Zürch (Schweinfurt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zürch
Ortsteil von Schweinfurt
Koordinaten: 50° 2′ 42″ N, 10° 14′ 13″ O
Höhe: 220 m
Postleitzahl: 97421
Vorwahl: 09721
Zürch Stadtmauer und St. Salvator, dahinter Maintal
Zürch
Stadtmauer und St. Salvator,
dahinter Maintal

Der Zürch (Ortsbezeichnung: im Zürch) ist ein Ortsteil in der kreisfreien Stadt Schweinfurt und ein Teil der Altstadt, die zum Stadtteil Innenstadt gehört. Der Zürch, mit weithin erhaltenem historischen Ortsbild, ist ein ehemaliges Burgenviertel. Er ist entweder das älteste oder nach dem Fischerrain das zweitälteste Quartier der heutigen Altstadt, was bisher nicht geklärt werden konnte.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zürch liegt in der südöstlichen Ecke der Altstadt, auf einer Anhöhe, im rechten Winkel zwischen Main und Marienbach.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde bisher vermutet, dass der Name auf das mittelhochdeutsche Wort zirk, zirch, zürch, zurch, was so viel wie Kot oder Tierkot bedeutet, zurückgeht. Das wäre denkbar, da das hochwasserfreie Gelände auf einer Anhöhe über Main und Marienbach sich als Viehweide geeignet haben könnte. Zürch ist auch die alte Bezeichnung der Schweizer Stadt Zürich, deren Ursprünge ebenfalls auf einem Hügel an der Limmat, dem Lindenhof lagen, jedoch wird der Stadtname heute völlig anders hergeleitet. Ansonsten gibt es keinen Ort mehr mit dieser Bezeichnung. In neuerer Zeit gibt es eine einfachere Erklärung für den Schweinfurter Namen: Zürch sei einfach verschliffen auf zirc oder zirk zurückzuführen, was so viel bedeutet wie Bezirk und dessen Bezeichnung als Burgbezirk um die alte Reichsburg kennzeichnet.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einstige Reichsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Südostecke an der Stadtmauer lag von 1310 bis 1427 die Reichsburg der Henneberger, worauf die Namen Burggasse und Rittergasse hinweisen. Die große Burg mit mehreren Gebäuden und Höfen umfasste im Gassenkreuz des Zürch das gesamte südöstliche Viertel.[2]

Stadtviertel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Zürch 1538. Die Kirche für das Altstadtquartier ist St. Salvator, eine schlichte Barockkirche. Sie wurde an Stelle der Burgkapelle (um 1315) errichtet, mit gotischem Ausbau (1412), von dem der Chor noch erhalten ist. Die Reformation in der Stadt nahm durch eine Predigt in dieser Kirche 1532[3] ihren Ausgang. St. Salvator wurde später zum Teil zerstört und zerfiel. Zum 200. Jahrestag der Reformation 1717 begann die Stadt eine umfassende, zweijährige Erneuerung.[4] Die Kirche wurde während des Zweiten Weltkriegs bis auf die Außenmauern zerstört und bis 1953 wieder originalgetreu aufgebaut.

In der Rittergasse liegt der Ebracher Hof. Er wurde 1431 vom Zisterzienser Kloster Ebrach im Steigerwald als Amtssitz und Klosterhof erworben, ist im Zweiten Markgrafenkrieg 1554 bis auf die Außenmauern abgebrannt und erst 1578 wieder aufgebaut worden.[3] Der Chor stammt noch von der ehemaligen Liebfrauenkirche an selber Stelle. Nach Bauarbeiten im Jahre 1698 blieb der historische Hof bis heute unverändert.

Im Zürch gab es einst zwei Brauereien. Die 1807 gegründete und in den 1990er Jahren geschlossene Wall Bräu zwischen Burggasse und Unterem Wall, in historischer Zeit ein großer Komplex und später nur noch ein kleines Brauhaus. Am Zwinger lag die 1886 gegründete und 1921 geschlossene Herzog Brauerei.[5]

In den 1980er und 1990er Jahren wurde der Zürch umfassend und behutsam saniert.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zürch zeugt mehr als andere Viertel von der mittelalterlichen und reichsstädtischen Vergangenheit Schweinfurts, besitzt den eigenständigsten Charakter und wird deshalb das Dorf in der Stadt genannt.

Der Zürch ist ein Viertel oder Quartier im wörtlichen Sinne, da es vom Straßenkreuz der mittelalterlichen Gründungsstadt begrenzt wird, als Quadrat mit einer Seitenlänge von 200 Metern und somit 4 ha Fläche. Der südliche Bereich des Ebracher Hofs, Richtung Main, wurde für die neue Stadtbücherei 2004–2007 ausgebaut und dessen Zehntscheune preisgekrönt. Die Kirche gilt als einziges bedeutendes barockes Bauwerk der Stadt. Daneben existieren am Rande des Zürchs noch Teile der alten Schweinfurter Stadtmauer mit mehreren Wehrtürmen (Bild am Anfang des Artikels). Im Zürch gibt es darüber hinaus umfassende historische Bausubstanz in Form von Wohn- und kleinen Handwerkergebäuden.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zürch ist verkehrsberuhigte Zone. Im Quartier gibt es eine evangelische Kirche, die Stadtbücherei und ein kleines Hotel mit Restaurant im Ebracher Hof, einen Kindergarten, kleine Boutiquen und zwei Lokale. Am Rand des Zürch in der Brücken- und Rückertstraße befinden sich Geschäfte, weitere Lokale und ein Kinozentrum mit fünf Sälen. Das herausragendste Ereignis im Jahr ist die über 300 Jahre alte Zürcher-Kirchweih, die älteste Kirchweih Unterfrankens und das zum Teil dort stattfindende Honky Tonk.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergleich hierzu bei: Stadtteil Zürch im Schweinfurtführer www.schweinfurtfuehrer.de, abgerufen am 15. März 2016
  2. Historisches Lexikon Bayerns. Abgerufen am 14. Juni 2018.
  3. a b Tourist-Information Schweinfurt 360°: Schweinfurt-Stadtplan. Sehenswürdigkeiten und Rundgang. September 2009
  4. schweinfurtfuehrer.de abgerufen am 10. Januar 2016
  5. Peter Hofmann: schweinfurtfuehrer.de