Operation Crusader

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Operation Crusader
Ein britischer Crusader-Panzer fährt an einem zerstörten deutschen Panzer IV vorbei.
Ein britischer Crusader-Panzer fährt an einem zerstörten deutschen Panzer IV vorbei.
Datum 18. November 1941 bis 17. Januar (4. Februar) 1942
Ort Nordafrika (Italienisch-Libyen, Ägypten)
Ausgang alliierter Sieg
Konfliktparteien

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Sudafrika 1928Südafrikanische Union Südafrikanische Union
NeuseelandNeuseeland Neuseeland
Britisch-IndienBritisch-Indien Britisch-Indien
PolenPolen Polen
Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei

Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien

Befehlshaber

Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Claude Auchinleck,
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Alan Cunningham,
Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Neil Ritchie

Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Ettore Bastico,
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Erwin Rommel

Truppenstärke
ca. 118.000 Mann
ca. 730 Panzer
ca. 700 Flugzeuge
ca. 119.000 Mann
ca. 400 Panzer
ca. 500 Flugzeuge
Verluste

18.600 Gefallene, Verwundete, Vermisste oder Gefangene

insgesamt 36.427
(21.712 (I), 14.760 (D)), davon:
2172 gefallen
(1036 (I), 1136 (D))
5605 verwundet
(2122 (I), 3483 (D))
28.695 vermisst
(18.554 (I), 10.141 (D)),
340 Panzer
(120 (I), 220 (D)),
223 Geschütze
(181 (I), 42 (D))[1]

Die Operation Crusader (seltener auch: Winterschlacht in Afrika) war ein militärisches Unternehmen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg in Nordafrika. Sie dauerte vom 18. November 1941 bis zum 17. Januar 1942 und war der dritte, umfangreichste, längste und schließlich erfolgreiche Versuch, die Belagerung von Tobruk durch das Deutsche Afrikakorps zu brechen. In Deutschland und Italien wird manchmal auch die erfolgreiche Gegenoffensive vom 21. Januar bis 4. Februar 1942 hierzu gerechnet. Der Verlauf der Operation Crusader, mit ihren schnellen Vorstößen, räumlich ausgreifenden Bewegungen und ständig wechselnder Initiative veranschaulicht dabei wie keine andere militärische Operation die charakteristische Dynamik der Kämpfe in Nordafrika.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Italien hatte Frankreich und Großbritannien am 10. Juni 1940 den Krieg erklärt. Der italienische Diktator Benito Mussolini ging von einem nur kurzen Krieg aus und hoffte, durch ein Bündnis mit dem Deutschen Reich einige der Gebietsansprüche Italiens befriedigen zu können. In Nordafrika bestanden diese zum einen aus einer Vergrößerung der Kolonie Italienisch-Libyen Richtung Westen um das französische Protektorat Tunesien. In östliche Richtung strebte Italien eine Kontrolle über Ägypten und den strategisch wichtigen Sueskanal an, sowie die Herstellung einer direkten Landverbindung zu seinen Kolonien in Ostafrika. Nachdem Frankreich im Westfeldzug geschlagen worden war und Tunesien zum nun verbündeten Vichy-Frankreich gehörte, richteten sich die italienischen Expansionsziele in Nordafrika ganz auf Ägypten. Am 9. September 1940 marschierte Italien schließlich mit der 10. Armee in Ägypten ein.

Kriegsverlauf in Nordafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Invasion verlief allerdings wenig erfolgreich und kam aufgrund der schlechten Versorgung und Ausrüstung der Truppen nur wenig mehr als 100 km hinter der ägyptisch-libyschen Grenze zum Stehen. Am 8. Dezember starteten die Alliierten mit der Operation Compass eine Gegenoffensive. Das ursprünglich auf nur wenige Tage begrenzte und der Vertreibung der italienischen Armee aus Ägypten gerichtete Unternehmen erwies sich als derart erfolgreich, dass der Vormarsch bis nach Libyen fortgesetzt wurde. Bis Anfang Februar 1941 hatten die alliierten Truppen die Kyrenaika bis einschließlich El Agheila besetzt und die italienische 10. Armee nahezu restlos aufgerieben.

Die vollständige Einnahme Italienisch-Libyens unterblieb allerdings, da Teile der in Nordafrika eingesetzten alliierten Truppen zur Abwehr des sich ankündigenden Balkanfeldzugs des Deutschen Reichs im April 1941 benötigt wurden. Während die Alliierten somit ab Februar 1941 Truppen zur Verteidigung Griechenlands abzogen, verschiffte Deutschland im so genannten Unternehmen Sonnenblume zeitgleich und heimlich erste Truppenkontingente nach Tripolis und begründete das Deutsche Afrikakorps. Nur wenige Wochen nach seinem Eintreffen ging das von Erwin Rommel kommandierte Afrikakorps zusammen mit den italienischen Divisionen in Libyen zu einer erneuten Offensive über. Die wenigen und überwiegend unerfahrenen alliierten Truppen zogen sich hastig aus der Kyrenaika wieder zurück.

Im Laufe des April waren die Achsenmächte erneut bis zum Halfaya-Pass auf ägyptisches Territorium vorgedrungen. Lediglich der strategisch bedeutsame Tiefwasserhafen Tobruk wurde weiterhin von einer alliierten Besatzung gehalten. Nachdem eine Reihe von Angriffen auf Tobruk im April und Anfang Mai 1941 gescheitert waren, stellte sich Rommel zur Schonung seiner begrenzten Ressourcen, auf eine längere Belagerung der Stadt ein. Das alliierte Oberkommando im Nahen Osten unter Archibald Wavell begann zeitgleich mit der Planung und Vorbereitung einer Gegenoffensive, um die Kontrolle über die Kyrenaika zurück zu erlangen und die belagerte Stadt zu entsetzen. Die erste Gegenoffensive, genannt Operation Brevity, startete bereits am 15. Mai, konnte allerdings wenig mehr als die Rückeroberung des Halfaya-Passes (und das auch nur bis zum 27. Mai) erreichen. Zeitgleich (20. Mai – 1. Juni 1941) wurde die Luftlandeschlacht um Kreta geführt, die, sollte das Deutsche Reich erfolgreich sein, die Luftunterstützung und die Versorgung der Achsenmächte deutlich verbessern würde. Eine zweite, am 15. Juni gestartete alliierte Offensive, die Operation Battleaxe, scheiterte unter großen Verlusten an Panzern, wobei die alliierten Truppen nur knapp der Einkreisung und Vernichtung entgingen. Nach diesem Fehlschlag wurde Archibald Wavell als Oberkommandierender des Middle East Command durch Claude Auchinleck abgelöst.

Militärische Ausgangslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ernennung von Claude Auchinleck zum neuen Oberbefehlshaber für den Nahen Osten wurde das XIII. Korps mit dem neu aufgestellten XXX. Korps in der 8. Armee unter Lt. General Alan Cunningham zusammengefasst. Die Verbände der australischen 9. Division in Tobruk wurden im Verlauf von September und Oktober mittels der Royal Navy auf Druck des australischen Parlaments durch die britische 70. Infanteriedivision, die polnische Karpatenbrigade sowie die tschechoslowakische Brigade abgelöst. Die 8. Armee wurde auf 700 Panzer (davon viele der neuen Crusader-Panzer, nach denen die Operation benannt wurde, amerikanische leichte Stuart-Panzer, sowie schwere Matilda- und Valentine-Panzer) aufgerüstet. Etwa 600 Flugzeuge der Desert Air Force boten Luftunterstützung.

Den alliierten Verbänden stand die Panzergruppe Afrika unter General der Panzertruppe Erwin Rommel mit dem Deutschen Afrikakorps, bestehend aus der 15. und der 21. Panzer-Division (im August aus der 5. leichten Division umgebildet) (zusammen 260 Panzer) gegenüber. Außerdem unterstanden ihr die “Afrika-Division z. b. V.” (während der Schlacht umbenannt in 90. leichte Afrika-Division), die italienische Infanteriedivision “Savona”, und ein italienisches Armeekorps mit vier Infanteriedivisionen (“Brescia”, “Pavia”, “Bologna” und “Trento”). Unterstützt wurden sie ferner vom italienischen Beweglichen Korps (CAM), bestehend aus der Panzerdivision “Ariete” (154 Panzer) und der motorisierten Infanteriedivision “Trieste”. Die Luftunterstützung der Achsenmächte bestand zu Beginn der Offensive aus 120 deutschen und 200 italienischen Flugzeugen, wurde aber nach Beginn des Angriffs erheblich verstärkt.

Doktrinen und Taktiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Britische Doktrin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die britische Panzerdoktrin basierte weitgehend auf den Erfahrungen des 1. Weltkrieges. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurden zunächst die sogenannten infantry tanks entwickelt, deren Aufgabe die Unterstützung der Infanterie war. Diese Panzer sollten als "rollende Bunker" operieren, weshalb sie mit starker Panzerung ausgestattet waren, während eine starke Motorisierung als nicht notwendig erachtet wurde. So war Matilda II tatsächlich so schwer gepanzert, dass er auf größere Distanzen effektiv nur mit der 8,8-cm-FlaK/ "Acht-Achter" bekämpft werden konnte.

Nachdem die Infanterie in Zusammenarbeit mit den infantry tanks die feindlichen Linien durchbrochen hatten, sollten leichtere Panzer, die sog. cruiser tanks den Durchbruch ausnutzen und ausbauen. Cruiser tanks waren leichter gepanzert und stärker motorisiert. Diese Zweiteilung der Panzer in verschiedene Klassen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten sollte sich im Kriegsverlauf als schwerwiegender Nachteil erweisen.

Diese Panzerdoktrin wurde wesentlich von Percy Hobart mitgestaltet, der die britische Panzertruppe mitaufgebaut und entscheidend geprägt hatte. Hobart war außerdem von der Überlegenheit der Panzer gegenüber Infanterie und Artillerie überzeugt und lehnte eine enge Zusammenarbeit von Infanterie und Panzerverbänden als unnötig ab. Die nahezu komplette Trennung von Infanterie und Panzern während Operation Crusader entsprach dieser Doktrin. Als nachteilig sollte sich auch die Trennung von Artillerie- und Panzereinheiten erweisen, die ebenfalls dieser Doktrin entsprach: Zwar kämpften diese zum Teil Seite an Seite, aber stets als unabhängige Einheiten. [2]

Deutsche Doktrin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Doktrin war beeinflusst durch die preußische Strategie der Schwerpunktbildung; angestrebt wurde der Angriff an der schwächsten Stelle des Feindes und anschließend eine Einkreisung und Vernichtung des Feindes. Insbesondere die Taktik war stark geprägt durch die Erfahrungen der deutschen Armee im bisherigen Kriegsverlauf: In Polen und Frankreich hatte sich die Effektivität rascher Panzervorstöße und einer engen Zusammenarbeit von Panzern, Infanterie, Artillerie und Luftwaffe gezeigt (->Gefecht der verbundenen Waffen). Als ebenso effektiv hatten sich Kampfgruppen erwiesen, ad hoc zusammengestellte Verbände aus allen benötigten Truppenteilen, die quasi "maßgeschneidert" für die jeweilige Situation waren. Der hohe Stellenwert, den das deutsche Militär der Zusammenarbeit der verschiedenen Waffengattungen einräumte, zeigt sich auch in den einzelnen Einheiten. Rommels Panzerdivisionen, die 15. Panzer-Division und die 21. Panzer-Division, bestanden jeweils aus einem Panzerregiment, einem Regiment Infanterie, einem Regiment Artillerie und mehreren Unterstützungsbataillonen u. a. mit PAKs und Pionieren.

Anders als die britischen Streitkräfte war das Ziel der deutschen Generäle nicht der Kampf Panzer gegen Panzer. Stattdessen war es das Ziel die feindlichen Panzer z. B. durch einen vorgetäuschten Rückzug von deren Infanterieunterstützung zu trennen und sie ins Feuer der eigenen Panzerabwehrgeschütze und Artillerie zu locken, denen die britischen Panzer mangels Hochexplosivgeschossen für ihre Hauptkanonen nur wenig gefährlich werden konnten. Danach konnten die deutschen Panzer Schwachpunkte in der gegnerischen Linie ausnutzen, die feindliche Infanterie einkreisen und schließlich vernichten. [3]

Vorspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Operation Sommernachtstraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Herbst und Winter 1941 war die Aufklärung der Achsenmächte einstimmig der Meinung, dass die Briten eine erneute Offensive vorbereiteten. Rommel wurde gewarnt mit einem Angriff noch im Jahr 1941 zu rechnen und eine eigene Offensive deshalb auf frühestens 1942 zu verschieben. Rommel ignorierte diese Warnungen und trieb Pläne für einen Großangriff auf Tobruk voran. Für diesen war es allerdings notwendig zunächst herauszufinden, ob ein britischer Angriff bevorstand. Die üblichen Aufklärungsmethoden durch Panzerspähwagen und Luftaufklärung wurden inzwischen jedoch effektiv durch die Briten gekontert. Auf dem Boden behinderten die Panzerwagen der 11th Husars und weitere Einheiten aus dem South African Armoured Car Regiment, zusammen mit Jock Collums (improvisierte Einheiten aus Infanterie und Artillerie, benannt nach ihrem Erfinder und Kommandeur Jock Campbell) die deutsche Aufklärung. Die RAF war verstärkt worden und verhinderte Luftaufklärung. Deshalb wurde ein Angriff auf ein von der Aufklärung dort vermutetes britisches Nachschubdepot in Bir El Khireigat geplant. Die 21ste Panzerdivision sollte vorstoßen, möglichst viel über eine mögliche britische Truppenkonzentration in Erfahrung bringen und dann zurückkehren. Der Angriff wurde auf den 14. September 1941 gelegt.

Die britische Aufklärung hatte diesen Vorstoß jedoch korrekt vorhergesehen und Auckinleck entsprechend gewarnt. Die britischen Truppen wurden angewiesen keinen Kampf zu suchen, sondern dem Feind stattdessen auszuweichen. Auckinleck beschloss die Gelegenheit zu nutzen den Deutschen falsche Informationen zuzuspielen, indem man einige gefälschte britische Berichte "versehentlich" in die Hände der Deutschen fallen ließ.

Der Angriff wurde von den drei Kampfgruppen Schütte (im Norden), Stephan (in der Mitte) und Panzerhagen (im Süden) durchgeführt. Rommel begleitete Kampfgruppe Schütte im Norden in seinem erbeuteten britischen AEC Kommandofahrzeug. Während der Anfahrt auf Bir El Khireigat kam es zu vereinzelten Gefechten mit britischen Panzerwagen, bei denen beide Seiten leichte Verluste erlitten, bevor die Briten zurückwichen. Bir El Khireigat wurde eingenommen, erwies sich jedoch als unbedeutendes Ziel. Allerdings wurde auch ein Lastwagen gefunden, der anscheinend dem 4. Bataillon des South African Armoured Car Regiment als Kommandofahrzeug diente und indem zahlreiche Dokumente und Codiermaterialien gefunden wurden. Die Kampfgruppen Schütte und Stephan rückten weiter vor, wurden allerdings durch britische Panzerwagen und Artilleriebeschuss verlangsamt, bis ihnen schließlich der Treibstoff ausging. Im Artilleriesperrfeuer wurde Rommels Fahrer getötet. Kampfgruppe Panzerhagen konnte weiter vorrücken und grub sich schließlich bei Dunkelheit in Igelstellung ein. In der Nacht wurden zwei Angriffe auf die Stellung abgewehrt und im Morgengrauen kam der Befehl an alle Kampfgruppen sich wieder auf die Ausgangspositionen zurückzuziehen. Britische Flugzeuge bombardierten die Kolonnen und beschädigten unter anderem Rommels Fahrzeug. Da die britischen Verfolger schon relativ nahe waren, wagte es Rommel nicht einen Funkspruch abszusetzen, um Hilfe anzufordern. Dies zeigte Rommels problematische Neigung zur "Führung von vorne", auch wenn dies kaum mit seiner Position vereinbar war (Rommel sollte im Verlauf von Operation Crusader noch einmal in eine ähnlich gefährliche Lage kommen). Schließlich konnte der beschädigte Reifen gewechselt werden und Rommel erreichte unbeschadet die deutschen Linien.

Operation Sommernachtstraum war ein klarer britischer Erfolg. Auckinleck hatte es geschafft den britischen Aufmarsch komplett geheimzuhalten und zusätzlich den Feind mit falschen Informationen zu füttern. Laut den "eroberten" Dokumenten planten die Briten keinen Angriff vor Dezember und überlegten sich in Richtung Mersa Matruh zurückzuziehen, was Rommel in seiner Ansicht bestärkte den Angriff auf Torbuk voranzutreiben. [4]

Britischer Angriffsplan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Kampfgebiets der Operation Crusader.

Cunninghams Plan sah vor, mit dem XXX. Korps unter Charles Norrie mit der britischen 7. Panzerdivision und der südafrikanischen 1. Division die Grenzbefestigungen an der Sollum-Front auf Höhe des Fort Maddalena südlich zu umgehen und in nordwestlicher Richtung auf Tobruk vorzustoßen. Das XXX. Korps sollte nach Gabr Saleh vorstoßen, dort auf den deutschen Gegenangriff warten, mit dem man innerhalb des ersten Tages rechnete und dann eine große entscheidende Panzerschlacht schlagen, in der die deutschen Panzerdivisonen zerstört werden würde. Gemäß britischer Doktrin würden dort Panzer gegen Panzer kämpfen und man rechnete aufgrund der großen numerischen Überlegenheit mit einem britischen Sieg.

Nach der erwarteten Schlacht sollten die siegreichen britischen Panzer das Schlachtfeld dominieren und anschließend die Verbindung mit der Besatzung von Tobruk, die unterstützend einen Ausbruch unternehmen sollte, hergestellt werden. Das XIII. Korps unter Alfred Reade Godwin-Austen mit der indischen 4. Division, der neuseeländischen Division und der 1. Heeres-Panzerbrigade sollte währenddessen die Sollum-Front aushebeln, indem starke Teile über Sidi Omar in den Rücken der verteidigenden Achsentruppen vordrangen und diese von ihren rückwärtigen Verbindungen abschnitten.

Der Erfolg des Plans hing damit wesentlich vom Ausgang der erwarteten Panzerschlacht ab. Ein wesentliches Problem des Planes war damit schon in der Planungsphase, dass man britischerweise auf den Gegenangriff warten wollte. Die britische Armee würde sich also vorwärtsbewegen, sich eingraben, die Iniative damit freiwillig dem Feind überlassend, und dann eine Defensivschlacht schlagen. Planungen für den Fall eines ausbleibenden Gegenangriffs gab es nicht, was entscheidend zu den späteren Problemen der Operation beitrug.[5]

Beteiligte Streitkräfte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alliierte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Achsenmächte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf der Operation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorstoß der 8. Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte der Operation Crusader

Am 18. November begann die 8. Armee ihren Angriff von ihrer Basis in Mersa Matruh aus in nordwestliche Richtung. Ursprünglich war eine starke Luftunterstützung vorgesehen, die vor allem auf die Luftstreitkräfte der Achsenmächte zielen sollte, um diese von Angriffen gegen die vorrückenden Truppen abzuhalten. Die gleichen Stürme, die den Aufmarsch der 8. Armee gedeckt hatten, verhinderten allerdings nun den vorgesehenen Einsatz der alliierten Luftunterstützung. Trotzdem konnte die 8. Armee am ersten Tag ohne größere Störungen und ohne nennenswerten Feindkontakt vormarschieren.

Aktionen des XXX. Korps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst am 19. November kam es zu ersten Gefechten zwischen beiden Seiten. Die 22. gepanzerte Brigade auf dem linken Flügel des XXX. Korps geriet bei Bir el Gubi in heftige Gefechte mit der italienischen Division “Ariete”. Auf dem rechten Flügel des Korps stieß die 4. gepanzerte Brigade auf Teile der deutschen 21. Panzer-Division und wurde ebenfalls in schwere Kämpfe verwickelt. Die im Zentrum des Korps stehenden 7. gepanzerte Brigade sowie die 7. Unterstützungsgruppe konnten hingegen fast ungehindert den Flugplatz bei Sidi Rezegh besetzen. Ein Gegenangriff der deutschen 90. Leichten Division sowie der italienischen Division “Bologna” auf Sidi Rezegh am nächsten Tag wurden abgeschlagen. Auch die anderen Gefechte wurden am 20. November fortgeführt, wobei sich die 21. Panzer-Division aus Mangel an Treibstoff und Munition schließlich zurückzog und die aus Sidi Azeiz heraneilende 15. Panzer-Division an ihre Stelle trat.

Plangemäß griffen die im belagerten Tobruk stationierten alliierten Formationen – die 70. Division, die polnische Karpatenbrigade und die tschechoslowakische Brigade – am 21. November in die Kämpfe ein. Während die beiden Brigaden Ablenkungsangriffe auf die belagernden italienischen Divisionen “Bologna”, “Brescia” und “Pavia” durchführten, sollte die 70. Division ausbrechen, bis Ed Duda vorstoßen und sich dort mit der Südafrikanischen Division und der 7. gepanzerten Division vereinen. Der mit großer Wucht vorgetragene Angriff der 70. Division überraschte die Achsenmächte und die Tobruker Verteidiger konnten bis zum Nachmittag etwa 7 km vordringen und eine Reihe befestigter Stellungen einnehmen. Trotzdem wurde bald klar, dass die von außen kommenden alliierten Truppen sich nicht bis zu ihnen würden durchschlagen können. Der Flugplatz von Sidi Rezegh wurde am 21. November erneut Schauplatz heftigster Gefechte zwischen dem XXX. Korps und der 21. Panzer-Division und ging schließlich am Abend des Tages wieder an die Achsenmächte verloren.

Am 22. November ließ Ronald Scobie, der Kommandant der Tobruker Division, den weiteren Vormarsch einstellen, und befahl seinen Truppen den bislang gesicherten Korridor zu verbreitern um ihre Position dort zu sichern. Nachdem das XXX. Korps von Sidi Rezegh zurückgedrängt worden war, blieb der ausgebrochenen Garnison zunächst nichts anderes übrig, als sich einzugraben und darauf zu hoffen, dass die 8. Armee doch noch die Verbindung zu ihnen würde herstellen können. Der 21. Panzer-Division gelang es an diesem Tag ihre Stellung auf dem Flugplatz Sidi Rezegh vor einem Gegenangriff der 2. Brigade der Südafrikanischen Division zu verteidigen. Nach dieser Niederlage musste sich die 7. gepanzerte Division endgültig zurückziehen. Von ihren ursprünglich 150 Panzern waren zu diesem Zeitpunkt nur noch vier einsatzfähig.

Am 23. November unternahm Rommel den Versuch, das zurückweichende XXX. Korps in einem finalen Angriff zu vernichten. Die beiden deutschen Panzerdivisionen versuchten dabei zusammen mit der italienischen Division Ariete das alliierte Korps in einer Umfassungsbewegung einzukesseln. Die erneuten, sehr heftigen und mit großen Verlusten auf beiden Seiten verbundenen Gefechte führten schließlich in der so genannten „Schlacht am Totensonntag“ zur Vernichtung der 2. Brigade der Südafrikanischen Division. Den anderen alliierten Formationen gelang es hingegen sich durchzuschlagen und von den Verfolgern abzusetzen.

Aktionen des XIII. Korps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während das XXX. Korps nach Norden direkt auf Tobruk vorgestoßen war, hatte sich das XIII. Korps am 18. November nach Osten gewandt und ging gegen die Stellungen der Achsenmächte bei Fort Capuzzo, Sollum, dem Halfaya-Pass und Bardia vor. Auch hier waren die Kämpfe von großer Härte geprägt. Die verteidigende italienische Division “Savona” erwies sich als wesentlich disziplinierter, besser ausgerüstet und ausgebildet als die italienischen Truppen denen die Alliierten nur ein Jahr zuvor während der Operation Compass gegenübergestanden hatten. Die indische 4. Division konnte zwar am 22. November die Stellungen der Achsenmächte bei Sidi Omar einnehmen, erlitten dabei aber große Verluste an Material, so dass der weitere Vormarsch zunächst stockte. Der Angriff der Neuseeländischen Division auf Bir Ghirba wurde hingegen abgewiesen, worauf diese am 23. November nach Norden auswich. Die 5. Brigade der Neuseeländischen Division nahm schließlich Stellung bei Fort Capuzzo und Sollum. Die 6. Brigade wurde angesichts der zunehmenden Probleme des XXX. Korps zu dessen Unterstützung nach Nordwesten in Marsch gesetzt, während die 4. Brigade in einem Bogen die Kämpfe bei Sidi Rezegh nördlich umgehen sollte um direkt auf Tobruk vorzustoßen.

Gegenangriff der Achsenmächte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem das XXX. Korps zum Rückzug gezwungen worden war und das XIII. Korps anscheinend in unentschiedenen Kämpfen mit den Grenzgarnisonen der Achsenmächte verwickelt war, entschied Rommel am 23. November, dass es an der Zeit für einen Gegenangriff war. Er ließ die 21. Panzer-Division in südöstlicher Richtung vorstoßen, während die 15. Panzer-Division gegen die vermuteten feindlichen Truppen vor Bardia vorgehen sollte. Dazwischen sollte die italienische Division “Ariete” in Richtung Fort Capuzzo marschieren. Das XXX. Korps zog sich nach Süden und Westen vor der 21. Panzer-Division zurück, während diese schließlich nach Osten einschwenkte und gegen die alliierten Stellungen bei Sidi Omar vorging und dabei heftige Verluste erlitt. Die Division rückte anschließend südlich der Grenze in Richtung Halfaya vor um die dort stationierten italienischen Truppen zu unterstützen. Die 15. Panzer-Division traf schließlich vor Bardia ein um dort feststellen zu müssen, dass sich keine nennenswerten feindlichen Truppen mehr vor der Stadt befanden. Die neuseeländische 5. Brigade konnte bei Fort Capuzzo ihre Stellungen gegen die Division “Ariete” und schließlich auch die eintreffende 21. Panzer-Division halten.

Rommels Gegenangriff war damit weitgehend ins Leere gelaufen. Dem alliierten XXX. Korps war es gelungen seinen Verfolgern unbeobachtet westlich auszuweichen und die neuseeländische 4. und 6. Brigade waren jeweils unbemerkt an der ihnen entgegenkommenden 15. Panzer-Division in Richtung Tobruk marschiert. Zugleich standen die Panzerdivisionen der Achsenmächte beständig unter alliierten Luftangriffen, die fortlaufend zu Verlusten führten. Auch die Versorgungslage der Panzerdivisionen war mittlerweile prekär. Viele Panzer waren durch Gefechte und die harten Umweltbedingungen ausgefallen, Munition und Treibstoff fast erschöpft. Spätestens am 27. November wurde überdeutlich, dass der Gegenangriff fehlgeschlagen war und kein entscheidender Sieg errungen werden konnte und Rommel befahl den Rückzug auf die Belagerungsstellungen vor Tobruk. Auf dem Rückmarsch traf die 21. Panzer-Division bei dem zuvor umgangenen Sidi Azeiz auf das Feldhauptquartier der 5. Brigade der Neuseeländischen Division und konnte dieses in harten Gefechten schließlich überwinden. Etwa 700 neuseeländische Soldaten gingen in Gefangenschaft, während ein Großteil der Fahrzeuge der Brigade sich erfolgreich absetzen und zurückziehen konnte.

Das alliierte XXX. Korps nutzte derweil die Pause, um sich wieder neu zu formieren und die verlorene Ausrüstung zu ersetzen. Seit dem 25. November intensivierten sich die Kämpfe bei Tobruk erneut. Dort hatte die 4. Brigade der Neuseeländischen Division schließlich von Osten kommend die Stadt erreicht und geriet in Gefechte mit den italienischen Belagerern. Es gelang ihnen schließlich, sich zusammen mit der 6. Brigade bis Sidi Rezegh durchzukämpfen und dieses wieder unter alliierte Kontrolle zu bringen. Die Tobruker Garnison, die britische 70. Division, nahm daraufhin ihre offensiven Aktionen wieder auf und versuchte erneut eine Verbindung zu den Entsatztruppen herzustellen, was am 27. November schließlich auch gelang.

Der zweite Vorstoß auf Tobruk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 25. November traf Claude Auchinleck, mit Alan Cunningham, dem Kommandeur der 8. Armee zusammen. Cunningham hatte in den vergangenen Tagen mehrfach auf einen Abbruch der gesamten Operation gedrängt, während Auchinleck ein offensiveres Vorgehen befürwortete. Auchinleck kehrte am 26. November ins Hauptquartier nach Kairo zurück und entband nach Rücksprache mit seinen Vorgesetzten Cunningham einen Tag später von seinem Kommando. An seine Stelle übernahm Neil Ritchie die 8. Armee.

Auf dem Rückweg nach Tobruk gerieten die Panzerdivisionen der Achsenmächte bei Bir el Chleta am 27. November in erneute Gefechte mit den reorganisierten Verbänden des XXX. Korps, die wieder auf Tobruk vorrückten. Den mittlerweile erschöpften deutschen und italienischen Truppen, die zudem unter ständigen Luftangriffen durch die Royal Air Force litten, fiel es zunehmend schwerer, sich gegen die alliierten Verbände durchzusetzen. Die schweren Kämpfe zwischen beiden Seiten wurden auch am nächsten Tag fortgeführt, wobei es weder den auf Tobruk zuströmenden Panzerverbänden noch den an der Bresche durch den Belagerungsring kämpfenden Verbänden beider Seiten gelang, die Situation zu den eigenen Gunsten zu wenden. Allein die italienischen Verbände konnten am 28. November mit der Einnahme eines größeren Feldlazaretts der neuseeländischen Division einen Erfolg verbuchen.

Am 29. November beschloss Rommel, die Panzerdivisionen vom XXX. Korps zu lösen und stattdessen direkt in die Kämpfe am Belagerungsring um Tobruk einzugreifen. Sein Ziel war es, die von außen kommenden neuseeländischen Verbände einzukreisen und zu vernichten. Bis zum Abend konnte Sidi Rezegh erneut eingenommen werden und auch in den folgenden beiden Tagen konnten sich die Achsenmächte schließlich bis zu den neuseeländischen Verbänden vorkämpfen. Bei Ed Duda erlitt die 15. Panzer-Division allerdings starke Verluste durch die dort stationierte britische 70. Division und Rommel zog sie schließlich nach Bir Bu Creimisa zurück. Am 1. Dezember zogen die Achsenmächte den – allerdings bei Ed Duda noch offenen – Kessel zusammen um die beiden neuseeländischen Brigaden zu vernichten.

Die gepanzerten Verbände des XXX. Korps hatten in den Tagen zuvor kaum in die Kämpfe eingegriffen. Nun erhielten sie ausdrücklichen Befehl, den Neuseeländern zu Hilfe zu kommen. Aufgrund einer Reihe von Missverständnissen, gingen die alliierten Kommandeure vor Ort allerdings davon aus, dass der Korridor durch den Belagerungsring aufgegeben und vornehmlich der Rückzug der neuseeländischen Division gedeckt werden solle. Unter heftigen Gefechten gelang dieser in den Abendstunden auch und die alliierten Truppen zogen sich ein weiteres Mal von Tobruk zurück.

Entscheidung vor Tobruk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 2. Dezember erschien es Rommel zunächst so, als ob die Schlacht um Tobruk nun endgültig entschieden wäre. Zwar hielt die britische 70. Division ihre Position bei Ed Duda, alle zum Entsatz herangeführten alliierten Truppen befanden sich allerdings zum zweiten Mal auf dem Rückzug. Erneut galt Rommels Sorge den von den Alliierten belagerten und von der Versorgung abgeschnittenen Grenzgarnisonen. Um diese freizukämpfen plante er einen weiteren Vorstoß mit den ihm verbliebenen Truppen in Richtung Grenzgebiet. Als Voraustruppe wurden zwei Aufklärungskommandos entsandt, die Gruppe Geissler in Richtung Bardia und die Gruppe Knabe in Richtung Fort Capuzzo. Beide Kommandos wurden von den Alliierten gestoppt: Die Gruppe Geisler traf überraschend auf Teile der neuseeländischen 5. Brigade und musste sich unter schweren Verlusten zurückziehen. Der Vormarsch der Gruppe Knabe wurde von Teilen der indischen 4. Division gestoppt.

Nahezu alle Panzer des Afrikakorps waren in Reparatur oder ganz ausgefallen, einzig die italienische Division “Ariete” verfügte noch über kampffähige Panzerfahrzeuge. Angesichts dieser nahezu völligen Erschöpfung und des Scheiterns eines Angriffs auf Ed Duda am 4. Dezember entschied Rommel schließlich, alle Kräfte östlich von Tobruk abzuziehen und seine Truppen im Westen der Stadt zusammenzuziehen und sich ganz auf das südlich stehende XXX. Korps der Alliierten zu konzentrieren.

Die erbitterten Kämpfe wurden bis zum 6. Dezember fortgeführt. Die alliierte indische Division erlitt bei Angriffen auf einen strategisch wichtigen Hügel schwerste Verluste und musste sich annähernd zerschlagen zurückziehen. Den Achsenmächten gelang es wegen der Erschöpfung der eigenen Kräfte nicht, die Situation auszunutzen. Am Abend des 6. Dezember wurde Hermann Neumann-Silkow, der Kommandeur der 15. Panzer-Division, schwer verwundet und erlag am 9. Dezember im Lazarett seinen Verletzungen.

Die Gazala-Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückzug der Achsenmächte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 7. Dezember ging die alliierte 4. Gepanzerte Brigade gegen die 15. Panzer-Division vor, wobei elf weitere deutsche Panzer zerstört wurden und der ohnehin bereits stark dezimierte Bestand weiter schrumpfte. Da mittlerweile für Rommel kaum noch Aussicht bestand, vor Tobruk einen Erfolg gegen die alliierten Truppen zu erringen, beschloss er noch am gleichen Tag, seine Truppen auf das etwa 15 km weiter westlich liegende Gazala zurückzuziehen. Italienische Etappenverbände hatten die Positionen dort bereits zuvor vorbereitet und verstärkt. Die ersten Verbände der Achsenmächte trafen bereits am folgenden Tag an der neuen Verteidigungslinie ein. Am 10. Dezember schließlich hatten die Alliierten Tobruk und die Umgebung vollständig unter Kontrolle. Die im Raum Sollum-Bardia-Fort Capuzzo verbliebenen Truppen der Achsenmächte waren nun endgültig von jeder Versorgung abgeschnitten, hielten ihre Positionen aber zunächst weiter.

Angriff auf die Gazala-Linie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neil Ritchie nutzte die Tage nach dem Entsatz von Tobruk, um seine Truppen neu aufzustellen. Die stark geschwächte südafrikanische Division wurde dem XXX. Korps zugeschlagen, das die verbliebenen Positionen der Achsenmächte zwischen Bardia und der libysch-ägyptischen Grenze überwältigen sollte. Dem XIII. Korps wurden für den bevorstehenden Angriff auf Gazala die 7. Gepanzerte Division sowie die indische 4. Division und neuseeländische 5. Brigade zugeschlagen.

Am 13. Dezember begann das alliierte XIII. Korps seinen Angriff auf die Gazala-Linie und wurde am 14. Dezember noch zusätzlich durch die aus Tobruk herangeführte polnische Brigade unterstützt. Den Alliierten gelang es zwar, einige Positionen einzunehmen und die Achsenmächte insgesamt unter enormen Druck zu setzen, einen Durchbruch konnten sie aber nicht erreichen. Ein deutsch-italienischer Gegenangriff am 15. Dezember konnte einige der verlorenen Stellungen wieder zurückgewinnen. Die Kämpfe an der Gazala-Linie waren erneut von großer Härte geprägt und führten beide Seiten an den Rand der völligen Erschöpfung. Am 16. Dezember konnte das gesamte Afrika-Korps nur noch acht deutsche und etwa 30 funktionsfähige italienische Panzer ins Feld führen. Angesichts dessen ließ Rommel seine Truppen in der Nacht zum 16. Dezember erneut zurückziehen, diesmal bis zum weit entfernten westlichen Ende der Kyrenaika, nach El Agheila. Die Anweisung Ritchies, den Rückzugsweg abzuschneiden, scheiterte letztlich am zögerlichen Vorgehen der alliierten Kommandeure vor Ort.

Fall der verbliebenen Garnisonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rommel war bis zu den letzten Gefechten vor Tobruk Anfang Dezember davon ausgegangen, dass er die alliierten Truppen würde besiegen können. Dementsprechend wurden keine Vorbereitungen getroffen, die verbliebenen Garnisonen der Achsenmächte bei Bardia, dem Halfaya-Pass und im Raum Sollum rechtzeitig zu evakuieren. Mit dem notwendig gewordenen Rückzug nach Gazala und der anschließenden Räumung der Kyrenaika waren die Garnisonen endgültig abgeschnitten. Da sie zu schwach waren sich eigenständig auf den langen Rückweg bis nach Westlibyen zu machen, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zunächst in den Stellungen einzugraben und auf Entsatz zu warten.

Das alliierte XXX. Korps machte sich in den folgenden Wochen daran, die restlichen Garnisonen einzeln auszuschalten. Bei den Angriffen ließ sich das alliierte Oberkommando Zeit, um weitere Verluste zu minimieren. Die Garnisonen der Achsenmächte waren ohnehin von der Versorgung weitestgehend abgeschnitten, so dass ihre Kapitulation nur eine Frage der Zeit war. Die 7000 Mann starke Garnison von Bardia kapitulierte schließlich am 2. Januar 1942 nach einem Angriff der südafrikanischen Division. Sollum fiel am 12. Januar nach einem kurzen aber heftigen Gefecht. Am längsten hielten die 5000 Mann der italienischen “Savona”-Division am Halfaya-Pass durch. Erst am 17. Januar, nachdem alle Nahrungsmittel und insbesondere die Wasservorräte aufgebraucht waren, kapitulierte die Garnison. Die Alliierten hatten damit die volle Kontrolle über das östliche Libyen erreicht.

Rommels Gegenangriff und Patt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von der vorangegangenen Offensive angeschlagene XIII. Korps hatte sich bei dem Versuch die Kyrenaika zu besetzen weit verteilt. Zudem wurden die Nachschublinien für die Alliierten stetig länger, während die der Achsenmächte sich hingegen verkürzten. In typischer Manier wandelte Rommel einen am 21. Januar 1942 gestarteten und zunächst nur zur Aufklärung gedachten Vorstoß in eine großangelegte Offensive, als sich der alliierte Widerstand als nur schwach herausstellte. Am 28. Januar eroberten die Achsenmächte Bengasi zurück. Am 3. Februar erreichte das Afrikakorps schließlich Timimi und setzte erneut zur Offensive auf Tobruk an. Am 4. Februar gelang es den Alliierten allerdings den erneuten Vorstoß Rommels bei Gazala zum Stehen zu bringen. Nun setzte ein Patt ein, bei der beide Seiten sich eingruben und auf offensive Aktionen verzichteten, um die eigenen Kräfte nach den Anstrengungen der vorangegangenen Monate wieder aufzubauen.

Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Patt bei Gazala setzte eine mehrmonatige Kampfpause ein, bei der es nur sporadisch zu Gefechten kam. Beide Seiten hatten sich in den Kämpfen stark verausgabt und waren nur noch zu begrenzten Aktionen in der Lage. Auch wenn die alliierten Geländegewinne überschaubar blieben, war die Operation Crusader ein äußerst wichtiger Erfolg für die Alliierten. Auchinlecks und Ritchie hatte mit ihrem entschlossenen Vorgehen die Bedrohung Ägyptens und des strategisch überragend wichtigen Suezkanals durch die Achse zunächst beseitigt. Noch wichtiger aber war vielleicht der Beweis, dass das Afrikakorps und damit die deutschen Truppen geschlagen werden konnten. Die Operation Crusader war der erste wichtige Sieg, den die alliierten Truppen gegen die Wehrmacht zu Land erringen konnten und in Bardia kam es zum ersten Mal während des Zweiten Weltkrieges zur Kapitulation und Übergabe einer Garnison unter dem Kommando eines deutschen Generals. Insbesondere die alliierten Verteidiger Tobruks, die die Stadt etwa sechs Monate erbittert gegen alle Angriffe der Achsenmächte gehalten hatten, wurden in der Öffentlichkeit zu einem wichtigen Durchhaltesymbol für den Widerstand gegen die Achsenmächte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zu den Verlusten der Achsenmächte vgl. Stumpf S. 587
  2. French, David (2001) [2000]. Raising Churchill's Army: The British Army and the War Against Germany 1919–1945. Oxford: Oxford University Press. ISBN 978-0-19-924630-4.
  3. Butler, D. “Field Marshal: The Life and Death of Erwin Rommel.” Casemate Publishers, 2015, ISBN 9781612005669
  4. Pitt, B. “The Crucible of War: Auchinleck’s Command.” The Definitive History of the Desert War. Cassell & Co, 2001., S. 24-26
  5. Pitt, B. “The Crucible of War: Auchinleck’s Command.” The Definitive History of the Desert War. Cassell & Co, 2001., S. 30-38

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Operation Crusader – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien