Michail Jurjewitsch Lessin

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Michail Lessin (links) mit Wladimir Putin, 2002

Michail Jurjewitsch Lessin (russisch Михаил Юрьевич Лесин; * 11. Juli 1958 in Moskau; † 5. November 2015 in Washington, D.C.) war ein russischer Politiker und Medienmanager. Unter anderem war er von 1999 bis 2004 Minister der Russischen Föderation sowie von 2004 bis 2009 Medienberater der russischen Präsidenten Wladimir Putin und Dmitri Medwedew.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der staatlichen Lomonossow-Universität erwarb Lessin einen Abschluss als Bauingenieur. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Privatisierung der Medien Anfang der 1990er Jahre gründete er die PR- und Mediaagentur „Video International“, die sich zur größten Russlands entwickelte und 80 Prozent aller Werbespots im Lande vermittelte.[1]

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit ernannte Boris Jelzin Lessin am 6. Juli 1999 zum Minister für Presse, Telerundfunk und Mittel der Massenkommunikation im Kabinett Sergei Stepaschins.

Im Zuge einer Regierungsumbildung anlässlich der bevorstehenden Wiederwahl Wladimir Putins zum Präsidenten wurden nach Amtsantritt Michail Fradkows als Ministerpräsident sowohl das Ministerium für Vernetzung und Informatisierung unter Leonid Reiman als auch Lessins Ministerium am 9. März 2004 aufgelöst. Leiter des nunmehr Föderale Agentur für die Presse und die Massenkommunikationen der Russischen Föderation genannten Ressorts wurde Michail Seslawinski und Leonid Reiman wurde das Ministerium für Informationstechnologie und Kommunikation übertragen.[2]

Lessin hingegen wechselte in die russische Präsidialverwaltung, wo er während der folgenden fünf Jahre bis 2009 Berater des russischen Präsidenten für das Fachgebiet Medien war.[3]

Als die Regierung 2005 den Auslandsfernsehsender Russia Today (RT) gründete, um weltweit das Image Russlands zu verbessern, war Lessin maßgeblich an dessen Aufbau beteiligt;[4] zusammen mit dem damaligen präsidialen Pressesprecher Alexej Alexejewitsch Gromow koordinierte er die Gründung des englischsprachigen Auslandsfernsehsenders für Zuschauer in Amerika, Europa und Asien.[5]

Im Jahr 2013 wurde er Vorstandsvorsitzender des größten russischen Medienkonzerns Gazprom-Media, der Medien-Holding des Gaskonzerns Gazprom. Anfang 2015 gab Lessin den Posten wieder auf und führte dafür familiäre Gründe an.

Im Sommer 2014, auf dem Höhepunkt der Krimkrise, forderte der republikanische US-Senator Roger Wicker, gegen Lessin des Verdachts der Geldwäsche und Korruption wegen zu ermitteln. Lessin besitze Millionen US-Dollar in Europa und den Vereinigten Staaten, darunter 26 Millionen Euro an Immobilien in Los Angeles, was laut Wicker Fragen aufwerfe. Lessin erklärte damals, es handele sich nicht um seinen Besitz, sondern den seiner Kinder. Der russischen Ausgabe von Forbes erklärte Lessin zu den Vorwürfen, er sei daran gewöhnt, dass viele ihn nicht mögen, allerdings sei es moralisch verwerflich, dass man seine Familie angreife.[6]

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. November 2015 wurde Lessin im Alter von 57 Jahren auf einer der oberen Etagen des Nobelhotels The Dupont Circle am gleichnamigen Platz in Washington, D.C. tot aufgefunden.[6][7]

Während die örtliche Kriminalpolizei bereits mit Ermittlungen zu dem Leichenfund befasst war, berichteten zuerst russische Medien über Lessins Tod. Diese nannten als Todesursache einen Herzinfarkt[8] und als Todesdatum den 4. November. Später wurden Familienmitglieder Lessins als Quelle der Informationen angegeben.[9]

Nach einer einjährigen Untersuchung stuften die US-Behörden Lessins Tod als einen Unfall aufgrund exzessiven Alkoholkonsums ein.[10]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lessin hatte eine Tochter, Catherine, aus erster Ehe sowie einen Sohn, Anton, aus zweiter Ehe. Catherine führte die RT-Büros in den Vereinigten Staaten. Anton studierte an einer Schweizer Universität und an der Filmhochschule New York Film Academy Los Angeles und investierte in Kinofilme in Hollywood. Er war u. a. Co–Produzent von Sabotage mit Arnold Schwarzenegger, Plötzlich Gigolo mit Woody Allen und Herz aus Stahl mit Brad Pitt. Michail Lessin hatte fünf Enkelkinder zum Zeitpunkt seines Todes.[11][12][13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wladimir Simonow: Russland ist heute Werbemarkt Nr. 1. In: Sputnik. 24.05.2005, abgerufen am 8.11.2015.
  2. Министр информационных технологий и связи РФ (Memento vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive). Auf minsvyaz.ru am 9. Oktober 2007 (via Wayback Machine) (russisch)
  3. Dmitry Medvedev signed an order releasing Mikhail Lesin from his duties as presidential adviser at his request. Am 17. November 2009 auf en.kremlin.ru (englisch)
  4. Das neue TV-Gesicht Russland - Russia Today. In: Russland-Aktuell. 09.06.2005, abgerufen am 8.11.2015.
  5. Xenija Maximowa: Schneefreies Russland. In: Die Tageszeitung. 14.06.2005, abgerufen am 8.11.2015.
  6. a b Annette Langer: Putin-Berater tot in Hotelzimmer gefunden. In: Spiegel Online. 7.11.2015, abgerufen am 8.11.2015.
  7. Посольство России в США: Михаил Лесин скончался в Вашингтоне. In: Kommersant, 7. November 2015.
  8. Peter Hermann, Abigail Hauslohner, Will Englund, Kathy Lally: Former Putin aide found dead in Dupont Circle hotel. Am 6. November 2015 auf washingtonpost.com (englisch)
  9. Chris Johnston, Alan Yuhas: Police investigate after Putin ally Mikhail Lesin found dead in Washington hotel. Am 7. November 2015 auf theguardian.com (englisch)
  10. Zeit Online, 29. Oktober 2016
  11. Возвращение тяжеловеса: как Михаил Лесин управляет медиарынком, Forbes.ru
  12. Walker Hunter: How Putin's Media Czar May Have Funded Brad Pitt's New Movie. In: Business Insider. 21. August 2014. Abgerufen am 8. November 2015.
  13. Anton Lessine. In: IMDb. Abgerufen am 8. November 2015.