Karwoche

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Dieser Artikel behandelt die Trauerwoche vor Ostern; zum polnischen Spielfilm aus dem Jahr 1995 siehe Die Karwoche.
Der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag (Darstellung aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry)

Die Karwoche (ahd. kara ‚Klage‘, ‚Kummer‘, ‚Trauer‘), auch Stille Woche[1], ist im Kirchenjahr die letzte Woche der Fasten- oder Passionszeit und die Trauerwoche vor Ostern.

Dauer und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karwoche beginnt am Palmsonntag mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem und umfasst außerdem die stillen Tage Montag bis Mittwoch. Es folgen am Abend des Gründonnerstags das Gedächtnis der Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl sowie am Karfreitag die Feier vom Leiden und Sterben Jesu. Der Karsamstag gilt als Tag der Grabesruhe Jesu Christi. Die Karwoche mündet in die Feier der Osternacht.

Die Bezeichnung Karwoche ist ein traditioneller Begriff aus dem deutschsprachigen Raum. In anderen Sprachen sowie in der katholischen Liturgie spricht man demgegenüber von der „großen“ oder heiligen Woche (lateinisch Hebdomada sancta von griechisch ἑβδομάς), die – anders als die Karwoche – in der „Dreitagefeier“ (Triduum Sacrum) den mit der Feier der Osternacht beginnenden Ostersonntag einschließt und dem theologischen Gedanken der Einheit von Leiden und Kreuzestod Christi und seiner Auferstehung von den Toten (Pascha-Mysterium) Rechnung trägt.

Die Karwoche als geschlossene Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karwoche war noch bis in die 1950er-Jahre in weiten Teilen Deutschlands eine sogenannte geschlossene Zeit, in der öffentliche Festlichkeiten und Vergnügungen nicht stattfanden. Heute ist nur der Karfreitag nach den Feiertagsgesetzen der einzelnen Bundesländer ein gesetzlich geschützter stiller Tag.

In vielen Kirchen gelten Beschränkungen für die Karwoche. So hat die Evangelische Kirche im Rheinland geregelt, dass kirchliche Trauungen in der Karwoche nicht stattfinden.[2]

Liturgie und Brauchtum in der römisch-katholischen Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das verhüllte Kreuz, Symbol der Passionszeit

Bereits am 5. Sonntag der Fastenzeit, dem früheren ersten Sonntag der eigentlichen Passionszeit, werden die Kruzifixe und Kreuze in den Kirchen zum Zeichen der Trauer verhüllt, auch Reliquiare, kostbare Evangeliare oder Lichterkronen wurden im Mittelalter verhüllt, und zwar häufig schon ab Aschermittwoch oder von der Terz am Montag nach dem 1. Fastensonntag. Sind Triptychen und Flügelaltäre vorhanden, sind diese häufig zugeklappt und zeigen die einfacher gestaltete Rückseite der Flügel. Im Mittelalter bestanden die Velen zur Verhüllung der Kreuze meist aus weißem Leinen. Heute können sie aus Seide, Wolle, Baumwolle oder Leinen bestehen. Für die Farbe ist violett vorgeschrieben; bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Kreuz auf dem Hochaltar am Gründonnerstag mit einem weißen Velum verhüllt.[3]

An den Kartagen werden morgens vor allem in Kathedralen und Klosterkirchen die Karmetten gesungen. Mancherorts finden in der Karwoche tägliche Kreuzwegandachten statt. Der Karfreitag und der Karsamstag sind die einzigen Tage im Kirchenjahr, an denen keine heilige Messe gefeiert wird.

Einem jahrhundertealten Brauch gemäß schweigen in allen katholischen Kirchen aus Trauer um das Leiden und Sterben Jesu Christi vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Abend des Gründonnerstags bis zum Gloria in der Feier der Osternacht die Glocken (teilweise auch der Uhrschlag). Als Ersatz werden Schlagbretter, Ratschen, Klappern und ähnliche Holzwerkzeuge genutzt, um die Gläubigen an die Gebets- und Gottesdienstzeiten (Angelus, Stundengebet) zu erinnern. Auch die Altarschellen werden durch solche Klappern ersetzt. Es wird weder die Orgel noch ein anderes Musikinstrument gespielt. Stattdessen wird in den Gottesdiensten a cappella gesungen. Der Verzicht auf Glockenläuten und feierliches Orgelspiel wird auch in evangelischen Kirchen geübt.

Ein alter katholischer Brauch in Österreich, Baden und Bayern ist das Osterratschen, wobei Kinder, meist Ministranten, mit Holzratschen durch die Straßen oder von Haus zu Haus gehen. Bekannt ist in Klosterneuburg das Turmratschen. Dieser Brauch ist auch im Saarland und in Rheinland-Pfalz verbreitet, wird dort allerdings als „Kleppern“ bezeichnet. Auch im Rheinland und in ländlichen Gegenden Osthessens (Bistum Fulda) ziehen Kinder mit Ratschen durch das Dorf. Auch im Westfälischen (z. B. Waltrop und Nottuln) gibt es die sogenannten Räppler, die von Gründonnerstag bis Karsamstag mit ihren Räppeln (Ratschen) durch den Ort und die Bauerschaften ziehen. Die Ursprünge des Klapperns und Rasselns werden in der Zeit vor der Christianisierung Europas vermutet. Nahe liegt die Vermutung, der Zweck sei es einst gewesen, die Geister des Winters mit Lärm symbolisch zu vertreiben, um den Frühling zu begrüßen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Odo Casel: Art und Sinn der ältesten christlichen Osterfeier. In: Jahrbuch für Liturgiewissenschaft. 14. Bd., 1934, S. 1–78.
  • Kongregation für den Gottesdienst: Rundschreiben „Über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung“. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 81; Bonn 1990; 15–46.
  • Franz-Rudolf Weinert: Den Osterfestkreis verstehen und feiern. Pustet, Regensburg 2001, ISBN 3-7917-1689-1; S. 59–98, Kapitel 3: Die Heilige Woche und die Drei Österlichen Tage.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Karwoche – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Karwoche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Kirchenlexikon – Stille Woche, auf der Webseite des NDR. Abgerufen am 9. April 2017.
  2. Lebensordnungsgesetz § 33, Absatz 4.
  3. Joseph Braun: Die Liturgischen Paramente in Gegenwart und Vergangenheit. Ein Handbuch der Paramentik. 2., verbesserte Auflage. Herder, Freiburg (Breisgau) 1924 (Reprographischer Nachdruck. Verlag Nova und Vetera, Bonn 2005, ISBN 3-936741-07-7), S. 233ff.