Netra

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Dieser Artikel behandelt den Ort Netra in Nordhessen. Für den namensgebenden Nebenfluss der Sontra siehe Netra (Fluss). NETRA steht auch für die Pipeline Norddeutsche Erdgas-Transversale
Netra
Gemeinde Ringgau
Koordinaten: 51° 5′ 37″ N, 10° 5′ 33″ O
Höhe: 305 m ü. NHN
Fläche: 13,7 km²[1]
Einwohner: 584 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 37296
Vorwahl: 05659
Blick auf Netra

Netra ist ein Ortsteil und der Verwaltungssitz der Gemeinde Ringgau im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Netra liegt im Tal der Netra im Zentrum der Landschaft Ringgau auf etwa 304 m über NN. Der Ort ist das nach Einwohnerzahl drittgrößte Dorf der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortskern mit Ev. Kirche

Bereits 1025 wird Netra als „Nederne in Reinicgowe“ als damaliges Reichsgut erwähnt, als König Konrad II. den Ort dem Kloster Fulda schenkte. 1073 wurden erstmals die Herren von Netra genannt, die vermutlich auch die erste Burg errichteten. Diese trugen sie 1318 den Landgrafen von Thüringen zu Lehen auf. Im Laufe der Zeit übergaben die Herren von Netra Teile ihres Besitzes an das Kloster Germerode. Teile Netras erkauften 1366 die von Herren von Boyneburg-Hohenstein von den von Netra. .

1556 starb das Geschlecht derer v. Netra aus, die dortige Wasserburg und der übrige dazugehörige Besitz fiel erblich an die Hohenstein, die die Burg zu einem Wasserschloss umbauten. In Netra waren Ende des 16. Jahrhunderts 86 Untertanen verschiedener Herren ansässig: Neben einer Mehrheit boyneburg-hohensteinischer Untertanen befanden sich hier 18 germerödische Männer (Untertanen des ehemaligen Klosters Germerode, welches nach der Reformation vom Landgrafen übernommen wurde) sowie einige Untertanen der Kurpfalz, welche zusammen mit der Hälfte Röhrdas als Lehen vergeben wurden. Das Dorf kam entgegen oft wiederholter, aber falscher Behauptungen nicht 1654 zum landgräflichen Amt Bischhausen, sondern blieb bis zum Aussterben der von Boyneburg-Hohenstein 1792 Teil des "Gerichts Boyneburg".[3] 1792 gingen Netra und seine Burg mitsamt in Staatsbesitz über. Das Gut wurde Staatsdomäne. 1818 war in Netra der Sitz des Amtsgerichts im Amt Eschwege.[1] Seit 1821 gehörte der Ort zum Kreis Eschwege.

Am 31. Dezember 1971 wurde der bis dahin selbständige Ort in die neue Gemeinde Ringgau eingegliedert.[4] Netra ist heute der Sitz der Gemeindeverwaltung Ringgau. Im 1976 errichteten Gemeindezentrum finden sich alle behördlichen Einrichtungen der Gemeinde. Angegliedert sind ein Dorfgemeinschaftshaus und das Feuerwehrhaus.

Historische Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schreibweise des Ortsnamens wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach, je nachdem wie der Schreiber der jeweiligen Urkunde das Gehörte ins Schriftliche zu übertragen suchte: Nederne (1025), Neddere (1075), Nedere circa flumen Nederaha (1140/41), Netre (1255), Neythere (1327), Netern (1344), Netter (1495).[1]

Wasserburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserburg Netra
Hauptartikel: Wasserburg Netra

Bereits um 1073 wird anstelle der heutigen Wasserburg die Burg der Herren von Netra erwähnt. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts erbauten die Herren von Boyneburg-Hohnstein die Wasserburg. Sie befindet sich am westlichen Ortsrand. 1922 stürzte der Treppenturm ein; er wurde 1957 erneuert. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jüdischer Friedhof Netra

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Netra gab es eine Synagoge beziehungsweise einen Betsaal. Vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Fachwerkbau mit Hofgebäude erbaut. Über das Aussehen des Gebäudes ist nichts Näheres bekannt. 1971 wurde das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Synagoge befand sich in der Brauhausstraße 19, die Religionsschule in Datterode in der Leipziger Str. 45.[5]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jüdische Waldfriedhof hat eine Fläche von 16 ar. 1985 waren noch 91 Grabsteine (Mazewa) vorhanden. Der Friedhof liegt etwa 1,5 km südlich von Netrat, nahe der Straße von Netra nach Grandenborn innerhalb des Waldes am Waldrand.[6]

Jakobskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mächtige Kirchturm mit den vier zu Ecktürmchen ausgestalteten Wichhäuschen wurde 1480 errichtet und diente ursprünglich als Wehrturm. Die seit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen evangelische Kirche ist im gotischen Stil gebaut und ist dem Apostel Jakob geweiht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Netra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Netra, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 8. Februar 2016)
  2. Geodatenzentrum: Netra, abgerufen im Februar 2016.
  3. Thomas Diehl: Adelsherrschaft im Werraraum. Das Gericht Boyneburg im Prozess der Grundlegung frühmoderner Staatlichkeit (Ende des 16. bis Anfang des 18. Jahrhunderts). Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg 2010, ISBN 978-3-88443-314-0 (Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 159).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 388.
  5. Synagoge Netra bei Alemannia-Judaica
  6. Jüdischer Friedhof bei Alemannia-Judaica