Operation Castle

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Kernwaffentest
Operation Castle
Castle Romeo
Castle Romeo
Informationen
Nation Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Testort Bikini-Atoll
Zeitraum Februar–Mai 1954
Anzahl Tests 6
Testart Oberirdische Tests
Waffentyp Wasserstoffbomben
Max. Sprengkraft 15 MT
Navigation
Vorheriger Test Operation Upshot-Knothole
Nächster Test Operation Teapot

Operation Castle war eine amerikanische Kernwaffentestserie, die 1954 überwiegend auf dem Bikini-Atoll im Pazifik durchgeführt wurde. Die Tests Bravo und Yankee sind bis heute die stärksten Kernwaffentests, welche die Vereinigten Staaten je durchgeführt haben. 'Bravo' hatte infolge falscher Berechnungen im Los Alamos National Laboratory fast dreimal soviel Sprengkraft wie berechnet.[1]

Der Bravo- und der Romeo-Test sind zum Inbegriff der Wasserstoffbombe geworden. Dazu trugen die vielen Bilder bei, die während der Operation aufgenommen wurden.

Die einzelnen Tests der Castle-Serie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Explosion von Castle Union
Bombe Datum / Uhrzeit
(GMT)
Ort Höhe der Zündung Testart Sprengkraft (Vorhersage) Anmerkungen
Bravo 01. März [2]1954
18:45 Uhr
Künstliche Insel etwa einen Kilometer vor der Insel Namu im Bikini-Atoll 2 Meter
(7 Fuß)
Oberflächen- explosion 15 MT
(6 MT)
Stärkste thermonukleare Kernexplosion der Vereinigten Staaten
Romeo 27. März 1954
18:30 Uhr
Im Krater des Bravo-Testes 4 Meter
(14 Fuß)
Lastkahn 11 MT
(4 MT)
Romeo war der Belastungstest für die Mark-17/24-Bombe. Für den Test wurde eine 20 Tonnen schwere Konstruktion mit dem Namen „Runt-I-Device“ verwendet. Romeo war der erste Test auf einem Schwimmponton (oder Leichter) im Pazifik, diese Testart wurde später bei allen starken Kernwaffentests verwendet, um die Inseln im Bikini- und Eniwetok-Atoll zu schützen.[3]
Koon 6. April 1954
18:20 Uhr
Bikini-Atoll, Insel Eninman 3 Meter
(9,6 Fuß)
Oberflächen- explosion 110 kT
(1 MT)
Schwächster Test der Castle-Operation.
Union 25. April 1954
18:10 Uhr
Bikini-Atoll 4 Meter
(13 Fuß)
Lastkahn 6,9 MT
(4 MT)
Für die Castle-Union-Explosion wurde ein Alarm-Clock-Device verwendet. Diese Bombe war ein Prototyp, der eine speziell angereicherte Uranmischung enthielt. Der Sprengsatz hatte einen Durchmesser von 156 cm, eine Länge von 384 cm und ein Gewicht von 13,85 t. Die Detonation riss einen Krater von 92 m Durchmesser und 28 m Tiefe in das Atoll.
Yankee 4. Mai 1954
18:10 Uhr
Bikini-Atoll 4 Meter
(14 Fuß)
Lastkahn 13,5 MT
(9,5 MT)
Zweitgrößter amerikanischer Kernwaffentest; Castle Yankee I mit einem Jughead-Design wurde nach dem Castle-Bravo-Test gestrichen, stattdessen wurde der Test mit einem Runt-II-Sprengkopf durchgeführt (Castle Yankee II). Der Test verwendete eine ähnliche Bombe wie Romeo, mit dem Unterschied, dass im Kernbrennstoff angereichertes und nicht, wie bei Romeo, unbehandeltes Lithium verwendet wurde. Diese Änderung führte zu einer Erhöhung der Sprengkraft um 61 Prozent.[4]
Nectar 13. Mai 1954
18:20 Uhr
Eniwetok-Atoll, im Krater des Ivy-Mike-Tests[5] 4 Meter
(14 Fuß)
Lastkahn 1,69 MT
(1,8 MT)
Test eines Leichtbauentwurfes, dem sogenannten Zombie-Device. Die Bombe hatte einen Durchmesser von 87 cm, 282 cm Länge und ein Gewicht von 2,59 Tonnen. Im Vergleich dazu hatte die Bombe „Little Boy“, die auf Hiroshima abgeworfen wurde, ein Gewicht von 4 Tonnen (aber nur 15 Kilotonnen Sprengkraft).

Der Echo-Test wurde, nachdem das Ergebnis des Koon-Testes feststand, gestrichen.

Castle Bravo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reaktionen der Lithium- und Wasserstoffisotope. Geplante (expected) und tatsächliche (got) Reaktion von 7Li
Explosion von Castle Bravo
Castle Bravo. Die Silhouette wurde zum Größenvergleich eingefügt.

Es wurde die stärkste amerikanische thermonukleare Waffe getestet, die mit einer Sprengkraft von etwa 15 Megatonnen TNT-Äquivalent detonierte und damit fast 2,5 Mal so stark war wie von ihren Konstrukteuren vorhergesagt.

Der getestete Sprengsatz war die erste Kernwaffe mit dem festen Fusionsbrennstoff Lithiumdeuterid. Das Lithium war in dem selteneren Isotop Li-6 angereichert. Der Sprengsatz trug den Namen Shrimp. Die Stärke der Explosion wurde vor dem Test mit 4 bis 8 MT um rund die Hälfte zu gering eingeschätzt; die Konstrukteure hatten offenbar übersehen, dass nicht nur Li-6, sondern auch das andere natürliche Lithiumisotop Li-7 mit den schnellen Neutronen aus der Fusion reagiert und Tritium für weitere Fusionen erzeugt.[6] Die Pilzwolke war nach einer Minute 15 km hoch, nach sechs Minuten 40 km und hatte dabei über 100 km Durchmesser. Der Lichtblitz war noch in 400 Kilometern Entfernung zu sehen. Der Krater, den die Bombe in den Untergrund des Atolls riss, hatte einen Durchmesser von etwa 2 km.

Bei diesem größten jemals auf dem Atoll gezündeten Atomwaffenversuch wurden 236 Bewohner der Insel Rongelap verstrahlt, viele von ihnen wurden strahlenkrank oder trugen schwere Verbrennungen davon. Die 23-köpfige Besatzung des 140 Kilometer entfernten japanischen Fischerboots Glücklicher Drache V wurde stark verstrahlt, was diplomatische Verstimmungen mit Japan verursachte.[4] Ein Besatzungsmitglied (Funker) starb an den Folgen der Strahlenkrankheit, die Vereinigten Staaten leisteten den Opfern eine Entschädigungszahlung.[7]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Operation Castle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eric Schlosser (2013): Command and Control: Die Atomwaffenarsenale der USA und die Illusion der Sicherheit, C.H.Beck, ISBN 978-3-406-65595-1, S. 145 f. (online)
  2. Schwabe, Klaus.: Weltmacht und Weltordnung : amerikanische Aussenpolitik von 1898 bis zur Gegenwart : eine Jahrhundertgeschichte. Schöningh, Paderborn 2006, ISBN 978-3-506-74783-9.
  3. Nuclear Test Personnel Review (NTPR) Program, DNA 6035F (PDF)
  4. a b Michael Light: 100 Suns. 2003.
  5. Der Nectar-Test wurde im Zuge der Umstrukturierung nach dem Bravo-Test um einen Monat nach hinten verschoben (geplanter Test am 5. April 1954) und, statt im Krater des Union-Tests im Bikini-Atoll, im Eniwetok-Atoll durchgeführt; vgl. Defense Nuclear Agency, U.S. Fact Sheet: OPERATION CASTLE (1981 Dec 01), NV0402490
  6. Kenneth W. Ford: Building the H Bomb. A Personal History. World Scienzific, Singapur 2015, ISBN 978-981-4632-07-2, S. 184.
  7. Bauernfeind, Ingo: Radioaktiv bis in alle Ewigkeit – Das Schicksal der Prinz Eugen. E. S. Mittler & Sohn, Hamburg/ Berlin/ Bonn 2011, ISBN 978-3-8132-0928-0, S. 105.

Koordinaten: 11° 41′ 50″ N, 165° 16′ 19″ O