Michael Pfleghar
Michael Pfleghar (* 20. März 1933 in Stuttgart; † 23. Juni 1991 in Düsseldorf) war ein deutscher Film- und Fernsehregisseur, Drehbuchautor und Fernsehproduzent, der vor allem durch die Unterhaltungssendungen Wünsch Dir was und Klimbim bekannt wurde.[1][2]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Michael Pfleghar erhielt eine Ausbildung als Schnittmeister und wurde 1954 Regieassistent beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart. Mit 22 Jahren arbeitete er beim jungen Süddeutschen Fernsehen als Filmcutter und inszenierte zwei Jahre später sein erstes Fernsehmusical; Martin Walser wurde dabei sein Autorenpartner und Förderer.[2] Ende der 1950er-Jahre wechselte er gemeinsam mit Helmut Jedele zur Bavaria Film bei München. Von 1959 bis 1963 war er dort Oberspielleiter.
Pfleghar war von 1960 bis 1962 mit der Schlagersängerin Bibi Johns und anschließend mit der Sängerin Inge Brück verheiratet, von der er Ende der 1960er-Jahre geschieden wurde. Zudem hatte er eine Beziehung mit Heidi Brühl. Ende der 1960er-Jahre war er mit Tina Sinatra liiert, lebte mit ihr zeitweise in München und besetzte sie in einer Fernsehadaption des Romeo-und-Julia-Stoffes.[3] Mit Ingrid Steeger, einer Darstellerin der Serie Klimbim, war er ab 1974 fünf Jahre lang liiert. Von 1981 bis 1990 war er mit Wencke Myhre verheiratet; mit ihr hatte er den 1982 geborenen Sohn Michael und lebte zeitweise in Norwegen.[2] Aus einer Beziehung mit Corinne Pulver stammte eine Tochter.
Im Jahr 1990 gründete Pfleghar gemeinsam mit Ursula Pfeiffer in Nürnberg den Verein „Lobby für Kinder“, der Kindern in Notlagen hilft.
Am 23. Juni 1991 starb Pfleghar im Alter von 58 Jahren in Düsseldorf; er wurde mit einer Schussverletzung in einer Düsseldorfer Wohnung aufgefunden, und die Polizei ging von Suizid aus.[1][4] Er wurde im Familiengrab auf dem Waldfriedhof Stuttgart beigesetzt.[5]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1963 arbeitete Pfleghar freischaffend und inszenierte im Verlauf seiner Karriere rund 200 Fernsehproduktionen.[4] Zu seinen Kinofilmen gehörten Die Tote von Beverly Hills (1964), Serenade für zwei Spione (1965) und Bel Ami 2000 oder Wie verführt man einen Playboy (1966), bei denen er jeweils auch am Drehbuch beteiligt war.[1] Die Tote von Beverly Hills entstand nach dem gleichnamigen Roman von Curt Goetz und übertrug dessen Demontage bürgerlicher Moral in ein Detektivspiel.[6]
In den Vereinigten Staaten führte Pfleghar 1967 bei dem preisgekrönten Fernsehspecial A Man and His Music + Ella + Jobim mit Frank Sinatra, Ella Fitzgerald und Antônio Carlos Jobim Regie.[3] Bei der ab 1969 ausgestrahlten ZDF-Showreihe Wünsch Dir was setzte er auf damals neuartige Formen der Publikumsbeteiligung wie den „Lichttest“, bei dem regional gemessener Strommehrverbrauch eine Abstimmung der Zuschauer abbildete; einzelne Spiele brachten die Kandidaten zugleich in riskante Situationen.[2][7] Seinen größten Publikumserfolg erzielte er mit der von 1973 bis 1979 ausgestrahlten Nonsens- und Comedyserie Klimbim, für die er 1975 den Adolf-Grimme-Preis mit Silber erhielt.[2][4]
Für den offiziellen Dokumentarfilm der Olympischen Sommerspiele 1972, Visions of Eight, gestaltete Pfleghar als einer von acht Regisseuren den Beitrag über die Athletinnen; der Gesamtfilm wurde 1974 mit dem Golden Globe Award als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.[1][8] Außerdem führte er in den 1960er-Jahren bei Wahlwerbespots der SPD Regie.[9] In den 1980er-Jahren entwickelte er für den Bayerischen Rundfunk die Gesprächsreihe Showgeschichten und inszenierte zwei deutsche Vorentscheidungen zum Grand Prix Eurovision de la Chanson.[2]
Filmografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kino
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1964: Die Tote von Beverly Hills (auch Co-Drehbuch)
- 1965: Serenade für zwei Spione (auch Co-Drehbuch)
- 1966: Bel Ami 2000 oder Wie verführt man einen Playboy (auch Co-Drehbuch)
- 1967: Das älteste Gewerbe der Welt (Le plus vieux métier du monde) (eine Episode)
- 1972: München 1972 – 8 berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade (Visions of Eight) – Teil 4: Die Frauen (Dokumentarfilm)
Fernsehen (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1956: Eine kleine große Reise (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1956: Duell nach Noten – Ein heiterer musikalischer Kleinkrieg (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1957: Der Schallplattendieb (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1957: La Cancha – Eine geheimnisvolle Weltmeisterschaft (TV)
- 1958: Kennen Sie die Milchstraße? (TV)
- 1958–1964: Bon soir, Kathrin! (TV-Serie)
- 1959: Drei kleine Helle (TV)
- 1959: Wenn Sechse eine Reise tun (TV)
- 1960: In 80 Takten um die Welt (TV)
- 1960: Hollywood – Ein Vorort in vier Anekdoten (TV) (auch Drehbuch)
- 1960: Das Leben ist ein Karussell (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1961: Petites fleurs (TV)
- 1961: Die alte Welle (TV)
- 1961: Zu jung um blond zu sein (TV) (auch Drehbuch)
- 1962: Hotel Victoria (TV-Serie)
- 1962: Das verflixte erste Mal – Ein Feuilleton mit Musik (TV)
- 1962–1963: Lieben Sie Show? (TV-Serie) (auch Co-Drehbücher)
- 1963: Die kleinste Show der Welt (TV)
- 1964: Die große Show von Tokio (TV)
- 1965: Das Lächeln im Westen (TV)
- 1966: Die größte Schau der Welt – Die Girls von Takarazuka (TV)
- 1966: Die Peanuts (TV)
- 1966: Es funkeln die Sterne – Zu Gast bei Caterina Valente (TV)
- 1967: Der Watusi-Skandal (TV)
- 1967–1968: Die Caterina-Valente Show (TV-Serie)
- 1967: With Love, Sophia (TV)
- 1967: Show-Chance (TV-Serie) (nur Gast in einer Episode)
- 1967: Frank Sinatra: A Man and His Music + Ella + Jobim (TV)
- 1968: Monte Carlo: C’est La Rose (TV)
- 1969: Caterina from Heidelberg (TV)
- 1969: Romeo und Julia 70 (TV-Serie) (auch Drehbuch)
- 1969–1970: Wünsch Dir was (TV-Serie) (5 Folgen)
- 1970: Music Tropical (TV)
- 1970: ZDF-Werkstatt (TV-Serie) (nur Gast in einer Episode)
- 1970: Jumbo – Ein Elefantenleben (TV)
- 1971: Perlico – Perlaco (TV) (auch Drehbuch)
- 1972: Jules und die olympischen Geister (TV)
- 1972: Sommersprossen (TV) (auch Drehbuch)
- 1973–1979: Klimbim (TV-Serie) (auch Co-Drehbücher und Gastauftritte)
- 1975: Giro d’Italia – Die härteste Show der Welt (TV)
- 1977: Wochenendspiel (Pilot für TV-Serie)
- 1978: Zwei himmlische Töchter und Die Gimmicks (TV-Serie) (auch Gastauftritt)
- 1979: Tortur mit Torte – Wie macht man Klimbim und anderen Tingeltangel (TV)
- 1979: Wencke, Udo und der blaue Diamant (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1980: Susi (TV-Serie) (auch Co-Drehbücher)
- 1981: Wencke (TV)
- 1983: Wencke auf Nord-Wegen (TV)
- 1984: Die trickreichen 7 (TV) (eventuell unveröffentlicht)
- 1985: Ein Lied für Göteborg (TV)
- 1986: Bravo, Catrin (TV)
- 1986: Die Zukunft hat Geburtstag – 100 Jahre Automobil (TV)
- 1987: Köpfe, Könner, Kulissen (TV-Serie) (nur Gast in einer Episode)
- 1987: Top Kids (S.A.M. – Reise durch die Zeit) (TV) (auch Co-Drehbuch)
- 1987: Willkommen in München (TV)
- 1987–1990: Showgeschichten (TV-Serie)
- 1988: Durch Dich wird diese Welt erst schön (TV)
- 1990: Rolle vorwärts (TV)
- 1991: Die lieben Verwandten (TV-Serie)
- 1991: Tücken des Alltags (TV-Serie) (eine Folge, 1994 gesendet)
Werbung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1969: Diverse kurze Wahlwerbespots für die SPD mit Willy Brandt zur Bundestagswahl 1969
- 1972: Zehn kurze Wahlwerbespots für die SPD mit Willy Brandt zur Bundestagswahl 1972
- 1976: 52 kurze Wahlwerbespots für die SPD mit Helmut Schmidt zur Bundestagswahl 1976
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan.. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 216.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 Michael Pfleghar. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 17. Juni 2026.
- 1 2 3 4 5 6 KÖPFE IN BAYERN: Michael Pfleghar – Ein Leben für die Show, Donnerstag, 20. März 2008, 23.15 Uhr, im Bayerischen Fernsehen. In: Presseportal. Bayerischer Rundfunk, 18. Februar 2008, abgerufen am 17. Juni 2026.
- 1 2 Claus Lochbihler: Trink, Brüderlein trink. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Dezember 2015, abgerufen am 17. Juni 2026.
- 1 2 3 Regisseur Pfleghar tot – Polizei vermutet Selbstmord. In: nd. 27. Juni 1991, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Klaus Nerger: Das Grab von Michael Pfleghar. In: knerger.de. Abgerufen am 2. September 2022.
- ↑ Fritz Göttler: Deutsche Fundstücke. In: Süddeutsche Zeitung. 25. August 2019, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Carola Zinner: 20. Dezember 1969: Erste Folge von „Wünsch dir was“. In: Bayerischer Rundfunk. 20. Dezember 2022, abgerufen am 17. Juni 2026.
- ↑ Kévin Corbel: Visions of Eight: summer of ’72 forever. In: Festival de Cannes. 22. Mai 2022, abgerufen am 17. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Hans-Peter Ehmke: Schneidig oder schnell vergessen. In: Deutschlandfunk. 4. Oktober 2007, abgerufen am 17. Juni 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pfleghar, Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Film- und Fernsehregisseur, Drehbuchautor und Fernsehproduzent |
| GEBURTSDATUM | 20. März 1933 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 23. Juni 1991 |
| STERBEORT | Düsseldorf |