Michael Trein

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Michael Trein auf dem 13. Tartlauer Treffen, Crailsheim 2006

Michael Trein (* 17. Juli 1935 in Honigberg, Siebenbürgen, Rumänien; † 5. Oktober 2015 in Crailsheim) war der erste und letzte deutsche Bürgermeister von Tartlau nach dem Zweiten Weltkrieg sowie ein führender Vertreter der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Für seine Verdienste um das Gemeinwohl wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Trein wurde 1935 im siebenbürgischen Burzenland als ältestes von zwei Kindern der Eheleute Michael Trein und Rosa, geb. Hedwig, geboren. Der Vater starb als Soldat unerwartet während eines Manövers im Frühjahr 1939. Nachdem die Mutter erneut geheiratet hatte, zog die Familie im darauffolgenden Jahr nach Tartlau. Trein besuchte dort die Volksschule und anschließend die Handelsschule in Kronstadt, die er jedoch vorzeitig aufgrund eines Erlasses der kommunistischen Partei Rumäniens verlassen musste. Dieser Erlass erklärte Großgrundbesitzer und Selbständige zu „Ausbeutern“. Als solche wurden der Stiefvater als selbständiger Kaufmann und seine Familie mit der Folge der Enteignung und dem Zwang zur Ausübung niedriger Tätigkeiten eingestuft. Trein arbeitete im Traktorenwerk in Kronstadt und wurde als Dreher ausgebildet. Nach einem weiteren Schuljahr folgten 1956 zwei Jahre Militärdienst in Bukarest, den er als Kompaniefeldwebel beendete. Von 1961 bis 1969 war er Leiter der staatlichen Getreideübernahmestelle Tartlau und bekleidete anschließend das Amt des Bürgermeisters von Tartlau bis 1975. Erst 1972 holte er auf dem zweiten Bildungsweg den Handelsschulabschluss nach.

Einen Besuch in Deutschland im Herbst 1975 nutzte Trein dazu, nicht nach Rumänien zurückzukehren. Erst 16 Monate später erhielt seine zurückgebliebene Familie die Ausreisegenehmigung nach Deutschland. Nach einer befristeten Anstellung im Rathaus Neckarwestheim übernahm er ab Dezember 1976 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2000 leitende Aufgaben beim Regierungspräsidium Stuttgart und leitete verschiedene Übergangswohnheime für Aussiedler und Asylbewerber in Baden-Württemberg.

Seit 1961 war Michael Trein mit Hermine, geb. Morres (1939–2008), verheiratet. Er hinterließ zwei Kinder, den promovierten Diplom-Ökonom und Unternehmensberater Wolfgang Trein und die Personalreferentin Heidrun Trein, sowie drei Enkelkinder.

Bürgermeister in Tartlau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fassadenausschnitt von Michael Treins Arbeitsstätte, dem Tartlauer Rathaus, mit Ortswappen und zweisprachigen Ortsbezeichnungen

Im April 1969 wurde Trein zum ersten deutschen Nachkriegsbürgermeister von Tartlau gewählt. Als zweitjüngster Bürgermeister Rumäniens machte er während seiner sechsjährigen Amtszeit Tartlau zu einer der angesehensten, renommiertesten und wirtschaftlich stärksten Gemeinden im Kreis Kronstadt, die Ziel vieler in- und ausländischer Besucher wurde. Zu den Besuchern gehörte auch die damalige Bundestagspräsidentin Annemarie Renger, die ihn offiziell nach Deutschland einlud. Aus politischen Gründen konnte der rumänische Geheimdienst Securitate Treins daraufhin erfolgten Deutschland-Besuch nicht verhindern. Die Securitate veranlasste jedoch, dass der bei allen Bevölkerungsteilen zu populär gewordene Bürgermeister 1975 sämtliche Ämter verlor.

Kulturelles Wirken in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1979 gründete Trein die Kreisgruppe der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Crailsheim, die er 25 Jahre lang leitete und deren Ehrenvorsitzender er bis zu seinem Tode war. 1981 folgte die Gründung der „9. Tartlauer Nachbarschaft“, die er gleichfalls 25 Jahre lang leitete und deren Ehrenvorsitzender er ebenfalls war. 1982 gründete er den Heimatboten „Das Tartlauer Wort“ und betreute es als Herausgeber bis 2006. Von 1995 bis 1998 war Trein Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Baden-Württemberg und von 1983 bis 1992 im Bundesvorstand der Siebenbürger Sachsen für die Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften (HOG) verantwortlich. 2005 wurde Trein Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen (BdV) Crailsheim. Er war Mitglied der CDU.

Trein hat das kulturelle Leben der Siebenbürger Sachsen in Deutschland maßgeblich geprägt und gestaltet. Zudem organisierte er über viele Jahre hinweg Hilfsgütertransporte nach Rumänien, die er auch persönlich begleitete und deren Verteilung er beaufsichtigte.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]