Neuenweg (Kleines Wiesental)

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Neuenweg
Wappen von Neuenweg
Koordinaten: 47° 47′ 43″ N, 7° 49′ 39″ O
Höhe: 722 m ü. NN
Fläche: 12,65 km²
Einwohner: 326 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 26 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2009
Postleitzahl: 79692
Vorwahl: 07673
Karte
Lage von Neuenweg in der Gemeinde

Neuenweg (Alemannisch Neuewäg) ist seit dem 1. Januar 2009 ein Ortsteil der Gemeinde Kleines Wiesental im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Gemeinde Kleines Wiesental

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der staatlich anerkannte Erholungsort Neuenweg liegt im Naturpark Südschwarzwald im Tal der Kleinen Wiese zwischen 700 und 1400 Meter Höhe und ist die letzte Siedlung am Ende des Tals. Das frühere Gemeindegebiet reicht bis zum Gipfel des Belchen und ist zu 69 % mit Wald bedeckt.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort grenzt im Osten an die Gemeinde Böllen, im Norden an die Gemeinde Münstertal, im Süden an den Ortsteil Bürchau der Gemeinde Kleines Wiesental und im Westen an den Ortsteil Wies der Gemeinde Kleines Wiesental.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet der früheren Gemeinde Neuenweg liegen das Dorf Neuenweg, die Weiler Hinterheubronn[1], Mittelheubronn[2] und Vorderheubronn[3] und der Zinken Belchenhöfe[4] und Sägemättle.[5][6]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sternschanze auf dem Hau

Anfänge und Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuenweg wurde im Jahre 1278 in einer Schenkungsurkunde des Klosters St. Blasien erstmals erwähnt – Adelheid von Rotenberg schenkte dem Kloster den ganzen Besitz in Neuenweg, wodurch St. Blasien zum größten Grundbesitzer im Ort wurde. Nach den Herren von Rotenberg ging die Ortsherrschaft an die Herren von Rötteln über, die das Dorf 1310 als Lehen an die Basler Ritter zer Sunnen gaben. Über die Erben der Röttler, die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, kam Neuenweg 1503 zur Markgrafschaft Baden und nach deren Teilung 1535 zur Markgrafschaft Baden-Durlach und wurde zusammen mit ihr im Jahr 1556 protestantisch. Unter den Markgrafen gehörte Neuenweg zur Verwaltungseinheit Landgrafschaft Sausenburg. Im Kurfürstentum Baden und in den Anfangsjahren des Großherzogtums Baden war das Dorf dem Amt Müllheim (1805–1809), dem Amt Schönau (1809–1813) und 1885–1924, dem Amt Schopfheim (1924–1936) zugewiesen. Seither gehört Neuenweg zum Landkreis Lörrach.

19. bis 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen aus dem Kleinen Wiesental Forderungen für eine Bahnlinie Schopfheim – Neuenweg oder gar einer Bahn durch das Belchenmassiv in das Münstertal. Aufgrund der massiven Einwände aus der großherzoglichen Verwaltung (technische Schwierigkeiten und hohe Kosten) sahen die Gemeinden dann jedoch von einem förmlichen Antrag ab.[7]

Bei einer Brandkatastrophe am 8. Oktober 1903 wurden die Post, zwei Gasthäuser und 12 Häuser vernichtet. Starker Wind und die mit Schindeln gedeckten Dächer förderten die rasche Ausbreitung des Brandes. 24 Familien wurden obdachlos.[8] Am 1. März 1922 brach der Damm des Nonnenmattweihers. Die das Tal des Nonnenmattbaches (Weiherbach) hinabstürzenden Wassermassen rissen große Baumstämme mit, zerstörten einige Brücken und gefährdeten das bei Neuenweg befindliche Kraftwerk, das an der Straße nach Bürchau befindliche Sägewerk wurde teilweise zerstört, Bürchau wurde überschwemmt.[9]

1934 wurde die Gemeinde Heubronn nach Neuenweg eingemeindet. Am 1. Januar 2009 wurde Neuenweg der neu gegründeten Gemeinde Kleines Wiesental angegliedert.[10] Die früher selbstständige Gemeinde gehörte – von 1972 bis zu dessen Auflösung ebenfalls am 1. Januar 2009 – dem Gemeindeverwaltungsverband „Kleines Wiesental“ mit Sitz in Tegernau an.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen[11] weist langfristig eine sinkende Tendenz auf.

Jahr 1813 1852 1875 1905 1939 1950 1970 1979 1992 1995 2005 2007
Neuenweg 125 542 552 524 407 455 451 412 340 333 337 326

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„In geteiltem und halbgespaltenen Schild oben in Blau ein hängender silberner Adlerflügel, unten vorn rot, hinten golden.“[12] Das Wappen wurde erst 1902 vom Generallandesarchiv Karlsruhe entworfen. Zuvor wurde im Gemeindesiegel eine Abbildung des Belchen und der Belchenhöfe geführt. Der Adlerflügel soll auf die frühere Zugehörigkeit zur Landgrafschaft Sausenberg hinweisen. Allerdings gab es in deren Wappen nie eine Adlerschwinge. Dieser Adlerflug findet sich im Breisgau stattdessen als Bild im Wappen der Herren von Üsenberg. Die fehlerhafte Zuordnung durch das Generallandesarchiv beruht auf einem Fehler im 11. Organisationsedikt des Kurfürstentums Baden vom 2. Mai 1803. Dort werden die Felder im Wappen des Kurfürstentums falsch beschrieben. Unter C.) 7.) steht dort: „in dem zweiten einen silbernen querliegenden Flügel mit niederwärts gekehrten Schwingen und mit einem goldenen Kleestengel belegt, auf Blau wegen Sausenberg,...“[13] Der Zusatz „wegen Sausenberg“ ist falsch und führte offenbar zum Fehler im Neuenweger Wappen. Die korrekte Beschreibung des kurfürstlichen Wappens findet sich bei Karl von Neuenstein.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das gesamte Belchenmassiv mit dem nach Neuenweg abfallenden felsigen Südhang ist seit 1949 Naturschutzgebiet.[15] Hier gedeiht eine seltene, teilweise alpine Vegetation.

Ebenfalls unter Naturschutz steht der im Wald oberhalb von Heubronn in 915 Meter Höhe gelegene Karsee Nonnenmattweiher, ein Relikt der eiszeitlichen Vergletscherung des Schwarzwalds. Bemerkenswert ist eine im Weiher schwimmende Torfinsel.

Am „Böllener Eck“[16] befindet sich eine Sternschanze und eine quadratische Redoute, die zur Vorderen Linie der Schwarzwaldlinie – einer Befestigungsanlage aus dem 17. Jahrhundert – gehören. Das Befestigungssystem fällt zum Teil mit dem „Landhag“, einer spätmittelalterlichen Befestigung, zusammen. Die fünfzackige Sternschanze besitzt einen Durchmesser von etwa 30 Metern und heute noch etwa 2 bis 3 Meter tiefe Gräben. Die quadratische Redoute ist an jeder Seite 20 Meter lang. Zwischen den beiden Anlagen finden sich Spuren einer Schanzlinie, die aus einem Graben und einem Wall bestand und sich nach Süden fortsetzt.

Das Epitaph des 1691 erstochenen kursächsischen Unteroffiziers Johann Marckloffksy von Zabrak befindet sich an der Ostseite der Kirche von Neuenweg.[17]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Neuenweg führen drei Paßstraßen. Über das Gasthaus Haldenhof führt eine Straße in das Münstertal und eine zweite über den Sirnitzpass zum gleichnamigen Weiler Sirnitz[18] nach Badenweiler. Über den Hau führt die Straße in das große Wiesental nach Schönau.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hedwig Salm (* 14. September 1889 in Neuenweg; † 19. September 1981 in Tegernau) – alemannische Dichterin
  • Willibald Strohmeyer (* 6. Juli 1877 in Mundelfingen; † 22. April 1945 in Münstertal/Schwarzwald) – katholischer Dekan, wurde 1945 von den Nationalsozialisten auf dem Heubronner Eck erschossen.[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau (Bearbeiter): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Lörrach. Band II. B. Gemeindebeschreibungen Kandern bis Zell im Wiesental. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1994, ISBN 3-7995-1354-X. Anneliese Müller: Neuenweg. S. 216–229
  • Werner Störk: Die Sternschanze auf dem „Hau“ bei Neuenweg – eine absolute Rarität. In: Das Markgräflerland, Band 2014, S. 76–84
    • Das rätselhafte Epitaph an der Evangelischen Kirche von Neuenweg. In: Das Markgräflerland, Band 2014, S. 85–99
  • Elmar Vogt: Neuenweg – Ein Stück näher am Himmel. In: Das Markgräflerland, Band 2/1998, S. 10–17 (Digitalisat der UB Freiburg)
  • Michael Fautz: Gastlichkeit im Kleinen Wiesental. Das Wirtswesen und die älteren Wirts- und Gasthäuser im Kleinen Wiesental. Neuenweg/Neuenweg-Heubronn. In: Das Markgräflerland, Band 2/1998, S. 89–98 (Digitalisat der UB Freiburg)
  • Florian Rauch: Rauchküche mit schwebendem Bad. Über die Nutzbarmachung eines Schwarzwaldhofes. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg – 31.2002. S. 63–67 doi:10.11588/nbdpfbw.2002.2; Objekt in Mittelheubronn
  • Albrecht Schlageter: Vom Belchen zum Köhlgarten. „Oeconomische und geometrische Anmerkungen über den Neuweger und Heimbrunner Bann“ von Geometer Erhardt im Auftrag der Markgräflich–Badischen Verwaltung 1773 angefertigt. In: Das Markgräflerland, Heft 2/1982, S. 107–117 (Digitalisat der UB Freiburg)
  • Karl Seith: Zur Geschichte von Neuenweg. In: Das Markgräflerland, Heft 2/1961, S. 2–19 Digitalisat der UB Freiburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neuenweg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hinterheubronn [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  2. Mittelheubronn [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  3. Vorderheubronn [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  4. Belchenhöfe [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  5. Sägemättle [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  6. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 896–897
  7. s. Heiner A. Baur: „Die Erbauung einer normalspurigen Eisenbahn von Schopfheim nach Neuenweg betreffend“. Der Bahnknoten Schopfheim - Teil I. In: Jahrbuch '94 Stadt Schopfheim, S. 46–49
  8. Freiburger Zeitung vom 10. Oktober 1903, 1. Blatt, S. 2; abgerufen am 4. Oktober 2014
  9. Freiburger Zeitung vom 3. März 1922, 1. Blatt, S. 2–3; abgerufen am 4. Oktober 2014
  10. StBA: Gebietsänderungen am 01.01.2009
  11. s. Vogt S. 49
  12. Harald Huber: Wappenbuch Landkreis Lörrach. Südkurier GmbH, Konstanz 1984, ISBN 3-87799-046-0. S. 79
  13. Kurfürstlich-Badische Landes-Organisation: in dreizehn Edikten mit Beilagen nebst einem Anhang, enthaltend ein Verzeichniß aller Ortschaften, Höfen und Zinken der Badischen alten und neuen Lande, Carlsruhe 1803, S. 334 (Digitalisat der Badischen Landesbibliothek)
  14. Karl von Neuenstein: Das Wappen des Grossherzoglichen Hauses Baden in seiner geschichtlichen Entwickelung: verbunden mit genealogischen Notizen, Karlsruhe 1892 (Digitalisat der UB Freiburg)
  15. Steckbrief des Naturschutzgebietes im Schutzgebietsverzeichnis der LUBW
  16. Beschreibung vom Wanderparkplatz „Hau“ aus
  17. Eine ausführliche Darstellung findet sich bei Werner Störk: Das rätselhafte Epitaph an der Evangelischen Kirche von Neuenweg. In: Das Markgräflerland, Band 2014, S. 85–99
  18. Sirnitz [Wohnplatz] – Eintrag im historischen Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  19. Der Fundort der Leiche war in der Nähe der Gemeindegrenze zwischen Münstertal und Neuenweg. Der Bauplatz für die Dekan-Strohmeyer-Gedächtniskapelle wurde von der katholischen Pfarrgemeinde Münstertal der politischen Gemeinde Neuenweg abgekauft. Siehe hierzu Homepage der Pfarrgemeinde Münstertal