Opisthokonta

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Opisthokonta
Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae), infiziert mit dem Pilz Pandora neoaphidis. Beide Arten gehören den Opisthokonta an.

Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae),
infiziert mit dem Pilz Pandora neoaphidis.
Beide Arten gehören den Opisthokonta an.

Systematik
Klassifikation: Lebewesen
Domäne: Eukaryoten (Eukaryota)
ohne Rang: Amorphea
Supergruppe: Opisthokonta
Wissenschaftlicher Name
Opisthokonta
Caval.-Sm.1987, emend. Adl et al. 2005

Die Opisthokonta (griechisch für „Hinterpolige“, wegen der Position der Geißel) sind eine der Gruppen von Eukaryoten, also Lebewesen mit Zellkernen. Zu ihnen gehören vor allem die Vielzelligen Tiere (Metazoa) und die Pilze (Fungi) sowie einige Gruppen einzelliger Organismen.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Opisthokonta sind morphologisch und in ihrer Lebensweise sehr vielfältig und haben kaum gemeinsame Merkmale. Neben den Metazoa und Pilzen umfassen sie auch Flagellaten wie die Kragengeißeltierchen und Amöben. Nach einer Kurzbeschreibung von Adl & al. haben die Opisthokonta zumindest in einem Entwicklungsstadium typischerweise Zellen mit einem einzelnen posterior liegendes Cilium ohne Mastigonemata, das allerdings auch sekundär verloren gegangen sein kann. Außerdem besitzen die Zellen ein Paar Kinetosomen oder Zentriolen, die abgewandelt sein können.[1][2]

Die namengebende Geißel am Hinterende ist ein evolutionär ursprüngliches Merkmal, das die Opisthokonta von anderen Lebewesen unterscheidet, bei denen zusätzlich eine oder mehrere Geißeln am Vorderende sitzen, die in der Stammlinie zu den Opisthokonta verloren gegangen sind.[3] Innerhalb der Opisthokonta ist die Geißel jedoch mit den Dikarya, Discicristoidea, Ichthyophonida und Capsaspora owczarzaki in mindestens vier Abstammungslinien verloren gegangen,[4] sie fehlt entsprechend bei den meisten Pilzen mit Ausnahme der Flagellatenpilze.[5]

Ein ursprüngliches Merkmal ist auch die Bildung von Chitin und damit das Vorhandensein von Chitinkinasen.[4]

Innere Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstbeschrieben wurde das Taxon 1987 von Thomas Cavalier-Smith; der Name wurde vorher einige Male von diesem Autor (gemeinsam mit Ema Chao) erwähnt, aber nicht formal beschrieben. Vorher (1956) wurde er schon einmal von Herbert Copeland als Name für die Chytridiomycetes im weiteren Sinne verwendet. Im Jahr 2005 wurde er von einer Arbeitsgruppe (Adl und Kollegen) in ihr Referenzwerk für die Phylogenie der Eukaryoten, das weithin als Standardwerk akzeptiert ist, übernommen, im Sinne der phylogenetischen Systematik wurde darin auf klassische Rangstufen verzichtet. Die Gruppe gliederte die Opisthokonta noch direkt in vier Gruppen:[1]

In einer Folgebearbeitung 2012 revidierten die Autoren die Gruppe jedoch mit dem Ergebnis der Neubeschreibung zweier neuer Taxa, in welche die bisherigen Gruppen einsortiert wurden. Außerdem wurden einige, wenig bekannte, einzellige Gruppen aus den Mesomycetozoa ausgegliedert (Nuclearia zu den Nucletmycea, Ministeria und Capsaspora zu den neu aufgestellten Filasterea, Corallochytrium und die Aphelidea in eigene Kladen):[2]

Die Gruppe der Aphelidea wurde in späteren Untersuchungen von den Holozoa zu den Nucletmyzea transferiert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Adl SM, Simpson AGB, Farmer MA, Andersen RA, Anderson OR, Barta JA, Bowser SS, Bragerolle G, Fensome RA, Fredericq S, James TY, Karpov S, Kugrens P, Krug J, Lane CE, Lewis LA, Lodge J, Lynn DH, Mann DG, McCourt RM, Mendoza L, Moestrup Ø, Mozley-Standridge SE, Nerad TA, Shearer CA, Smirnov AV, Spiegel FW, Taylor MFJR: The New Higher Level Classification of Eukaryotes with Emphasis on the Taxonomy of Protists. In: Journal of Eukaryotic Microbiology. 52, 2005, S. 399-451. PMID 16248873.
  2. a b Adl, S. M., Simpson, A. G. B., Lane, C. E., Lukeš, J., Bass, D., Bowser, S. S., Brown, M. W., Burki, F., Dunthorn, M., Hampl, V., Heiss, A., Hoppenrath, M., Lara, E., le Gall, L., Lynn, D. H., McManus, H., Mitchell, E. A. D., Mozley-Stanridge, S. E., Parfrey, L. W., Pawlowski, J., Rueckert, S., Shadwick, L., Schoch, C. L., Smirnov, A. and Spiegel, F. W.: The Revised Classification of Eukaryotes. Journal of Eukaryotic Microbiology, 59: 429–514, 2012, PDF Online
  3. Thomas Cavalier-Smith, Ema E. Chao, Elizabeth A. Snell, Cédric Berney, Anna Maria Fiore-Donno, Rhodri Lewis: Multigene eukaryote phylogeny reveals the likely protozoan ancestors of opisthokonts (animals, fungi, choanozoans) and Amoebozoa. Molecular Phylogenetics and Evolution 81, 2014; S. 71–85. doi:10.1016/j.ympev.2014.08.012
  4. a b Guifré Torruella, Alex de Mendoza, Xavier Grau-Bové, Meritxell Antó, Mark A. Chaplin, Javier del Campo, Laura Eme, Gregorio Pérez-Cordón, Christopher M. Whipps, Krista M. Nichols, Richard Paley, Andrew J. Roger, Ariadna Sitjà-Bobadilla, Stuart Donachie, Iñaki Ruiz-Trillo: Phylogenomics Reveals Convergent Evolution of Lifestyles in Close Relatives of Animals and Fungi: Phylogenomics Reveals Convergent Evolution of Lifestyles in Close Relatives of Animals and Fungi. Current Biology 25, 2015; S. 2404–2410. doi:10.1016/j.cub.2015.07.053
  5. Jane Reece & al.: Campbell Biologie. 10. Aufl., Pearson, Hallbergmoos 2016, S. 858f.