Miloš Vec

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Miloš Vec (* 25. Juni 1966 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Jurist und Hochschullehrer. Er ist Universitätsprofessor für Europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an der Universität Wien und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vec studierte Rechtswissenschaften an der Universität Frankfurt und an der University of Keele, Staffordshire, England (1985–1992). Von 1992 bis 1995 war er Doktorand am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main sowie Kollegiat des Graduiertenkollegs mittelalterliche und neuzeitliche Rechtsgeschichte am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Frankfurt. Er wurde 1996 mit einer Arbeit zur Geschichte des Staatsrechts und der politischen Ideengeschichte im 18. Jahrhundert zum Dr. jur. promoviert. Seit 1989 arbeitete er als freier Journalist unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.[1]

Von 1999 bis 2004 leitete er eine „selbstständige wissenschaftliche Nachwuchsgruppe“ zum Thema Recht in der Industriellen Revolution am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte. 2005 habilitierte Vec sich am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Frankfurt mit der Arbeit Recht und Normierung in der Industriellen Revolution. Neue Strukturen der Normsetzung in Völkerrecht, staatlicher Gesetzgebung und gesellschaftlicher Selbstnormierung. Weiterhin wurde ihm die venia legendi für die Fächer Neuere Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Zivilrecht erteilt.

Vec nahm von 2000 bis 2011 Lehraufträge, Lehrstuhlvertretungen und Gastprofessuren an der Bucerius Law School (Hamburg), den Universitäten Bonn, Konstanz, Tübingen, Frankfurt, Lyon II, Vilnius und an der Humboldt-Universität zu Berlin wahr. Als Forscher erhielt er mehrere Auszeichnungen und Preise. Weiterhin war Vec wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main und Privatdozent am Fachbereich Rechtswissenschaften der Universität Frankfurt. Er leitete im Rahmen des Exzellenzclusters 243 Formation of normative Orders das Forschungsprojekt „Das Völkerrecht und seine Wissenschaft, 1789–1914“. Außerdem war er Co-Direktor der Projektgruppe „Paradoxes of Peace“ (zusammen mit Thomas Hippler, Lyon) an der Universität Helsinki („The Research Project Europe 1815–1914 Between Restoration and Revolution, National Constitutions and Global Law: an Alternative View on the European Century 1815–1914“). Seit 2012 ist er Teilprojektleiter im Frankfurter LOEWE-Schwerpunkt „Außergerichtliche und gerichtliche Konfliktlösung“.

2012 wurde Vec als Universitätsprofessor für Europäische Rechts- und Verfassungsgeschichte an die Universität Wien berufen. Seit 2016 ist er Permanent Fellow am Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen.[2] Im Wintersemester 2017/2018 nahm Vec ein Forschungssemester am Institute for International Law and Justice an der School of Law der New York University an.[3] Im August 2018 veröffentlichte Vec einen Artikel „Weg mit dem Bildschirm“, in dem er dafür eintrat in Lehrveranstaltungen keine Handys und andere Bildschirmgeräte zuzulassen.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2000: Berufung zum Gründungsmitglied der Jungen Akademie der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
  • 2006: Aufnahme in den Beirat im Förderprogramm „Denkwerk – Schüler, Lehrer und Geisteswissenschaftler vernetzen sich“ der Robert Bosch Stiftung, Stuttgart
  • 2008: Mitglied der Teaching Faculty der International Max-Planck-Research School „Retaliation, Mediation, Punishment“

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998: Zeremonialwissenschaft im Fürstenstaat. Studien zur juristischen und politischen Theorie absolutistischer Herrschaftsrepräsentation, Klostermann, Frankfurt am Main, ISBN 3-465-02940-2.
  • 2002: Die Spur des Täters. Methoden der Identifikation in der Kriminalistik (1879–1933) (= Schriftenreihe der Juristischen Zeitgeschichte – Abteilung 1: Allgemeine Reihe, Band 12), Nomos Verlag, Baden-Baden, ISBN 978-3-8305-0471-9.
  • 2003: Ethisierung – Ethikferne. Wieviel Ethik braucht die Wissenschaft? Hrsg. zusammen mit Eva-Maria Engelen und Katja Becker-Brandenburg, Akademie Verlag, Berlin, ISBN 978-3-05-003855-1.
  • 2006: Recht und Normierung in der Industriellen Revolution. Neue Strukturen der Normsetzung in Völkerrecht, staatlicher Gesetzgebung und gesellschaftlicher Selbstnormierung (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 200; Recht in der Industriellen Revolution, 1), Klostermann, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-465-03490-2.
  • 2006: Selbstorganisation. Ein Denksystem für Natur und Gesellschaft. Hrsg. zusammen mit Marc-Thorsten Hütt und Alexandra M. Freund, Böhlau Verlag, Köln, Weimar und Wien, ISBN 978-3-412-22105-8.
  • 2006 (2. Auflage 2008): Der Campus-Knigge. Von Abschreiben bis Zweitgutachten. Hrsg. zusammen mit Bettina Beer, Eva-Maria Engelen, Julia Fischer, Alexandra M. Freund, Rainer M. Kiesow, Martin Korte, Ulrich Schollwöck und Hildegard Westphal, C. H. Beck, München, ISBN 978-3-406-55062-1.
  • 2009: Konfession im Recht. Auf der Suche nach konfessionell geprägten Denkmustern und Argumentationsstrategien in Recht und Rechtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 247). Hrsg. zusammen mit Pascale Cancik, Thomas Henne, Stefan Ruppert, Thomas Simon, Klostermann, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-465-04081-1.
  • 2010: Mekkas der Moderne. Pilgerstätten der Wissensgesellschaft. Hrsg. zusammen mit Hilmar Schmundt und Hildegard Westphal, Böhlau Verlag, Köln, Weimar und Wien, ISBN 978-3-412-20529-4.
  • 2010: Beitrag: Intervention/ Nichtintervention. Verrechtlichung der Politik und Politisierung des Völkerrechts im 19. Jahrhundert. In: Ulrich Lappenküper/Rainer Marcowicz (Hrsg.), Macht und Recht in den internationalen Beziehungen, Schöningh, Paderborn, ISBN 978-3-506-76899-5.
  • 2011: Les conflits entre peuples. De la résolution libre à la résolution imposée (= Studien zur Geschichte des Völkerrechts, 24). Hrsg. zusammen mit Serge Dauchy, Nomos Verlag, Baden-Baden, ISBN 978-3-8329-6483-2.
  • 2012: Völkerrecht und Weltwirtschaft im 19. Jahrhundert (= Studien zur Geschichte des Völkerrechts, 26). Hrsg. zusammen mit Rainer Klump, Nomos Verlag, Baden-Baden, ISBN 978-3-642-11883-8.
  • 2012: Constructing International Law – The Birth of a Discipline (= Studien zur europäischen Rechtsgeschichte, 273). Hrsg. zusammen mit Luigi Nuzzo, Klostermann, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-465-04167-2.
  • 2015: Paradoxes of Peace in the 19th Century Europe. Hrsg. zusammen mit Thomas Hippler, Oxford University Press, Oxford, ISBN 978-0-19-872799-6.
  • 2016: The Transformation of Foreign Policy: Drawing and Managing Boundaries from Antiquity to the Present. Ed. by Andreas Fahrmeir, Gunther Hellmann, and Miloš Vec, Oxford University Press, Oxford, ISBN 978-0-19-878386-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miloš Vec: Lebenslauf, Bücher und Rezensionen bei LovelyBooks. Abgerufen am 23. September 2020.
  2. Miloš Vec. Auf der Website des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen. Abgerufen am 24. Februar 2017.
  3. New York University. Auf der Website der School of Law der New York University. Abgerufen am 6. Dezember 2017.
  4. Weg mit dem Bildschirm. Last Exit No Screen Policy. Warum Handys und Tablets Vorlesungen und Seminare rettungslos ruinieren und wie Dozenten und Studenten ihnen glücklich entrinnen können, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. August 2018, S. N4 online.