Nickendes Perlgras

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Nickendes Perlgras
Nickendes Perlgras (Melica nutans)

Nickendes Perlgras (Melica nutans)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Perlgräser (Melica)
Art: Nickendes Perlgras
Wissenschaftlicher Name
Melica nutans
L.

Das Nickende Perlgras (Melica nutans)[1] ist eine Art aus der Gattung der Perlgräser (Melica) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Trivialname „Perlgras“ bezieht sich auf die kugeligen bis eiförmigen, meist dunklen, glänzenden Ährchen, die wie auf einer Perlschnur aufgereiht erscheinen. Es existieren regionale Trivialnamen, welche sich ebenfalls auf das typische Erscheinungsbild der Blütenstände beziehen wie „Saulaus“ in Österreich oder „Geisszötteli“ oder „Galläseckeli“ in der Schweiz.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration: In der Mitte: Nickendes Perlgras (Melica nutans), links Melica ciliata, rechts Melica uniflora
Stängel mit Laubblatt und Blatthäutchen
Am Grund eines Ährchens befinden sich zwei Hüllspelzen (Glu). Darüber sitzen drei Blüten, die jeweils in eine Deckspelze (Lem) und Vorspelze (Pal) eingehüllt sind. Die oberste Blüte ist zu einem weißlichen, fleischigem Elaiosom umgewandelt.
Herbarmaterial von Blütenständen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nickende Perlgras wächst als sommergrüne[1], ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 Zentimeter. Die lockere Rasen bildende Art hat eine dünne, lang kriechende Grundachse, zuweilen mit Ausläufern. Die der Halme beträgt.

Die Laubblätter sind in Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Von den aufwärts rauen, mehr oder weniger geflügelten bis gekielten Blattscheiden sind die unteren meist purpurfarben überlaufen. Das bräunliche Blatthäutchen (Ligula) ist mit einer Länge von etwa 0,5 Millimeter relativ kurz.[1] Die hellgrüne[1] Blattspreite ist etwa 4 Millimeter breit und oben meist zerstreut behaart.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der einseitswendige unterwärts schwach traubige, rispige Blütenstand ist kaum bis zu 10 Zentimeter lang. Die kurz gestielten, nickenden zweiblütigen Ährchen sind bei einer Länge von 6 bis 7 Millimeter verkehrt-eiförmig und glänzend violett bis braun-purpurfarben, manchmal auch etwas grün oder weißlich gescheckt. Es ist ein 5 bis 7 mm langer, kolbenförmiger, verkümmerter Blütenrest vorhanden. Grannen fehlen. Die Deckspelzen sind kahl und die Hüllspelzen braunviolett.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18, ausgehend von der Grundzahl der Gattung Melica von x = 9[2] liegt Diploidie vor.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nickende Perlgras ist in ganz Europa verbreitet. In Österreich ist das Nickende Perlgras häufig in allen Bundesländern besonders in der collinen Höhenstufe verbreitet. In Deutschland kommt diese Art im Norden zerstreut, im Süden häufig vor. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern am Gängele bis zu 1820 m Meereshöhe auf.[3]

Das Nickende Perlgras wächst gerne auf Kalk und besiedelt an lichten Stellen in Wäldern gerne die Nordseite („Halbschattengras“). Es gedeiht am besten auf warmen, mäßig feuchten, nährstoffreichen Böden mit schwach saurer Humusauflage, aber auch Blockhalden (Steinböden).

Das Nickende Perlgras ist Charakterart der Klasse der Edel-Laubwälder (Querco-Fagetea) und sein Hauptvorkommen liegt in der Klasse Vaccinio-Piceetea.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nickende Perlgras ist ein Rhizom-Geophyt oder Hemikryptophyt[1]. Vegetative Vermehrung erfolgt durch die mehrere Dezimeter langen Ausläufer.[4]

Blütenökologisch handelt es sich um Windblütigkeit vom „Langstaubfädigen Typ“.[4]

Diasporen (Ausbreitungseinheit) sind die von den glänzenden Spelzen locker umhüllten Karyopsen. Bei der Reife fallen zuerst die oberen Karyopsen heraus; später wird dann die unterste Karyopse mitsamt den Hüllspelzen des Ährchens als Ballonflieger verweht. Die zuerst herausgefallenen Karyopsen unterliegen der Ameisenausbreitung. Die Fruchtreife ist von Juni bis Juli, bei der untersten Blüte bis Oktober.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5, S. 1158.
  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Blackwell, Berlin/Wien 2000, ISBN 3-8263-3327-6, S. 402.
  • Jürke Grau, Bruno P. Kremer, Bodo M. Möseler, Gerhard Rambold, Dagmar Triebel: Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsengewächse und grasähnliche Familien Europas (= Steinbachs Naturführer). Neue, bearb. Sonderausgabe Auflage. Mosaik, München 1996, ISBN 3-576-10702-9.
  • Nickendes Perlgras. In: FloraWeb.de. (Abschnitte Beschreibung und Ökologie)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Nickendes Perlgras. In: FloraWeb.de.
  2. Mary E. Barkworth: Melica. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 24: Magnoliophyta: Commelinidae (in part): Poaceae (part 1). Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2007, ISBN 978-0-19-531071-9 (online [abgerufen am 28. Juli 2016]).
  3. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  4. a b c Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nickendes Perlgras – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien