Nicole Fontaine

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Nicole Fontaine (2002)

Nicole Claude Marie Fontaine (* 16. Januar 1942 in Grainville-Ymauville, Normandie als Nicole Claude Marie Garnier; † 17. Mai 2018[1]) war eine französische Politikerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrer Schulzeit in Le Havre studierte Fontaine Rechtswissenschaft in Paris. Sie schloss das Studium mit einer Promotion über die Beziehungen zwischen dem französischen Staat und dem privaten französischen Schulsektor ab. Am Institut d’études politiques de Paris legte sie daneben ein Diplom ab.

Im Anschluss übernahm Fontaine in den Jahren 1963 und 1964 eine Lehrtätigkeit an einer höheren Schule. Ebenfalls seit 1964 war sie mit Jean-René Fontaine verheiratet und hat mit ihm eine Tochter. Seit 1965 arbeitete Fontaine als Beraterin für Rechtsfragen im Generalsekretariat des katholischen Unterrichtswesens. Dort brachte sie es bis zur stellvertretenden Generalsekretärin. Neben dieser Tätigkeit fungierte Fontaine zwischen 1972 und 1981 zudem als Mitglied des Obersten Rates für nationale Ausbildung. Erste politische Erfahrungen sammelte sie 1983 als die Regierung unter François Mitterrand plante, die Subventionierung der (überwiegend katholischen) Privatschulen einzustellen. Fontaine organisierte den Widerstand gegen dieses Vorhaben und stellte bei den Verhandlungen ihr politisches Talent unter Beweis.

Nicole Fontaine war Affiliate Professorin an der ESCP Europe.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 kandidierte Fontaine erfolgreich für die christlich-liberale Partei Centre des démocrates sociaux für das Europäische Parlament. 1989 trat sie für die Liste der ehemaligen EU-Parlamentspräsidentin Simone Veil, das Centre pour l'Europe, und ab 1994 für die Union pour la démocratie française (UDF) an. Nach ihrer Wiederwahl 1989 wurde Fontaine auf Vorschlag der Europäischen Volkspartei eine der Vizepräsidenten des Europäischen Parlamentes. In diesem Amt erwarb sie sich allgemeine Anerkennung, sodass sie bei ihrer Wiederwahl 1994 von allen Vizepräsidenten die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Konsequenterweise wurde sie nun auch 1. Vizepräsidentin und damit Stellvertreterin des Präsidenten. In dieser Funktion konnte sie als Vorsitzende des Vermittlungsausschusses zwischen Parlament und Rat oft zu einer Kompromissfindung beitragen.

Als 1999 bei den Europawahlen die Parteien der Europäischen Volkspartei (EVP) die relative Mehrheit der Mandate erringen konnten und zum ersten Mal bei Direktwahlen stärkste Fraktion wurde, kandidierte Fontaine als Parlamentspräsidentin. Gegen den portugiesischen Sozialisten Mário Soares und die finnische Grünen-Abgeordnete Heidi Hautala setzte sie sich mit 306 von 555 gültigen Stimmen durch. Auf ihre Gegenkandidaten entfielen 200 bzw. 40 Stimmen. Entsprechend einem mit der liberalen Fraktion des Europäischen Parlamentes geschlossenen Abkommen wurde Fontaine im Januar 2002 durch den irischen Abgeordneten Pat Cox als Parlamentspräsidentin abgelöst.

Nach Jacques Chiracs Wiederwahl zum Staatspräsidenten im Mai 2002 und dem Erfolg der bürgerlich-liberalen Parteien bei den französischen Parlamentswahlen im Juni 2002 berief Premierminister Jean-Pierre Raffarin Fontaine als beigeordnete Ministerin für Industrie im Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Industrie in die Regierung, der sie bis 2004 angehörte.

Von 2004 bis 2009 gehörte sie wieder dem Europäischen Parlament an, als Mitglied des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frühere EU-Parlamentschefin Nicole Fontaine gestorben. APA-Meldung auf derstandard.de, 18. Mai 2018, abgerufen am 18. Mai 2018.
    L’ancienne ministre Nicole Fontaine est décédée. Le Point.fr, 18. Mai 2018, abgerufen am 18. Mai 2018 (französisch).
  2. Anfragebeantwortung der schriftlichen parlamentarischen Anfrage betreffend Orden und Ehrenzeichen an ehemalige in- und ausländische Regierungsmitglieder und sonstige Persönlichkeite. Bundeskanzler Österreichs, 23. April 2012, S. 997, abgerufen am 18. Mai 2018 (pdf, 6,6 MB).