Oberhohndorf

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50.69861111111112.508333333333300Koordinaten: 50° 41′ 55″ N, 12° 30′ 30″ O

Oberhohndorf
Stadt Zwickau
Wappen von Oberhohndorf
Höhe: 300 m ü. NHN
Fläche: 1,96 km²
Einwohner: 2299 (30. Jun. 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.173 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1944
Postleitzahl: 08056
Vorwahl: 0375
Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr

Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr

Oberhohndorf ist ein Stadtteil (Nr. 52) im Zwickauer Stadtbezirk Süd. Das erweiterte Gassendorf liegt auf einem sich südlich der Zwickauer Mulde annähernd in Ost-West-Richtung erstreckenden Höhenrücken. Oberhohndorf wurde 1944 nach Zwickau eingemeindet.

Lage[Bearbeiten]

Oberhohndorf grenzt an die Stadtteile Nr. 53 Schedewitz und Nr. 51 Bockwa im Westen und Norden, im Norden an den Stadtteil Nr. 21 Gebiet Äußere Dresdner Straße/Pöhlauer Straße sowie im Osten und Süden an die Gemeinde Reinsdorf. Der Westhang des Höhenrückens fällt steil zur Bockwaer Senke ab und wird „die Schweiz“ genannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Oberhohndorf wurde 1219 als Hoendorf erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zum Kloster Cronschwitz. Nachdem 1530[2] Steinkohlen auf Oberhohndorfer Flur gefunden wurden, wurde Oberhohndorf im Jahre 1533 nach Bockwa eingepfarrt und gehörte fortan als Amtsdorf zum Amt Zwickau.

Der Steinkohlenbergbau hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Ortes. Die Steinkohle wurde durch „Kohlebauern“ im Tage- und Tiefbau in der Winterzeit gewonnen. Die Bauern wurden durch die Stadt Zwickau mit der Kohlengerechtigkeit belehnt.[3] Und bauten die Steinkohle unter ihren Feldern hauptsächlich in der Winterzeit ab, wenn die Feldarbeit ruhte.

Durch die Lage auf dem Höhenrücken waren die Oberhohndorfer Gruben in der Lage, ohne aufwendige Wasserhaltung die Kohle zu gewinnen, das Grubenwasser floss über den Bockwa-Hohndorfer Hauptstolln und den Gnaspe- oder Knaspestolln in die Mulde. Trotzdem war der Bergbau 1826 bereits unter die Stollnsohle vorgedrungen, so dass auf dem Schacht „Junger Wolfgang“ die erste Dampfmaschine des Zwickauer Reviers aufgestellt wurde. Sie diente gleichzeitig zur Kohleförderung und zur Grubenentwässerung.[4]

Im Jahre 1830 wurden die ersten vier Koksöfen des Zwickauer Reviers in Oberhohndorf errichtet und die neue Wildenfelser Straße durch den Ort gebaut.

Die wichtigsten Oberhohndorfer Steinkohlenwerke im 19. und 20. Jahrhundert waren der Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein mit den Wilhelmschächten, der Oberhohndorfer Schader-Steinkohlenbauverein mit dem Hermann-, Augustus- und Schader-Schacht, das Steinkohlenwerk Friedrich Ebert Erben ganz im Osten der Gemeinde und der Oberhohndorfer Forst-Steinkohlenbauverein mit dem Forstschacht am Muldenufer, nur wenig östlich der neuen Schedwitzer Brücke.

Als letztes Steinkohlenwerk auf Oberhohndorfer Flur stellte der Zwickau-Oberhohndorfer Steinkohlenbau-Verein 1936 die Förderung ein. Das Gelände des Forstschachtes wurde durch die Halde des Erzgebirgischen Steinkohlen-Actien-Vereins überkippt. Diese Halde erstreckt sich auf nördlicher Seite entlang der Wildenfelser Straße und versperrt die Sicht auf die Stadt Zwickau. Ungeachtet des steilen Geländes waren die Oberhohndorfer Schächte an die Oberhohndorf-Reinsdorfer Kohleneisenbahn angeschlossen. Insgesamt gab es in Oberhohndorf weit über 23 Schächte. Die Halden wurden in den 1970er Jahren begrünt.

Durch die industrielle Verwertung der Kohle entstanden neue Industrien, und in Oberhohndorf gründete der Bergbauunternehmer Florentin Kästner 1882 die Porzellanfabrik Kaestner.

Die Geschichte des Oberhohndorfer Steinkohlenbergbaues wird durch den vom Steinkohlenbergbauverein Zwickau angelegten und unterhaltenen Bergbaulehrpfad Schedewitz/Oberhohndorf veranschaulicht.[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Datum Einwohnerzahl[6] Datum Einwohnerzahl[7]
1553/54 27 31. Dezember 1998 2.156
1764 21 31. Dezember 2000 2.266
1834 166 31. Dezember 2002 2.363
1871 953 31. Dezember 2004 2.356
1890 1492 31. Dezember 2005 2.357
1910 2169 30. Juni 2011 2.299[8]
1925 3167
1939 4418

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistische Information 1/2011 (PDF-Datei)
  2.  Emil Herzog: Chronik der Kreisstadt Zwickau. Jahresgeschichte. 1. Theil, R. Zückler, Zwickau 1845, S. 46ff. (http://books.google.de/books?id=KmMAAAAAcAAJ&lpg=PA47&ots=H0tWA030HD&dq=Oberhohndorfer%20Stollen&hl=de&pg=PA46#v=onepage&q=Oberhohndorfer%20Stollen&f=false).
  3.  Johann Friedrich Lempe: Magazin für die Bergbaukunde. Mit Kupfern. Siebenter Theil, Waltherische Hofbuchhandlung, Dresden 4790, S. 53ff. (http://books.google.de/books?id=DnlPAAAAcAAJ&lpg=PA53&ots=sWnNSmCsH8&dq=Oberhohndorfer%20Stollen&hl=de&pg=PA53#v=onepage&q=Oberhohndorfer%20Stollen&f=false).
  4.  Hubert Kiesewetter: Die industrielle Durchdringung der Zwickauer Steinkohlenregion. In: Toni Pierenkemper (Hrsg.): Die Industrialisierung europäischer Montanregionen im 19. Jahrhundert. Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-515-07841-2, 4.2 Die Gesellschaftsgründungen, S. 126.
  5. Steinkohlenbergbauverein Zwickau e. V. Abgerufen am 2. Januar 2013.
  6. Oberhohndorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. Städtebauliches Entwicklungskonzept der Stadt Zwickau 2020 (Stand: Dezember 2006) sowie Statistische Informationen der Stadt Zwickau 2006/2 und 2007/1.
  8. Statistische Information 1/2011 (PDF; 1,4 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oberhohndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien