Milseburgtunnel

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Milseburgtunnel
Milseburgtunnel
Östliches (oberes) Tunnelportal (nordöstlich von Oberbernhards)
Nutzung Radwegtunnel, Eisenbahntunnel (ehemalig)
Verkehrsverbindung Milseburgradweg, Bahnstrecke Götzenhof–Wüstensachsen (ehemalig)
Ort Oberbernhardser Höhe (Rhön)
Länge 1172 m
Anzahl der Röhren 1
Betrieb
Freigabe 1889
Lage
Milseburgtunnel (Hessen)
Koordinaten
Westportal 50° 33′ 41″ N, 9° 53′ 27″ O
Ostportal 50° 33′ 35″ N, 9° 54′ 26,4″ O

Der Milseburgtunnel war ein Eisenbahntunnel der ehemaligen Bahnstrecke Götzenhof–Wüstensachsen nahe dem Berg Milseburg im hessischen Teil der Rhön. Bei dem 2003 erfolgten Umbau der Trasse zum Milseburgradweg wurde dieser 1172 Meter lange Radfahrtunnel mit einer Beleuchtung zur Benutzung für den nichtmotorisierten Verkehr ausgestattet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Milseburgtunnel befindet sich im Landkreis Fulda und unterquert den Nordhang der Oberbernhardser Höhe (661 m ü. NN), einem bei Oberbernhards gelegenen Nordausläufer des Bergs Milseburg (835,2 m ü. NN), der rund 1,5 Kilometer südlich des Tunnels aufragt. Innerhalb des Naturparks Hessische Rhön liegt er im Biosphärenreservat Rhön am Scheitelpunkt der einstigen Rhönbahntrasse von Fulda nach Hilders beziehungsweise Tann.

Das westliche Tunnelportal steht im Wald versteckt rund 2 km südsüdöstlich von Elters (ostsüdöstlicher Gemeindeteil von Hofbieber) etwa bei den geographischen Koordinaten 50° 33′ 41″ N, 9° 53′ 27″ O. Das östliche Portal wurde rund 450 Meter nordöstlich von Oberbernhards (west-südwestlicher Gemeindeteil von Hilders) exakt bei den Koordinaten 50° 33′ 35″ N, 9° 54′ 26,4″ O erbaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tunnel wurde 1887 bis 1889 erbaut und 1890 in Betrieb genommen.

In der Karwoche des Jahres 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, stand im bombensicheren Milseburgtunnel ein 400 Meter langer, von zwei Lokomotiven gezogener Zug des Oberkommandos der Wehrmacht West (OKW) mit hochrangigen Offizieren und Soldaten. Nachdem die US-Armee bei ihrem Vormarsch bereits Fulda erreicht hatte, suchten die deutschen Soldaten bei ihrem Rückzug von der Westfront Schutz in der Rhön, um eine Gegenwehr gegen die vorrückenden Amerikaner zu organisieren. Der Zug bestand aus Kommandoabteilen, Versorgungs- und Schlafwagen. Einquartierungen in den umliegenden Dörfern erfolgten. Auf der Maulkuppe wurde eine Funkstation errichtet, die die Verbindung zum OKW herstellen sollte. Um den Zug vor Tieffliegern zu schützen, wurden Flakgeschütze auf die Anhöhe von Danzwiesen gebracht. Tagsüber stand der Zug im Tunnel, nachts wurde er zur Frischluftversorgung herausgezogen. Dies blieb den Amerikanern nicht verborgen, die daraufhin mit Bombenabwürfen die Tunnelportale und die Bahnstrecke unbefahrbar zu machen versuchten. Als die verlegten Fernmeldekabel gekappt wurden, hatte Generalfeldmarschall Albert Kesselring im Zug keinen Kontakt mehr zur Außenwelt und den anderen Truppenteilen. In der Nacht zu Karfreitag verließ der Zug den Tunnel und fuhr Richtung Vacha. Am 6. April 1945 zogen die Amerikaner in Kleinsassen nahe dem Westportal des Tunnels ein, ohne dass es nennenswerte Schäden im Dorf gab.[1]

1993 wurde der Bahnbetrieb eingestellt, 1995 wurden die Gleise demontiert, 2003 erfolgte der Umbau der gesamten Bahnstrecke inklusive des Tunnels zum Milseburgradweg.

Radwegtunnel/Fledermäuse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Milseburgtunnel ist tagsüber beleuchtet (nachts nur Notbeleuchtung) und wird zur Sicherheit der Benutzer durch Videokameras überwacht. Im Tunnel befinden sich außerdem Notrufsäulen mit einer direkten Verbindung zur Polizeistation in Hilders. Er ist nur vom 15. April bis 31. Oktober geöffnet. In der übrigen Zeit ist dies ein Ruheort für Fledermäuse und zu deren Schutz gesperrt. Dann muss eine 4 Kilometer lange Umleitung genutzt werden. Dies bedeutet 145 zusätzliche Höhenmeter aus Westen kommend beziehungsweise 112 zusätzliche Höhenmeter in der Gegenrichtung. Im Inneren des Tunnels herrschen fast konstant Temperaturen zwischen 8 und 10 °C.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Milseburgtunnel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Milseburgradweg – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fuldaer Zeitung vom 14. April 2020, abgerufen am 18. April 2020
  2. Streckenverlauf auf der Offiziellen Website des Milseburgradweges, abgerufen am 24. April 2020