Nordfriedhof (Bonn)

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Sammelgräber sowjetischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs

Der städtische Nordfriedhof in Bonn befindet sich nördlich der Innenstadt, zwischen den Ortsteilen Auerberg und Buschdorf. Er ist mit 27 Hektar Gesamtfläche der größte Friedhof der Bundesstadt. Der Friedhof steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nordfriedhof wurde ab 1884 angelegt und diente anfangs als Ersatz für den Alten Friedhof, der nicht mehr erweitert werden konnte und deshalb Ende des 19. Jahrhunderts für Neubestattungen geschlossen werden musste. Die Anlage erfolgte an der heutigen Kölnstraße, einem Teil der linksrheinischen Landstraße und früheren Bundesstraße 9 von Bonn nach Köln. Vor der Einrichtung des Friedhofs diente dessen Grundstück als sogenannter Schindacker der Entsorgung von Tierkadavern, und noch bis in die 1770er-Jahre hinein befand sich auf einem Teil des heutigen Friedhofsgeländes ein Richtplatz.

Ursprünglich wurde der Nordfriedhof in Abgrenzung zum Alten Friedhof als Neuer Friedhof bezeichnet. Erst 1910 erhielt er seinen heutigen Namen, nachdem die Stadt Bonn mit dem Südfriedhof in Dottendorf einen weiteren großen Begräbnisplatz Bonns angelegt hatte. 1933 wurde der kommunale Ehrenfriedhof auf dem Nordfriedhof umgestaltet und mit einem 8 m hohen Holzkreuz ausgestattet.[2]

Sowohl der Friedhof selbst als auch seine Infrastruktur wurden im Laufe der Jahrzehnte erweitert. Anfänglich nur rund acht Hektar groß, wuchs der Nordfriedhof in den 1940er- und 1970er-Jahren auf seine heutige Größe. Das teilweise bis heute erhaltene Pförtnergebäude ist das älteste Bauwerk auf dem Nordfriedhof: Es bestand bereits vor dessen Eröffnung und hatte ursprünglich als Jagdhaus gedient. 1913 wurde auf dem Friedhof eine Kapelle errichtet. Von 1906 bis 1961 gab es unmittelbar südlich des Friedhofs einen Bahnhof namens Nordfriedhof der Köln-Bonner Eisenbahnen.

Die Eintragung des Nordfriedhofs einschließlich Kapelle in die Denkmalliste der Stadt Bonn erfolgte 1985.[3]

Am 25. April 2017 unterzeichnete Wu Wei Tse, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Chinesen in Deutschland, und Stadtbaurat Helmut Wiesner einen Vertrag über die Errichtung eines Sondergrabfeldes für Angehörige der chinesischen Volksgruppe.

Ehemaliges Ehrenmal der Bundesrepublik Deutschland

Ehrenmal der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit Bonns als Regierungssitz fand an dem zum Ehrenfriedhof auf dem Nordfriedhof gehörenden Hochkreuz von 1933 ab 1951[2] – mit einer Unterbrechung von 1964 bis 1968 – die zentrale Kranzniederlegung im Rahmen der offiziellen Feierstunden zum Volkstrauertag durch Repräsentanten des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des Staates statt, die zumindest ab Mitte der 1960er-Jahre von Ehrenformationen der Bundeswehr begleitet wurde.[4] Ab 1980 diente das Hochkreuz mit einer hierher versetzten Gedenktafel als Ehrenmal der Bundesrepublik Deutschland, an dem zahlreiche Staatsoberhäupter während ihrer Staatsvisiten Kränze niederlegten. Nach der Wiedervereinigung wurde es ab 1993 als Ehrenmal der Bundesrepublik durch die Neue Wache in Berlin abgelöst.[5]

Grab von Bruno Werntgen

Die Gedenktafel aus Bronze, geschaffen vom Bildhauer Kurt Schwippert[6], war im Juni 1964 als erstes Ehrenmal der Bundesrepublik an der Freitreppe des Akademischen Kunstmuseums an der Hofgartenwiese eingeweiht worden[7]. Erst im Juni 1980 plante man die Umsetzung der Gedenktafel vor das Holzkreuz auf dem Nordfriedhof[8]. Als erstes Staatsoberhaupt legte dort am 7. Juli 1980 Valéry Giscard d’Estaing einen Kranz ab.[5]

Bekannte Grabstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architektonisch bemerkenswerte Grabsteine aus dem späten 19. Jahrhundert finden sich im alten Friedhofsteil zwischen dem Haupteingang und der Kapelle. In diesem Bereich ist der tödlich verunglückte Flugpionier Bruno Werntgen (1893–1913) in einem Ehrengrab bestattet. Außerdem liegen auf dem Nordfriedhof der ehemalige Bonner Oberbürgermeister Ludwig Rickert (1897–1963), der persische Schauspieler Fereydun Farrochsad (1938–1992), die Gründer des Jungen Theaters Bonn, Helmut Tromm (1922–2007) und Heidi Scholz-Tromm (1941–2005), der deutsche Dokumentarfotograf Ernst Linderoth (1916–2016), sowie der Begründer der Orgelmanufaktur Klais, Johannes Klais (1852–1925), begraben.

Künstler und ihre Grabplastiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • Georg Busch (1862–1943): Vollmar (Madonnenstatue aus Bronze)
  • Wilhelm Fassbinder (1858–1915): Linden (Christusstatue aus Marmor)
  • Carl M. Geiling (1874–1924)
    • Parmentier (Bronzerelief, Auferstehungsengel)
    • Hannes (Bronzerelief, signiertes Duplikat des Auferstehungsengels)
  • Carl Hertel (um 1920): Keutmann (Madonnenstatue aus Marmor)
  • Karl Menser (1872–1929): Banze (Bronzerelief)
  • Heinrich Pohlmann (1839–1917): Brauell (Bronzefigur einer Serienproduktion)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Denkmalliste der Stadt Bonn (Stand: 15. März 2019), S. 32, Nummer A 841
  2. a b Stephan Scholz: Vertriebenendenkmäler: Topographie einer deutschen Erinnerungslandschaft, Schöningh, Paderborn 2015, ISBN 978-3-506-77264-0, S. 133, 326.
  3. General-Anzeiger, 10. August 1985, Stadtausgabe Bonn, S. 4
  4. Alexandra Kaiser: Von Helden und Opfern: eine Geschichte des Volkstrauertags (=Campus historische Studien, Band 56). Campus Verlag, Frankfurt/New York 2010, ISBN 978-3-593-39288-2, S. 299–307, 378. (zugleich Dissertation Universität Tübingen, 2009)
  5. a b Simone Derix: Bebilderte Politik: Staatsbesuche in der Bundesrepublik Deutschland 1949–1990, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2009, ISBN 978-3-525-37005-6, S. 145. (zugleich Dissertation Universität Köln, 2006)
  6. Josef Niesen: Kurt Schwippert, Portal Rheinische Geschichte (Landschaftsverband Rheinland)
  7. General-Anzeiger Bonn, 17. Juni 1964
  8. Goslarer Zeitung, 8. November 1980

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nordfriedhof (Bonn) – Sammlung von Bildern


Koordinaten: 50° 45′ 14,6″ N, 7° 4′ 4,1″ O