zuvor war dieser Haustyp nur aus dem nachfolgenden Abschnitt bekannt.[8]

Die späte Eisenzeit zwischen dem Jahr 1 und dem Ende des 4. Jahrhunderts wird Römische Kaiserzeit genannt. Die Schriftquellen verorteten im Berliner Raum die germanischen Stämme der Semnonen und Burgunden. Die Bevölkerungszahl stieg wieder an, die acht bekannten Fundorte lagen v. a. an Panke, Bucher Teichen und Lietzengraben. Die systematische Erfassung des Areals Am Sandhaus ermöglichte detaillierte Erkenntnisse über Ortschaftsstruktur, Hausbau, Wirtschaft und materielle Kultur einer germanischen Niederlassung des 2./3 Jahrhunderts.[8]

Zwischen etwa 150 und 300 bestanden drei Siedlungsphasen. Fließe und Sümpfe boten im Norden, Osten und Westen einen natürlichen Schutz, nach Süden lag vermutlich offenes Gelände bis zur 700 bis 800 Meter entfernten Panke. Jeweils ein ebenerdiges Langhaus bildete das Haupt- und Wohngebäude eines Gehöftes, umgeben von zahlreichen Kleinbauten. Die meisten Langbauten waren zwei­schiffig bei unterschiedlichen Größen (10,2–20 Meter Länge, 3–6 Meter Breite) und Grundrissen, darunter ein trapez­förmiger. Neun von insgesamt zehn erfassten Langhäusern besaßen keine Untergliederung. Die Unterteilung (Wohnbereich, Diele und Stall) des Einen, seine Dimensionen (vierschiffig, 37,0 x 5,0–5,5 Meter) und die größere Zahl an Nebengebäuden sprachen für eine sozial privilegierte Familie. Die 31 entdeckten Kleinbauten der Ortschaft variierten in Größe sowie Aufbau und dienten u. a. als Arbeitshütten, Speicher sowie Ställe. Bei einem Grubenhaus konnte 2005 erstmals ein gepflasterter Zugang nachgewiesen werden.[8]

Schlachtabfälle zeigten die Haltung von Gänsen, Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen sowie die Jagd auf Hasen, Rothirsche und Wildschweine. Wichtigste tierische Nahrung war Rindfleisch. Über den Umfang und die Vielfalt des Ackerbaus ließen sich keine Aussagen treffen, da wie schon erwähnt Pflanzenreste im Bucher Boden schnell verrotten und eine Pollenanalyse nicht (Stand Oktober 2009) vorliegt. Der Fund des Bodensteins einer Handdrehmühle und mehrerer Läufersteine von Reibmühlen wiesen die Getreideverarbeitung aber indirekt nach.[8]

Außer als Ackerbauer, Viehzüchter und Jäger arbeiteten die Bucher in zahlreichen handwerklichen Berufen: Töpfern, Spinnen und Weben von Wolle, Verarbeitung von Bronze sowie Herstellung von Holzkohle, Pech und Teer. Die Produktion von Branntkalk belegten fünf Kalköfen. Meist wurde darin zuvor oberflächennah in den Feuchtgebieten abgebauter Wiesenkalk verarbeitet. Der Rohstoff für einen 2005 entdeckten Ofen und die Schollen der benachbarten Vorratsgrube waren aber nachweislich Rüdersdorfer Kalkstein, deren Abbaubeginn wurde zuvor auf das deutsche Mittelalter datiert. In der Umgebung gewonnenes Raseneisenerz hinterließ bei seiner Verhüttung in Rennöfen als Abfallprodukt Schlacken. Ihre Untersuchung ergab, dass zur Prozessverbesserung Kalk zugegeben wurde. Wahrscheinlich wurde das Eisen auch vor Ort weiterverarbeitet.[8]

Völkerwanderungs- und Slawenzeit[Bearbeiten]

Mit Beginn der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert verließen die Germanen größtenteils den Berliner Raum Richtung Rhein und Donau. Für das 5./6. Jahrhundert konnte deshalb für Buch keine Besiedlung nachgewiesen werden. Im 7. Jahrhundert wanderte eine slawische Bevölkerung aus dem heutigen Polen und Tschechien in die Region ein. Diese formte im 8. oder 9. Jahrhundert zwei Stammesherrschaften: die Heveller mit dem Hauptsitz Burg Spandau und die Sprewanen mit ihrem Zentrum Burg Köpenick. Buch gehörte vermutlich zur Herrschaft Köpenick. Vom 9. bis 12. Jahrhundert existierten östlich der Panke zwei nah beieinander liegende slawische Siedlungen. Die westlich der Karower Chaussee bestand den Funden nach im 11. und 12. Jahrhundert. Die Feuerstellen, Vorrats- und Abfallgruben bargen Keramik­reste sowie Knochen von Rindern, Schafen, Schweinen, Ziegen und Rothirschen.[8]

1220 bis 1723[Bearbeiten]

Ehemaliges Wappen von Buch

Die gemeinsam regierenden Askanier Johann I. und Otto III. erweiterten die Mark Brandenburg ab 1220 u. a. um den Barnim und Teltow. Ab dieser Zeit wurden beide Gebiete im Rahmen der Deutschen Ostsiedlung systematisch erschlossen. Ihre Bevölkerungszahl stieg von zirka 5.000–10.000 anno 1150 auf etwa 35.000–40.000 im Jahr 1250. Buch entstand wahrscheinlich um 1230 als Straßenangerdorf entlang der Dorfstraße (heute Alt-Buch). Auf der Südseite reihten sich die meisten Gehöfte der Vollbauern und Kossäten, auf der Nordseite lagen die Dorfkirche und der Gutshof Buch. Nur etwas weiter südlich bestand weiterhin die elbslawische Siedlung westlich der Karower Chaussee.[22][23]

Die erste urkundliche Erwähnung von Buch stammte aus dem Jahr 1342 (BLHA. Pr.Br.Rep.08, Stadt Prenzlau, Urkunde 56 oder 5b).[24][25]

„Gegeben am 13. Dezember 1342
Markwart von Lauterbach, markgräflich Brandenburgischer Vogt der Vogtei Spandau urkundet, daß vor ihm der Knappe Arndt von Bredow, dessen Ehefrau Anna und ihre beiden mündigen Söhne Otto und Hans dem Juden Meyer zu Berlin und dessen Erben 16 Pfund brandenburgische Pfennige aus der Bede des Dorfes Gratze und 9 Pfund aus der Bede des Dorfes Wendeschen Buk gegen ein Kapital von 125 Pfund auf die Dauer von 5 Jahren verpfändet haben.
Die Zinszahlung soll für Gratze jeweils zu Martini und für Buch jeweils zu Michaelis und Nicolaus erfolgen. Als Bürgen und Sachwalter werden die Knappen Andreas [von] Sparr und Hans von Bredow benannt, sie verpflichten sich, im Falle der Nichtzahlung der 25 Pfund Zinsen, Meyer bei der Pfändung dieser Summe in den beiden genannten Dörfern zu helfen bzw. zum Einlager in der Stadt Berlin, bei Verweigerung des Einlagers soll der jeweilige Vogt zu Spandau Meyer zu Hilfe bei der Pfändung in Höhe seiner Forderung verpflichtet sein.“

Arno Kalinich[24]

Das Kredit­geschäft fiel in die wittelsbacher Herrschaft über die Mark. Bei großen Zahlungen wurden die Münzen nicht einzeln gezählt, sondern gewogen. 1 Pfund (talentum) Silber entsprach 20 Schilling (solidi) bzw. 240 Brandenburger Pfennig (denarii). Der einzelne Pfennig hatte ein Feingewicht von ungefähr 50 Gramm. Insgesamt lieh sich die Familie von Bredow also rund 15 Kilogramm reines Silber.[24][26]

Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 führte im Ortsverzeichnis der Mittelmark Buch slavica auf und machte im Dorfregister des Barnims unter Wentschenbug, Wentzschenbůk bzw. Wentschenbůk erstmals genauere Angaben. Die überlieferten Handschriften des Landbuchs unterschieden sich zeitlich und inhaltlich teilweise, daher die drei abweichenden Schreibweisen.[27][28][22][29]

„Wentzschenbůk sunt 40 mansi, quorum plebanus habet 4; Smetstorp habet 4 mansos ad curiam, tenetur ad servicium. Ad pactum solvit quilibet mansus 7 modius siliginis, 2 ordei et 7 modius avene; ad censum quilibet 2 solidos; ad precariam solvit quilibet mansus quinque solidos den. et ½ modium siliginis, ½ ordei et 1 avene.
Tabernator dat 10 solidos ad pactum et censum, item ad precariam sicut unus mansus. Molendinum solvit 1 chorum siliginis dictis de Robel, ultra hoc solvit dictis de Bredow 1 modium siliginis, 1 ordei et 2 modios avene et 10 solidos den. Item ager, qui dicitur Wendestucke, solvit prefecto et dictis de Bredow tantum quantum unus mansus.
Cossati sunt 22, quilibet solvit 1 solidum den. et 1 pullum. Hans et Tamme dicti de Robel habent pactum super 10 mansos et 14 solidos ad censum. Smetstorpp habet 3 frusta et 8 modios in pacto et censu; Wichusen habet 22 modius in pacto; Albertus Rathenow, civis in Berlin, 18 modios in pacto. Item 2 chori et 1us modius spectant ad altare in Berlin. Fritze et Claus Bredow habent in pacto et censu 6 frusta. Schultetus habet pactum super 6 mansos et solvit annuatim dictis de Bredow 1½ frustum pro pheudo et ½ frustum pro equo pheudali.
Precariam, supremum iudicium et servicium curruum habent dicti de Bredow, habuerunt ultra 30 annos, emerunt a Betkino Wiltberg, milite.“

Johannes Schultze (Hrsg.)[28]

Wendisch Buch umfasste vierzig Hufe, davon hielten der Pfarrer und der Ritter Schmetstorp je vier freie Hufe. Die Namen der Vollbauern und die Anzahl ihrer Hufe wurden nicht angegeben. Das Register listete die je Hufe zu leistende Pacht-, Zins- und Bede-Höhe auf, zudem die Abgaben des Kruges und der Mühle sowie die Zahlung der 22 Kossäten. Nutznießer der Geld- und Natural­leistungen waren Albert Rathenow, Hans und Tamme von Röbel, Schmetstorp, der Schultheiß und Wichusen sowie die Nikolaikirche zu Berlin. Fritz und Klaus von Bredow bekamen neben Pacht und Zins auch die Bede, zudem hielten sie das Schulzengericht und den Wagendienst inne. Diese Rechte sollen sie vor über 30 Jahren von Ritter Betkin Wiltberg erworben haben. Die aufgeführten Wendenstücke belegten den Fortbestand der slawischen Ortschaft.[22][29][28]

Die Geschichte von Buch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts prägten die wechselnden Eigentümer des Rittergutes, die den Ort zum repräsentativen Adels­sitz ausbauten. Einige der Feudal­herren spielten als hohe Amtsträger eine herausragende Rolle in der Geschichte der Mark Brandenburg und des Königreichs Preußen. Die ersten Gutsherren liegen im Dunkel der Geschichte. Es ist nicht auszuschließen, dass die Bredows mit dem Kredit von 1342 neben den im Landbuch von 1375 erwähnten Rechten und Abgaben auch das Gut Buch erwarben und der Verkäufer Betkin Wiltberg war. Konkrete Belege dafür fehlen. Die Beschreibung der Mark Brandenburg von 1373 verzeichnete die Bredows als Edle Ritter mit Burg und Städtchen Friesack (Nobiles de Bredow cum castro et opido Frizsak). Somit war Ritter Schmetstorp der erste namentlich bekannte Gutsherr. Kirchlich gehörte das Dorf damals zur Propstei von Bernau.[22][24][30][31]

Das markgräfische Lehnsregister zeigte, dass bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts fast alle Rechte und Abgaben an die Herren von Röbel übergingen, denen weitere Dörfer in der Umgebung gehörten. 1483 wurde Buch zum Wohnsitz der Familie. Das Gut bestand inzwischen aus zwölf Hufe, im Laufe der folgenden Jahrhunderte wurden ihm fast alle weiteren Bauern- und Kossätenhöfe einverleibt. Hans von Röbel († 1563) wurde nach letzten Übernahmen von Abgaben 1541 und dem Tod seines Bruders Valentin 1559 alleiniger Lehnsherr in Buch. Der kurbrandenburgische Rat und Förderer der Reformation war mit Philipp Melanchthon befreundet, der mehrfach in Buch weilte. Auch die Söhne des Hans von Röbel bekleideten wichtige Staatsposten, Joachim als Feldmarschall und Zacharias (* 1522, † 1575) als Kommandant der Festung Spandau. Hans Dietrich von Röbel (* 1595, † 1654), der Enkel von Joachim, stieg im Dreißigjährigen Krieg zum Kommissar (Vorläufer des preußischen Landrats) des Niederbarnims auf und lebte ab 1640 auf dem Gut. Die von ihm gestiftete Gruft der Kirche ist das einzig erhaltene architektonische Vermächtnis der Röbels in Buch. Dort wurde Hans Dietrich als erster und letzter seiner Familie bestattet.[22][32][33][34]

Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) und mehrere Pest­epidemien wirkten sich auch auf Buch verheerend aus. Von wohl 26 Familien und geschätzten 135 Einwohnern anno 1598 sank die Zahl auf fünf Familien um 1650, die Gutsherren nicht mit eingerechnet. Allein die Pest raffte im genannten Zeitraum über 150 Menschen dahin. In dieser Lage verkauften Joachim Adolf und Georg Christian von Röbel 1669/1670 die Güter Buch, Karow und Birkholz an den reichen Gerhard Bernhard von Pölnitz. Er zog wahrscheinlich schon 1670 nach Buch. Kurz danach ließ der Bewunderer der niederländischen Garten- und Baukunst den bereits existierenden Schlosspark im holländischen Stil umgestalten und das Herrenhaus umbauen. Ab 1700 verpachteten die Freiherrn von Pölnitz das Gut. Anno 1717 wurde aus dem Lehn- ein Eigengut. Zu diesem Zeitpunkt bestand es aus vierzehn Ritter- und fünf Bauernhufe. Den Rest der Flur bewirtschafteten fünf noch ansässige Bauern mit je drei Hufe und zehn Kossäten mit zusammen sieben Hufe.[22][35][33]

1724 bis 1897[Bearbeiten]

Adam Otto von Viereck, Stich von Johann Ernst Gericke 1760

Im Jahr 1724 veräußerte Friedrich Moritz von Pölnitz Dorf und Rittergut an Adam Otto von Viereck, der eine umfangreiche Bautätigkeit entfaltete. Gleich 1724 ließ er den Schlosspark Buch im französischen Stil neu gestalten und beauftragte Friedrich Wilhelm Diterichs mit dem Umbau des Herrenhauses zum barocken Schloss Buch. Viereck, als Präsident der Kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer zugleich der Vorgesetzte des Bauinspektors, übertrug Diterichs auch den Neubau der Schlosskirche Buch zwischen 1731 und 1736 anstelle der abgebrochenen Dorfkirche. Das Pfarrhaus entstand 1740 direkt neben der Kirche (heute andere Straßenseite), das auch als Dorfschule genutzte Küster­haus etwa 1750. Die um 1760 errichtete Orangerie Buch vollendete die barocke Gestaltung des Parks.[22][36][37]

Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) tobte nur etwa 40 Kilometer entfernt am 12. August 1759 die Schlacht bei Kunersdorf. In der Folge zogen russische Soldaten plündernd und brandschatzend durch das Dorf, beschädigten die Kirche und schändeten die Särge in der Gruft. Vermutlich auch wegen der Kriegswirren wurde erst 1761, drei Jahre nach dem Tod von Adam Otto von Viereck, dessen Erbfolge entschieden. Buch, Buchholz und Karow gingen an seine Tochter Amalie Ottilie (* 1736, † 1767), verheiratet mit Friedrich Christoph Hieronymus von Voß (* 1724, † 1784). Dieser ließ den Schlosspark erweitern, die Kirche instandsetzen und 1763 durch ein Epitaph für seinen Schwiegervater Adam Otto von Viereck ergänzen. Kurz vor ihrem Tod stiftete Amalie Ottilie ihr Eigentum als Fideikommiss. Zeitgleich verteilte eine staatliche Kommission die Äcker der Dorfflur neu, wobei die Gutsfelder ausgesondert und zusammengefasst wurden.[33][22]

Nach dem Tod seines Vaters 1784 erbte Otto Carl Friedrich von Voß die drei Dörfer. Nach seiner Dienstzeit im preußischen Staat zog er sich 1795 auf seine Güter zurück und initiierte noch vor den Preußischen Reformen die Ablösung der bäuerlichen Frondienste. Durch die Separation verstreuter Felder entstanden zudem größere, zusammenhängende Äcker. Die verbliebenen drei Bauern, zwei Ganzkossäten und drei Halbkossäten in Buch wurden nun Eigentümer ihrer Höfe. Über das Schicksal seiner Schwester Julie von Voß verfasste Theodor Fontane ein ganzes Kapitel in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.[22]

Zu den baulichen Veränderungen seiner Zeit zählten der Neubau des Pfarrhauses 1788 am jetzigen Standort auf der Südseite von Alt-Buch und das Inspektorenhaus um 1810 auf dem Gutshof. Von 1790 bis 1820 dehnte Otto Carl Friedrich durch Zukäufe den Schlosspark östlich des Mühlenwegs (heute Südteil des Pölnitzwegs) aus und gestaltete diesen Teil im englischen Stil. Die Orangerie erhielt um 1800 an der Rückseite einen neogotischen Anbau. Mit dem 1818 gegründeten Vorwerk Bücklein, anfänglich Schäferei Büchlein genannt, wurde erstmals Land außerhalb der mittelalterlichen Dorfgrenzen besiedelt. Ein Brand im Oktober 1822 vernichtete den Schlosskrug und mehrere Wirtschaftsgebäude auf dem Gutshof. Der Gutsherr zog sich bei den Löscharbeiten eine Erkältung zu, an der er im Januar 1823 verstarb.[22][35][38][39][40]

Der Schlosskrug wurde bereits 1823 wiederaufgebaut. Der Erbe und Sohn Wilhelm Friedrich Maximilian von Voß (* 1782, † 1847) beseitigte die Brandschäden auf dem Gutshof um 1830, erweiterte dabei das Inspektorenhaus mit einem Anbau und wurde 1840 in den Stand eines Grafen erhoben. Die 1839 erstmals erwähnten Neuen Häuser an der Straße Am Sandhaus erweiterten das Dorfgebiet abermals, sie hießen später Kolonie Buch[Anm. 2] und dann Sandhäuser. 1847 beerbte Karl Otto Friedrich von Voß (* 1786, † 1864) seinen älteren Bruder und beendete bis 1859 die von seinem Vater begonnene Ablöse und Separation. Da er kinderlos starb, fiel das Eigentum 1864 an die Nachfahren seines Onkels Albrecht Leopold von Voß, den Familienzweig von Voß-Flotow. Zu ihren wenigen Baumaßnahmen gehörten auf dem Gutshof neue Wirtschaftsgebäude 1865 und das Gesindehaus 1870 sowie der Neubau der Ausspanne um 1870.[22][41][42][39][43]

Seit 1842 führte die Bahnstrecke Berlin–Stettin von Südwesten nach Nordosten ungefähr parallel zur Panke über die Gemarkung, aber erst 1879 eröffnete der Haltepunkt Buch. 1881 erbte Gustav Hermann von Voß-Flotow (* 1822, † 1892), er ließ das Schloss um- und ausbauen sowie 1891 die Kirche restaurieren. Auf Gustav Hermann folgte 1892 sein Bruder Georg von Voß-Flotow.[22][44]

1898 bis 1932[Bearbeiten]

Im Jahr 1868 war James Hobrecht vom Magistrat nach Berlin zurückberufen worden, um für die angehende Reichshauptstadt ein Plan für die Abwasser­entsorgung zu erarbeiten. Auf seinen Vorschlag wurde das zu entwässernde Gebiet in zwölf einzelne Radialsysteme unterteilt, jedes mit eigenem unterirdischem Kanalnetz. Das gemischte Schmutz- und Niederschlagswasser wurde mittels natürlichem Gefälle in Sammelbecken geleitet, von dort durch eiserne Druckrohre aus der Stadt gepumpt und schließlich auf Rieselfelder geleitet. Trotz großer Widerstände wurde das Vorhaben ab 1873 umgesetzt.[44][45]

Um den letzten der zwölf Teilabschnitte zu realisieren kaufte die Stadt Berlin 1898 Gut und Dorf Buch für 3,5 Millionen Mark (kaufkraftbereinigt heute rund 23 Millionen Euro) von Georg von Voß-Flotow. Die Berliner Rieselfelder westlich des Dorfkerns bewirtschaftete der bestehende Gutshof. Das Rieselgut spezialisierte sich auf die Milchwirtschaft, deshalb wuchs auf den Feldern hauptsächlich Gras. Die nördlichen Ländereien wurden mit später erworbenen Flächen von Bernau, Schönerlinde, Schönow sowie Zepernick zusammengelegt und vom ab 1906 völlig neu erbauten Hobrechtsfelde aus bearbeitet.[44][22][46]

Noch im Jahr 1898 beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung einen Teil der Gutsflächen für die Errichtung der Krankenhausstadt Buch zu nutzen. Eine Entscheidung, die aus der beschaulichen Landgemeinde mit knapp 400 Einwohnern innerhalb kurzer Zeit eine ansehnliche Kleinstadt machen sollte. Bis 1929 entstanden nach Entwürfen des Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann fünf Anstaltskomplexe, die Heimstätte für männliche Brustkranke 1901–1905, die III. Städtische Irrenanstalt 1900–1907, das Alte-Leute-Heim 1905–1909, das Genesungsheim für Kinder 1909–1916 und das Hospital Buch-West 1914–1916, 1927–1929. Dazu kamen die Städtische Zentrale Buch 1904–1913 als Versorgungs- und Verwaltungsanlage für alle Einrichtungen sowie der Anstaltsfriedhof 1907–1908. Buch war damals der größte und modernste Heilstandort Europas.[44][47][48]

Außerhalb der Heil- und Pflegestätten war die Bautätigkeit nach dem Verkauf an Berlin geringer. Um 1900 entstanden die große Scheune auf dem Gutshof, einige Wohnhäuser für Landarbeiter, die Erweiterungen des Schlosskruges um Biergarten und Pavillon sowie die Neubausiedlung Kolonie Buch[Anm. 3] nördlich der Bahnstrecke zwischen Viereck-, Hörsten- und Pölnitzweg. Wegen der gestiegenen Bevölkerungszahl reichten die Schulräume in der Küsterei nicht mehr aus. Die 1903 errichtete, 1908 und 1915 erweiterte Schule (heute Grundschule Am Sandhaus) auf dem Küsteracker nördlich der Bahnlinie schuf Abhilfe. 1905 wurde der Schlosspark öffentlich zugänglich gemacht. Den Ausbau des Schlosses ab 1905 zum Sommerwohnsitz des Berliner Oberbürgermeisters, das Wohnhaus für die Gutsschäferei 1908 und das Kaiserliche Postamt 1908–1910 realisierte Ludwig Hoffmann. Das Pfarrhaus wurde 1911/1912 durch einen Neubau ersetzt.[44][49][50][18][51]

Gespeist aus dem 1908/1909 erbauten Dampfkraftwerk der Städtischen Zentrale Buch wurde 1910 die Straße Alt-Buch erstmals elektrisch beleuchtet, im selben Jahr erfolgte die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Zwischen 1909 und 1916 wurde die Stettiner Bahn vom Bahnhof Pankow bis zum Bahnhof Bernau teilweise auf einen Damm verlegt und um zwei Gleise erweitert. Ersteres ermöglichte die kreuzungsfreie Überquerung der Straßen, letzteres die bauliche Trennung der Fern- und Gütergleise vom Vorortverkehr. Im Zuge des Ausbaus entstand anstelle des Haltepunkts 1912–1914 der Bahnhof Buch. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs (1914–1918) starben 86 Bucher Männer.[18][47][44][52]

Die Volkszählung vom 8. Oktober 1919 ergab für Buch-Landgemeinde 3.917 und für Buch-Gutsbezirk 2.562, also zusammen 6.479 Einwohner. Mit in Kraft treten des Groß-Berlin-Gesetzes am 1. Oktober 1920 wurde aus der preußischen Ortschaft im Landkreis Niederbarnim im Regierungsbezirk Potsdam der Provinz Brandenburg ein Ortsteil des Bezirks Pankow von Berlin. Für Buch änderte sich relativ wenig, da der Berliner Magistrat bereits zuvor Dorf, Gut und Krankenanstalten verwaltete.[53][44][54]

Um der Wohnungsnot nach dem Krieg zu begegnen ließ die Berliner Hochbauverwaltung als eine der ersten Maßnahmen ein neues Wohngebiet in Buch errichten. So entstand 1919–1922 nach Entwurf von Ludwig Hoffmann eine Siedlung mit Reihen- und Doppelhäusern am Straßendreieck Karower Chaussee/Lindenberger Weg. In den 1920er Jahre wurde das Gebiet nördlich des Alte-Leute-Heims mit kleinen Einfamilienhäusern erschlossen. Um den Bahnhof entwickelte sich ein erstes kleines Geschäftszentrum. Mitte der 1920er Jahre zählte der Ort zehn Kolonialwaren­geschäfte, je vier Bäcker, Fleischer und Frisöre, zwei Drogerien und mehrere Gaststätten. Zusammen mit der Bahnstrecke ging Buch in die Geschichte der Berliner S-Bahn ein, am 8. August 1924 fuhr zwischen dem Stettiner Vorortbahnhof und dem Bahnhof Bernau der erste S-Bahn-Zug. Die 1929 eröffnete Buslinie A 42 zwischen Ostseestraße und Lindenhofstraße (heute Wiltbergstraße) erweiterte den Öffentlichen Nahverkehr.[44][55][18]

Das Pfarrhaus wurde 1927 durch den Anbau des Gemeindehauses ergänzt. Nachdem der 1925 eröffnete Zweite Städtische Zentralfriedhof südlich des Dorfkerns an der Karower Chaussee nicht zweckentsprechend genutzt werden konnte, kaufte die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG) den Nordteil und errichtete hier 1928–1930 einen Neubau für das Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung (KWI für Hirnforschung), der am 1. Juni 1931 eröffnet wurde. Konzentrierte sich der Medizinstandort Buch anfangs auf die Versorgung Kranker und Pflegebedürftiger, zogen mit dem KWI auch Forschung und Lehre ein. Der Institutsleiter Oskar Vogt sowie die Abteilungsleiter Cécile Vogt und Nikolaj Vladimirovič Timofeev-Resovskij machten Buch zu einem Zentrum der neurobiologischen Forschung. Zu den wenigen weiteren Neubauten der frühen 1930er Jahre zählten der Erweiterungsbau der Schule 1932 und die katholische Mater Dolorosa Kirche 1934/1935.[47][44]

1933 bis heute[Bearbeiten]

Campus Berlin-Buch: Das nach dem sowjetischen Genetiker benannte Timoféeff-Ressovsky-Haus, Mai 2013

Nach der Machtübergabe am 30. Januar 1933 wurden die Forschungsinhalte sowie der Umgang mit den Patienten und dem Personal in den medizinischen Einrichtungen von Buch der nationalsozialistischen Politik angepasst. 1935 wurden Oskar und Cécile Vogt gezwungen das KWI für Hirnforschung zu verlassen.[44]

In der Pathologie in Berlin-Buch wurden am 8. Mai 1945 die verbrannten Leichen von Adolf Hitler und Eva Braun nach deren gemeinschaftlichen Selbstmord am 30. April 1945 auf Veranlassung der sowjetischen Militärführung u. a. anhand der erhaltenen Gebisse durch Hugo Blaschke, dem Leibzahnarzt Hitlers, zweifelsfrei identifiziert.

Die Krankenhäuser blieben im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Schäden verschont, Teile dieser Anlagen beherbergen bis heute medizinische Einrichtungen verschiedener Träger (Charité, Helios Kliniken). Das KWI ging nach 1947 im Institut für Medizin und Biologie auf, das später Bestandteil der Akademie der Wissenschaften der DDR wurde. Hier befand sich ein Forschungszentrum auf den Gebieten der Krebs- und Herz-/Kreislaufforschung.

Die Rieselfeldern dienten bis in die 1970er Jahre als Versickerungsflächen. Nach der Umstellung auf moderne Kläranlagen erfolgte eine langsame Renaturierung. Wegen der Belastung mit Schadstoffen sind die Flächen immer noch nicht frei zu benutzen.

Seit 1992 ist auf einer 32 Hektar großen Fläche mit dem Campus Berlin-Buch ein Wissenschafts- und Technologiestandort mit biomedizinischen Forschungseinrichtungen, einem BiotechPark und Serviceeinrichtungen entstanden. Berlin-Buch gehört zu den bedeutenden Akteuren der Gesundheitsstadt Berlin und des Clusters Gesundheitswirtschaft – einem Schwerpunkt der gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg. So gehört das hier ansässige Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zu den TOP 20 der biomedizinischen Forschungseinrichtungen weltweit. Gemeinsam mit der Charité–Universitätsmedizin Berlin betreibt das MDC auf dem Campus Berlin-Buch im Rahmen des Experimental and Clinical Research Centers Hochschulambulanzen.

Am Autobahndreieck Pankow wurde die Windkraftanlage Pankow errichtet. Die Netzeinspeisung seit dem 31. Juli 2008 machte sie zur ersten Windkraftanlage Berlins und ihre Höhe von 179 Meter (Nabe 138 Meter plus Rotor­radius 41 Meter) zum höchsten Bauwerk des Bezirks Pankow.[56][57][58]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner Ref.
1598 geschätzt 135 [22]
1650 geschätzt 25 [22]
1734 152 [39]
1801 228 [33]
1872 239 [59]
Jahr Einwohner Ref.
1895 298 [39]
1898 395 [22][60]
1919 6.479 [53]
1991 16.750
2014 14.507

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Der Künstlerhof Buch; „Windharfe“ von Ingolf Eschenbach, Metallbildhauer und Kunstschmied. Im Hintergrund das Gutshaus und Schlosskirche

Bedeutendstes historisches Bauwerk von Buch ist die 1736 vollendete Schlosskirche. Die Kirche wurde zwischen 1950 und 1953 wiederaufgebaut und von 1995 bis 2000 saniert. Von der Kirchenleitung wird für die nächsten Jahre geplant, auch den 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kirchturm wieder zu errichten. Als eine von vier erhaltenen Barockkirchen Berlins gehörte sie einst zur Gutsschlossanlage von Buch und bildet heute gemeinsam mit dem Schlosspark und ehemaligen Gutshof einen architektonischen Mittelpunkt Buchs.

Der ehemalige Gutshof liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlosskirche und wurde noch bis ca. 1964 landwirtschaftlich genutzt. Bereits in den 1920er Jahren schwärmte Käthe Kollwitz in einem offenen Brief von dem einzigartigen Ensemble des damaligen Gutshofes und hätte ihn sich als einen Künstlerhof vorgestellt. Nach einer Initiative engagierter kunstsinniger Menschen, die sich unter anderem auf den Brief von Käthe Kollwitz beriefen, wurde in den 1980er Jahren der damals sehr verfallene Gutshof von der DDR-Führung zum „Künstlerhof Buch“ umgebaut und eingerichtet. Zu jener Zeit arbeiteten etwa 30 Künstler auf diesen Hof, um zunächst vorrangig staatliche Auftragskunst zu produzieren.

Nach einer Initiative des seinerzeitigen Kultursenators Ulrich Roloff-Momin übernahm 1992 die Akademie der Künste das Areal, unter deren Regie der ehemalige Gutshof teilweise saniert und weiter ausgebaut wurde. Die kurze Blütezeit, in der neben zahlreichen Ausstellungen auch klassische Konzerte und Theater gezeigt und aufgeführt wurden, fand durch die Einstellung der vergleichsweise geringen Förderung durch das Land Berlin 2003 ein Ende. In dem ungewissen Schicksal, durch den Liegenschaftsfonds an einen potenten Investor verkauft zu werden, arbeiten derzeit unter der Leitung des „Künstlerhof Berlin-Buch e. V.“ etwa 25 Künstler (Maler, Bildhauer, Klang-, Licht- und Installationskünstler) sowie Restauratoren auf dem Areal. Auf dem weiträumigen Gutshof sind einige bis sechs Meter hohe Metallskulpturen zu sehen.

Gesäumt wird der Hof mit dem um 1800 erbauten, restaurierten Gutshaus, einer großen Scheune und ehemaligen Ställen, in dem gut ausgebaute Werkstätten, wie eine große Holzwerkstatt und die lebendige Schmiede zu finden sind. Weiter sind der ehemalige Speicher, eine Galerie, der ehemalige Taubenturm als Wahrzeichen des Künstlerhofs oder das Gesindehaus zu sehen.

Das barocke Schloss unmittelbar westlich des Gutshofs überstand den Zweiten Weltkrieg mit geringen Schäden, wurde zunächst als Kinderheim genutzt, jedoch 1964 wegen Bauschäden infolge mangelnder Instandhaltung abgerissen.

Der Bahnhof Berlin-Buch wurde zwischen 1912 und 1914 erbaut und lässt deutlich den Ursprung des bereits 1879 errichteten Bahnhofs der Stettiner Bahn erkennen, durch den Buch an die Region Groß-Berlin angeschlossen wurde. Der Bahnhof gehört zu den denkmalgeschützten Stationen der Stettiner Bahn. Die Bahnhofshalle wird über eine geschwungene Freitreppe mit mächtigen geschmiedeten Handläufen erreicht. Weitere Kleinode der Schmiedekunst sind innerhalb der Halle zu sehen.

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten]

Das Landschaftsschutzgebiet Buch umfasst beinahe die Hälfte des Orts. Gegründet am 23. Juni 2002, misst es 863,1 Hektar, nach einer Verkleinerung am 30. November 2007 um 5,9 Hektar. Es reicht von der Landesgrenze im Norden bis zur S-Bahnlinie 8 im Süden, wo ein kleiner Bereich in Französisch Buchholz liegt. Die Naturschutzgebiete Mittelbruch, Karower Teiche (Nordteil gehört zu Buch, Südteil zu Buchholz), Bogenseekette und Lietzengrabenniederung sowie die kleine Moorlinse Buch sind ins LSG eingebettet bzw. grenzen daran an. Das gesamte Areal zeigt eine große Vielfalt an Lebensräumen, die vom letzten Hochwald im Norden Berlins über Feuchtgebiete, Sand- und Wiesenbereiche bis zu halboffenen Flächen auf ehemaligen Rieselfeldern reicht. In Brandenburg besteht ein nahtloser Übergang zum LSG Westbarnim, alles zusammen gehört wiederum zum Naturpark Barnim.[61][62][63]

Um den Gutshof befindet sich der nach holländischem, französischem und englischem Stil angelegte Schlosspark Buch mit altem Baumbestand. Die historischen Wege und die in mehrere Wasserläufe mit vielen Brücken aufgeteilte Panke werden in ihrer ursprünglichen Form wiederhergestellt. Die im Zweiten Weltkrieg beschädigte Orangerie wurde 1955 abgerissen. Auf einem abgegrenzten Teil des Parks an der Wiltbergstraße befindet sich das Sowjetische Ehrenmal Buch.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Theodor Fontane: Spreeland. Beeskow-Storkow und Barnim-Teltow. In: Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Band 4. Verlag von Wilhelm Hertz, Berlin 1882, Rechts der Spree. Buch, S. 165–186 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv).
  •  Martin Pfannschmidt: Geschichte der Berliner Vororte Buch und Karow. Verlag Fr. Zillessen, Berlin 1927.
  •  Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. In: Brandenburgische Landbücher. Band 2 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin. Band VIII, 2). Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940 (außer den Begleittexten auf Latein verfasst, Digitalisat in Universitätsbibliothek Potsdam).
  •  Hans Ebert, Freundeskreis der Chronik Pankow e. V. (Hrsg.): Zur Geschichte von Berlin-Buch. Von der ersten Besiedlung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (= Reihe Deutsche Vergangenheit. Band 123). 1. Auflage. Edition Hentrich, Berlin 1995, ISBN 3-89468-202-7.
  •  Interessengemeinschaft Bucher Chronik (Hrsg.): Aus einhundert Jahren Bucher Geschichte 1898–1998. 1. Auflage. Berlin 1998, ISBN 3-00-002655-X.
  •  Johannes H. Schroeder (Hrsg.): Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. Naturpark Barnim (= Führer zur Geologie von Berlin und Brandenburg. Nr. 5). 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4.
  •  Michael Hofmann, Haila Ochs, Caroline Rolka: Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. In: Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.): Denkmale in Berlin (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Michael Imhof Verlag GmbH & Co. KG, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-543-8.
  •  Heinz Bielka: Siedlungs- und Kulturgeschichte von Berlin-Buch. 1. Auflage. Frieling-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8280-2837-1.
  •  Förderverein Naturpark Barnim e. V. (Hrsg.): Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde. Nutzung, Umgestaltung und Entwicklung einer intensiv von Menschen geprägten Landschaft im Norden Berlins. Public Agentur für Kommunikation, Wandlitz Februar 2015.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Buch – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Dass die Fennbuchte westlich vom Lindenhof liegt, indirekt aus dem Buch Bezirk Pankow – Ortsteil Buch geschlossen, genauer aus der Fundkarte auf S. 9 und den im Kapitel Zur Ur- und Frühgeschichte der Gemarkung Buch beschriebenen Funden.
  2. Nicht zu verwechseln mit der um 1900 gegründeten Kolonie Buch zwischen Viereck-, Hörsten- und Pölnitzweg.
  3. Nicht zu verwechseln mit der 1839 erstmals genannten Kolonie Buch an der Straße Am Sandhaus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Haila Ochs: Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-543-8, Geschichte und Stadtentwicklung von Berlin-Buch. Der Naturraum, S. 9.
  2. a b c d e f g  Peter Gärtner: Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde. Public Agentur für Kommunikation, Wandlitz 2015, Ein Exkurs in die Landschaftsgeschichte, S. 6–10.
  3.  Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Planwerk Nordostraum. Leitbilder, Konzepte, Strategien. Kulturbuchverlag, Berlin Dezember 2006, ISBN 978-3-88961-199-4, Vertiefung Buch, S. 26 (Digitale Ausgabe: pdf; 2,97 MB, In: Stadtentwicklung Berlin, abgerufen am 5. Juli 2015).
  4.  Hans Ebert: Zur Geschichte von Berlin-Buch. 1. Auflage. Edition Hentrich, Berlin 1995, ISBN 3-89468-202-7, Landschaft und Oberflächenformen, S. 7.
  5. a b c d e f g  Peter Gärtner, Gerhard Ginzel: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, II-2 Niederungen des Westlichen Barnims, S. 110–135.
  6. a b c d  Bernhard Nitz, Ines Schulz: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, I-2 Landschaftsentwicklung – Grundzüge, S. 47–65.
  7. a b  Rolf Schmidt: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, I-3 Böden, S. 66–74.
  8. a b c d e f g h i j k l m n o p q  Michael Hofmann: Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-543-8, Geschichte und Stadtentwicklung von Berlin-Buch. Zur Ur- und Frühgeschichte der Gemarkung Buch, S. 9–16.
  9. a b J. Gerstenberg: Geländehöhen Maßstab 1:50000. In: Umweltatlas Berlin. Stadtententwicklung Berlin, 2010, S. 01.08, abgerufen am 28. Juni 2015 (pdf; 14,8 MB, de, en, lange Ladezeit).
  10. a b c d  Lutz Schirrmeister, Johannes H. Schroeder, Volker Strauß: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, I-1.3 Quartär, S. 19–46.
  11.  Marion Müller: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, VI Fachwörter, S. 307–313.
  12. a b  Siegfried M. Chrobok, Peter Gärtner: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, II-3 Ladeburg-Albertshofer Schwellenzone, S. 136–145.
  13.  Gerhard Ginzel, Anne Heeling, Gerhard Hotzan: Nordwestlicher Barnim – Eberswalder Urstromtal. 1. Auflage. Selbstverlag Geowissenschaftler in Berlin und Brandenburg e. V., Berlin 2004, ISBN 3-928651-06-4, I-4.1 Die Ressource Wasser, S. 75–94.
  14. Niederschlag: langjährige Mittelwerte 1961–1990. Berlin-Buch. In: Mittelwerte 30-jähriger Perioden. Deutscher Wetterdienst, 11. Juni 2013, abgerufen am 5. Juli 2015.
  15. Sonnenscheindauer: langjährige Mittelwerte 1961–1990. Berlin-Buch. In: Mittelwerte 30-jähriger Perioden. Deutscher Wetterdienst, 11. Juni 2013, abgerufen am 5. Juli 2015.
  16. Temperatur: langjährige Mittelwerte 1961–1990. Berlin-Buch. In: Mittelwerte 30-jähriger Perioden. Deutscher Wetterdienst, 11. Juni 2013, abgerufen am 5. Juli 2015.
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  21.  Heinz Bielka: Siedlungs- und Kulturgeschichte von Berlin-Buch. 1. Auflage. Frieling-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8280-2837-1, 2. Frühe Siedler: Germanen und Slawen, S. 13–28.
  22. a b c d e f g h i j k l m n o p  Haila Ochs: Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-543-8, Geschichte und Stadtentwicklung von Berlin-Buch. Das Dorf Buch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, S. 17–25.
  23.  Michael Hofmann, Haila Ochs, Caroline Rolka: Bezirk Pankow – Ortsteil Buch. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2010, ISBN 978-3-86568-543-8, Anmerkung 17, S. 120.
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  33. a b c d  Heinz Bielka: Siedlungs- und Kulturgeschichte von Berlin-Buch. 1. Auflage. Frieling-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8280-2837-1, 3. Und sodann: Deutsche Adlige, Ritter und Patrone, S. 29–52.
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