Kleinsassen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kleinsassen
Gemeinde Hofbieber
Koordinaten: 50° 33′ 8″ N, 9° 52′ 27″ O
Höhe: 475 m ü. NN
Fläche: 8,39 km²[1]
Einwohner: 467 (31. Dez. 2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36145
Vorwahl: 06657
Kleinsassen von der Milseburg aus gesehen
Kleinsassen von der Milseburg aus gesehen

Kleinsassen ist ein Ortsteil der Gemeinde Hofbieber im Landkreis Fulda mit rund 470 Einwohnern. Der Ortsteil Malerdorf Kleinsassen liegt am Fuße der Milseburg in der hessischen Rhön und ist weit über die Grenzen des Fuldaer Landes als Künstlerdorf bekannt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinsassen erstreckt sich in einer Höhenlage von 450 bis 500 Meter Höhe im Biosphärenreservat Rhön, etwa 14 Kilometer östlich von der Barockstadt Fulda in einer waldreichen Mittelgebirgslandschaft. Der Ort wird von dem Bach Bieber durchflossen. Der Ort ist von folgenden Bergen umgeben: Milseburg (835,2 Meter), Stellberg (726,1 Meter), Ziegenkopf (567 Meter), Schackau-Berg (559 Meter), Bieberstein (506,6 Meter).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend um den heutigen Ort Kleinsassen ist bereits seit der Steinzeit besiedelt, wie eindeutig nachgewiesene Siedlungsspuren an der Milseburg, dem Hausberg von Kleinsassen, belegen. (siehe auch Burg Milseburg und Oppidum Milseburg)

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansicht von Südwesten

Kleinsassen ist höchstwahrscheinlich im späten 8. Jahrhundert entstanden. Erwähnt wird der Ort allerdings urkundlich erst im Jahr 1375 unter dem Namen Sassen, der heutige Ortsname Kleinsassen ist für das Jahr 1722 belegt.[3] Bereits 1493 lässt sich eine Kirche in Kleinsassen urkundlich nachweisen. Eine Kapelle befand sich schon seit früher, um 1420, im Dorf, denn schon bald nach dem Verkündigen des christlichen Glaubens wurden solche an vielen Orten erbaut, wo zuvor noch germanische Kultstätten standen. 1783 wird mit dem Bau der Barockkirche begonnen, wie sie bis heute noch erhalten ist. Sie ist wie das erste Gotteshaus dem Heiligen Laurentius geweiht.

Verwaltungsbezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinsassen war über mehrere Jahrhunderte verschiedenen Verwaltungsbezirken zugeordnet:[4]

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Ortsteile Kleinsassen und Schackau bildeten bis zur Gebietsreform eine politische Gemeinde. Am 31. Dezember 1971 wurde Kleinsassen im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil in die neu gebildete Gemeinde Hofbieber eingegliedert.[5] Zu Kleinsassen gehören folgende Orte und Weiler:

  • Karhof
  • Schackenbergshof
  • Waldhaus
  • Gangolfshof

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ortsvorsteher: Alfred Weber (seit 2016)[6]
  • Stellvertretender Ortsvorsteher: Heiko Kremer (seit 2016)[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Malerkolonie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreyfelt-Haus

Seit den 1850er Jahren entdeckten Maler Kleinsassen. Sommer für Sommer kamen zahlreiche Maler und Studentengruppen aus den Akademiestädten Dresden, Weimar, Leipzig, München und Düsseldorf zum Naturstudium in den Ort. Aus der großen Zahl von Künstlernamen ist aus dem vorigen Jahrhundert unter anderem Friedrich Preller (der Jüngere) zu nennen, ein Dresdner Landschafts- und Marinemaler. Vom Jahre 1881 an kam Preller, der Akademieprofessor geworden war, oft mit einer größeren Anzahl von Schülern in das Rhöndorf Kleinsassen. 1883 brachte er den gebürtigen Düsseldorfer Kunstschüler Julius von Kreyfelt (1863–1947) mit in das Malerdorf. Durch sein künstlerisches Schaffen machte sich dieser bald einen Namen. 1887 ließ sich von Kreyfelt in Kleinsassen nieder.[8] Von Kreyfelt war einer der produktivsten und zugleich kommerziell erfolgreichsten Rhönmaler, der sich zur Zentralfigur des Dorfes entwickelte. Um die Jahrhundertwende baute er ein vierstöckiges Malerhotel mit Ateliers, von 1919 bis 1924 bewirtete er auch die Milseburghütte des Rhönklubs. Die Lage unterhalb des markanten Berges Milseburg trug einiges zur Anziehungskraft des Malerdorfes der Rhön bei. Ein bedeutender in Kleinsassen geborener Maler war Paul Klüber (1904–1944).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Ort auch in der Gegenwart noch als Malerdorf gilt, gibt es zahlreiche künstlerische Angebote und Sehenswürdigkeiten.

Bildung und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig-Wolker-Haus des Jugendwerks St. Michael

Überregionale Bekanntheit hat Kleinsassen auch durch das Ludwig-Wolker-Haus, einer Jugendbildungs- und Freizeitstätte des Jugendwerks St. Michael, erlangt. Es ist benannt nach Ludwig Wolker dem Gründer des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Das Ludwig-Wolker-Haus ist die erste Bildungsstätte des Jugendwerks St. Michael e.V., wurde bereits 1959 gegründet und durch den damaligen Bischof von Fulda, Adolf Bolte, eingeweiht. Es wurde mehrfach erweitert und umgestaltet und entspricht heute dem aktuellen Standard zeitgemäßer Jugendbildungsarbeit.[10]

Von überregionaler Bedeutung ist auch das Pfundsmuseum, das eine der größten Sammlungen von Waagen und Gewichten in Deutschland aus allen Perioden und Ländern in sieben Ausstellungsräumen präsentiert.

Der Milseburgradweg führt wenige 100 Meter an Kleinsassen vorbei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Klüber (26. November 1904 in Kleinsassen (Rhön); † 1944), deutscher Maler

Persönlichkeiten mit Bezug zu Kleinsassen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Mott: Ein barockes Kleinod / In Kleinsassen: Ein eindrucksvolles Zeugnis Rhöner Handwerkskunst, in: Fuldaer Zeitung, 8. Mai 1991, S. 14 (Serie: DENK-mal!).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kleinsassen, Landkreis Fulda. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 7. November 2016). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. „Zahlen Daten Fakten der Gemeinde Hofbieber“, abgerufen im September 2015.
  3. Geschichte des Ortes Kleinsassen. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  4. Historisches Ortslexikon : Erweiterte Suche : LAGIS Hessen. In: www.lagis-hessen.de. Abgerufen am 14. Dezember 2016.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394.
  6. ToolStage: Ortsbeiräte der Gemeinde Hofbieber | Gemeinde Hofbieber. In: www.hofbieber.de. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  7. ToolStage: Ortsbeiräte der Gemeinde Hofbieber | Gemeinde Hofbieber. In: www.hofbieber.de. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  8. Frau Pabst: Rhönlexikon: Kreyfelt. In: www.rhoen.info. Abgerufen am 13. Dezember 2016.
  9. Traumtheater Kleinsassen
  10. Ludwig-Wolker-Haus