Bahnstrecke Aachen–Tongeren

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Aachen–Tongeren
Strecke der Bahnstrecke Aachen–Tongeren
Streckennummer (DB):2552
Streckenlänge:50,3 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:3 kV =
Stromsystem:15 kV 16,7 Hz ~
Strecke – geradeaus
Strecke von Mönchengladbach
Bahnhof, Station
0,0 Aachen West
   
Strecke nach Aachen Hbf (niveaufrei)
A/D: Überleitstelle, CH: Spurwechsel
4,7 Aachen-Gemmenich
   
4,5 Gemmenicher Tunnel (869 m)
   
5,4
44,9
Staatsgrenze Deutschland/Belgien
   
   
ehem. Strecke nach Bleyberg (niveaufrei)
Blockstelle, Awanst, Anst etc.
44,0 Botselaer Block 17
   
40,9 ehem. Verbindung zur Strecke Liège–Aachen (niveaufrei)
   
Buschhausen
   
40,0 Göhltalviadukt (1153 m)
   
von Aachen
Bahnhof ohne Personenverkehr
37,0 Montzen Gare
   
ehem. Strecke von Homburg/Aubel (L 38)
Tunnel
Gulptunnel (790 m)
   
Viadukt von Remersdael (390 m)
   
31,4 Remersdael
Tunnel
Tunnel van Veurs/Tunnel de Fouron (2130 m)
   
26,6 Sint-Martens-Voeren
   
Viadukt Sint-Martens-Voeren (250 m)
   
23,4 Warsage
   
21,0 Berneau
   
Berwinnetalviadukt/Viadukt Berneau (230 m)
   
20,7 Strecke nach Lüttich (L 24/1)
   
19,9 Strecke von Lüttich (L 24/2)
Turmbahnhof – oben
18,2 Visé Haut (Turmbahnhof)
Brücke (mittel)
A25
   
Maas (536 m)
   
Albert-Kanal (290 m)
Tunnel
Geertunnel (1640 m)
   
11,3 Bassenge
   
9,3 Roclenge
Brücke (mittel)
A13
   
7,1 Boirs
   
5,5 Strecke von Lüttich (L 34)
   
5,2 Glons-Haut
   
3,6 Nerem Vreren
Bahnhof, Station
0,0 Tongeren

Quellen: [1][2]

Die Bahnstrecke Aachen–Tongeren ist eine dem Güterverkehr dienende belgisch-deutsche Eisenbahnstrecke von Tongeren in Belgien zum deutschen Bahnhof Aachen West. Der weitere Schienenweg von Aachen über Montzen und Tongeren nach Antwerpen wird auch als Montzenroute bezeichnet. Die zweigleisige Strecke weist die Spurweite 1435 Millimeter (Normalspur) auf und ist mit Oberleitung elektrifiziert. Im belgischen Schienennetz der SNCB trägt sie die Bezeichnung Spoorlijn 24.

Betrieb und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Beginn der Montzenroute im südlichen Bahnhofskopf von Aachen-West (das Paar ansteigender Gleise in der Bildmitte)
Kesselwagenganzzug auf Bergfahrt auf der Rampe zwischen Aachen West und dem Gemmenicher Tunnel kurz vor dem Tunnelportal
Westportal des Gemmenicher Tunnels auf der belgischen Seite
Göhltalviadukt
Göhltalviadukt

Im Jahr 1872 nahm die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft eine Bahnstrecke von Aachen-West über Bleyberg (heute: Plombières) nach Welkenraedt in Betrieb. Teile dieser Strecke waren unter anderem der heute von der Montzenroute genutzte 869 Meter lange Gemmenicher Tunnel sowie die von Aachen zum Tunnel führende Rampe mit 17 Promille Neigung.[3]

Aufgrund der topografisch schwierigen Verhältnisse der 1843 fertiggestellten Strecke zwischen Aachen und Lüttich vereinbarten im Jahr 1903 die belgische und preußische Regierung eine Verbesserung der Eisenbahnverbindungen zwischen Belgien und Preußen. Belgien plante dazu eine neue Strecke von Löwen über Tongeren nach Aachen. Diese war kürzer als die bestehende und steigungsärmer. Da sich in Lüttich und Verviers aber starker Widerstand gegen die Trasse regte, weil die Städte um die Qualität ihrer Eisenbahnanbindung fürchteten, nahm die belgische Regierung von der Ausführung Abstand. Diese erfolgte erst Anfang des Ersten Weltkriegs aus militärischen Gründen auf einen Befehl des Chefs des Feldeisenbahnwesens, General Wilhelm Groener.

Während des Ersten Weltkriegs verhielten sich die Niederlande neutral und stellten den internationalen Bahnverkehr über den Eisernen Rhein zwischen Deutschland und Belgien ein. Deutschland, das Belgien besetzt hatte, baute daraufhin als Nachschublinie für die Westfront eine alternative Verbindung von der Westseite des Gemmenicher Tunnels nach Glons in Limburg durch den Norden der Provinz Lüttich und die flämische Exklave Voeren. Die Streckenführung beruhte auf den alten belgischen Planungen für die Neubaustrecke zwischen Aachen und Brüssel. Da von einer späteren Nutzung der Hauptstrecke durch Schnellzüge ausgegangen wurde, erfolgte eine Trassierung mit Kurvenradien von mindestens 1000 Meter und maximalen Steigungen von 10 Promille. Baubeginn war im Frühjahr 1915. Die 15 Baulose umfassten unter anderem das 1153 Meter lange Viadukt von Moresnet (Göhltalviadukt), den 2130 Meter langen Voertunnel, den 1630 Meter langen Geertunnel sowie einen 1300 Meter langen und bis zu 27 Meter tiefen Einschnitt bei Visé. Für die Erdarbeiten existierte ein maximal 20 Kilometer langes Feldbahnnetz. Bis zu 190 Feldbahnzüge verkehrten im 24-Stunden-Betrieb, wobei maximal 12.000 Arbeiter an der Strecke tätig waren. Am 28. Februar 1917 wurde die 44 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen dem Westportal des Gemmenicher Tunnels und Tongeren eingleisig in Betrieb genommen. Ab dem 6. Januar 1918 war auch der durchgehende zweigleisige Zugverkehr möglich. 55 bis 60 Zugpaare verkehrten täglich auf der Strecke.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde für den Gütertransport von Antwerpen nach Deutschland fast ausschließlich die inzwischen zweigleisig ausgebaute Montzenroute genutzt, selbst nach der Wiedereröffnung des Eisernen Rheins am Ende des Kriegs. Belgien gab der Montzenroute aus folgenden Gründen den Vorzug für den Verkehr Richtung Deutschland:

  • Weniger Zeitverlust, da nur eine Grenze überquert werden muss.
  • Es müssen keine Gebühren für die Nutzung der niederländischen Gleise bezahlt werden.

Ein Nachteil gegenüber dem Eisernen Rhein ist, dass die Montzenroute 50 Kilometer länger ist. Außerdem weist der Eiserne Rhein kaum Steigungen auf, während auf der Rampe in Aachen Züge zwischen Aachen West und dem Gemmenicher Tunnel oft eine Schiebelokomotive benötigen.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vor allem die Montzenroute verwendet – abgesehen von gelegentlichen Militärtransporten mit britischen Soldaten und Umleiterverkehr bei Betriebsunterbrechungen auch der Hauptstrecke Aachen–Lüttich fand ab dem 2. Juni 1957 kein Personenverkehr mehr auf dieser Strecke statt.

In den 1950er und 1960er Jahren wurde von Deutschland und den Niederlanden darauf gedrängt, den Eisernen Rhein zu reaktivieren. 1954 wurde dazu ein trilateraler Kongress in Roermond veranstaltet. Belgien dagegen wollte an der Montzenroute festhalten, und so lief der Hauptteil des Güterverkehrs über Montzen. Der Eiserne Rhein wurde lediglich unter anderem zwischen 1970 und 1973 von Opel-Autotransportzügen genutzt sowie im Jahr 1977, als die Tunnel der Montzenroute gewartet wurden, außerdem verkehrte dort mindestens von 1978 bis 1986 ein werktägliches Zugpaar mit Containern, Wechselbehältern und Sattelaufliegern von/nach Antwerpen und Zeebrugge bzw. Oostende. Nachdem 1991 die Montzenroute modernisiert worden war, kam der Verkehr zwischen Deutschland und Belgien auf dem Eisernen Rhein komplett zum Erliegen, und die Strecke wurde teilweise stillgelegt.

Seit 1984 ist die Strecke elektrifiziert, auf dem Abschnitt Montzen–Gemmenicher Tunnel gab es jedoch zunächst noch keine Fahrleitung. Die Bauarbeiten zur Elektrifizierung dieses Abschnittes begannen im Februar 2008 und wurden zum Fahrplanwechsel im Dezember 2008 abgeschlossen.[4] Damit ist nun auf der gesamten Strecke der durchgehende elektrische Zugbetrieb möglich, was die Fahrzeit der Züge um etwa eine Stunde verkürzt. Der Wechsel zwischen dem deutschen und dem belgischen Stromsystem findet auf dem Viadukt von Moresnet statt, die eingesetzten Mehrsystemlokomotiven durchfahren die Systemtrennstelle in einer Schwungfahrt.[5] Das betriebliche Geschehen konzentriert sich jetzt auf den Bahnhof Aachen West als östlichem Start- bzw. Endpunkt der Strecke, wo weiterhin in den meisten Fällen ein Fahrtrichtungswechsel erforderlich ist, da die Mehrzahl der Züge von und nach Köln fahren. Der Rangierbahnhof Montzen, welcher früher bis zu 52 Gleise aufwies, hat seine Bedeutung verloren und ist zurückgebaut.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Barthels, Armin Möller, Klaus Barthels: Die Montzenroute : Eisenbahnen zwischen Antwerpen, Lüttich, Aachen und Köln. Verlag Thomas Barthels, Mönchengladbach 2006, ISBN 3-9810183-1-1.
  • Hans Schweers, Henning Wall: Eisenbahnen rund um Aachen: 150 Jahre internationale Strecke Köln – Aachen – Antwerpen. Verlag Schweers + Wall, Aachen 1993, ISBN 3-921679-91-5 (Inhaltsverzeichnis).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bahnstrecke Aachen–Tongeren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DB Netze - Infrastrukturregister
  2. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  3. Streckenbeschreibung auf der Website vonderruhren.aachenbahn.de, abgerufen am 5. Februar 2014, vgl. auch Streckenverzeichnis DB Netz auf stredax.bahn.de (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) zur Strecke 2552, welches die Strecke in die Neigungsklasse zwischen 15 und 20 Promille einordnet (abgerufen am 5. Februar 2014)
  4. DB AG und Belgische Bahn schließen Elektrifizierungslücke auf der Güterverkehrsmagistrale Köln – Antwerpen. Deutsche Bahn, 4. Mai 2007, abgerufen am 30. November 2007.
  5. Ulrich Simons: Güter schneller in Antwerpen. In: Aachener Zeitung. 17. Dezember 2008, abgerufen am 26. August 2019.