Museum Georg Schäfer

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Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt, Mainseite

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt wurde im Jahr 2000 eröffnet und beherbergt die größte Spitzweg-Sammlung der Welt und zugleich eine bedeutende Privatsammlung mit Werken aus dem deutschsprachigen Raum des 19. Jahrhunderts.[1] Der Museumsbau wurde weitgehend vom Freistaat Bayern im Rahmen seiner „Offensive Zukunft Bayern“ finanziert, Träger des Museums ist die Stadt Schweinfurt.

Gezeigt wird die Sammlung des Industriellen Georg Schäfer. Sie ist hervorgegangen aus der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung zur deutschen Malerei des 19. Jahrhunderts, mit Schwerpunkten vom späten Rokoko über den Klassizismus und die Romantik bis zum Impressionismus.

Geschichte der Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Gustav Carus: Das Eismeer bei Chamonix (1825-1827)

Schäfer hatte bereits von seinem 1925 verstorbenen gleichnamigen Vater einige Gemälde altdeutscher Malerei geerbt. Seit den 1950er Jahren investierte er einen Großteil seines mit Wälzlagern erworbenen Vermögens in die Sammlung, die eine Heimstatt in seinem Schloss Obbach fand. Den Kernbestand mit Gemälden und Graphiken des 19. Jahrhunderts erhielt das Schweinfurter Museum. 1988 einigten sich die Stadt Schweinfurt und die Familie Schäfer auf die Errichtung eines Museums. Doch mussten die Pläne auf Eis gelegt werden, als FAG Kugelfischer 1993 in eine existenzgefährdende Krise geriet und die Sammlung an Banken verpfändet wurde.

Der ursprüngliche Bestand der Sammlung Schäfer ist nicht völlig identisch mit den Gemälden der heutigen Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung, die seit dem Jahr 2000 in Schweinfurt ausgestellt sind. Von den nicht in die Stiftung überführten Teilen wurden 42 altdeutsche Gemälde der Dürerzeit 2003 vom Freistaat Bayern für die Kunstsammlungen auf der Veste Coburg erworben. Weitere Gemälde aus Randbereichen der Sammlung wurden bei Neumeister in München (1999 und 2005) und Christie’s in Düsseldorf (2000) versteigert; der Erlös dieser Gemälde lag bei über 12 Millionen Euro.[2] 2005 erfolgte durch die Familie Schäfer eine bemerkenswerte Zustiftung an Gemälden, die in jüngerer Zeit auf dem Kunstmarkt erworben worden waren. Kurator der Sammlung war bis 2005 der Kieler Kunsthistoriker Jens Christian Jensen. Museumsleiterin war von 2000 bis 2014 Sigrid Bertuleit. Seit 2015 ist Wolf Eiermann Direktor des Museums.

Neben der Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung im Museum Georg Schäfer (MGS) existiert eine weitere Sammlung der Industriellen-Familie von Otto Schäfer. Seine Bibliothek gilt als eine der bedeutendsten Privatbibliotheken weltweit und ist Teil des Schweinfurter Museums Otto Schäfer (MOS).

Geschichte des Museums[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits Ende der 1950er Jahre legte der Karlsruher Architekt Erich Schelling Pläne für ein Schäfer-Museum vor. Ein Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe aus dem Jahr 1964, mit einem stützenlosen, freitragenden Museums-Pavillon im Fichtels Garten, einem Abschnitt der nördlichen Wallanlagen, wurde nicht verwirklicht, weil der Stadtrat die Unterhaltskosten für das Museum nicht übernehmen wollte. Dieser Plan wurde schließlich als Neue Nationalgalerie in Berlin umgesetzt. Anfang der 1990er Jahre legte der Münchner Architekt Alexander von Branca einen neuen Entwurf vor. Dieser sah den aus dem 16. Jahrhundert stammenden Ebracher Hof als Museumsstandort vor.

Nachdem es der Schweinfurter Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser 1996 gelungen war, Mittel aus den Privatisierungserlösen des Freistaates Bayern für das Projekt zu sichern, und die Erben nach Überwindung der Firmenkrise den zentralen Teil der Sammlung Georg Schäfers am 29. Dezember 1997 in eine Stiftung eingebracht hatten, konnte das Projekt realisiert werden. Aus einem neuen Architektenwettbewerb ging Volker Staab am 1. Februar 1997 als Sieger hervor. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Museum am 23. September 2000 eröffnet.

Das Museum ist Teil eines Bauensembles, das 2007 mit dem Theodor-Fischer-Preis ausgezeichnet wurde.[1] Zusammen mit dem Museum wurden die einzige Zweigstelle des Bayerischen Landessozialgerichtes, das neue Hauptzollamt und die neue Stadtbücherei errichtet, die zum Teil in den historischen Ebracher Hof integriert wurde. Das Ensemble liegt zwischen Rathaus und Main und bildet das Eingangstor von der Maxbrücke in die historische Altstadt. Es liegt am Rande des ehemaligen Burgenviertels Zürch, dem ältesten Quartier der heutigen Altstadt, mit erhaltener Stadtmauer, die sich bis nahe ans Museum hinzieht und deren Verlauf im letzten, nicht mehr erhaltenen Abschnitt vor dem Museum durch eine Oberlicht-Laterne der Stadtbücherei markiert wird. Vor dem Museum stand das historische Brückentor, dem vermuteten Gründungsort der heutigen Nationalen Akademie der Wissenschaften, die 1652 in Schweinfurt gegründet wurde.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treppenhalle
Oberlichtsäle im zweiten Obergeschoss

Das Gebäude zählt zu den wichtigen Museumsneubauten der Gegenwart und ist eines der Hauptwerke des Berliner Architekten Volker Staab, der dafür mit dem BDA-Preis Bayern 2001 und dem Architekturpreis Beton 2001 ausgezeichnet wurde. Staab konzipierte eine „Schatztruhe“, die so Oliver Herwig, „durch gewaltige Einschnitte, Ecken und Kanten, Rampen und Stufen“ gekennzeichnet ist.

„Neben den großartigen Gemälden trägt die Architektur die Atmosphäre des Hauses […] introviertiert und geschlossen, dann wieder offen für die Umgebung, die sich in sorgfältig ausgesparten Einblicken und Perspektiven […] in die Sammlung Georg Schäfer einfügt […] Wollte man einen Katalog des idealen Ausstellungshauses erstellen, das Museum Schäfer in Schweinfurt erfüllte ihn: Oberlichtsäle, in denen die Sammlung zum Strahlen gebracht wird, wetteifern mit inszenierten Raumfluchten, Treppenanlagen und klaren Materialien, die den Schätzen des 19. Jahrhunderts einen würdigen Rahmen geben. Von außen zeigt sich das Museum als Monolith am Main. Auf einem mächtigen Podest thront das Haus, und erst ein Schnitt durch das Gebäude enthüllt […] die profane Basis, auf der der schöngeistige Überbau ruht“.[3]

In den Kunstlichtsälen im ersten Obergeschoss finden Wechselausstellungen statt und die Oberlichtsäle des zweiten Obergeschosses beherbergen die Ständige Sammlung. Die Treppenhalle und die beiden Loggien sind Teil einer langen Platz-, Freitreppen- und Hofabfolge, die sich fast durch die ganze östliche Altstadt vom Martin-Luther-Platz über den Marktplatz und den Rathausinnenhof bis zur Mainpromenade hinzieht.

„Volker Staab schuf einen scharfkantigen Kubus aus Naturstein, der dem südlichen Stadteingang etwas entschieden Urbanes verleiht und sich doch organisch an das kleinteilige historische Viertel Zürch anfügt - in Ermangelung einer Kathedrale übernimmt das Museum die Funktion des beherrschenden Großbauwerks.“[1]

Der Bayerische Oberste Rechnungshof erwähnte in einem Bericht, dass das Museum fast 40 Prozent seiner Kosten selbst erwirtschaftet, was „im allgemeinen Museumsvergleich sehr hoch ist“.[1]

Die Sammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Spitzweg: Der Bücherwurm, um 1850

Die Sammlung umfasst eine umfangreiche Spitzweg-Kollektion, mit den weltberühmten Werken Der Bücherwurm (um 1850), Der abgefangene Liebesbrief (um 1855), Der Kaktusfreund (vor 1858), mit insgesamt 160 Gemälden und 110 Zeichnungen. Darüber hinaus beheimatet das Museum unter anderem Werke von Caspar David Friedrich, Ferdinand Georg Waldmüller, Carl Rottmann, Domenico Quaglio, Albrecht Adam, Wilhelm von Kobell, Fritz von Uhde, Wilhelm Leibl, Adolph Menzel, Franz von Lenbach, Hans Thoma, Heinrich von Zügel bis hin zu Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt und Max Beckmann.

Neben wechselnden Ausstellungen liegt der Schwerpunkt der ständigen Bestandspräsentation vor allem auf der im deutschsprachigen Raum entstandenen Malerei des 19. Jahrhunderts, vom späten Rokoko über den Klassizismus und die Romantik bis zum deutschen Impressionismus.

Carl Spitzweg war geschäftstüchtig, weshalb er den Bücherwurm, der sich gut verkaufte, ein zweites Mal 1851 malte, allerdings mit kleinen erkennbaren Unterschieden, damit das neue Werk nicht für eine Kopie gehalten wurde. Dieses Exemplar hängt heute in der Central Library of Milwaukee. 1854 malte er noch ein drittes Exemplar, das sich vermutlich in einer privaten Sammlung befindet.

2009 bekam das Museum Georg Schäfer als Gegenleihgabe für drei Lovis Corinths vom Pariser Musée d'Orsay Édouard Manets Porträt des 28-jährigen Émile Zola von 1868.[1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sammlung ist vergleichbar mit dem Bestand aus dem deutschsprachigen Raum in der Neuen Pinakothek in München. Sie umfasst denselben Zeitraum mit den gleichen wichtigen Vertretern, neben bereits genannten auch Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach, Ludwig Richter, Carl Friedrich Schinkel und Johann Friedrich August Tischbein.

Raubkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Provinienzforscherin Monika Tatzkow wies nach, dass mindestens 25 Stücke der Sammlung als Raubkunst zu klassifizieren sind, deren Eigentümer im Dritten Reich enteignet wurden. Darunter befindet sich Max Liebermanns Gemälde „Martha Liebermann im Lehnstuhl“. [4]

Bereits 2007 machte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf die Problematik in Schweinfurt aufmerksam. [5]. Eine neuerliche Diskussion entwickelte sich 2013/2014, befeuert durch den Fall Gurlitt. [4].

In einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisierte Julia Voss, dass der neuen Direktor Wolf Eiermann anlässlich seiner Einführung 2015 zwar von „Provenienzrecherche“ sprach, den Begriff „Raubkunst“ jedoch nicht erwähnte, obwohl zahlreiche Werke der Sammlung aus Beständen des Auktionators Adolf Weinmüllers, eines der größten NS-Versteigerer, stammten. An die Washingtoner Erklärung von 1998 fühle sich die private Georg-Schäfer-Sammlung nicht gebunden, obwohl der bayerische Staat den Bau des Museums finanziere und die Stadt Schweinfurt die laufenden Kosten des Hauses bestreite. Voss zieht als Fazit: „Diese dauerhafte Unterstützung aus Steuergeldern kann nur einer Sammlung zukommen, die sich als öffentliche versteht“. [6]

1998 verpflichteten sich 44 Staaten und zahlreiche Organisationen in der Washingtoner Erklärung zur aktiven Klärung und Restitution derartiger Fälle. Die Leitung des Georg Schäfer-Museums hingegen betonte, Privatsammlungen seien nicht von der Washingtoner Erklärung betroffen und verweigerte sich wiederholt einer Rückgabe der betroffenen Stücke. [4]

Ausstellungsobjekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruno Bushart, Matthias Eberle, Jens Christian Jensen: Museum Georg Schäfer Schweinfurt. Erläuterungen zu den ausgestellten Werken. 2., vermehrte und durchgesehene Auflage. Museum Georg Schäfer, Schweinfurt 2002, ISBN 3-9807418-0-X.
  • Sigrid Bertuleit (Hrsg.): Meisterwerke der Portraitkunst. Aus dem Gesamtbestand der bedeutenden Privatsammlung der Kunst des 19. Jahrhunderts. Sandstein Verlag, Dresden 2010, ISBN 978-3-942422-03-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Museum Georg Schäfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Schweinfurt-Stadt-Kultur-Themen. Publikation des Schweinfurter Tagblatts für das Handelsblatt und DIE ZEIT, 20. Mai 2009, S. 3, 8, 9.
  2. Olga Kronsteiner: Sammlung Schäfer versteigert. Auf: artmagazine.cc, 3. März 2005. Abgerufen 22. Juli 2015.
  3. Oliver Herwig: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt (= Die Neuen Architekturführer. Nr. 67). Stadtwandel-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-937123-38-5, S. 7, 16, 19.
  4. a b c Gabi Czöpppan, Nele Husmann: Neuer Kampf um große Bilder. Auf: focus.de, 19. April 2014. Abgerufen 22. Juli 2015.
  5. Sonja Zekri: Was für eine Gelegenheit! In: Süddeutsche Zeitung, 20. Januar 2007, S. 15. Abgerufen 22. Juli 2015.
  6. Julia Voss: Keine Raubkunst? Provenienzforscher in Schweinfurt gesucht. Das Museum Schäfer in Schweinfurt gerät in Erklärungsnot: Es wird mit öffentlichen Geldern unterstützt, fühlt sich aber nicht an die Washingtoner Erklärung zur Raubkunst gebunden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. September 2015

Koordinaten: 50° 2′ 38″ N, 10° 14′ 10″ O